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Der Israelit · 1929-07-18 · Heft 29 (18.7.1929) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 29 (18.7.1929)
Date
1929-07-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 29 Der I s r a e I i t 18^ Juli 1929 Eine aus alle Fälle nicht gewöhnliche Art, in einer Versammlung vor 5000 Menschen über ein Theaterstück zu Gericht zu sitzen. In Europa, wo man schließlich von Kunst jauch etwas versteht, pflegen dieses die Zeitungen unter dem Striche zu erledigen. Die große Oeffentlich keit hat im täglichen Leben andere Sargen. Wahrschein lich auch in Palästina. ... Die Juden in Afghanistan. 'Ein in Amerika weilender Jude aus Afghanistan macht im Neroyorker „Tog" interessante Angaben über das Leben und die Lage der Juden in diesem heute von -aller Welt genannten innerlich aufgewühlten Lande In ,Afghanistan befinden sich ungefähr 40 000 Juden die sich auf 60 Städte und Dörfer verteilen. Die größte Gemeinde besitzt die Hauptstadt Kabul. Sie üben alle Handwerke aus, besonders betätigen sie sich als Gold-, Silber- und Eisenschmiede. Sie vermitteln aber auch den ganzen Handel im Lande und mit dem Aus lande. Die 2000 Juden in der Hauptstadt dürsten zu den wohlhabensten Juden in Zentralasien gehören. Neben mehreren (Synagogen besitzt die Stadt auch die Ruine einer alten Synagoge. Die Juden gaben an, zur Zeit des Nebukadnezar nach Zerstörung des ersten Tempels in dieses «Land eingewandert zu sein. Was dafür spricht, wäre die Tatsache, daß sie bis zu den letzten Jahren keine Ahnung vom Talmud und von der talmudischen Literatur hatten. Die hielten nur die Grundsätze der Religion wie Milo, Schechita, Sabbat, und auch diese nicht, richtig In letzter Zeit haben jüdische Einwanderer aus Persien einen neuen jüdischen Geist, besonders in die Städte, die an Persien grenzen, hineingetragen. Sie brachten auch Rabbiner -und Schächter mit und talmudische Schriften Die Äußere Lage ist nach orientalischen Begriffen günstig. Die Afghanen sind fanatische Mohammedaner Die Juden wohnen im Ghetto, dessen Tore des Nachts fest geschlossen sind. In der Kleidung zeichnen sie sich nur durch den schwarzen Fez — statt des roten — von den anderen Bewohnern aus. Die Juden behaupten, das sek zum Zeichen der Trauer um Jerusalem. In Wahrheit war ihnen dieses Judenzsichen aufgezwungsn. Vom Militärdienst find sie befreit, müssen aber stattdessen eine eigene, sehr drückende Militärsteuer neben allen änderen Steuern zahlen; in Kriegszeiten wie jetzt, auch noch besondere (Kontributionen. Je näher die Gemeinden an der persischen Grenze liegen, umso stärker ist die jüdische Kultur. Außer dem Achtzehngebet und Schema, die in hebräischer Sprache gebetet werden, sind alle anderen Gebete in persischer Sprache gehalten. Auch die Rabbiner benutzen für ihre Lehryorträge das Persische. . 'Großen Ruf besitzen die Juden als Aerzte. Sie haben zwar 'keine Universität gesehen, die es in diesem Lande lgarnicht gibt, aber sie sollen das „Büch der Heilungen — cm '"Familienvermachtnis — von Vätern und .Urvätern übernommen haben. Apotheken gibt es lm lLande nicht. Der 'Arzt fertigt die Medikamente aus Kräutern selber an und ziHt daraus großen Gewinn. A ni a n u kl a h hatte bei äll ferner fortschrittlichen Gesinnung nie etwas zur Besserung der jüdischen Lage getna. Wie sich jetzt die neuen Dinge, wenn einmal das Land zur Ruhe gekommen ist, für oder gegen die Juden auswirken, bleibt abzuwarten. Wer war Rabbi Rteür baal ha'nes? Der 'Brauch, Spenden zu sammeln und zu geben auf Namen des Rabbi Meiir baal ha'nes ist alt, Noch älter ist der Glaube, daß bei Gefahr oder bei Abhandenkommen wertvoller. Gegenstände Geld gespendet und dabei 'Me Worte gesprochen averden: am ■"m n „Gott des Meiir erhöre mich!" Dieser letztere Brauch wird im Namen des Rabbi Israel Baal Schemtow im Werke r-mn “td angeführt. Es heißt da wörtlich: „Ist jemand in' 'Gefahr und bedarf eines Wunders, so spende er 13 Kreuzer für Lichter zu Ehren des Rabbi Meiir baal ha'nes und spreche das Gebet: O’oa iS» N'VVI 112V n^’sn ns nyspp L2V2 S"1S' »"IN' rrm^i nnnoa d’o^ o’s’isn S>s"iep bo vVi nenn p msVsji 1"'2 JX3K- In einer älteren Quelle, nämlich im Midrasch ni'sWv wird ebenfalls dieses Verfahren als bester Weg zur Wiödsrauffindung des verlorenen Gegenstandes empfohlen. Wer aber war dieser Rabbi Meiir baal ha'nes, dessen Gedenken heute noch Wunderkraft zugesprochen wird? 'Man hat bisweilen allgemein angenommen, daß dieser Rabbi Meiir identisch sei mit dem bekannten Mischnahlehrer, dem großen Schüler Rabbi Mibas und des Ächer, der sich auch als hervorragender Thoraschreiber betätigt 'hat und der neben seiner Thoralehrtätigksit, die sich auf Halacha und Hagada erstreckte, auch 300 Tierfabeln gedichtet hat (t=r*>ynp 'in»)- Die im Volke bei Nennung des Rabbi Meiir gebrauchte Formel wäre dann mit einer wundersamen Begebenheit aus seinem Leben zu erklären. Die Geschichte wird im Traktat Aboda Sara 18 erzählt. _ Eine Schwester seines — ebenfalls bekannten — Weibes Berurja wurde von den Römern m ein Haus der Unzucht verschleppt, und der Schwager, Rabbi Meiir, setzte sich dafür ein, sie' zu befreien. Er stellte ber dem Wächter fest, daß feine Schwägerin die ganze Zeit <um ihre sittliche Reinheit tapfer gekämpft und sie mrt Erfolg verteidigt hätte. Durch Bestechung der Wache gelang les ihm, die Gefangene zu befreien. Als Gefahr für ihn Und sie von den Wächtern drohte, sprach er die Worte: ’W Txm s und sie wurde gerettet. In letzter Zeit wird diese Identität mit dem Mischnahlehrer von Forschern angezweifelt. Der Tanna Rabbi M. dürfte auch nicht in Tiberias gestorben sein, sondern jin Asja, während das Grab des Rabbi Meiir baal ha'nes sich bei Tiberias befindet, wo auch je am 15. Jjar eine „Hilula", ein Fest mit Leuchtfeuern nach Art von Meron, stattfindet. Manche sehen Rabbi Meiir baal ha'nes in Rabbi Meiir ben Izchak p" n dem Verfasser des „Akdomuth", der genug der wundersamen Erlebnisse in feiner Geschichte anfzuroeisen hat. Ein anderer Rabbi Meiir, Sohn Jakobs, kam mit Rabbi Jechiel aus Paris (1100) nad) Palästina.und starb bei Tiberias. Es kann einer von diesen beiden sein. Wie dem auch ist, der 'Name des Räbbi Meiir baal ha'nes hat viele Jahrhunderte anregend auf den jüdischen Wohltätigkeitssinn gewirkt und im Rahmen der Ehaluka auch große und dauernde Werke geschaffen. Die Sammelbüchsen des Rabbi Meiir baal ha'nes waren und find noch allbekannt. Das Grabmal befindet sich in der Nähe der warmen Quellen von Tiberias außerhalb der Stadtmauer und gehört zu einem Teile den Sephardim, zum 'anderen den Aschtenasim, von beiden gleich heilig und in Ehren gehalten. Ainderecke. Ferienfreude. Bon Heinrich Elnstadter. Eigentlich sollte Klara in den Sommerserien an die See gehen. Schon im Winter hatte der Arzt, als er seinen letzten Krankenbesuch machte, recht dringend zur Mutter gesagt: „Im Sommer gehen wir mit dem Kind an die See. Es soll tüchtig baden und sich abhärten, damit es nicht immer wieder von Erkältungskrankheiten heimgesucht wird." Freilich hatte das 14jährige Mädchen schmollend das Mündchen perzogen, als der Doktor es wieder „Kind" genannt hatte. Aber die Verordnung paßte ihm gut, und es freute sich „riesig" auf die drei Wochen am Meeresstrande. Die Eltern waren damals einverstanden. Wer hätte auch schon wissen können, daß die „Amerikaner", die nun feit 10 Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen waren, gerade für den Anfang der Ferien ihren Besuch anmelden würden? „Du bist doch gewiß untröstlich!" meinte Klaras Freundin, Als ihr diese mitteilte, daß ihre Ferrenreise wohl zu Wasser werden sollte. Doch Klara zeigte sich sehr vernünftig und erwiderte mit einem Ausspruche, den sie im Religionsunterricht gehört und der ihren Beifall gefunden hatte: „Auch dies zum Guten!" Pünktlich zu Beginn der Ferien kamen die Amerikaner. Sie wurden feierlich empfangen und herzlich begrüßt. Alles schien nur mehr für sie da zu sein, und es dauerte einige Tage, bis die gegenseitigen Berichte die lange Zeit der zruückliegenden Trennung überbrückt halten und der Rausch der Wiedersehensfreude sich einigermaßen legte. Während dieser Tage hielt sich Klara bescheiden im Hintergründe. Sie ließ den Eltörn und ihren erwachsenen Geschwistern den Vorrang. Die Amerikaner hatten [ie aber nicht übersehen. Ihnen gefiel ganz ausnehmend die ruhige, bescheidene Art des jungen Mädchens, und ie beobachtete mit besonderem Vergnügen, wie es sich überall nützlich machte, ohne daß es eine Aufforderung abwartete oder eine Anerkennung begehrte. Sie zogen es jetzt häufig mit in die Unterhaltung und erkundigten lich bei ihm über seine Neigungen und Wünsche und überdie Art seiner geistigen Beschäftigung. So kamen sie darauf, daß Klara besondere Vorliebe für das jüdische Schrifttum zeigte. Sie erkannten mit Bewunderung, wie bewandert das Mädchen im Hebräischen war, und daß es Kenntnisse besaß, die für dieses Alter nach ihrer Ansicht ganz erstaunlich waren. „Das gibt es in ganz Amerika nicht", sagten sie öfters zu den Eltern, „ihr könnt wirklich stolz auf euer Tvchterchen fein". Klara. war natürlich nicht dahei, als sie so gelobt wurde. Doch eines Tages sprach die Mutter zu ihr: „Unsere amerikanischen Verwandten wollen mehrere Wochen in ein großes Seebad, und wir reisen mit ihnen. Dich 'aber haben sie als ihren Gast geladen. Das wird mr dich eine schöne Zeit werden!" Und es wurve eme schöne Zeit, die Klärchen stets gern in Erinnerung behielt. Rabbinische Geschichte«. Uebertragen -aus dem Sammelbuche meines Vaters ll'vsn von Jak. Lupoliansli in Karlsruhe. Ein im ganzen Städtchen Brodschin als Moher verrufener Jude pflegte nichtsdestoweniger sehr oft zu beten und sich fromm zu stellen, was überall verwunderte. Der Raw, Rabbi Jehudo Zwi, sagte von ihm witzig: •"»»1 Di’mV vn’:as ,maaV ini’as" Zum Haslooh, dem Frankfurter Raw, kam ein Jude und rsrug ihn um Rat: „Es wird mir eben Euer 'bereits vergriffenes Änd" seltenes Sefer mpn zum Kaufe ange- Goten; ich habe wohl einiges Geld in der Tasche, dieses aber Habe ich mir schon für die Bedürfnisse des Schabbos vorbereitet, pnd wenn ich 'dieses ausgäbe, bleibt miv nichts ffür Schabbos. - Was soll ich tun?" „Unsere Weisen sagen", antwvrt'ele der Häftooy: .viVii» nsp v'ip' s»v mwoa pn'v» ps „also gehen die 'Ausgaben für den vvi denen für nsp Rabbi' Salman von Wilna veranstaltete am Tage der Bris-Miloh seines Sohnes eine S'udo. Von, einem seiner Freunde wurde er darauf hingewiesen, daß es hier üblich sei, am Ende der Mahlzeit die eingeladenen Gäste um Entschuldigung zu bitten, für den Fall, daß er sie nicht ihrer Würde entsprechend behandelt habe. Rabbi sSalman tat dies mit den Worten: „Ich bitte, mir nicht böse zu sein, wenn ich dieses Festmahl nicht so -vorbereitet habe, wie es Eurer Würde entsprochen hätte, denn ich hatte ja nur 8 Tage Zeit zur Vorbereitung (inSnsr -iso ns h»’ ’rwtfn ovm)- Bei der Hochzeit meiner Tochter n~ya verspreche ich eine bessere Bewirtüng, denn da lassen mir ja die Ehachomim 12 Monate Zeit, •(emn 2"' n^inaV pnu) 5!2II5miich. Die beliebteste Toiletteseife! Macht jung und schön! In Qualität unerreicht! Gewicht 90 Gramm Preis 35 Pfennig Alleinige Hersteller: Günthers HaussnerAkt.-Ge$. Chemnitz 16 ♦ N O C E JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT'MAIN LÜHGESTRASSE 7 TEL HAHSA 4641 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN-ANNAHME FÜR FRANKFURTER GESCHHFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« U R O!♦ AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN,WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN » ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL«GESCHZKFTE*PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK wi

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