Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. Nr. 27 Der Israelit 4. Juk 1929 Glanz!" rief der Vorbeter und alle, fielen mit lauten Simmen ein. Jetzt ließ fi^ von der Ferne ein Knattern von hölzernen Glocken vernehmen, ein Knallen von Peitschen und ein geräuschvolles Trampeln. Eine Schar von 10—12 jährigen Bauernjungen trieb das Vieh auf die Weide. Sobald die kleinen Hirten näherkamen und die vielen betenden Juden zwischen den Bäumen erblickten, brachen sie in ein lautes. Johlen und Pfeifen aus. Der Großgrundbesitzer biß die Zähne zusammen in bleicher Wut und knurrte derbe Flüche hervor . . . Daß die verdammten Bengels es wagten, . . . ohne auf seine Gegenwart Rücksicht zu nehmen! . . . aber er war hilflos, stand da mitten unter diesen. Juden und wurde für einen von ihnen gehalten . . . Die anderen Juden schienen das Gejohle und das freche Lachen der Hirtenjungen gar nicht zu hören: „Mit ewiger Liebe, mit starker Liebe liehst du uns, Ewiger, unser Gott, mit großem und niächtigettl Erbarmen empfängst du uns, Vater unser, König unser! Um Unserer Väter willen, die dir vertrauten, da lehrtest du die Gesetze des Lebens. . Eine Ladung Sand und Staub kam von draußen durch das dichte Laub geflogen und fiel auf die Mäntel und Gebetbücher der Juden, diese schüttelten es ab wie lästige Raupen. „Leg es in unser Herz, daß wir alle Worte deiner Lehre -erkennen, erfassen und begreifen, ihnen gehorchen, sie lernen und lehren und befolgen und bewahren in Liebe. Erleuchte unsere Augen durch deine Thora und hefte unsere Seele fest an deine Geböte, und einige unsere Herzen, daß wir dich lieben und fürchten, auf daß wir nicht beschämt werden ewiglich . . Eine noch dichtere Ladung sauste durch die Blätter. In das Pfeifen und Gröhlen mischten sich Spottverse und Schimpfworte: „Jud, Jud, hast nicht was zu kauen. Mußt hungrig aus der Bude schauen ..." (Fortsetzung folgt.) Die äußere Form des Jüdischen Kalenders. Jum 50jährigen Jubiläum des Lammfchen Kalenders. Bon Loms Lamm m Berlin. Durch Jahrhunderte, wohl feit Erfindung der Buchduckerkunst, war der jüdische Kalender entweder in Form von Tabellen oder in Gestalt der kleinen Büchlein tmmV) verbreitet. Naturgemäß haben sich, von den ganz alten Kalendern keine Exemplare erhalten. Das Aelteste, was ich auf diesem Gebiet jemals sah, war ein kleiner in Frankfurt a. M. etwa 1670 gedruckt. Dieses Exemplar war im Besitze des bekannten Gelehrten Dr .Baer- Biebrich, kam später in meine Hände und wurde von mir an die Frankfurter Stadtbibliothek verkaust. Das ist schon sehr lange her. Niemals mehr habe ich dann einen jüdischen Kalender aus fo früher Zeit gesehen. Wohl in allen Ländern wurden die Kalender im sicher Form gedruckt. Außer dem eigentlichen Kalendarium sind fast immer noch andere mehr oder weniger nützliche Angaben — meist in hebräisch oder jüdisch-deustch — bevgegeben. Zum Beispiel: Angabe, wann die Tore des Ghetto geöffnet und geschaffen wurden (im Rödelheim-Frankfurter nn noch 1833—34IX Ankunft und Abgang der Postkutschen und der „reitenden Post", Genealogien der regierenden Fürsten, Berachoth für Kiddusch Ha-Vewono und besonders' in denbetreffenden Jahrgängen für Kiddusch ha-chamoh, und fast überall Verzeichnis der Märkte, oft v>on solchen in weiter Ferne. So enthalten Fürther Kalender von Mitte des 18. Jahrhunderts die Marktzeiten von Lemberg, Preßburg, Liffa ufw. Daß Leipzig, Frankfurt a. O., Breslau und ähnliche Städte genannt find, ist selbstverständlich. Man sieht, daß unsere Vorfahren — was uns ja auch bekannt ist — trotz -der primitivsten Verkehrsmittel weite Reisen- und große Strapazen nicht scheuten. Damit ist das Repertoir dieser „Beigaben" noch Klange nicht erschöpft. Man findet im Rödelheimer ni*> von 1833—34 eine „Bekanntmachung für Geschäftsleute, besonders in Wechsel und Staatspapieren", in der die hohen jüdischen Feiertage, die streng gehalten werden, nochmals extra aufgeführt sind. Diese Anmerkung zeigt, daß offenbar auch Christen, -die mit Juden in Geschäftsverbindung standen, als Kunden für diese Kalender in Frage kamen. Ich fand ferner manchmal ynn irtan ,niira*n o^iAv (Heilmittel), Buchhändler-Anzeigen und Aehnliches. Ein Vergleich ergibt, daß alte Sulzbacher sehr schlecht, aber spätere in -dieser Stadt, in Fürth und auch in Berlin herausgegebene, erheblich schöner und besser gedruckt sind, als die alten Rödelheimer. Jnsbefon-dere wurde dazu viel besseres Papier benützt. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es einmal einen großen Kalercher-Ska-nda-l. In einem zu Mona gedruckten waren, wie auch sonst, die christlichen Feier- und Namenstage in jüdisch-deutschen Typen gedruckt. Da sich die jüdisch-deutsche Schveibwerse nicht genau mit der deutschen deckt, glauÄiM überempfindliche und mißtrauische christliche Hebraisten aus einigen dieser Namen eine Verspottung des Christentums herauskesen zu können. Die Angelegenheit erregte erhebliches Aufsehen und hatte zur Folge, daß z. B. in Pers-in nur solche jüdische Kalender gedrückt werden dursten> die von der „Kgl. Akademie der Wissenschaften" herausgegeben wurden. Dies war noch um 1630 der Fall. Es dürfte wenig bekannt sein, daß in Rödelheim noch vor 50—60 Jahren zwei verschiedene Editionen des Luach, eine -davon „fürs Ausland", hergesteM würden. Unter „Ausland" waren aber nicht fremde Länder, sondern die Nachbarstaaten. wie Bayern, Baden, Württemberg usw. zu verstehen. Als Schmuck -treten zum erstenmal! Anfang des 18. Jahrhunderts Klischees Mit Abbildungen -der 12 Tierkrsifs auf, sonst aber blieb alles so. ziMllch unv-ärättdert, bis zum ersten Drittel, -des 19. Jahrhünderts. Damccks kamen, wohl -angeregt durch die besoyders in. SüödeMchband weit verbreiteten Bauernkalender (Lahrer Hiinbender Bote, Monika-Kalender ü. ä.) jüdische Mlleüdsr mit wisjimschastlichen unh belletrWschen Beilagen ip, Mode, Di-efe heute noch sehr geschätzten Kalender und Jahrbücher, herausgegeben von Büchner, Busch. Braun,. Wertheimer. Kompert, Klein und Anderen, enthielten- Arbeiten von vielen Gekehrten ihrer Zeit. Cs feien davonnur einige genannt: Auerbach, Frankl, Steinschneider, Zunz, Philippson, Wessely, Sachs, Kompert, Mannheimer, Kayferl-iiM, Beer, Graetz, Kämpf, Sal-omon, Saalschütz, Joel, Rießer, Fürst, Rappaport, Löw, Äetteris und Heller. Diese Art Kalender hatten jedoch naturgemäß keine sehr große Berbreitung. Sie schären verhältnismäßig teuer und an -den, wie gesagt, oft recht wertvollen M-eravischen Beiträgen ' hatten nur wÄM GebildÄe, Interesse.. EigenÄch populär blieb nur der RödelheiMer n^, der Wohl 100 Jahre lang in jedes jüdische Haus kam. Aber selbst die geringe Kunst..den ng» zu -lesen und zu verstehen, ging in manchen jüdischen Kreisenverlören, und -ich selbst kann mich noch erinnern-, wiemein Vater Leuten, die Nach Jahrzerten fragten, den betreffenden Tag im Luach Mit röter Tinte bezeichnete. Es erregte nicht geringes Aufsehen, als mein Bater ^N'^Max Lamm in Buttenwiesen. -im Herbst 1879 iene längst gehegte Idee verwirklichte und zum ersten Mal mit „Max Lamms jüdisch-deutschem Wochen- AbreißkaöenÄer" -an -dis OsffenMchkeit trat. Das war keine einfache Sache. Vuttemvvefen. -ein -weltentrücktes Dorf im bayerischen Schwaben-, -war mit der Außenwelt nur durch den täglich verkehrenden „Kön-igOch-Bayerischen Postormmbus" verbunden, und Max Lamm war zwar intelligent genug, etwas Neues, bisher nicht Dagewejenes zu schaffen, aber große kaufmännische Erfahrungen und Routine waren nicht seine Sache. Mit gelindem Schauerngedenke -ich noch der unglaublichen Schwierigkeiten, dis sich -der Drucklegung und dann -auch der Einführung des neuartigen Kalenders entgegen stellten. Der erste Jahrgang wurde -bei einem christlichen Drucker in Wertingen — einem kleinen, vom- Wohnort meines Vaters 6 Kilometer entfernten, Städtchen — gedruckt. Der Mann hatte keine hebräischen Typen, keine richtige Maschine, und war auch kein- Meister seines Faches. Dazu war er noch in sehr schlechtenroirffchaftlichen Verhältnissen und konnte weder das benötigte Papier noch -das sonst anzuschaffende Material bezahlen. Alle paar Tage brauchte er aus einem anderen Grunde Vorschuß und mein Vater, ebenfalls -nicht.mit Gütern gesegnet, hatte seine l-öebe Not. Dazu kam, -daß 8er Drucker die Korrektur unordentlich erledigte, und auch sonst viel verpfuschte. So war es ihm z. B. nicht möglich, ein richtiges helles Rot, das mein Vater für jüdische und christliche Feiertage haben wollte, herauszubringen. Das Allerschkimmstö aber war. -daß sich die Drucklegung, die im Mai -begonnen wurde,, bis Ende August hinzog, so daß -die Kalender erst ganz knapp vor nMn wn ferüg Vorlagen. Trotz fieberhafter Tätigkeit und äußerster Anstrengung war es in der kurzen Zeit, die noch blieb, eine Un-mvg^ lichkeit. dem Kalender den Weg zu ebnen-. Mein Bater versuchte in größeren jüdischen Gemeinden -durch pe-vsöntiche Beziehungen — häufiger noch durch Kultusbeamte und Lehrer — Kundschaft herbei zu schaffen, aber es gelang doch nicht, mehr als die Hälfte -der Auflage zu verkaufen-. Zwar wurde der Kalender von vielen Seiten mit Enthusiasmus aufgenommen. Lobende Zuschriften kamen schiiießlkch aus aller Herren- Länder; eine Anzahl jüdischer Zeitungen, besonders die -des Auslandes-, brachten rühmende Rezensionen mit -dem Erfolg, daß noch um Deffach 1880 Bestellungenaus England, Holland. Palästina und speziell auch aus Amerika eintvafen. ' Aber das reichlich gespendete Lob konnte keinen Ersatz für den geschäftlichen Mißerfolg bieten. , Manch ergötzliches Geschichtchen paffierte damaks. Beispielsweise war der 26. August. Geburtstag- Ludwig II. von Bayern-, rot gedruckt. In Bezug darauf verlangten württembergifche, badische und andere „ausländische" Käufer auch Notdruck der Geburtstage ihrer Landesväter und ein Berliner war tief gekränkt, was er in einem Brief in schnoddrigem Ton zum Ausdruck brachte, weil des Kais-res Geburtstag im 1. Jahrgang nicht rot gedruckt war. Äks einer Kundin in Dettingen, dieein-ExemWr des ersten Jahrganges gekauft hatte, 8er zweite Jahrgang angeboten wurde, -lehnte , sie mit der- Motivierung ab, daß sie ja das gekaufte Exemplar noch habe und holte -es, sauber in Papier eingewickeft, aus dem Schreibtisch .hervor. Sehr unrühmlich benahm sich-der gesamte jüdische Buchhandel, -der doch in erster Reihe die Einführung hätte übernehmen müssen. Fast alle — auch -die größten Buchhändler — fingen damit an, daß sie 3 oder 6 Exemplare (manche auch nur 1 oder 2 Exemplare) in Kommission verlangten-. Sie besorgten -ebennur, was beiihnenfest bestellt wurde, und als sie zahlen sollten,.gab -es neue Umstände. In manchen großen Städtenkümmerte sich der Buchhandel zuerst überhaupt nicht um die Neuerscheinung. Z. B. wurde der neue Kalender in Berlin jahrzekMelcmg hauptsächlich voneinem jüdischen Buchbinder vertrieben. Trotz alledem ließ sich mein- Vater in unverbesserlichem Optimismus nicht abfchrecken, und 14 Tage nach Peffach, 1880, lag das sauber, geschriebene Manuskript für.den zweiten Jahrgäüg vor. In- .ebenfalls un« glaWichM Optimismus Ävubte er, düM infe Notiz „Nachdttzck. verboten" vor Nchahinung geschützt zu stjd». Er Wte sich natürlich, da er. der ente war, d^- einen jüdM-dMMy. .MiiÄPKMWsr. auf -den Mmckt brachte, eiTiett MüstWhütz erwerben können- und müssen. Dem? nach üM nach . bürg-erfe sich der Kalender doch em. und es dauerte keine. 5 Jahre, -da gab es MSWdeutschlcmö kern jüdisches Haus, m dem nicht Wr Lammfche Kalender vorhanden, war. Mt wachfepdem Erfolg .kam..NKfSMch...!mH-..HM. Neid, ...Wd -eine ganze Reihe von Nachdrücken., erschienen. söviÄ ich mich erinner«, zuerst m Holland. Da der Vertrieb von Bnttenwiesen aus zu s-Dvimg würde, würde der Berl-ag der Firma Heller s Jchenhaysen übergeben, und der gegemvär.tlV vorKegenbe 50. Jahrgang zeigt, daß Max Lamm -etwas. überaus. Nützliches und Pmktrsches erdacht hatte. Taufende hatten, den Kalender von Zeit seines Bestehens bis an ihr Lchensende ünd es ist zu hoffen, daß er auch die zweite Jahrhunderthälfte. die er n-n« nächstes Jahr beginnt, überdauern wird. Briefkasten. S. W. in A. . Auch in solchen Fällen sollte es nicht geschehen. W. W. in Hl. Das ist ganz gewiß Nicht in Ordnung., Sie sollten es nach. Homburg berichten, Ar. H. i« K. Man beginnt mit dem links befindlichen neuesten Licht und geht nach rechts zurück zu den ftüheren. Die beliebteste Toiletteseife! Macht jung und schön! In Qualität unerreicht! Gewicht 90 Gramm Preis 35 Pfennig Alleinige Hersteller: 6iBtbersHaus$nertti.-Ges. Chemnitz 16 Die Wirkungen eines Heilbades, das reinigend und keimtötend die Haut gesund, zart und geschmeidig erhält, kann jeder ohne Bedereisen und ohne besondere Ausgaben sich selbst sichern durch einen Zusatz von Kaiser Boräx zum täglichen Wasch- und Badewaffer. Kaiser Borax macht das Wasser weich, antisepttsch und reinigungskrästig, löst Schmutz und Staub und beseittgt die Schweißbildung und ihre unangenehmen Folgen, tötet Krankheitskeime, gibt der Haut straffe Glätte und Widerstandsfähigkeit und kräftigt Körper und Nerven. Nur in den bekannten roten Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung von der Firma Heinrich Mack Nachf., Ulm a. D., geliefert wird. 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