Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1929)
- Date
- 1929-06-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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f ‘Bfäffcr fievausgegeften von dev Candesovganifaüon der flgudas-Jiseoei in Deuifefifand. 15. Jahrgang Hamburg, 20. Juni (929/12. Siman 5689 Nummer (2 Lchriftleilung: Woks S. Iac^ksen in LaNlourg. Bericht über die Tätigkeit der Landesorganisation. Der Hamburger Vorort hat am 8. Ellul 6687 die Geschäfte der Landesorgamsation übernommen. Viele Gruppen waren im Zustand der Desorganisation. Das Leben in den Ortsgruppen war nur sehr schwach. Von vielen Gruppen waren Mitgliedsbeiträge nicht eingegaNgett. Von den Mitgliedern des deutschen Nabbinischen Rates amtierte nach dem Hinscheiden der Rabbontm von Frankfurt und München nur noch Herr Oberrabbiner Dr. Lerinier. Die Agudoblätter waren ohne Redakteur, die inneren Zustände im Lager der Gesetzestreuen Deutschlands gespannt, die Beziehungen zwischen L. O. und A.J. I. O. nicht die allerbesten. Es sei nunmehr kurz zu den einzelnen Punkten berichtet: 1. Organisation!. Gleich nach Uebernahme der Geschäfte wandte sich die Landesorganisation mit einem Fragebogen an 62 Agudogruppen und mit einer Aufforderung zur Mitarbeit an alle agudistischen Rabbinen. Auf dieses Rundschreiben sind Antworten von 24 Gruppen emgegMgen. Den in den Antworten zum Ausdruck gebrachten Wünschen und Anregungen ist d>er Vorort, soweit es ihm möglich war, nachgekommen. Die Reorganisierung der Gruppen ist deshalb so schwierig, weil der Landesorganisation die Mittel fehlen, eine Kraft zur ständigem vor allem auch persönlichen Bearbeitung der Ortsgruppen anzustellen. Der Schriftführer der Lanidesorganifation, welcher hauptamtlich beim deutschen Keren Hatorah tätig ist, konnte nur sporadisch für die L. O. arbeiten. Auch von einer richtigen Reisetätigkeit konnte angesichts der Finanzlage der deutschen L. O. keine Rede sein. Rur eine größere Tournee wurde im Januar/Februar 1928 unternommen. Diese hat in der Tat gute organisatorische Erfolge an den besuchten Orten gehabt. In den letzten Monaten wurde in vielen Ortsgruppen mit der Vorbereitungsarbeit für die Keneffio Gedaulo begonnen, unddies hat auf die Reorganisierung der Gruppen günstigen Einfluß gehabt. Berlin, Breslau, Hamburg und Leipzig veranstalteten- Werbewochen. Der Schriftführer besuchte die Gruppen Mainz, Darmstadt, Köln, während die ostjüdischen Kibuzim in Dortmund, .Duisburg, Düsseldorf und Gelsenkirchen durch David Ullmann bereist wurden. Die bayerischen Gruppen werden von der Verbandsleitung in 'Nürnberg direkt bearbeitet. Der Vorort hat ständig versucht, sowohl durch 'Rundschreiben an die Gruppen als auch durch die „Blätter", Anregungen zu geben, ein Normalprogramm ausgearbeitet und den Gruppen zugestellt. Infolgedessen ist die Gründungagudistischer Klubs in Frankfurt a. M. und- Halbersttadt, die Gründung von Agudo-Frauengruppen in Berlin, Vreslau> Hamburg und Köln durchgeführt worden. Es fei hier bemerkt, daß die regelmäßigen monatlichen Ausgaben der Landesorganisation ca. Mk. 600.— betragen, Mid zwar ca. Mk. 300.— für die 14 tägig erscheinenden „Blätter", Mk. 160.—, Zahlung an die Wiener Zentrale, Mk. 120.— bis Mk. 150.— für Sekretariat, Porto und sonstige laufenden Unkosten. Die besonderen Schwierigkeiten, die sich beim Inkasso der Mitgliedsbeiträge in den einzelnen Ortsgruppen ergeben, warm wiederholt Gegenstand von Beratungen des Vororts. Es handelt sich hier insbesondere um solche Gruppen, in denen teils durch stärker flutendes agudistisches Leben ein größerer Teil der Mitgtiedsbeiträge durch lokale Werbeausgaben, teils durch übernommene Sonderverpflichtungen aufgebraucht wird. So honorierte Frankfurt a. M. bisher aus seinen Mitgl-iedsbeiträgen einen Lehrer für den Das Jaumi-Schiur, so wird aus den Berliner Eingängen eine Sekretärin der Stellenvermittlung der Agudas Jisroelteilweist salariert. Der Vorort steht demgegenüber auf dem Standpunkt, daß die Ortsgruppen zunächst im Aufträge der Landesorganisation die von dieser festgesetzteni Beiträge zu kassieren und an diese abzuführen haben«. Was die Ortsgruppen für örtliche Betätigung oder Sonderzwecke gebrauchen, müssen sie in Form von Zuschüssen erheben. (§ 5 des Normalstatuts für Ortsgruppen). 3. Rabbi nischer Rat. Die Ergänzungswahl zum Rabbinischen Rat wurde in der Sitzung des Vororts vom 19. Dezember 1927 beschlossen und in der Sitzung vom 29. Januar 1928 durchgeführt. , Danach wurden Rabbiner Dr. Esra Munk-Berlin und der Vorsitzende der Landesorganisation in dm Rabbinischen Rat für Deutschland hinzugewählt. 4. A g u d o - V l a t t e r. Der Beschluß des Vororts, die „Blätter" durch Wahl eines besoldeten Redakteurs und durch Honorierung der Beiträge auf ein höheres Niveau zu bringen, scheiterte ebenfalls an der Finanzlage. Immerhin ist durch die Blatter ein guter Konnex auch mit den deutschen Agudisten, die nicht Abonnenten des „Israelit" sind-, hergestellt worden. Die „Blätter" werden in ca. 1200 Exemplaren an alle Mitglieder der Agudo, soweit die Gruppen die Namen aufgegeben haben, direkt versandt. Eine Zusammenlegung der „Blätter" mit dem Organ der A.J. I. O., dem „Korrefpondenzblatt", war geplant, ist jedoch nicht erfolgt. Inzwischen! hat sich die I. O. unter Leitung von Dr. Arnold Merzbach ein eigenes Organ „Arewus", geschaffen, von dem die erste Nummer erschienen ist. 5. Die innere Lage in Deutschland. Der Vorort hat von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß er eine volle Verwirklichung-des Kattowitzer Programms erstrebt: die Zusammenfassung aller Gesetzestreuen -innerhalb der Agudas Jisroel. In diesem Sinne wurden auch die „Blätter" redigiert. Es ist eine Entspannung der inneren jüdischen Situation im Lager der Gesetzestreuen zu verzeichnen. Bezüglich des § 4 wurde beim Rabbinischen Landesrat seitens der L. O. eine Schaalo gefragt, ob Mitglieder der Achduth und der Jüdisch-konservativen Vereinigung unter die Bestimmung des 4 fallen, nach welcher Angehörige von Organisationen, die im prinzipiellen Gegensatz zur A. I. stehen, nicht m den Zentralrat und den G. A. gewählt werden dürfen. Die Antwort steht noch aus. 6. Die Beziehungen zu den verschiedenen agudistischen I n st a n z e n. Die Landesorganisation hat mit sämtlichen agudistischen Gremien in zufriedenstellender Weise gearbeitet. Leider konnte sie weder für den . Wiener G. A. nennenswerte Mittel bereitstellen, noch der I. O. beiihren finanziellen Schwierigkeiten helfen. 7. Die zukünftige Arbeit. Wie eingangs erwähnt, leidet die Arbeit in Deutschland darunter, daß die L. O. nicht imstande ist, einen eigenen Beamten cmzustellen. Sie braucht dringend einen Sekretär zur ständigen Bereisung und persönlichen Bearbeitung der Ortsgruppen. Der Delegiertentag wird nach dieser Richtung hin Entschlüsse zu fassen haben und der Frage, wie für die Bestreitung einer solchen Kraft die Mittel zu beschaffen sind, seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Rebm dieser hauptamtlich anzustellenden Kraft muß versucht werden, die agudistischen Rabbinen, Lehrer und Akademiker in Deutschland zu stärkerer Mitarbeit, speziell aus dem Gebiete des Vortragswesens und der Propaganda, zu gewinnen. In diesem Zusammenhang sei -erwähnt, daß den Ausruf zur K. G. über 80 deutsche Rabbiner unterzeichnet haben. Der Vorort kann diesen kurzen Bericht nicht ohne die Bemerkung schließen, daß er sich von Anfang an nur als Beauftragter der Ortsgruppen betrachtet hat. Das völlige Versagen, gerade der größten Gruppen in materieller Beziehung hat die Arbeit fast lahmgelegt. Eine Aenderung dieses bedauerlichen Zustandes kann nur herbeigeführt werden, wenndie Gruppen sich bereiterklären, mehr als bisher für die Idee der A. I. im engeren Kreis zu wirken, mehr als bisher für die Organisation der A. I. Mistel bereitzustellen. (Der Finanzbericht folgt in nächster Nummer.) Partei oder Thoravolk? Von Jacob Landau in Frankfurt am Mstkfl, In seinem Epilog zum Leipziger Delegiertentag der deutschen Agudas Jisroel in der vorigen Nummer dieses Blattes versucht Herr Dr. Ehrmann die Beschlüsse des Delegiertentages bezüglich Z 4 einer Kritik zu unterziehen. Um aber die besondere Aufmerksamkeit der agudistischen Oeffentlichkett aus feine Ausführungen zu lenken, hält er es für angebracht, den, größten Teil seiner Darlegungen zur Herabsetzung der Bedeutung des Delegiertentages zu benutzen. Ueber diese Art von Polemik wollen wir hier nicht streiten. Wir möchten im Interesse der Sache wie im allgemein agudistischen Interesse nur wünschen, daß in Zukunft jede Auseinandersetzung über agudistische Fragen! lediglich von sachlichen Gesichtspunkten geleitet sein möge. Zur Sache selber wollen wir hier nur einige Bemerkungen machen: I. Aus dem Bericht des Delegiertentages, der mittlerweile veröffentlicht wurde, kann jedermann ersehen, von welchen Gruppen der Delegiertentag diesmal beschickt war. Frankfurt, Berlin, Breslau, Hamburg, Altona ,Halberstadt, Leipzig, Nürnberg, Fürth, Mainz ufw., also die organisatorisch bedeutendsten und aktivsten Agudagruppen Deutschlands. Sowohl die Namen der Delegierten, die zu den Trägern der deutschen Aguda gehören und das Vertrauen der deutschen Agudisten zweifelsohne besitzen-, als auch das hohe Niveau der Beratungen, welches manch früheren Delegiertentag in den Schatten stellte, erfordern von jedem ernsten Agudisten gebührende Achtung vor den Beschlüssen und Kundgebungen dieses Delegiertentages. Will man noch die Tatsache berücksichtigen, daß die Beschickung des Delegiertentages im Zeichen der vorangegangenen Aus-