Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Ssi'te 14. Nr. 26 Der Israelit 27. Juni 1929 tröstete er sich. Bauern machen sich zum Zug sehr frühzeitig aus . . . Jndesseir, kamen immer neue Bauern aus der Umgegend, der Wartesaal füllte sich. Draußen war schon Heller Tag geworden. Im Osten erblitzten die ersten Strahlen der ausgehenden Sonne. Jetzt wurde ein lautes Peitschengeknalle vernehmbar. Von zwei prächtigen Rappen gezogen, rollte eine schöne, leicht gebaute Kutsche heran, so groß, daß eine ganze Familie darin Platz finden konnte. Aber es faß nur der Großgrundbesitzer allein darin. Der Lakai sprang vom Bock und fing an, die vielen Pakete aus dem Wagen heraus zu holen. „Nun haben wir den zehnten zu Mmjan," sagte der Getreidemakler, „Hersch, geh hin und lad ihn ein." Hersch hatte sich beim Anblick des Wagens rasch des Tallith und der Thephillin entledigt. Er sagte etwas unsicher: „Ei, netei, das werde ich nicht, auf mich wird er nicht hören, ich muß von chm das Geld herausbekommen, welches er mir schuldet." Der Großgrundbesitzen schimpfte inzwischen draußen laut mit dem Lakai und dem Hausknecht, der ihm beim Abladen der Pakete behilflich war. „Vorsicht, du verdammter Lümmel! Das ist das Füßchen Butter für die gnädige Frau Vezirkshauptmann! . . . Dort ist der Käse! . . . Das da sind die Blumensträuße für die gnädigen Fräulein! Die schweren Sachen werden aufgegeben, die Blumen kommen! ins Kupee! Paßt doch auf, ihr Strolche? Da sind zwei Speckseiten und Gläser mit eingemachten Früchten vom Vorjahre für die Klosterdamen, wenn ihr mir eins kaputt macht, hau ich euch den Schädel entzwei, ihr Halunken! . . . Und du Schuft," wandte er sich an den Kutscher, „warum hast du noch immer nicht die Decken hervorgeholt und die Pferde emgewickelt? . . . Siehst du nicht, wie sie von Schweiß triefen? Willst du, sie sollen sich erkälten? Hurtig." (Fortsetzung folgt.) Neue interessante Ausgrabungen. Aus: „The Newyork SyzmW' übersetzt von S. G—m. Während die von der Pennsytvanischen, Universität irusg>esandt!L Expedition die Ruinen der Räume Pharao Totmes III, und den großen kanaanibifchen Tempel aus dem 16. Jahrhundert o. u. Z. entdeckte, ist es W. F. Bade, einem Professor der al4testcmrenM>lhen Lit>er«chur und späterem Dekan der Pazific-NeNigionsschuilie gelungen, die Mauern jener alten Stadt, wo Saul zum König gekrönt wurde, das isvaelttfiche HMgtum und die Reste interessanter vorsemitischer Töpferwaren fwizullegen'. 7 Meilen nördlich von Jerusalem erhebt sich ein Berg, der Dell en-Nazbeh, von dem man umrahm, daß hier einst die Stadt Mizpah lag. Einige Forscher haben dieser Ansicht widersprochen, Dekan Bade hat nun Feststellungen gemacht, die es wahrscheinlich erscheinen lasse^, daß jener Berg bei Jerusalem tatsächlich das alte Mizpah ist. Durch Flugzeugansnahmsn wurde eine Uebereinstimmung in der topographischen Lagesestgestellt. Außerdem hat Bade bemerkt, daß die nach einem starken Regensall zum Vorschein gekommenen Gemäuer aus verschiedenen Kulturperioden stammen. Die Untersuchung des Berggipfels ließ Linien erkennen, welche auf eine Stadtmauer schließen lassen. Schon nach eiNhalbstündiger Grabung stießen die Forscher auf den großen Stadtturin, der sich an einer Ecke der Men- Mauer erhob.' Außerdem wurden künstlich angelegte Gräben entdeckt. Schließlich gelang es, die Mauernl der verschwundenen Stadt bloßzulegen. Sie wiesen eine Brette von 35 Fuß (ca. 12 m) am Grund und 29 Fuß (ca. 9% m) oben sowie eine Höhe von ca. 40 Fuß (ca. 13 m) auf. Die bis jetzt ausgegrabenen 4 Türme waren befesbigb. Unter den Ueberresten der Mauern wurden Eisenzeil-Töpferieien aufgsfundsn. In großen Umrissen bestäligl die Ausgrabung die Stelle ln 1. Könige 15/16, in welcher erzählt wird, daß Asa von Juda die Mauern Mizpahs gegen Angriffe aus dem nördlichen Königreich mit Befestigungen versah. Eine weitere Mauer aus der Bronzezeit wurde innerhalb der großen Mauer gefunden, und im Raum zwischen den beiden Mauern 14 Mauerwerke, die als Lagerräume gedient haben, worunter eines, das über der Oeffnung einer aus dem Felsen gehauenen Zisterne erbaut ist. In der Zisterne fanden! sich lose Trümmer, und darunter begraben Line Menge Töpferwaren aus der Eisenzeit. Die Zisterne war neu ausgeweißelt, was auf eine vorgekommene Verunreinigung! schließen läßt. Eine solche Verunreinigung kann durch eine hmeingeworfene Leiche entstanden sein. Die Entdecker verlegen dieses Ereignis in die Zeit um 600 v. u. Z. Nun wird wi Jeremiah 40/41 erzählt, daß Ge daljah der Migpah verwaltete, während eines Festmahls von Verräterhand erschlagen und die Leiche in eine Zisterne geworfen wurde. Diese Tat ereignete sich 585 v. u>. Z„ so daß also die historischen Tatsachen mit den Ergebnissen der Ausgrabung übereinfiimmen. Weitere Grabungen führten zur Entdeckung des Allerheiligstein, in welchem Saul nach Samuel 10, 17, 24 zum König gewählt worden ist. Das Heiligtum ist 2500 Jahre lang begraben gewesen, wie sich aus den vvrgesuydeuen Geräten, rituellen Messern, Scheuern der Priester und Opferkrügen ergab. Die endgültige BestäÄMnig, lieferte ein Krug, ln den drei Buchstaben eingestempelt waren. Dekan Bade und Prof. Torrey von Aale stellten übereinstimmend fest, daß diese hebräischen Buchstaben Mem Zade Pi zu lesen sind, was MZP bedeutet, und dies soll für Mizpah stehen, da bekanntlich im Hebräischen Vokale nicht gebräuchlich sind. Warnungszeichen des Ostens. Im vergangenen Jahre haben in Warschau 891 Juden (300 Männer, 591 Frauen) Selbstmord beaangen. Diese Zahl versinnbildlicht nicht nur einen Rekord in der Statistik der Selbstmorde, sondern legt auch für den seelischen und für den materiellen Zusammenbruch eines großen Teils der polnischen Iudenheit Zeugnis ab. 891» — das heißt: Von ungefähr je hundert erwachsenen Juden hat stets einer seinem Leben gewaltsam ein Ende gemacht. 891 Juden gegen 789 Christen, — und in Warschau gibt es viermal mehr Christen als Juden. Im gleichen Verhältnis zur nichtjüdischen Bevölkerung hätten 158 und nicht 891 Juden die grausige Tat verüben dürfen. Es handelt sich also um eine Erscheinung, die nur die jüdische Bevölkerung betrifft, — und es ist die Aufgabe der Warschauer jüdischen Gemeinde, die Ursachen dieser Selbstmord- Epidemie festzustellen und der jüdischen Oeffentlichkeit bekanntzugeben Die Warschauer jüdische Gemeinde sollte sofort eine besondere Kommission ernennen, die das erforderliche Material sammelt und bearbeitet. Durch Umfrage in den Familien der Selbstmörder läßt sich in den meisten Fällen sicherlich das Motiv der grausigen Tat eruieren. Sehr auffallend ist die Tatsache, daß doppelt so viel Frauen als Männer zum Selbstmord schritten. Bei den Männern kann man auf wirtschaftlich katastrophale Verhältnisse in der Warschauer Judenheit schließen. Was kann aber im Allgemeinen bei den Frauen als Beweggrund gemutmatzt werden? Doch ein Urteil kann auch ohne die nähere Kenntnis der unmittelbaren Veranlassungen gefällt werden, — und dieses Urteil muß leider für die Bewertung des Verhältnisses eines großen Teiles der Warschauer Judenheit zur Religion, zur religiösen Gläubigkeit, zu Gott ein vernichtendes Urteil sein. Wirtschaftliche Katastrophen, materielles Elend sind in der jüdischen Vergangenheit wahrlich keine seltene Erscheinung gewesen, sie haben aber niemals zu einer Selbstmordseuche, ja nicht einmal zu einer kleinen Zahl von Selbstmorden geführt. Der Sinai-Felsen, auf dem die Judenheit Jahrtausende hindurch das Leben ihrer Familien aufbaute, ist heute großen jüdischen Massen nicht mehr die Basis des Denkens. Dort, wo dieser granitne Boden in den schlimmsten Stürmen, in den verzweiflungsvollsten, hoffnungslos scheinenden Situationen Festigkeit gab, gähnt jetzt eine Kluft. Gott, den Gott, der sich am Sinai offenbarte, hat man für ein Nichts eingetauscht! Soll sich dieses Versinken, weg vom Sinai-Judentum ins Nichts hinab, weiter vollziehen? Saly Geis. Vermächtnis. Nicht in Titanenstolz und ungestümem Wollen, Doch aus gedrücktemHerzen.fchwerem.kummervollem Entringet sich mir ein Gebet, daß zu der Stunde, Da ich verlassen mutz die Welt, die strahlend bunte, Ich nicht aus Menschenhülse angewiesen fei. Ach, möchte dieser Wunsch Dir, Schöpfer, nicht mißfallen! Gewähre ihn, vor meinen andern Bitten allen! Dann kann ich ruhig einst die müden Augen schließen, Mit Gotteshuldigung den Todesgang versüßen. F. M. Wocheakaleuder. v. 29. Juni - 8. Juli 1929 / v. 21. - 28. Siwan 6689 Samstag Inn 29 »| n '3, jns rs.rntag 30 22 Montag Juli i 23; Sstns-iag 2 24 Mttwoch 3 p’D 25, Donnerstag 4 25j freitag 5 27 VINN 'p'-Dö -st-stv Sarnsrag 6 28 Mauled Sonntag früh Lassen Sie Ihre UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). X kalt getrunken 166 das beste Erfrischungsaetrank keine Gratiszugaben.dafür Qualität Verlangen Siebeim Einkauf ausdrücklich laiichaltuWkchk ÜUeiniQe fterstelteri (jüntfier&Hdussneraa Chemin-Kappei Sarantiert nur aus reinen ^Pflanzenölen her gestellt 100 Gramm-Stück 15 Pfg. 200 Gramm-Stück 30 Pfg. Die Finna P. 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M. — Druck Herms» Verlag«' Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.