Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1929)
- Date
- 1929-07-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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18. Juli 1929. Der Israelit Blätter Nr. 14 Seite 3 Da jbte lokalen Verhältnisse in Elberfeld besonders ungünstig find, wird sich die Arbeit sehr schwierig gestalten. Dem Vorbeter, den die hiesige Gemeinde Adas- Jeschurun voraussichtlich in Stürze einstellen wird, soll die «Leitung der Elberfelder Agudoh-Gruppe übergeben werden. Als vorläufige Führerinnen unserer Ortsgruppe wurden 'Frau Baruch Levy und Frau Alice .ftnpfermann gewählt. Wir hoffen, daß es uns gelingen wird, jüdische junge Menschen, die leider im Elternhaus echtes jüdisches .Milieu ientvehren müssen, durch Heimabende, belehrende Vorträge und Veranstaltungen, zur Kenntnis zu bringen, daß fnur das von uns erstrebte Judentum uns im Eolns Zusammenhalten kann. Wollen wir in Elberfeld unsere Agudoh - Arbeit , mit frischem Mut und G'rtessegen beginnen. -- A. K. Leipzig., In dem Bericht Nr. 11 der „Blätter" über den Leipziger Delegierientag sind folgende Ergänzungen vorzunehnren: Als Schriftführer fungierte auch Herr Rosen- Franlfurta. M. In den Landesverband wurde außer den in dem ersten Bericht aufgeführlen Herren auch Herr Dr. H a l l e m a n n - Leipzig wiedergewählt. Die «Agudas Jisroel-Jugendorganisanon delegierte als 3. Vertreter in den Landesvorfland Herrn Rechtsanwalt Jfaac Rosen he im. Zürich. Am 23. Juni fand in Zürich der ordentliche Delegierteutag der schweizerischen Aguoa statt. Hr. A. W. Rosenzweig (Zürich) begcügte als Präsident die zahlreich (erschienenen Delegierten und teilte u. a. mit, daß Rad i. £Dr. X. Lewenstein und Konsul Sally Euggenheim (Basel) (infolge Abwesenheit iin Ausland an der Tagung nicht zeilliehmen können. Als Tagesprüjwe-it wurde Dr. meo. Rob. Euggenheim (Luzern) gewählt. Aus dem Tätigkeitsbericht des Präsidenten Rosenzveig ging eine sehr rege Aguvaarbeit in der Schweiz, sowohl aus ideellem wie auch aus geistigem und philanthropischem Gebiete, hervor. Er wies darauf hin, daß der Thorageist in der Schweiz immer mehr verbreitet wird, dank des Einflusses der Jefchiwah in Montreux, die bereits über 50 Zöglinge zählt, und die von Hrn. Botschko so vorzüglich geleitet wird. Hr. M. Weinstein (Zürich) berichtete über das Kassawesen des Keren Hathora, aus welchem ein Uamhafter Betrag für die Jefchiwah in Montreux geleistet wurde. Hr. A. Heiselbeck (Zürich) erstattete darauf den Kassabericht der schweizerischen Palästinazentrale,- hieraus referierte Hr. L. Sternbuch (St. Gallen) über die Aguda - Jugendorganisation in der Schweiz. Es wurde dann jällen Ressorts Decharge erteilt und speziell Hrn. Heiselbeck für seine mustergültige Arbeit gedankt. Die Neuwahlen ergaben dann aus Antrag des Tagespräsidenten die Bestätigung sämtlicher bisheriger Amtsinhäber. Da Hr. Rosenzweig aus triftigen Gründen kategorisch die Beibehaltung der Geschäftsleitung ablehnen mußte, erklärte sich Hr. Mar Mannes (Zürich) bereit, sämtliche laufenden Geschäfte zu erledigen. Hr. Eh. I. Eiß (Zürich) referierte hierauf über die Tagesordnung der Kenessio Gedaulo. Infolge vorgerückter Zeit beschränkte er sich auf die Besprechung einiger Punkte, speziell nahm er Stellung zu dem §^4 des Organisationsstatutes und die Jewish Agency. 'Zu § 4, der die 'Wählbarkeit von Agudamitgliedern. in die leitenden Organe normiert, meinte der Referent, daß dieser Paragraph beibchalten werden, die Interpretierung aber dem laudesrabbinischen Aate überlassen werden solle, wenn es sich um Mitglieder handelt, die lokalen oder Landes-, nicht agudistischen Organisationen angehören; bei Mitgliedern von (nicht agudistischen Weltorganisationen solle der Große Rabbinische Rat entscheiden. Bezüglich der Jewish Agency wies der Referent u. a. auf die Tatsache hin, daß die Agudas Jisroel als solche von der Zion. Org., welche die Ausgabe hat, sämtliche Institutionen und Organisationen zur Teilnahme einzuladen, als die einzige selbständige Weltorganisation nicht eingeladen worden ist. Er betonte, daß die Ursache darin liege, vor der Oeffentlichkeit die Anerkennung einer selbständigen Weltorga- Es (kommt aber ganz auf die Betrachtungsweise ,an. Die deutschen Spietzjuden, die von den „Oppenheim'schen Bildern", die Leutchen aus Mainstadt und Friedberg werden in Rabbiner Hirsch, so sie ihn noch manchmal flüchtig überfliegen, wenig mehr ersehen, als das, was ihnen ganz speziell genial vorkommt und das, was sie hier und da zu verstehen sich einreden. Wohl ihnen. Jedem das Seine! — Das alles ist nur westlich. — heutige Erscheinungsform von Hirsch. Aber Hirsch?! Rein, Airsch ist das Gegenteil von all dem. Er hat in seiner Epoche rotes, frisches, lebenzeugendes Blut in die verkalkten Arterien des jüdischen Organismus hineingetrieben. ß, N. Hirsch war ein revolutionärer Erbauer und Erziehungskünstler in der heiligsten und unberührtesten (Bedeutung des Wortes. — Es dreht sich ja hier (nicht um das Was, vielmehr um das Wie. Denn wer mit judentumshungrigen Augen an S. R. Hirsch herantritt, dem ist die Persönlichkeit und ihr Niederschlag in den Monumentalwerken (Chaurew und Pentateuchkommentar) so wesensnah und springlebendig, selbst ohne daß man sich genötigt fühlt, rem sachlich all dem von (ihm Gedachten und Erforschten zuzustimmen. Der durch und durch heutige Osten wird Hirsch jüdischer dhrichtiger erfassen können als unser ewig gestriger .Westen. Sie schauen dem „Godaul" S. R. Hirsch ehrfürchtig und antwortheischend in die Augen. Herr lSiegmund Forst sollte dies auch tun. Ihm ist der Kanal dieser Möglichkeit keineswegs verstopft. Er dürstel nisation (nicht aussprechen zu müssen. Die Zion. Organisation versuchte zwar in den vereinigten religiösen Agudablock Breschen zu schlagen und einzelne Mitglieder zur Teilnahme an der Jewish Agency als Privatpersonen zu bewegen. (Sämtliche Eingeladenen haben aber bis auf einen abgelehnt und warten auf die Beschlüsse des Rabbinischen Rates. Ungeachtet der nicht erfolgten Einladung, meinte Hr. Eiß, sei es Pflicht der Aguda, die Jewish Ageucy-Beteiligung durch den Rabbinischen Rat nach der religiösen Und durch die Kenessio Gedaulo nach der politischen Seite prüfen zu lassen, damit eine einheitliche Stellungnahme der selbständigen religiösen Orthodoxie erfolgen (kann. An die Ausführungen des Referenten schloß sich eine Diskussion, an der teilnahmen der als Gast anwesende Rabbiner Dr. Bohrer (Gailinge n), Kornsein (Zürich), Brom (Luzern), Dr. Robert Guggeuheim, Em. Herz '(beide Luzern), Sternbuch sen. (St. Gallen)^ Max Mannes und Lewenstein jun. (Zürich). Hieraus folgten die Wahlen der Delegierten zur Kenessio 'Gedaulo; einstimmig wurden gewählt die Herren Rabb. A. Kornfein (Zürich),S. Brom (Luzern) und A. W. Rosenzweig (Zürich).s Warschau. Die Hauptleitung der Zeire Agudas Jisroel hielt dieser Tage eine Sitzung ab, in der die Stellung der Jugend zu den Vorbereitungen für die bevorstehende Kenessio Gedaulo und zu den auf der K. G. zu erörternden sachlichen Problemen behandelt wurde. Referate -erstatteten die Herren Frankel und Korngrad. Es wurde beschlossen, eine große Agitation zu entfalten, um (eine beträchtliche Anzahl von Mandaten für die Jugend zu erlangen. Alle Agudah-Gruppen in der Provinz sollen durch die Mitglieder der Leitung besucht werden. Im übrigen befaßt sich die Sitzung mit der Gründung eines orthodoxen Lehrerseminars. Warschau. Die Wahlen zur Kenessio Gedaulo finden in ganz Polen am 20. Tamus statt. Das Wahlregülätiv 'ist allen Ortsgruppen zugegangen. Endtermin für dis Einsendung der Trumas Ehower-Beiträge, die das Wahlrecht verleihen, ist Donnerstag, der 10. Tamus. Warschau. Die bereits gemeldete, erst nach langen und intensiven Bemühungen durchgesetzte Legalisierung des agudistischen Revisionsverbau d e s für die Cooperatioen der Agudah hat in allen interessierten Kreisen lebhafte Befriedigung ausgelöst. Man (verspricht sich eine starke Vermehrung der agudiftischen Eooperatrvbanken und betrachtet damit auch die Voraussetzung gegeben für den Plan einer internationalen (agudistischen Zentralbank, der hoffentlich anläßlich der Kenessio Gedaulo Verwirklichung finden wird. Die unerträglichen Schikanen, die dem religiösen Mittelstand bei den zionistischen Banken und Cooperatioen gemacht worden sind, lassen die Gründung' agudistischer Banken im Osten als geradezu unerläßlich erscheinen. Postscheck - Konto 1 der Laudesorganisation: Landesorganisation der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hamburg: No. 50204 Hamburg. S. R. Hirsch und seine unberufenen Interpreten und Propheten (auseinander halten können. Gewiß, ^Hirsch" darf kein Modeartikel werden. Auch im -Osten nicht. Keinesfalls. Aber diese Gefahr ist heuer kaum vorhanden. Herr Forst sieht ja auch von anderer Richtung her die Gewitterwolken sich nähern. Hirsch ist ihm zu philiströs. Wie gesagt — allen Ernstes, Herr Forst — Haben Sie die Bücher und Aufsätze Hirschs alle durchgelesen und ,durchstudiert, dann sind Sie das Opfer einer — sagen wir — optischen Selbsttäuschung geworden. Sollte jedoch (das erstere nicht der Fall sein, dann, ja dann — dann chatten Sie Ihren Artikel besser ungeschrieben gelassen. Ultra posse nemo tenetur .... V. Wenn es nur wenigstens wahr Ääre! Es sind Einzelne in Polen und Litauen — wenn auch recht wertvolle (Einzelne — die den Kurs auf Rabbiner Hirsch nehmen. Den meisten ist er leider noch fremd und unbekannt. -— Vielleicht soll man, wenn der Osten nicht zu Hirsch kommt, Hirsch zum Osten kommen lassen?'. Wie wäre es mit einer lieber fetzung der Hirschschen Hauptwerke in Hebräisch??! Eine Ehrenschuld, die das deutsche Judentum abzutragen hätte 1 S. (R. Hirsch auf Hebräisch! Das hat auch noch einen tieferen Sinn. — Die , Oppenheim'schen Bilder - Menschen schütteln bedenklich die Köpfe. Hirsch ist ihnen nichts Aufregendes Duisburg. Mehr als jeher ist es das Bedürfnis führender gesetzestreuer Juden, alle Orthodoxen des jüdischen (Volkes mit einem Band zusammenzufchließen, um gemem,am oen Kampf 'gegen Assimilation und Verleugnung des jüdischen Glaubens zu führen. So wurde am Sonntag, den 9. Juni, in Duisburg eme (,,Agudas Jisroel-Eruppe" jns 'Leben ge-« ruffen. Be; der Gründung waren Vertreter der Dortmunder (und Düsseldorfer Gruppen anwesend. Fast alle orthodoxen Ostjuden begrüßten den Gedanken der „durchgreifenden Organisierung des ganzen jüdischen Volkes äks Thora-Nation und Lösung der jeweiligen jüdischen Ge- (amtheltsaufgaben im (Seifte der Thora", und find bereits der Gruppe beigerröten. Besonderes Interesse wendet Agudas Jisroel der Jugend, dem Träger der jüdischen Zukunft, zu. Es wurde deshalb auch am Sonntag, den 21., eine Jungen d g r u p p e gegründet. Die Jugendgruppe, die die gesetzcstreue Jugend Duisburgs unter ihrem Banner'sammelt, hat sich zur Aufgabe geniacht, ihre Mitglieder zu bewußten, treuen, jüdischen Menschen ganz im Sinne und nach dem Ideal der Thora zu erziehen, sie mit echtem jüdischen 'Geist zu erfüllen und vor allen schädlichen Einflüssen des Zeitgeistes zu bewahren. „Sie soll nicht einen Verein, einen Zweckverband, dessen Bedeutung sich in der Verwirklichung irgendwelcher praktischer Einzelzweck erschöpft, schaffen, sie soll einen Bund schließen im Zeichen des Gesetzes, zur Hingebung au Gott, zur Adelung der jüdischen Herzzen, zur Pflege gottesebenöiidlicher, keuscher Schönheit." Es möge dieser Arbeit bald gelingen, das Ideal: „L'hoschiw lew bonim al a*waussom" in die Tat umznsetzen. S. F. der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt, Postscheckkonto Frankfurt a. M., Nr. 53 900. Keren Erez Jisroel (Schlllfond). Ailschwil: Sally Euggenheim, Ablösuugskarten an Königshöfer, Fürth 3; Teplitz, Zürich 3; N. Stern, Berlin 3; zus. 9; dch. Sally Euggenheim: Hochzeit Löwenstein-Goldschmidt 3. Aschasfenburg: Arnold Rosenthal 10. Bad Mergentheim: Jakob Fröhlich 10. Bad Schwalbach: Kätz 4. Bedzin: (dch. Bims 'Agudas Jisroel 60. Berlin: dch. Rosa Gottgeher- 7,02; Dr. Emil Hirsch 200; "Nasa -Gottgeher 1,80; Moritz Merzbach 10; Ludwig Vier 'anläßlich der Bris-Miloh seines Enkels 100; dch. Palästina-Lomitce Raüsch-Chaudesch-Spende 2C0. Breslau: Hugo Friedläuder 3; dch. Ivan Möller Rausch- Chaudesch-Spende der Ortsgruppe 99,50; Pinchas Synagoge 20; zus. 119,50; dch. Frau Jedwab für die Mädchenschulen in Tiberias 150. Brückenau: dch. Lehrer Gundersheimer verschiedene Spenden 31,39; Frau Kahn 10; Frau Löb Eoldner, Zeitlofs 10; zus. 51,39. Burghaslach: dch. Rosa Massenbacher 9; dch. den Verband gesetzestreuer jüd. Jugendvereine Bayerns von Frl. Rosa Massenbacher 15,35. Burgpreppach: Leopold Traub u. Elias Berney für R. M. B. H. 5; Schaare Zedek 13; Madnas Jad für Erez Jisroel 2; von Frau Ullmann Wwe. für Madnas Jad für Erez Jisroel 6; zus. 26; Rabb. Dr. Mar Ephraim 5; Siegln. Blum 1; Gustav Kahn, Maraldschweisach für R. M. B. H. 10; zus, 16. Cernauu: dch. A. D. 'Bäbad 155. Darmstadt: dch. Rabb. Dr. Merzbach: B. Baer 3; Dr, Merzbach 20; Frau Dr. M. Marx. 5; N. N. 3; N.N. 2; N. N. 3; 23, Baer 3; N. N. 15; Henschke 10; Hartmann 1; N. N. 1; Dr. Merzbach für Ablösungen 12; N. N. 5; zus. 83. und Wirklich-Wahres, das sich einem in den Weg stellen soll, mit der Aufforderung: „'Setz dich mit mir auseinander!" (Er ist ihnen gestrig uu'o das Bekenntnis zu ihm verpflichtet sie zu — nichts. And so wird er auch weiterhin unübersetzi bleiben. Voraussichtlich. "Im Osten wird Hirsch allmählich wieder jung. Vorerst zwar nur bei ein paar Einsichtigen. Im Westen ist er heute eben nur noch Testament des ehemaligen Führers. Kurz gesagt: im Wessen ist er — nichts Neues. Daran Franken wir. Wir benötigen keine Hirsch-Schwärmer sondern Hirsch- Kenner. -Keine Hirsch-Romantik sondern ehrliche, ehrfürchtige Auseinandersetzung. Die letztere Notwendigkeit zwingt zum logisch-menschlichen Ergebnis der Hirsch-Ilebertragung in die heiliges Sprache. (Sie bedeutet Einrenkung der Persönlichkeit S. R. Hirsch's in die endlose Ahnengalerie der allgemeinjüdischen «Gedaulim. Sie bedeutet vielleicht sogar eine Einrenkung des deutschen Juden in die thoragläubige Klallgesamtheit. - Vielleicht. Wer weiß? Herr Forst nebst den Oppenheim'schen Bilder- Menschen profitieren. Der Eine, weil er die Bourgeoisie haßt, der Andere weil sie sie verkörpern. Der Plan ist zu unheimlich. Beide mißverstehen Hirsch. Beide tun ihm unrecht. Und können ihm dennoch nichts anhaben. Hirsch bleibt Hirsch. Vielleicht die östliche Jugend. Vielleicht unsere Urenkel? Hirsch-Dämmerung.