Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 13 * TVi t « r * * '* 4‘ SuK 1929 einen orthodoxen Mittelblock darstellen wird, dem die beiden Politisch entschiedenen Richtungen der Orthodoxie, der Misrachi und die radikale Austrittsorthodoxie, fernbleiben. Nur nebenbei soll darauf hingewiesen werden, daß diese Neugruppierung eine nicht unveirächtliche Stärkung bereits jetzt in der Agudo vorhandener assimilatorischer Tendenzen bedeutet. Wichtiger ist schon, daß bei der Anschlußbewegung für die Agudo nicht viel Jugend zu gewinnen sein wird, denit die Hoffnung des Herrn Rosenheim aus die liebenswürdige Inkonsequenz der jungen Juden [in den Reihen der Gemeindeorlhodorie dürfte trügen. Gerade die gemeindeorthodore Jugend ist meistenteils schon so konsequent, misrachistisch zu sein. Geradezu verhängnisvoll mutz sich aber die Verschwommenheit der politischen ^Ideologie drs Unna-Rosenhrim-Rlibans'.y scheu Blockes für die Stoßkraft des agudistischen Gedankens auswirken. Freilich wird man bei der heute herrschenden Strömung ssür derartige Sorgen nicht viel übrig haben und sich -mit einem intuitiven Ranous genügen lassen. Es darf schließlich nicht übersehen werden, daß die Agudo selbst nach Durchsetzung der Rosenheim'fchen Prinzipien 'auch weiterhin aus die Mitarbeit von Herrn M. A. Loeb wird verzichten müssen, denn dieser hat vor noch nicht allzulanger Zeit auf der uneingeschränkten Gleichberechtigung des Misrachi als unerläßlicher Voraussetzung für seinen Eintritt in die Agudo bestanden. Man wird aber Das Fernbleiben des Herrn Loeb wohl oder übel in Rauf nehmen müssen, denn die polnische Opposition gegen den Misrachi glaubt man nicht besiegen zu können. Wohl aber hasst man, die ungarische - slowakische Austrittsorthodorie davon zu überzeugen, daß die Aufnahme von gemeindeorthodoren Führern in die Leitung der Agudo eine Rrönung des Austrittsgedankens darstellt. Ein äußerer Anlaß zu der Umgruppierung innerhalb der deutschen Orthodoxie ist die Liquidation der Achdus. Hierbei stauchte naturgemäß die Hossnug auf, Restbestände -aus der Liquidationsmasse wohlseil zu erwerben. Nachdem -die Gründung eines Weltachvus ohne Erfolg propagiert worden ist, erblickt man in dem völligen Fiasko der deutschen Achdus die hinreichende Legi.imation der LAchdusleiter zur politischen Führerrolle in der Agudo. Recht (artige Bemerkungen ließen sich auch an die von gemeindevrthodoxer Seite eingebrachte Resolution knüpfen, die die Austrittspolitik der Agudo in Erez Jisroel billigt. Hier sei nur eine einzige Frage gestattet: sollte die Sympatiekundgebung von dieser Seite nicht etwas spät kommen? Als die Listen der Waad leumi-Gemeinde und der Austretenden noch nicht geschlossen waren, und der Famps für und wider den Austritt von allen Seiten -nanchmal mit größter Erbitterung geführt wurde, was hat die deutsche Gemeindeorthodorie damals getan? Nichts. (Offenbar war sie zu sehr mit deutschen Angelegenheiten befaßt, um ihren Blick nach dem immerhin fernen Palästina zu richten. Vielleicht hat sie gerade das Material /zu den später veröffentlichten Untersuchungen gesammelt, in denen sie den Nachweis zu führen suchte, Daß für orthodoxe Interessen in Deutschland von Seiten der Äustrittsorthodoren nichts, aber auch rein gar nichts .geschehe. Insoweit wäre die Untätigkeit der Gemeindeorthodoxie entschuldigt. Doch nein, etwas ist auch von Seiten der deutschen Gemeindeorthodorie im palästinensischen . Austrittskampf geschehen. - Im offiziösen Achdutorgan erschien aus njchtzionisti'ch-gemeindeortbodorer Feder ein wü'e der Rampfartikel gegen die Austrittsbewegung in Erez Jisroel. Als nun der zionistische Redakteur des Achdutblattes auf Grund dieses Artikels fe,Mellte, daß die zionistische/ und snichtzionis/ische Gemeindeorthodori; in der Beurteilung der palästinensischen Gemeiidefragen durchaus übereinstimmten, was hat da die deutsche nichtzioni'tische Gemeindeorthodorie getan? Sie hat geschwiegen. Wäre es nicht Angebracht, wenn sie weiter schweigen wurde, auch jetzt, wo es sich um die Frage der Eignung zur Führung der Woltaqudo und um die Besetzung der Zentralratsstellen handelt? - Rr. N a ch b e m e r k u n g d e r Schriftleitung. Wir veröffentlichen vorstehende Ausführungen, - indem wir dem Verfasser die Verantwortung für die von ihm beliebte, seit langem in den „Blättern" peinlichst - vermiedene Form und der Gemeinve-Orthodorie, die ja nunmehr auch im deutschen Landesvorstand vertreten ist, die Beantwortung der an ihre' Adresse gerichteten „Anfragen" des Herrn Rr. überlassen. Wir beschränken uns lediglich auf folgende Bemerkungen, Zudem wir zu Gunsten drs Herrn Rr. annehmen, daß er über den Leipziger Delegiertentag nur vom Hörensagen Unterrichtet ist, hingegen den ausführlichen Bericht in den „Blättern" Nummer 11 nicht gelesen hat, da «er sonst das, was wir bemerken, hätte 'wissen müssen. 1. Gemäß. Feststellung des deutschen rabbinischen Rates (kann der umstrittene Passus des § 4 auf die Gemeindeorthodorie, d. h. auf Mitglieder von lokalen Einheitsgememden keine Anmendu-g finden Der „Ilnna- Rosenheim-Klibanskp'lche Block" hätte also auf Ewnd dieser von keinem Aaudisten anzutastenden Feststellung des Rabbinischen Rates auch o h n e irgendeine Abänderung des 8 4 zustande kommen und imit der „Verschwommenheit seiner politischen Ideologie" die Stoßkrait des agudistischen Gedankens verhängnisvoll gefährden können!! 2. Gemäß der Ausführungen des Herrn Rosenheim dachten „die Gründer und Schöpfer des § 4 vor 6 Jahren ausschließlich an den Misrachi". Demgemäß iflirmu ai|u eine Aushebung Des § 4 i n erst e r Reiye ueil mlscacycsiijiyeu Mugckeoern der Äguoas Hisroel zugute. 3. Herr Rosenheim hat, das nur nebenbei bemerke, die fragliche Resolution nicht eingebracht, sondern, invem er sich jeder eigenen Stellungnahme enthielt, sich um die Scha,fung eines Ausgleichs zwhchen den Forderungen der Antragsteller und denen des Herrn Dr. Ehrmann bemüht. Da die Stellungnahme des Herrn Dr. Ehrmann sich bekanntlich gegen oie Eemeindeorthoborie zumindest in gleicher Weise wie gegen den Misrachi wendet, ist der betreffende Zusatz durchaus nicht „unoerlennbac gegen Den Misrachi" gerichtet. Er wendet sich ganz allgemein gegen späterhin im Bereich der Möglichkeit liegende versuche, die Ideologie der Agudas Jisroel von innen heraus zu unrerhöhleu, ganz gleich von welcher Seile solche Versuch ausgehen könnten. .Er weudec sich nicht gegen unliebsame Richtungen, sondern gegen ungeeignete Persönlichkeiten. Die von Herrn Rr. iin dieser Hinsicht ausgesprochenen Befürchtungen — oder .Hoffnungen — gehen also von falschen Voraussetzungen uns. 4. Wie sich die polnische Agudo gegen den Misrachi in (ihrem Lande, wie sich die ungarisch-slowakische Austrittsorthodorie igegeu die Eemeindeorthodoxie in ihren Ländern verhält, ist Sache der betreffenden Länder, die diesbezüglich kt. § 3 des Statuts völlig autonom find. noiTx rruju WELTKONGRESS D.AGUDAS-JISROEL WIEN. 10.-1?. SEPTEmBER Der äeneffio Gedaulo entgegen. Eine große Pressekonferenz bei Slgubas Jisroel in W i e n. Wien. Am 18. Juni fand im Festsaale des Hotels de France eine internationale Pressekonferenz statt, die den Zweck hatte, die Weltpresse über die Ziele der 2. Reuessio Eedaulo zu informieren. Die Herren Dr. Pinchas Rohn, Dr. Joel Pollak, Dr. Leo Deutschländer hielten Referate. Der glänzende Besuch dieser Pressekonferenz und das Interesse, welches die Pressevertreter für die einzelnen Referate zeigtn, beweist, daß die Weltpresse an den Aeußerungen der Agudas -Jisroel regen Anteil nimmt. Führende Wiener Tageszeitungen haben bereits ausführliche Berichte publiziert. Da die Auslandsmesse überaus stark vertreten war, ist anzunehmen, daß die Blätter in der ganzen Welt über die bevorstehende 2. R. G. berichten werden. Ariel Birnbaum in Nürnberg. Nürnberg. Birnbaum, der Name bedeutet die Idee einer heroischen Lebensform. Alltag ist nichts-. Tatsachen beweisen nichts, richtunggebend ist nur d-i-e reine Idee, die großlmig und gradlinig alle Erscheinun-g-en umspannt und sich über alle Erdenfchwere zum endgültigen und ungeteilten Triumph erheben will. Die - Welt, durchaus großartig und erhaben, beruht auf den Pfeilern der Heiligkeit, Gerechtigkeit und Pracht und ihre Lebsns-atmosphäre ist allumfassende religiöse Bindung, Beziehung zum Ueberirdischen, zu Gott. Uriel Birnbaum ist der Prophet solcher jüdischer Lebensform. Prophet in dem Sinn, wie -esder Künstler sein kann, der die Seelen für ein Weltbild oufschließen will. Birnbaum ist ein großer Künstler, er spricht zu allen Seelen und dies ist das Wunder an seiner Kunst. So steil, fast unnahbar die gedankliche Fundierung seiner Kunst bei ein-er Analyse erscheinen will, so allgemein menschlich und an den Kern des Gefühls dringend ist jedes Gedicht Ujjd jedes Bild von ihm. Er erbringt den Beweis, daß — auch in der Kunst — die Gegensätzlichkeit des Erlebens nicht nur das Mögliche, sondern sogar das Notwendige und Erzieherische ist. Dieser durchaus und extrem aristokratische Dichter, der nur das Ueberiebensgroße, Weltüberl-eg-en-e und Starke verherrRchen kann, er spendet d-ie wertvollsten Gaben für jede Skala des menschlichen Gefühls. Er sieht Welt und Leben mit allen Erscheinungen, wie Krieg. Laster und Uebel als eine -einzige hohe Einheit au-. Der jüdische Kern, rn diesem Cinheitsgedanken ist unverkennbar, Birnbaum gelangt hierbei zu der Forderung einer religiös fundierten allgemeinen Lebensordnung. Und wenn er hierbei zu Auffassungen über Staats- und Volksleben kommt, die sich mit der Durchschnitts-„überzeugung" des heutigen deutschen- Juden nicht decken — dann an die letzten VeröffenMchungen Nathan Birnbaums erinnernd — so ist bei einer Würdigung der Kunst Birnbaums, um die es sich allein handelt, zu sagen, daß dieses künstlerisch gesehene, gewissermaßen im Blick des Künstlers sich nach inneren Gesetzen architektonisch gliedernde Weltbild unter keinen Umständen mit den Maßstäben einer -einseitigen Parteieinstell-ung gemessen werden darf. Dies ist leider dennoch- -geschehen, eine in keiner jüdischen Ansch-auung begründete Engherzigkeit. Die Kunstschöpfungen Birnbaums sind der Mikrokosmos eines genialen Künstlers, d-er sich nach seinen inneren Gesetzen vielleicht wandeln mag> aber eben nach diesen Gesetzen zu beurteilen ist. Birnbaum ist als Dichter wie als Maler von einer eindringlichen und umfassenden ObiginalLtät der Anschauung, so wenn er in seinem „Moses" die Lehre von der Gewalt der gotterfüllten Einzelperson — als aristokratische Lehre — -in riesigen Ausmaßen vor Augen führt (biblischer Vilderzyklus in 50 Bildern), wenn, er in seiner Bilderreihe „Kaiser und- Architekt" die Fülle irdischer Enlwicklungsmöglichkeiten. zugleich aber ihre Unzulänglichkeit zeigt. (Ebenfalls 50 farbige Bilder.) Und dies alles mit selten erlebter Wucht und Jdeenfülle. Seine Kunst ist wahr, aufrichtig und edel. Das- Erhabene ihrer Ausgangspunkte — Gegensatz ist immer Fruchtbarkeit und neues Leben — ist in unserer „unheroisch" orientierten Zeit doppelt wertvoll. Ueberdies — die unmittelbare und ursprüngliche Wirkung der Kunst Uriel Birnbaums besagt genug — in jeder Beziehung. Das umfangreiche Werk des Künstlers wird hoffentlich in absehbarer Zeit auch in Deutschland bekannter als bisher werden. An dieser Stelle sei nur noch aus seine Zyklen in Schwarz-Weiß „Weltu-ntergang" und „Jona" hin-g-ewiesen. Der Nürnberger Abend Urtel Birnbaums, der Montag den 3. Juni im Saal des „Deutschen Hof" stattfand, wurde von den Agudas Jisro-el-Orts- und Jugend gruppen Nürnbreg und Fürth, sowie dem Frauenverein „Esras Nofchim" Nürnberg v-eranstaltet. Namens der beteiligten Vereine bgerühte Dr. Heinrich Klein und wies auf die Bedeutung des Namens Birnbaum und auf die besondere Stellung der Kunst Uriel Birnbaums hin, die aufgeschlossene Zugewandtheit von uns beanspruchen könne. Der Dichter las ausfeinen- Werken und erzielte einen ungewöhnlich starken Erfolg. Seine Vortragsweise ist schlicht, e-indringlich und liefst überzeugend. So standen die Zuhörer, unter d-enen die Da-gespreffe vertreten war, von Anfang an. im Banne der Lyrik, die d-er Dichter brachte. Eine Anzahl der Sonette aus „Gottes Krieg" (Lo-swit, Berlin—Wien 1921) waren der Auftakt. Der Krieg ist für Birnbaum -schrecklich, er bringt den Menschen zur tiefsten- Verzweiflung-- der Dichter verliert beide Füße — „der Weg zum Leben ist unsäglich bitter". Doch der Krieg bleibt -ihm Gottes Werk, zermalmendes Schicksal, dasimmer wieder' die Seele Gott nähert. Die Sprache, in der sich des Dichters Erleben kündet, ist von derartiger Gewalt des Aufba-us und des Ausdrucks, daß.,— suo jure — die Kritik der Tagespr-esse vonder Sprache eines „Pfalmiiften", „alttestamentarischer" und „biblischer" Stärke spricht. Die Innigkeit des Empfindens -geht — hier das wirklich Wundersame — be-r aller Ueb-erle-bensgröße des Vorwurfs nicht verloren-, sie teilt sich dem Zuhörer restlos mit. Der Dichter las sodann sehr zarte und sprachlich edle Liebesgedichte aus -einer unveröffentlichten Reihe „Leben in Liebs". Die religiöse Bindung allen Lebens durchwebt auch hier jedes Gefühl und führt in ihrer bei Birnbaum gegebenen Ursprünglichkeit zu der höchsten Steigerung des'Erlebens. In weiterer Folge brachte Birnbaum «Biblische Gedichte in Sonetten." und Gebete in „Sonettform", ebenfalls noch unveröffentlicht. Den Abschluß bildeten „Gedichte in neuer Form", auch überwiegend religiösen. Themas, die wie die vorgenannten noch der Veröffentlichung harren. '— Der Beifall war derart.herzlich, daß sich der Dichter zu einer Zugabe entschließen mußte.. Im Anschluß ckn die öffentliche Veranstaltung fand noch ein geselliges."Beisammensein im engeren Kreisstatt, das zu interessanten Erörterungen über die Anschauungen des Dichters , führte. Der aufrichtige Wunsch, den Dichter bald wieder in Nürnberg zu sehen-, wird' vielleicht schon im Winter verwirklicht werden. Das Warschauer R. G. Büro arbeitet. Werschau. Die Agudas Jisroel Landeszentrale in Warschau hat ein R. -G.-Werbekommitee gescha,fen, dem folgende Herren ängehölen: IM. Lewin, Moses Lernest David Meidenfelv, Chaim Biala, A. Z. Friedmann, Benjamin Wolf! Hendles, Pinchas Lewin, ferner Vertreter^ der Jugend- und Arbeiterorganisationem Die Delegiertenarbeit wurde in Angriff genommen. Aufrufe wurden in Massen zur -/Verteilung gebracht. E in e -V o r s p r ach e b e i m Polizei p r ä |.i b enten Sch ober. ' ‘ Wien. (Das; Präsidium der» G. A. hak in der Vorwoche beim Polizeipräsi'>enten Schober in Angelegenheit der 2. Renessio Grdaulo vorgesprochen. Polizeipräsidsnt Schober hat die Herren besonders freundlich, empfangen und ihnen ungestörten Verlaus des Rongresses garantiert. > D « e R e ne ssio Gedaulo-Propaganda, in Lettland. Riga. Die Landeszentrale der Agudas Jisroel in Riga chat die Gästewerbung für die R. G. mit aller Energie -in Angriff genommen. Alle Ortsgrnpven und führenden -Persönlichkeiten der Agudas Jisroel ™ Lettland -wurden gebeten, mit der Landeszentrals zwecks Werbearbeit für die R. G. Fühlung zu nehmen. Ein spezielles IR. G. Rommitee wird gegründet werden.