Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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IMäffet* kerausgegeben von den Candesovqanifation der flgudas-Jisnoel in 9eu(fefiland. J5. Jahrgang Hamburg, 4. Juli (929/26. Äwan 5689 Nummer (5 Lchriftleilung: Wolf S. Jacobson in Kamöurg. Jüdische Jugend! Zum zweiten Male werden rryn in diesem Jahre die Vertreter der Orthodoxie in Wien Zusammenkommen. Vom 5. bis 12. Elut 5689 (10. bis 17. September) wird die kenessio Gedaulo tagen. Jüdische Jugend! Auch Du sollst Deine Stimme bei diesem kinuß Lazadikim vernehmen lassen. Der Kampf gegen die äußeren Feinde macht mehr denn je ein geeintes Vorgehen notwendig. Unter dem Deckmantel moderner Kultur will sich immer wieder fatsche Zivilisation in unsere Reihen einschleichen. Einer Anregung vieler Jugendlichen zufolge hat sich mit Zustimmung des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel ein Komitee gebildet, das mit der Ausgabe betraut wurde, für den 7. Elut 5689 eine Weltjugendtagung nach Wien einzuberufen. Die gesamte orthodoxe Jugend wird eingeladen, an dieser Weltjugendkagung teilzunehmen. Jüdische, thoratreue Jugend! Du mußt Dich mit gleich gesinnten Freunden verbinden, um doppelt stark zu sein. Darum folgt unserem Rufe und kommt zu der im Rahmen der H. Kenessio Gedaulo stattfindenden Weltjugendkagung der orthodoxen Jugend. Alle Besucher der Weltjugendtagung genießen bezüglich Visa Reisespesen bedeutende Vorteile und werden in Wien preiswürdig aufs Beste beherbergt und verköstigt werden. Tagesordnung wird unverbindlich vorgeschlagen: 1. Wünsche der Jugend zu den Tagesordnungspunkten der K. G., insbesondere zu den Lhinuch- und Erez Jisroelfragen. 2. Organifations- und Propagandafragen. Anfragen sind zu richten an das Büro der ll. kenessio Gedaulo, Abteilung WeltjugendtagMg, Wien, Malzgasse 12 a. Wien, im Siwan 5689. Das Vorbereitungskomitee. Die Aguda auf dem Scheidewege. Von Rabb. Dr. Jorl Pollak,iiv Die Vorbereitungen zur zweiten Kenessio sind in vollem Gonge. Die t e chn i s ch e Arbeit wird eifrig, fachkundig und hoffentlich auch erfolgreich betrieben. Um so Mangelhafter erscheint uns die g e t stige Vorbereitung, die Klärung des Programmes für die zweite Kenessio. Die Agudisten in'Deutschland, insoweit sie publizistisch hervortreten, sind unheilbar in den Fängen des § 4 des Aguda-Statutes verstrickt und versuchen, aus deutschem-Lokalbedürfnis heraus, die Weltorthodoxie vor ein Problem zu stellen, das die überwiegenden Massen der thoratreuen Judenheit Überhaupt Nicht oder nur in sehr geringem Maße interessiert. In diesen fruchtlosen Debatten tauchen Gespenster auf, die vor Kattowitz, also vor 17 Jahren, auf die Gemüter des vorbereitenden Komitees schwer gedrückt haben, die aber in der Periode der Aktivität der Aguda vollständig gewichen sind. Die übereifrigen Diskussionen über den § 4, wer qualifiziert sei, mit einem Führerposten in der Aguda betraut zu werden, läßt die Befürchtung auskommen, daß die eigentliche Agudaarbeit in den letzten Jahren in arge Stockung geraten ist, denn bei dem normalen Fortgang der Arbeiten wäre es natürlich, statt statutenmäßiger Paragraphierung von Voraussetzungen und Qualifikationen etwaiger Führer einfach die Tatsache zu setzen, daß nur jener zur Führung in der Aguda berufen sein kann, der bewiesen hat, daß er für die ' Ideale der Aguda und für die Organisation der Aguda Ersprießliches zu leisten imstande war und daß er bereit ist, die opfervolle Arbeit für die Aguda mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit fortzusetzen. Es muß gesagt werden, daß bei statutarischer Festhaltung dieser Tatsache ein großer Teil der zurzeit wirkenden Führer der Aguda Jisroel ihres Amtes verlustig erklärt werden müßten, es muß ferner auch gesagt werden, daß in solchem Falle nur wenige sich fänden, die sich in die illustre zentrale Körperschaft der Aguda wählen liehen, aber diese wenigen wären mehr, als die vielen von heute, die wohl der rigorosesten Fassung des § 4 entsprechen, aber die primitive Voraussetzung außer acht lassen, daß eine Organisation nur durch Arbeit, hingebungsvolle, leidenschaftliche und zielstrebige Arbeit in die Höhegebracht werden kann. Mit Bedauern muh festgestellt werden, daß als Prognostikon der zweiten Kenessio nicht Diskussion über Arbeitsmöglichkeiten, Aufgaben und Ziele der Aguda steht, sondern eine üppige, alle Agudablätter überwuchernde Auseinandersetzung über den § 4. Schmerzlich und erstaunlich ist diese Tatsache, denn wahrlich es wäre viel wichtiger, über die sachlichen Arbeiten, die der Weltorthodoxie harren, sich rechtzeitig auseinanderzusetzen. Da ist zunächst das Problem der Jewish Agency, das, wenn nicht alle Vorzeichen trügen, nach jahrelanger Diskussion in der nächsten Zeit seine definitive Lösung finden wird. Die deutsche Landeskonferenz der Agudas Jisroel hat in ihrer jüngsten Leipziger Tagung die Agencybeschlüsse der Wiener Zentralratstagung vom Jahre 1921 erneuert. Seit diesen Beschlüssen sind aber in der jüdischen Welt gewaltige Veränderungen vor sich gegangen. Die Uebermacht der amerikanischen Finanzgewaltigen hat es bewirkt, daß die Jewish Agency aufhört, ein zionistisches Monopol zu sein und man ist eben daran, eine Jewish Agency zu schaffen, die von Zionisten und Nichtzionisten zusammengesetzt wird. Man könnte nun annehmen, daß die wichtige Förderung der Agudas Jisroel, nämlich die Beseitigung des zionistischen Monopols, ihre Erfüllung gefunden hat. Merkwürdigerweise wirkt sich die Tatsache des Aufhörens der zionistischen Monopolstellung für Agudas Jisroel nicht günstig aus. Jnsolange die Alliance zwischen den amerikanischen Geldmagnaten und zwischen der Zionistischen Organisation keine feste Form annahm, konnte man noch hoffen, daß die amerikanischen Juden, abhold einer unökonomischen Wirtschaft, die zionistische Methode in Palästina, die mehr auf kulturpolitische Ideologien als fachwirtschaftliche Erkenntnis eingestellt war, ablehnen würden. Agudas Jisroel bekämpfte diese kulturpolitische und nationalistische Einstellung der Zionisten aus religiösen Gründen. Solange also die Vereinigung der Zionistischen Organisation und der antizionistischen amerikanischen Finanzleute in einer umgebildeten Jewish Agency keine vollzogene Tatsache war, konnte man noch hoffen, daß es der Aguda gelingen werde, insofern sie eine auf gesunden, wirtschastlichM Grundlagen sich In gegebener Veranlassung teilen wir Ihnen mit, daß wir in Zukunft polemische Aufsätze nur unter voller Ramenszeichnung des Verfassers veröffentlichen. Die Schrifileilung. vollziehende kolonisatorische Tätigkeit in Erez Jisroel beginne, die Amerikaner für sich zu gewinnen. Alle Versuche der Aguda, nach dieser Richtung hin Erfolge zu erzielen, mißlangen. Was ihr versagt blieb, gelang den Zionisten. Die Armut der Zionistischen Organisation zwang auch ihre Leitung, um die Gunst der amerikanischen Finanzgewaltigen zu buhlen, und s i e fanden sich. Die zionistische Arbeit wird nunmehr in Palästina immer mehr den wirtschaftlichen Verhältnissen und den allgemeinen ökonomischen Gesetzen sich anpafsen müfsm. Sie wird langsamer vor sich gehen, aber sie wird solider werden und, von amerikanischen Geldgebern fundiert, wird sie auch von amerikanischem Geist erfüllt sein. Die im Zeichen der neuen Agency sich vollziehende Kolonisation wird also im besten Falle eine gute Zivilisation, sicherlich aber keine jüdische Kultur repräsentieren, nur wird die Gefahr, die in diesem Mangel liegt, nicht für jeden wahrnehmbar sein. Es wird unter der zivilisatorischen Tünche in Erez Jisroel ein heißer Kampf entbrennen, um ein bißchen jüdische Kultur in diese amerikanisierten jüdischen Siedlungen hineinschmuggeln zu können. Und da muß Agudas Jisr.oel prüfen, ob ihre Beteiligung an der Agency ihr in diesem Kampfe nützen kann. Falls ja, dann hätte Agudas Jisroel die Aufgabe, eine große Offensive im Interesse einer Beteiligung an der Agency einzuleiten. Diese Offensive scheint uns sehr lendenlahm vor sich zu gehen, wenn man bloß Resolutionen faßt, noch dazu mit einfacher Berufung auf Resolutionen, die man vor 8 Jahren beschlossen hat. Unseres Erachtens müßte aber diese Offensive nicht nur für eine Beteiligung an der Agency, sondern auch für eine vollkommene Autonomie des jüdischen Schulwesens in Erez Jisroel einfetzen. Unter Autonomie verstehen wir das Recht der einheimischen palästinensischen Jütöt* schen Bevölkerung, über das Schicksal ihrer Kinder und der Schulen, welche von diesen besucht werden sollen, zu entscheiden. Die Forderung nach einer derartigen Autonomie entspricht den demokratischen Grundsätzen, sie entspricht der englischen und amerikanischen Mentalität über die Freiheit und Gestaltungsfähigkeit der Schule, Und woraus es hauptsächlich ankommt, sie entspricht in hohem Matze den Bedürfnissen der orthodoxen Judenheit Palästinas. Bet Gewährung einer solchen Autonomie und eines Mitbestlmmungsrechtes der Elternschaft, die gesetzlich gesichert werden müßte, könnte, eine Plattform gesunden werden, die den Intentionen der Agency-Resolutionen der früheren Zentralratstagungen entspricht. Wir wollen hier keine positiven Vorschläge machen. Es soll nur betont werden, daß die agudistische Oeffentlichkeit zurzeit über den Stand der Palästinapolitik und der Palästinaarbeit der Agudas Jisroel vollkommen desorientiert ist. Sie weiß nur soviel, daß Agudas Jisroel ein bescheidenes, aber sehr bedeutsames Schulwerk in Erez Jisroel unterhält und daß sie den historischen Kampf für die Schaffung von orthodoxen Gemeinden mit gutem Erfolg geführt hat. Es sind dies zwei wichtige Positionen und man müßte nun kühl erwägen, ob diese Positionen die Teilnahme der Aguda an der Jewish Agency erwünscht machen oder nicht. Unseres Erachtens ist dieses Problem nur von diesem Gesichtspunkte