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Der Israelit · 1929-06-13 · Heft 24 (13.6.1929) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 24 (13.6.1929)
Date
1929-06-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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L-:«> lllera ns ar E.D-C,. Bücherbesprechungen. The indestructible faith. By David G. Einstein. New-York, Bioch Publishing Company, 1927. 207 S. Der unzerstörbare Glaube. So -lautet der Titel eines Buches mit -em-er Te-nL-en-z, die die Leser dieses BlaWes überraschen muß. Wer hätte La nicht eine Darstellung des Triumphzu-ges des jüdischen« Geistes in« der kuN-urgeschichMchen Entwicklu-ng erwartet? , Aber weit gefehlt! Verfasser hat eine wesentlich andere Einstellung zum Judentum als wir. Ausgehend von der Lage der Juden zur Zeit der alexandrlmschen Weltherrschaft wird die- Frage aufgeworfen, warum das uralte Gefühl der Judengegnerschaft im Laufe der Zeiibensich immer mehr verstärkte, warum auch dann, als die Grundlagen jüdischer Geisteshaltung von anderen neuerftan>denen RMgüo-nen« ausgenommen u-nd weiter entwickelt wurden, die Stellung der Juden inmitten der Völker des Abendlandes um nichtsfreundlicher murde. Die territorial Unterjochung des jüdischen Volkes fei eine Folge der Eroberungssucht der Römer und ihrer Gier nach vermeinWchen Reichiümern. Die Verkündung der Einheit Gottes jedoch habe den Haß und die Feindschaft der heidnische« Völker hervufbesch waren; denn- „der jüdische Gottesb-egriff kam« in Widsrstve-ilt Mit den. fchicksalsbeKmmenden Göttern „der hellenistischen Zeit und daraus «miftand allmählich „ene organfierte Opposition gegen «die Mische Lehre". (S. 14.) Hinzu kommt nach der Ansicht des Verfassers die Kluft, die sich zwischen «dem auskommenden Christentum und dem dev Thora tveubtsib'enden Deili der Juden auftat. Später gründete sich >d«ann «der Judenhaß der christlichen Welt nicht mehr nur aus religiöse Differenzen, so-ndern auch auf die a-ng«ebK«che Unwichtigkeit feiner sozialen Werte, weil nämlich die Juden sich durch ihre Lebensführ!un«g van dem Verkehr m«it der Umwät abfond-erten. In einem weiteren- Kap-AÄ stellt der Verfasser fest, daß im 19. Jahrhundert der Aniisemi-tismus aus das GM-s «der wissenschaftlich beg-ründöten, mit Herderschen Ideen gespeisten Rassenlehre geschoben wurde. Und so betrachtet er dann eingheender die europäische Geschichte der letzten 75 Jahre und auch den WeMrbeg als Än Ringen der germanischen Rasse mißt den vom Judentum inspirierten neuzeiM-chen Ideen des SogialiismUs und auch des modernen Kapitalismus. Die Juden -wurdenin Deutschl-cmd mit der Schuld am unglücklichen Ausgang des WEkrieges «belastet, und das rief eine neue Welle des Antif-euMsmus« hervor. Die Angst,' daß -dieser AntisemMsmusnun auf Amerika, die Wahlheimat «des Verfassers, üdergreisen könnte, v-eranlaßt ihn, feine Glaübensbrüder dort zu warnen-, d«ie G«egVnfä^lichk«A't Nicht -auf «dis Spitze zu ire-ibenl Cr d-irher emersedts beg-efftert für die Unterbindungder jüdffchÄ, Einwanderung ein, empfieW anderMs die Mffch-ehe, die' SimultanschUlel, kürz, ein«e völlige Amalgamierrmg der Juden mit ihrer Umwelt Der Jude «als „ein Fremder" müßte verschwinden,' -er müsse aus seine Auserwählth-eii verzichten, -die der Vers, «nicht anerkennt. Indem er die religiösen- Werte «der Juden «evnM auf dem Gebiete der MorEMe finden zu können gl«Mb«t und für diese'sihre Bedeutün-g 'die Urheber, «erst «in den PvopheAn sucht, die^ Thora aber in „moderner" .WÄse als Mythen, Sagen und mangelhafte Ueberlieferüng wirrer historischer Tatsachen beträchtet, b>egi«b-t «er sich auf -ein Gebiet, wo w i r, 'die wir -am «überMeferten «gesetzesbrenen« Ju«- den-tum festhälten,. ihm nicht mehr folgen k«önn«eN, «und — wollen-. Wäs nützt -esuns, wenn Berf. zudem- Schlüße kommt, daß der „unzerstörbare Glaube" in dem u«noerg-äWlichen Begriff der WWk „Gottes" «WW; dchäups tst -er 'doch gleich -La«raUß daß der Schiffbruch d^« JudmMms^auf, der Tatsache beru«he, däh -es «die „Massen nicht in unmMelbarm K-onliakt'mit ihrem Gotte bringe", (S. 189.) Der Verfasser heischt -am Ende -sei-ner Ün-tersuchung «die Nerb-Mderun«g der Menschheit, er fordert ®Sjj£y,V ••v-v ■ k> i.-.in-'t; ■! Judentum und C-hristeNtum «auf, einander die Hände zu reichen, -alle „Bitternisse un«d Verleumdungen der Vergangenheit bieseite zu werfen-" (S. 206) und danach zu streb«en, alle Religion in den Dienst der Menschheitsveredelung zu stellen. Religji«on im Dienste der M-enschheiisveredelung-, das -ist -ein Ideal, d«em das Judentum gewiß zu strebt, freilich nicht -im Sinne eines verwaschenen Humcm-itäts'ideals. Cs ist nicht -emzusehen, weshalb -das Jubetiüwm es -nötg hätte, für diesen edlen Zweck feine Eigen-- art aufz-ugeb«en«. Das amerikanische Judentum, als dessen Sprecher -der Verfasser sich -fühlt, macht offenbar ähnliche Kinderkrankheiten« durch mit seiner Furcht vordem Antisemitismus wie das deutsche Judentum zur Zeit der Emanzipation. Dr. Jos. Jacobsen. Die Mutter. Von Schal om Asch. Roman. 434 Seiten. Mk. 4.50i, in Leinen Mk. 6.—. Wien-, R. Löwit-Verlag. Schalom Asch ist eingroßer Künstler. Wenn er schildert, dann taucht er seine Feder wie ein Maler in Farben, und seine Leser sehen Bilder. Er ist ganz Auge. Es ist wunderbar: Asch, das Pvdodukt vieler Generationen der Judengaffe mit dem Blick nach innen-, betrachtet mit souveräner Ruhe die Dinge und die Vorgänge um sich herum und nimmt Distan«z zu ihnen-. Aber auch, wenn Asch sich seinen Gedanken hingibt, offenbart sich ein begnadeter Künstler. Es «tönt -dann wie -eine Symphonie aus seinen Worten. Afch nimmt feine Motive aus dem ostjüdifch«en Milieu der Alten und «der Neuen Welt. D«awird eine Fam-Me aus der GemächNchkeÄ und Enge eines polnischen oder litauischen «armseligen Städtchens hinausg-er-iffen und wie in „Tausend und eine Nacht" plötzlich weit, weit weg versetzt. Glitzernde Pracht breitet sich in dem Wvvk-lichkeit gewordenen Traume -aus. Amerika heißt das Wunderlünd. Doch wer -nach seinen Schätzen greift, über den kommt gar leicht -ein Wepg«essen, — -und wenn er nicht vergessen will, dann setzt ein- Kampf ein-, in dem mancher erst sterbend Sieger wird!. So starb der flenne Talmudjunge, der Held des Ro-- manes „Amerika", den Asch v-or zwei Jahrzehnten erscheinen ließ. So starb die „Mutter", die Heldin des neuesten Romwnes aus Aschs Feder. Nur als eine große Tragik kann das Vergessen all dessen, für das Jahrhunderte hindurch« «die Väter jeden Augenblick bereit waren, sich zu« opfern, angesehenwerden. Die Frage, warum es fv gekommen -ist, und die Frage, was nun werden soll, drängt sich -dem denkenden Leser unwillkürlich' «aus. Doch die An«twovt hierauf kann, man nicht in einem Romane suchen. S. G. Von jüdischem Sein und Werden. Volkstümliche Aufsätze aus dem Nachlaß von Umv. Prof. Dr. «Isidor Po Hak, Prag. Verlag Dr. Josef Flesch. Isidor Pollak gehört ofsfenbar zu den Männern, die sich mit Haut , und. Haaren der Reform verschrieben und aus dem Geist der Aufklärerei heraus alle Fragen des Judentums beurteilt haben. Seine menschliche Persönlichkeit wird in der Einleitung voll Liebe und Verehrung geschildert. An der Berechiigung dieser Verehrung zweifeln wir nicht im Geringsten, aber die Aussassungen, die in diesen volkstümlichen Aufsätzen vorgetragen werden, sind wissenschaftlich nicht haltbar. Es ist ein Irrtum, als könnte man in populären Darbietungen feiner Subjektivität die Zügel schießen lassen. Es sind das dann keine wissenschaftlichen Darbietungen mehr, sondern Tendenzschriften. Ein solch propagandistischer Charakter ist all seinen Abhandlungen ausgeprägt, im Einzelnen findet sich manches schöne und kraftvolle Wort.- Aber wenn man nach Jahrzehnten solche Aufsätze wieder aufgräbt und veröffentlicht, nachdem die Leidenschaft ftüherer Kämpfe längst verstummt ist, dann wirkt die aNmaßliche Selbstsicherheit solcher tendenziösen Auslassungen für einen Gelehrten noch weil unsympathischer. ' So können wir diese Schrift als Stimmungsbild einer früheren Epoche geschichtlich wohl verstehen, einen Dauerwert besitzt sie nicht. Ganz besonders gilt das für die Aussätze „Religion und Religionen", worin eine ganz ungeheuerliche Auffassung des Wesens der jüdischen Religion geboten wird, ebenso in dem Aussatz „Religiös- Orthodor-KIcrikal" und „die Wege des modernen Judentums"'. Aber auch die Beleuchtung, die die jüdiW Weltauffassung in den Aufsätzen „die Propheten" und „über die Philosophie des Maimonides" findet, ist ganz einseitig und besangen. Auf etwas höherem Niveau steht der Aussatz über „Hiob" und der über die spanische Epoche der jüdischen Geschichte, betitelt „Einleitung in die jüdische Geschichte". I. C. Auf Gottes Wegen. Von Dr. Friedrich T. A s ch k e n a s y, Leipzig 1928. Verlag M. W. Kaufmann. Dieses Buch soll die jüdische Welt erschüttern und eine funkelnagelneue Ausfassung, ganz besonders über den Stifter des Christentums, herbeiführen. Es soll dessen Messianität behauptet werden, und der Nachweis wird versucht, daß das 53. Kapitel Jesajas aus ihn sich beziehe. Dabei findet sich folgende köstliche Bemerkung: daß die Propheten geweissagt hätten, der Erlöser-Messias werde auf einem Eselpaar herangeritten kommen. Unter diesem Eselpaar sei das orthodore Judentum und das orthodore Christentum verstanden, und der christliche Messias fei ein Sohn dieser beiden frommen Eselinnen. Da wir nun unter diese Spezies „Esel des orthodoren Judentums" fallen, so sind wir gewiß geistig nicht in der Lage, solch hohe Gedankengänge, wie die des Verfassers zu verstehen. Aus dieser Eselnatur heraus lehnen wir das Buch ab. Wir hatten z. Z>, als das Christentum gestiftet wurde, ein Sanhedrin, eine maßgebende höchste jüdische Behörde, die über den messianischen Charakter einer auftretenden Persönlichkeit eine allein maßgebliche Entscheidung besaß. Diese Entscheidung ist bindend für alle Geschlechter, sogar wenn Herr Dr. Aschkenasy anderer Meinung ist. Diese Meinung ist von den jüdischen Geistesgrößen in zwei Jahrtausenden unter Not und Tod verteidigt worden, ist in Religions-Disputationen von Nachmanides, Albo und Rabbenu Jechiel mit Lebensgefahr durch lausend Gründe erhärtet worden und wird auch von Herrn Dr. Aschkenasy nicht umgestoßen werden. Es ist sein ganzes Unterfangen daher von vorneherein sinnlos, und es hilft ihm auch nichts, wenn er, um die Sache schmackhaft zu machen, den Paulinismus desto leidenschaftlicher bekämpft. Es ist aus den gleichen Gründen a priori für uns unmöglich, daß Jesajas mit dem 53 Kap. über den Nazarener etwas vorausgesagt hat, denn Hillel und sein Sanhedrin verstanden Jesajas wahrscheinlich besser als Dr. Aschkenasy. Im übrigen ist seine Eregese lahm auf allen beiden Beinen. Seine Allegoristik, die Lieblingsform seiner Bibeldeutung, ist ja genügend durch die beiden Eselspaare charakterisiert. Sie steht selten aus einem höheren Niveau wie bei dieser einfach überwältigenden Eselsdeutung, die sehr geschickt mit zwei multipliziert wird. (Damit soll in keiner Weise geleugnet werden, daß das messianische Bild des Stifters des Christentums das edelste der Welt sein kann. Für die Grundfrage, um die es sich handelt, ist das ohne jeden Belang.) Wir sagen deshalb dem Herrn Verfasser, daß wir lieber Esel sein wollen alle unsere Tage lang, als uns erkühnen, über die gesamte jüdische Geschichte, ihre größten Geister und ihr vom Gottesgeist erleuchtetes Sanhedrin uns als Richter aufzuwersen. Wenn er also sein Buch recht anmaßlich „den Kindern desselben Geistes in Vergangenheit Gegenwart und Zukunft in Liebe widmet", so erkennen wir, die 'wir jedenfalls nicht desselben Geistes in der Vergangenheit waren, nicht in der Gegenwart sind und nicht in der Zukunft sein werden, daß dieses Buch also für uns nicht bestimmt ist. Wir bedauern dieses 'auch nicht allzu sehr, denn wir haben auch sonst nicht den Eindruck gehabt, daß im „Jahre des Heils 5683" uns durch dieses Buch nichts verborgen bleibe, und wir das „woher" und das „tziohin", das -? S'f . i! - h

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