Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1929)
- Date
- 1929-06-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 24 Der Israelis 13. Junr 1929 und nach Polen zu überführen. Die Urne mit dem Ehrengeleit wird die Türkei und Ungarn passieren, wo Feiern veranstaltet werden sollen, und dann nach T a r n o w in Galizien gebracht werden, (oo für Bem ein Mausoleum errichtet worden ist. So wirb ein Jude in Polen geehrt — wenn er Feldmarschall war und seit 80 Jahren tot ist . . . (Ein jüdisches Mädchen bei den menschenfressenden Zigeunern?) In Nassau, wo jetzt der sensationelle Prozeß gegen eine Zigeunerbande vor sich geht, der vielfacher Mord und Lanibalismus vorgeworfen wird, kommen allerhand Dinge an den Tag. Dort wurde u. v. m. ein löjähriges Zigeunermädchen vernommen, das angibt, E st h e r zu heißen und von jüdischer Abstammung zu sein. Das „Lodzer Tageblatt" erinnert daran, daß vor rund zehn Jahren der Familie Sternfeld in Lodz ein sechsjähriges Mädchen abhanden gekommen ist, das bis auf den heutigen Tag, bei allen Bemühungen der Eltern und Behörden, nicht aufzufinden war. Man hatte damals Zigeunerbanden in der Nähe des Dorfes, wo sich die Familie in Sommerfrische aufhielt, gesehen. Das Lind hieß Esther. Gleich nach Belanntrerden des Namens und der Angaben dex Zeugin in Lassan wandte sich das Lodzer Rabbinat offiziell an die jüdischen Instanzen in Prag, die sofort die nötigen Schritte einleiten zur Aufklärung der Abstammung des angeblichen jüdischen Zigeunermädchens. Kmberecfe. Vom Eruv Tavschilin. Bon A. Mannheimer in Dettelbach. Aorbem'örkrmg. Cs ift bel-armt«, -daß main vi-elfach de-n Sinn von any nicht recht begreift, falbst in orthodoxen Familien. Der iBaiumigie DKaLog! dahier soll das Berftän-dnis ‘btefev Jnftiitutmn ble^meden. Frau Rosa Goldberg stand' in ihrer Küche und war allem Anscheine nach vollbeschäftigt, obwohl es gewesen. Abends sollte der liebe eingehen und da gibts zu tun, dazu wenn Besuch im Hause ist. Lea und Jda, die beiden Töchter, halfen der ^Mutter fleißig mit. Schon waren die Fische nach polnischer Art bereitet und kühlten ab; im Glasfchrank konnte man zwei zum Naschen einladende Torten bemerken. Auf dem Herd dampfte die Suppe und nicht weit davon ein feiner Kalbsbraten. Da kam plötzlich das Dienstmädchen, herein zur Küche und meldete fast atemlos: „Ein feiner Herr steht draußen,' soeben kam er die Treppe herauf ..." — Da klopfte es auch schon an die Küchentür. Hastig warf Frau Goldberg die Schürze auf den Holzstuhl in der Ecke und auch die beiden Töchterchen suchten, so gut oder schlecht es ging, eine kleine Metamorphose durchzumachen. Frau Goldberg hatte — sie wußte selbst nicht wie — „Herein!" gerufen, und schon stand' ein stattlicher Herr, tipp-topp gekleidet, vor der verblüfften Frau, vor den erschrockenen Töchtern. „Sie gestatten, mein Name ist Jomtof: ich bin heute der längst herbeigesehnte Gast in allen gutjüdischen Häusern." „Seien Sie versichert, daß Sie auch in unserem Heim höchst willkommen sind." „Liebe Frau," fiel Herr Jomtof ein, „ich muß doch einige Zweifel in Ihre Worte setzen. Ich dachte, Sie heute in echter Auneg-Jomtof-Stimmung in der Wohnstube oder im Empfangszimmer zu treffen. Nun finde ich Sie hier in der Küche bei loderndem Herdfeuer, beim Kochen und Backen, und sogar dyr beiden jungen Töchtern ist die eigentliche Festesfreude geraubt. Ich finde das — offen gesagt — eines doch immerhin selteneren Gastes unwürdig, in fast werktägiger Art und Weise die Zeit auszufüllen mit Speisebereitung und Aehnlichem. Einen besonderen Respekt vor meiner Person kann ich darin wahrhaftig nicht erblicken." „Mein lieber Herr Jomtof, Sie müssen schon Rücksicht nehmen. Heute Abend geht der an, Speisebereitung und vieles andere «ist streng untersagt. Kalt will man auch nicht essen; was bleibt da anderes übrig, als in der Küche Vorbereitungen zu treffen für den Sabbattag. Sehen Sie sich um, was ich mit Unterstützung meiner lieben Töchter alles bereitet habe mw tqd^ Es ist auch alles gut geraten, G. s. D. Das kann wirklich meiner Ansicht nach nichts Unrechtes sein." „Ist ja alles recht, werte Frau Goldberg. Aber Ihre Worte treffen den Kern der Sache nicht. Meinetwegen ehren Sie den mw mit Kalbs- und Gänsebraten, mit Fisch und Torten, mit diversen Salaten und Kompott, mit Creme und Pudding. Das ist mir schließlich einerlei. Ich fühle mich nur zurückgesetzt und gekränkt, daß man mich einfach wie Werktag behandelt, wenn es gilt, den heute Abend eingehenden Sabbat vorzubereiten. Ich möchte stark vermuten. Sie find m der Werktagsschürze hier am Herd gestanden und haben dieselbe nur zeitweilig abgelegt, weil ich hier eintrat. „Wenn es mir gestattet ist, zu meiner Entschuldigung etwas vorzubringen, so möchte ich das sofort tun." „Gewiß, gewiß!" entgegnete Herr Jomtof. „Haben nicht einst Zelofchods Töchter in höchst vernünftiger Darstellung ihre Erbansprüche vorgebracht? Hat nicht Abigajil durch ihre ruhige UeberleguNig König David vor Leid bewahrt, und er war ihr zeitlebens dankbar? Bitte, reden Sie nur, Frau Goldberg." „Wenn jemand' einen Freund' hat, der ihn wöchentlich besucht und' erfreut, sollte man diesem Freunde nicht aufmerksam sein?" „Aber selbstverständlich," entgegnete Herr Jomtof. „Und wenn am Vortage der Ankunft noch ein anderer Gast sich einstellt, dürften die Aufmerksamkeiten dem wöchentlichen Freunde gegenüber geschmälert werden?" „Davon kann keine Rede sein," versetzte Herr Jomtof. „Wie aber wäre die Sache am praktischsten zu machen? Sagt mir offen Eure Meinung, Herr Jomtof." „Run, ich würde am Vortage alles richten, damit mani sich sowohl dem ständigen wie dem selteneren Gaste widmen kann; so kommt jeder auf seine Rechnung." „Recht so, Herr Jomtof. Ich sehe, Ihr seid ein kluger Kopf und packt alles von der praktischen Seite an. Das gefällt mir," meinte Frau Goldberg. „Rur sagt mir noch das Eine: dürfte der seltenere Gast es als eine Zurücksetzung, als eine Unaufmerksamkeit empfinden, wenn die vielbeschäftigte Hausfrau trotz ihrer Fürsorge und Vorarbeit n>och manches zu ergänzen hätte und hie und da einmal in die Küche muß, wie das immerhin Vorkommen kann?" „Ich sehe nicht ein, wie man das verübeln könnte; man müßte als Gast höchstens überempfindlich sein. Wenn die Hausfrau tatsächlich für ihre Gäste vorgearbeitet hat, so steht sie in den Augen aller gerecht und' billig Denkenden makellos da, auch wenn sie mitunter die Unterhaltung unterbrechen muß, um noch manches zu verbessern, zu ergänzen, zu vollenden. Sie fängt ja nicht eine Neuarbeit an. Letzteres könnte unter Umständen ja tatsächlich als eine Mißachtung aufgefaßt werden, als eine Vernachlässigung echter Gastfreundschaft." „So, Herr Jomtof," fiel Frau Goldberg mit dem Tone froher Genugtuung ein, „nun habt Ihr selbst das Urteil gesprochen, das ich gewünscht und erwartet. Ich habe nichts hinzuzufügen. Auch der Begründung nicht. Wie Ihr es soeben dargelegt, haben wir gehandelt. Lea, nimm den Teller oben vom Glasschrank herunter." Lea stieg auf den hölzernen Küchenstuhl und reichte den Teller, auf dem sich ein Berches nebst einem Stück Fleisch befand, der Mutter zu. „Wann und warum haben wir dieses Gericht bereitet? Erzähle, Kind!" „Wir haben das Ganze schon am Eres Jomtow zubereitet und zwar ausdrücklich aus mw Der Vater rief uns alle zusammen und erklärte feierlich bei einem besonderen Segensspruche, daß es doch mit Rücksicht auf den Jomtof und dessen Würde nicht angängig sei, für den lieben Sabbatgast ein ganzes Mahl neu zu bereiten. Wir wollen einen Teil desselben schon am Eres Jomtof beginnen. Sollte dann noch etwas fehlen, so könnt Ihr das ja leicht noch ergänzen. So stellten wir dieses kleine Mahl für naw einstweilen zurück und heute haben wir in der Küche noch manches dazu gekocht." „Und darf ich auch was bemerken?" siel Jda ein. „Das kleine Gericht auf dem Deller und die heute bereiteten Speisen gehören untrennbar zusammen, wie Anfang und Ende, wie Kopf und Rumpf. Wir nennen' sie daher kurz und treffend : pV’tfan am* d i e Verbindung der Gerichte. Es ist eine unlösbare E i n h e i t. Wäre dieses Anfangsgericht einmal nicht vorhanden oder hätte es Katz oder Hund' erbeutet, wir kämen in dir größte Verlegenheit. Wir würden! uns die Augen aus dem Kopfe schämen, am Jomtof von neuem ein Mahl zu bereiten wie an einem Wochentag. Es ginge uns einfach gegen das Gefühl. Nein, unseren Eruw Tavschilin haben wir noch nie vergessen. Wir lieben den schönen mW' ehren, aber auch den lieber! dy> 21V-" Hochbefriedigt erklärte Herr Jomtof: „Meine liebe Famili'e Goldberg! Ich sehe, wie respektvoll sie ineine Visite behandeln, welch sinniger Gedanke in dem schlichten Eruv Tavschilin-Mahle liegt.. Sie haben in aller Form Rücksicht auf meine Würde genommen und auch den bloßen Schein einer GermgschätzMg zu vermeiden gesucht. Ich wünsche Ihnen darum von Herzen: gut v"'!" Verlangen Siebeim Einkauf ausdrücklich diebpsiptür auchültMche alleinige Hersteller* Günther&ttaussnerfLG. Chemaiti Happel Garantiert nur aus reinen Pflanzenölen her gestellt 100 Gramm-Stück 15 Pfg. "200 Gramm-Stück 30 Pfg. 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