Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Nr. 27 Der Israelit 4. Juli 1929 Verein üngünfttg ausgewirkt und die TättgkM des Vereins gehemmt. Die beiden preußischen Gemeindeverbände wie auch der „Verband bayerischer israelitischer Gemeinden", haben wiederum durch Au Wendungen ihr Interesse an .den Bestrebungen des Vereins bekundet. Der Bericht gedenkt des weiteren der Tätigkeit des im Vorjahre dahingeschiedenen Borstaudsmitgliedes-, Herrn Iwan Meyer s. A., Hamburg, zu dessen Ehren eine Iwan Meyer-Stiftung errichtet worden ist. Auch die Jonas Bing-Stiftung, die durch die Inflation eingegangen war, wur-de bei gleicher Gelegenheit wieder ins Leben gerufen. Der Verein hat sich wiederum in vielen Einzelfällen um die Hebung des Kajchruth in Restauraidionsbetneb-en bemüht und dabei wirksame Unterstützung von den aufsich führenden Herren Rabbinen einerseits und durch den Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure e. V., andererseits gesunden. Dank der Mitarbeit befreundeter Organisationen — vor allem des Bundes gefetzestreuer Synagoge n g e m e i n d e n und privater Freunde — konnte die rituelle Verpflegung von Derforgungsberechtigten und sonstigen Erholungsbedürftigen^ in weit größerem Maße als bisher ermöglicht werden. Diesbezügliche Mitteilungen sinid der jüdischen Presse bereits zugegangen. Die Gesamtzahl der dem Verein angeschlossenen Restaurationen usw. beträgt am Ende des Berichtsjahres etwa 380; die Anzahl der vom Verein errichteten oder unterstützten akademischen Mensen ist von 7 auf 9 gestiegen. Der Verein wird sich auch in Zukunft der so bedeutungsvollen Angelegenheit der Mensen mit besonderem Interesse widmen; dabei ist er allerdings 'darau angewiesen, daß die Landesverbände auch weiterhin dieses Bestreben unterstützen. Bei der Vorstandswahl wurden die turnusmäßig ausscheidenden Herren Emil H. Lehmann, Frankfurt a. M., Dr. Emil Hirsch, Berlin, Dr. Wilhelm Freyhan, Breslau, Jacob Rothschild, Frankfurt a. M„ David Bloch, Straßburg (Elsaß), Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona, M. Bistritzky, Hamburg, wiedergewählt; die Herren Markus Emanuel und John Gotthold neu gewählt. Tagung des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden. As chasf e nb u rg , 2. Juli. Der Bayrische Israelitische Gemeindeverband begann hier seine Tagung am 30. Juni unter Vorsitz des Oberlandesgevichtsrates, Prof. Dr. Silbsrfchmidt. Der Vorsitzende begrüßte u.a. die Vertreter des Ministeriums und der Behörden. Anknüpfend an die Verwahrung, die die Reichs rep räfentanten gegen die Kriegsfchuldlüge einlegten, wies w darauf hin, daß auch wir Juden eine solche Lüge von uns ab zuw enden hätten. Es fei bewiesen, wie weit über die Prozentnorm groß der Anteil der Juden im Reich wie in Bayern an den Kriegsopfern war. Es folgten Begrüßungen und darauf der Bericht des Natspräfidenten, Oberlandesgerichtsrates Dr. Neu mayer. Redner knüpfte an den 200jährigen Geburtstag Moses Mendelssohns an und,.feierte dessen Wirken für die Aufklärung der deutschen Judenheit. Auf die Geschäftslage übergehend, konstatiert er eine befriedigende Entwicklung. An Umlagen werden 3 Proz. der Reichssteuern erhoben, was im Jahre 1928 den Betrag von Mk. 635.000 ergab. Der Staatszuschuß wurde für 1929 auf Mk. 70.000 (früher Mk. 60.000) erhöht. Unter den Ausgaben erfordert die B e a m t e n b e f o l d u n g Mk. 312.000. Die Zuschüsse für die Vezrrksrabbinate werden! erhöht. Das Bsamtenrecht fei so gut ausgebaut, wie kaum anderswo in Deutschland. Große Summen wurden für soziale und kulturelle Zwecke, auch für Wohlsahrtsanstalten verwendet, nicht zuletzt für die Lehrerbildungsanstalten in Würz bürg und Höchberg. Beihilfen erhalten auch u. a. die R a b biners e m i n a r e in Berlin und Breslau. Auch jüdische Siedlungen werden gepflegt und unterstützt. Redner bedauert, daß der Reichs verband, den der Bayrische Landesverband gebilligt hätte, nicht zustande gekommen ist. Die Sch ächtfrage mache dem Verbände nach wie vor große Sorgen. Der Verband arbeite darin im Eivnemehmen mit den bayrischen Rabbinen und dem Berliner Büro für Schächtschutz. Der Antisemitismus in Bayern fei leider in Zunahme begrifen. Die Hetze fei bis zur Nitualmo wiegende gediehen. Die bayrische Judenheit, vertreten durch den Verband, sei auf der Hut und stets zur Abwehr bereit. «t2§£L. Angarn Das Budget der pester Gemeinde. Budapest, 25. Sun'ü Unter dem Vorsitz des ftettvertvetenben Präsidenten, Dr. Marzell. Hajdu, wurde gestern, Sonntag, die Generalversammlung der Repräsentanz der Pester Israelitischen Religionsgemeinde abgehalten. Auf der Tagesordnung stand die Verhandlung der 1928er Schlußrechnungen. Dr. Hajdus wies darauf hin, daß ine Ausgaben der Gemeinde im verflossenen Jahre 4.130.795, die Einnahmen 4.073.599 Pengö betrugen, Die Gemeinde beabsichtigte, die im Spital begonnenen Arbeiten bis zum Herbst fertigzustellsn und die Frage des Knaben- Gymnasimns definitiv unter Dach zu bringen. Auch beabsichtige der Vorstand!, sich schon in kurzem mit der Frage des Baues in der Wesfelenyi-ucca zu beschäftigen. Hofrat Franz Szekely sprach sich mit großer Anerkennung über das Programm des Vorstandes aus, deren Tätigkeit er mit warmen Worten würdigte, worauf die Schlußrechnungen sowie die sonstigen Präsidialvorlagen einstimmig angenommen wurden. polen. Polnische schomre Schabbos im Berliner Weltverband. Warschau, 28. Juni. In einer im Hause der Jüdischen' Gemeinde unter dem Vorsitz des Gemeindevorsitzenden, Sejmdeputierten Farbstem, abgehaltenen Versammlung, an der sich das Rabbinat und Führer der Orthodoxie und des Misrachi beteiligten, wurde die Begründung eines Zentralkomitees der Schomre Schabbos und dessen Anschluß an den Weltverband der Schomre Schabbos in Berlin beschlossen. Dem Zentralkomitee gehören an die Rabb'iner Michelson, Gutschechter, Kahane und Kagali, die Rabbis von Grvdzjfk, Radzimin, Pjafeczue und Markufzowr. Tschecho-Slowakei. Grundsteinlegung für die Zejchiwa z« himsdors. Prag, 27. Juni. In Anwesenheit von zahlreichen Rabbinern und tau- 'Lnden Gästen aus der Tschechoslowakei, Polen, Rumän>ien, Oesterreich, Jugoslavien und Ungarn, meist ehemaligen Schülern der Hunsdorfer Talmudhochschule, wurde am 11. Siwan (19. Juni) l. I. die G r und st ei nlegung für das neu zu errichtende Jefchiw a h - H e i m in Hunsdorf feierlich' begangen. Es sprachen die Herren: Leiter der Jefchiwa, Oberrabbiner Horovitz, Oberrabbiner Leopold Spitzer, Oberrabbiner Jofua B u x b a u m, Galant« u. a. m. Unter dem Eindruck der Reden appellierte Herr Simon H e r s k o v i tz, Vorsitzender der Baukommission!, an die Anwesenden, ihre Begeisterung auch durch die Tat kundzutun. Es wurden an Ort und Stelle größere Summen gezeichnet und zum Teil auch bar erlegt. Nach der üblichen Zeremonie der St^instellung wyrden zahlreiche Begrüßungstelegramme verlesen, u. a. ein Telegramm der „Tomche-Thora-Society" Newyork. Holland. Von her geseheskreuen Arbeiteründ Angestettken-Orgamfation in Holland. Amsterdam, 23. Juni. Die seit 34 Jahren bestehende Arbeitnehmer-Organisation „ B e t s a l e l " , die programmatisch auf orthodoxem Baden steht und den Interessen der sabbathaWenden Angestellten und Arbeiter gewidmet ist, hatte in der letzten Zeit zwei großem öffentliche Versammlungen; die einen guten Einblick in die Bedeutung und die Entwicklung dieser sozial höchst wichtigen Organisation gewährten. Entstanden st der Betfalel im Jahre 1895, als der damals noch in den ersten Anfängen beMMche jüdische D iamantarbel derb und am Simchas Tauroh eine Massenversammlung im Freien abhielt und damit die religiösen Gefühle der weitesten Kreise verletzte. Damals beschlossen die orthodoxen Mitglieder des Bundes, sich getrennt zu organisieren Und sie fanden die Unterstützung des damals noch jungen Rabbiner, jetzigen Oberrabbiners O e - derwyzer von Amsterdam. In den 36 Jahren seit der Gründung des Bundes hat sich manches geändert. War früher der üöerwtegenjbe Teil der jüdischen Arbeitnehmer in der Diamanttndüstrie tätig, D findet man sie. jetzt in allen Arbeitszweigen, auf Büros, Ateliers, Fabriken. Nur die Metallarbei'h. Bodenarbeit, Transportarbeit und das Baugewerbe scheinen wenig anzuziehen. Die starke Steigerung des kaufmännischen Bestandes führte Betfalel zu dem Entschluß, eine besondere Abteilung für Handels- und Büroangestellte zu gründen; In der letzten Versammlung, die am 6. Juni stattfand, wandten sich die Redner zunächst gegen die unberechtigten Angriffe des Diamantarbeiterbundes. Die Hauptreferate hielten die Herren Mayels> der dem Vorstand des Betfalel angehövt und Koekoek, der Borsitzender 'der Abteilung „Handels- und Bümangestellte" ist. Die Referate zeigten die großen Schwierigkeiten, mit denen der Bund zu kämpfen hat. Leider fei eine Abnahme der Zahl derer, die am Schabbos festhalten, zu konstatieren, was in Amsterdam die Folge des Aufhörens der speziell jüdischen Stadtviertel und der Verteilung der Juden' über die ganze Stadt ist. Wiederholte Versuche in industriellen Betrieb den, wie z. B. in der Möbelfabrik von Gebr. v. d. Waal die Sabbatruhe einzuführen, scheiterten nicht an den Arbeitgebern, sondern an der kleinen Zahl ernstlicher Reflektanten unter den Arbeitnehmern. In den Diamantsägereien zeigte sich, daß ein großer Teil der jüdischen Arbeitnehmer lieber am Sonntag Sport treiben wollten, als am Sonntag zu arbeiten und den Schabbos zu hüten. Trotzdem glaubt der Redner, daß auf diesem Gebiete noch sehr viel zu erreichen sei. Die idealste' Lösung sei die Einführung der Fünstage-Arb'eits-Woche, die allerdings eine, fünftägige Arbeitszeit von 9 Stunden!, statt bisher 8 Stunden, vovausfetze, deshalb von den allgemeinen ArbeiterorgaMsattonen nicht befürwortet werde. Bor allen Dingen fei es Pflicht der Gemeinden und jüdischen Körperschaften, an der Lösung des Sabbatproblems mitzuarbeiten. Das Referat Koekoek schildert die großen und vielfältigen Vorteile, die Betfalel als gut organisierter Berufsvevein feiNsn Mitgliedern bietet. Schon fein Bestand verhüte Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ganz abgesehen von dem Einfluß des Berufsverbandes auf die Regelung der Arbeitszeiten und Besoldungsfragen. Betfalel verbürgt seinen' Mitgliedern' außerdem die gesetzlich feststehenden Auszahlungen bei Arbeitslosigksi. Streik und in Krankheitsfällen'. An die Referate schloß sich eine angeregte Ansprache. Schweiz. Die Palästina-Frage auf der IS. Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes. Genf, 30. Juni. Der Bericht der britischen Regierung als des Palästina-Mandatars über die Verwaltung Palästtnas i.J. 1928 wird am 5. und 6. Juli vor der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes zur Verhandlung gelangen. Der Oberkommissar für Palästina, Sir John Chancellor^ wird als der Vertreter der britischen Regierung diesen Sitzungen beiwohnen und persönliche Aufklärungen! geben. Die Zionistische Organisation als die Jewifh Agency für den Aufbau des jüdischen' Nativnakheims in Palästina hat ebenfalls einen Bericht über das zionistische Aufbauwerk im Jahre 1928 nebst einem Begleitschreiben von Dr. Weizmann überreicht. Es werden ferner Petitionen der Zentrale der Agudas Jisroel und des Jeruatemer „ W a a d H a i r H o a f ch k en a fi m "' bezüglich der Verordnung über Kenesfeth Israel zur Verhandlung gelangen. Personalien. Wissbaden, 2. Juli. Frau Jak. Klaus Wwe. in Rülzheim j(Pfalz) begeht am,8. Juli ds, Js. ihren 70. Geburtstag. > , Kassel, 24. Juni Von , einem schweren Verlust wurde unsere Gemeinde betroffen. An einem Herzschlage verschied im Alter von 53 Jahren Rechtsanwalt Dr. Joseph 'Katzen stein, der mehr als 20 Jahre Vorsitzender des Gemeindeättestenkollegiunis gewesen ist. In allen Kreisen her Stadt, jüdischen wie nichtjüdischen, war der Verstorbene im höchsten Matze angesehen und beliebt. Eineunübersehbare ' Menschenmenge geleitet die sterblichen Ueberreste des Entschlafenen zu Grabe, an dem eine- Reihe von berühmten Männern unserer Stadt die Verdienste des Verstorbenen würdigten. Die Gemeindeältesten beschlossen in ihrer 'letzten Sitzung als besondere Ehrung die Kosten des Begräbnisses auf die Gemeinde zu übernehmen. irasarv Tann a. Rhön. ^24.“ Juni. 'Das Kesi der Goldenen Hochzeit beging'Herr'Menko 'Fr eu'd em th al unjp Ehefrau Bertha geb. Freudenthal. Der Jubilar erfreut sich in allen Kreisen der größten Beliebtheit und des besten Ansehens. 25 Jahrtz gehört er als 1. Vor-