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Der Israelit · 1929-06-20 · Heft 25 (20.6.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 25 (20.6.1929)
Date
1929-06-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 25 Der Israelit 20. Juni 1929 politischen Druck geschaffenen eigenartigen Verhältnissen, und rege Kräfte sind seit Jahrzehnten am Werke, die Sache zu ändern. Trotzdem hat dem Juden, dem jüdischen Volke -allenthalben nicht der Natursinn gefehlt. Die Beweist hierfür sind unschwer zu erbringen. : Schlagen wir -das Buch der Bücher aus, die Bibel, lesen wir -nur das erste Kapitel der Schöpfungsgeschichte, was ist es anders als Naturlehre und Naturgeschichte im wahrsten und weitesten Sinne des Wortes? Himmel und Erde, Sonne, Mond und Sterne treten vor unser geistiges Auge, Pflanzen, Säugetiere, Vögel, Fische nach ihren Arten gesondert. Das zwingt doch zu Reflexionen, zu Na-turb etrachtu-ngen nach den verschiedensten Richtungen. Auch derjenige, der nur den schlichten Wortsinn auf sich wirken läßt, muß unwillkürlich Nachdenken, muß Klassifizierungen vornehmen in dem gewaltigen Reiche der Natur, i nder unzählbaren Menge ihrer Geschöpfe. Das erste Kapitel unserer heiligen Lehre gibt und gab uns den Rohbau einer Systematik. Noch mehr tun dies die Speisegesetze im dritten Buche Moses. Säugetiere, Vögel, Fische und Kriechtiere gilts zu unterscheiden und zu untersuchen auf ihre Zeichen der „Reinheit", d. h. des Erlaubtseins oder Genußverbotes. Für Talmudkenner ist es interessant, im Traktat Chulin die Weisen zu belauschen bei. deren» gelehrten Unterhaltungen und Unterhandlung-en über die zum Genüsse erlaubten Vogelgeschleäster, da die Thora eigentlich nur verbotene Arten aufzählt, Namen, deren Uebersetzung . uns heutzutage einfach unmöglich ist und auch zur Zeit des Talmuds schon sehr schwankend gewesen. Reinheitszeichen» wi»e bei Fischen Und .Vögeln sind nicht angegeben und sy suchten die Weisen selbst nach physiolorgscherr Artmerkmalen und zogen auch die Lebensweise der Vöges in Betracht. Wir begegnen hier schon der Feststellünos, daß im Namen» des Vogels oft M Nachahmung yon Nätürlauten vorliegt, Man denke an den Kuckuck.) Henau .so mußten hie uns zum Genüsse erlaubtest Hüeschreckenakten ein- Mandfrei festgestellt werden. Jene Köntvoverfen zeugen doch sicherlich von Naiursinn, getragen von» dem Ernste ewig geltender helliger Religron?pörschriften. Als die Juden noch auf eigener Scholle ihr Brot ballten. Mußten die Kil-ajimgesetze strenge g Wahrt werden, ^..,chgattungen waren verboten unter Pflanzen und Tieren. Eine Zusam- Wenstellüng solcher bietet uns der Traktat v'X^a Man ging der Sache sehr auf d»en Grund. Wir Horen von Mischlingen, Bastarden. Spielarten, Unterscheidung von mn und nvnw Gewild und Vieh, Wollstoff, Leinen und Baumwolle. Ist so etwas denkbar ohne Natürfinn, ohne Interesse an -der Natur? Nun mag man einwenden, hier sei die Religion mit ihren verbindlichen Gesetzen Ursache und Ausgangspunkt zur Betrachtung der Natur. Der Jude mußte — wohl oder übel — Auge und Seele auf die D'ingee der Welt richten. Er handelte in einer Zwangslage. Eingeboren und wefenhaft ist der Natursinn ihm nicht, höchstens anerzogen. ZW Reflexionen kömmt es nicht, der Natursinn steigert sich nicht zur Naturfreude, die als schönste Blüte uns eine Naturpoesie schenkt. Wir sind in der glücklichen Lage, auf einen ganzen Schatz von Liedern, hinzuweisen, in deren Mittelpunkt die NatunvM mit all ihren Geschöpfen steht. Die Psalmen Davids sind eine reiche Fundgrube seelenvoller und -tiefgefühlter Naturbetrachtungen. Wenn David im Freien die Schafe hütete, so tat er mehr, als mit Wurfschaufel und Hundegebell die Tiere zusammenzutreiben. In jenen Stunden beschaulicher Ruhe und tiefer Besinnlichkeit schweifte sein Blick zu den Sternen, die oben funkelten, zu Mond und Sonne, die ihm leuchteten: der nickende Grashalm, der Farbenschmelz der Blume, des Windes Säuseln und des Donners Krachen, die summende Biene und das zwitschernde Vöglein, sie wußten ihm Unschätzbares zu sagen von der Allmacht, Allweisheit und Güte des Schöpfers und der Kleinheit und Schwäche der Menschen, die sich vermessen, die , letzten Rätsel dieser Welt lösen zu wollen, und »so schrieb er jene herrlichen Naturpsalmen, die heute noch eine Perle der gesamten Weltliteratur bilden und die weit hinaus über den jüdischen Kreis dringen sollten, um Herzen zu laben und Gemüter zu erbauen. Ihm ebenbürtig war sein großer Sohn, in dem Weisheit und Würde, Macht und Pracht sich zu seltener Harmonie vermählten. Au cher trinkt reine Lebensfreude und Herzenslust aus der klaren Quelle der Natur. Von der stolzen Zeder auf dem Libanon weiß er zu erzählen wie vom unscheinbaren Psop an der Mauer; Pfauen, Elefanten und Affen bringen ihm seine Schiffe aus der Ferne. Sinnig meint er von der Spinne, sie lasse sich mit Händen fassen und komme doch in den Palast des Königs. Aufmerksame Betrachtung und Beachtung widmet er dem Ameisenstaat. Das Tierchen hat kernen Fürsten, keinen Führer undsammelt dach im Sommer sein Brot, iy der Erntezeit seine Speise. Er stellt die Ameise als Muster und Ansporn hin für den Faulen. Auch in den großen und kleinen Propheten zeigen die häufig gebrauchten Bilder die enge Verbundenheit des Volkes mit der Natur und deren Erscheinungen. Der Natürfinn der Juden ist aber nicht etwa abhängig von der Gunst freier, glücklicher Zeit, Er hat auch nicht versagt beim schweren Golusgange durch die finstersten Jahrhunderte. Wenn man freilich jene ungezügelten Freudenkundgebung en,, dist man heutzutage oft bör Wandergruppen Wd hergl, wahrnimmt, als das Kriterium ansteht, daiM Mg Oan dem Juden den Natursinn Übsprechen. Wir sind nicht betroffen öder beleihW. Wenn Mr unter NcWrsinn jene Me Empfindsamkeit verstanden werden fall, welche die Natyx bei normalen Menschen vorausseM um innerlich zu läutern, zu hebön, zu epquWnjdünn Ed Wan uM. den HWrsinN nicht Wsprechen dürfen. Die jüdische Tradition, die jüdischen Weisest haben uns hier durch zahlreiche Anordnungen, die sichständig im Lauf dies Jahresauswirken, in strämme Zucht genommen. Eiste nösttz hat der Jude zu sprechen beim Erscheinen des v'ielfaMgen RegönbögeM -eine nana beim Zucken des.Blitzes, dejm. Machen Ms Donners, eiste npsta Wni HnblN des Meeres, eme stpsta' wenn man Äe ÄlfienWen^ bech'üWrsteine naaa beim Anbfick selten, schöner Geschöpfe, eiste nana beim Einatmen des Duftes wohlriechender Baumblüten, Blüm-en oder Früchte, eine nana' wenn im Lenze BäuNi üstd Strauch st chim Dütenfchnee zeigen, eine naaa beim sich erstWerstden Mond: heißt das nicht, ein ganzes Äo-lk systematisch erziehen zur Raturbeobüchtung? Unsere Weisen reichtens uns diese Segensfprüche, um jedem Polksgen-össen die Gelegenheit zu geben, seinen Gefühlen bei Berührung mit der Nockur und ihrer Erscheinungen auch entsprechenden Ausdruck zu verleihen. Wir sollen nicht wie mst verbundenen Augen durch Gottes schöne West schreiten; Stumpfsinn und Gleichgiltigkeit bleibe jüo ischen Menschen fernst. Zur modernen Körperkultur zählt auch das Wandern, namentlich die Jugendwanderung. Die jüdische Jugendweiß, daß oer uns der Natursinn in der Religion fest verankert ist. Wir dürfen nicht nur«, wir sollen uns all der Gaben freuen, die Gottes Vatergüte inverschwenderischer Fülle ausstreut. Gerade deshalb ehren und achten» wir im Geschöpf den- Schöpfer, in der Gabe den Geber. Für denjüdischen Naturfreund bedarf es nicht paragraph-ierter Gesetzesvorschristen zum Schutze von Pflanze und Tier, von Feld und Wald, rrmpn *?a „Du sollst nichts verderben!" Das ist ein altes, mit außergewöhnlicher Schärfe geprägtes Wort im Judentum. Wird doch derjenige, der im Zorn etwas zugrunde richtet, um fernen Haß zu kühlen, mit dem Götzendiener auf eine Stufe gestellt. Wir genießen als jüdische Menschen die Naturfr-euden mit warmem Herzen, mit durch die Religion geläutertem Sinn, mit Gefühl und Geist zugleich, mit ehrfürchtiger Scheu vor dem höchsten Herrn des Weltalls,nian^ rraa^aa^der alles erschuf zu Seiner Ehre. Briefkasten. H. in Sch. Es steht uns nicht zu, 'trfrm zu entscheiden. das ist Sache des zuständigen Rabbiners. S. K. inK. Wie wir vom Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands erfahren, steht die Pension Hecht in Honnef/Rh. nicht unter Aufsicht eines Rabbiners. H. It. in -L. Auf Ihre Fragen gibt Ihnen am besten Herrn Isaak Sulzbach, Frankfurt am Main, Baumweg?, Auskunft. Arau W. Sch. in St. Wir bestätigen den Empfang von Mk. 5.— „an Rabbi Meiir bal Haneß in Jerusalem, dessen Adresse Sie nicht besitzen". Wir möchten Ihnen und anderen bei der Gelegenheit Mitteilen, daß auch uns die Adresse des Herrn nicht bekannt ist. Wir werden aber das Geld an die Wohltätigkeitsinstitution auf den Namen des Rabbi Meiir in Jerusalem weiter leiten. Rabbi Meiir bal Haneß selbst ist, wenn die. Vermutung mancher Historiker, die ihn mit dem Mischnalehrer Rabbi Meiir identifiziert, zuMfst. vor? etwa 1800 Jahren von dannen gegangen, ohne nähere Adresse hinterlassen zu haben. Aamiliennachrichten. Geburtstag: Herr Abraham Möller, Hersfelb.vfctert am 27. Juni seinen 75. Geburtstag. Barmizwo: Martin, Sohn des Herrn Jul. Blumenthal, Frankfurt a. M. Scheffelstratze 24. Synagoge Friedberger Anlage. — Jacob, Sohn des Herrn BerthM Daube. Freiburg i7 Br. — Chananel, Sohp hes Herrn Moses Schlank,' Berlin. Spaypauer Brücke 4—5. Synasoge ^lbaH Mroel^MMeüestraße. Mz .g Die beliebteste Toiielteseiie! Machtjjung und schön! In Qualität unerreicht! Gewicht 90 Grämhi Prete 35 Pfennig Alleinige Hersteller: GiMer t Haussen Akl.-Ges. Chemnitz 10 besonders gut und preiswert! Zahlungs - Erleich terung! fi« HAGE & Co« EscheAlieimer Tor 3 Ich gebe dem werten Publstum bekannt, daß ich die persönliche Aufsicht und Küchensührung der Restauration in der Pension Jupiter in Bad Jschl, Lindaustratze 18 übernommen habe. Ich hafte mit meiner Person für die einwandfreie orth. vipd im Betrieb. Referenzen über meine Verläßlichkeit wird jeder orthodoxe Rabbiner der ehemaligen Monarchie gerne erteilen, da mich dieselben zum größten Teile persönlich kennen. Gutachten auch aus jüngster Zeit von Oberrabbiner B. Snyders autz. Györ (Raab) liegen auf. Um zahlreichen Zuspruch ersucht Aron David Kornfeld. In der Friedrich stad t-Berlin ist ein streng koscheres Restaurant nach modernster Art, Taubenstraße 35 Unter Aussicht der Israelit. Synagögen-Grmeinde Adaß-Jisroel unter der Firma Nebenzahl u. Silbe r m a n n eröffnet worden. Das allberühmte führende Hotel- und Pension Parkhaus in Väd-Härzburg ist seit-dem 1.- Juli 1928 in den Besitz des Herrn S. Posnanski (früher M. Hechtübergegangen. Das Hotel ist vollständig renovrerr und moderuikiert. Sehr größer Mewrcd auf abwechslungsreiche, gute Küche, größte Sauberkeit und Gemütlichkeit gelegt, so daß die Gäste m Wirklichkeit Erholung finden. Das Hotel , steht unter Aussicht des Halberstädter Rabbinats Und besitzt eine eigene Synagoge. Prospekte und Referenzen werden auf Wunsch kostenlos zugesandt. UeeautryürÜtyi .tut- ^u aUgtBtci».e« TeU und bn» ft*«»««»* ©. Schachuoiwis, Frankfurt ä. M.; Inserate i.P.'r «.Schack« «ymttz, ebenda, BüxZrie piidagogMe BeNage: Lehrer Lkkaufman« in Spreudtinge» (Kr. Offenvach). — -Mitlai .BaraeUC', V.Mb.tö', FtönkfM a. M. — DE Verntö» Betlaü»» Mttengesellschaft, Frankfurt a- M.

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