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Der Israelit · 1929-06-06 · Heft 23 (6.6.1929) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 23 (6.6.1929)
Date
1929-06-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 6. Nr. 11 Der Israelit Blätter 6. Juni 1929 Wenn nun noch ein Absatz 3 davon spricht daß man aber die gewissenhafte Wahrung der SeWstänÄiigkieiit der A. I. von den zu Wählenden erwarten müsse, so kann das in keiner Weise etwas von dem zurücknehmen, was Absatz 2 besagt, sondern lediglich ausdrücken,, «daß auch ein Misrachist oder ein Gemriindeorchodoxier dann in die Zentralstellen der Agudo gewählt werden könne, wenn er die Agudo selber Nicht aus einer selbständigen Organi>- sation zu einer Fraktion einer neutralen jüdischen^ Gruppe gestalten will. Im Zusammenhang mtt Absatz 2 ist daher Absatz 3 für mich bedeutungslos. Ich bin überzeugt, daß jeder UndefangMe die Resolution kn ihrer Gefamtheiii als eine Aenderung des- Kurses der Agudo betrachten wird und zwar in dem Sinne, daß nunmehr sowohl der Misrachist als auch der Genterndeorthodoxe iN die oberste Stelle der Agudo gelangen können, wenn er nur die Selbständigkeit der Agudo selber nicht preisgeben will.*) In meiner Eigenschast als Frankfurter Detegierter erblicke M) aber in dieser Konsequenz eine gar nicht schwer genug zu veranschlagende Gefahr für die Ideologie der selbständigen orthodoxen Gemeinden. Indem Augenblick, in dem jemand Führer der Weltorthodoxte sein kann, ohne der orthodoxen Gemeiinde seines Ortes anzugehören, muß diese selbständiige orthodoxe Gemeinde, das ganze Prtinzip ihrer Selbständigkeit, als sinnlose graue Theorie erscheinen, die durch die -orthodoxe Weltorganisation^ Lügen gestraft wird. Die Agudas Jisroel foMe ein Welt- Kehillo sein und jeder, der das Prinzip der Agudo anerkennt, sollte zugeben, daß das Ideal itn der untersten Zelle des Klall Jisroel, der Gemeinde, die Souveränität der Thora ist. Er müßte seine Anerkennung für dieses Prinzip dadurch zum Ausdruck bringen, daß er dieser selbständigen Gemeinde — insoweit sie vorhanden ist — angehört. Wenn er dieses nicht tu>t und wird trotzdem Führer der A. I., dann ist eben das ganze Prinzip der A. I., welches ,chie durch die Thora konstituierte Cnheit des jüdischen Volkes" darstellen will, gefährdet. Also sowohl das Leben sintere sie der selbständigen orthodoxen Gemeinde wie dasjenige der Agudo veranlassen Mich, die Resolutionabzulehnen. Abgesehen von den formalen Gründen, weshalb ich überhaupt von jeder Beschlußfassung heu>ie bei dieser Zusammensetzung des Delegierten - tages abraten möchte, bin ich sachlich der Meinung, daß eiNe Resolutton wie die vorgelegte in der Tat, um mtt He>rrn Dr. Kahn zu sprechen, den Beginn eines Liquidations- Prozesses des geistigen Erbes von Ksaf Sofer, Rabb. Hirsch, Rabb. Hildesheimer darstellt. Diese geistigen Heroen haben mtt ihrem Herzblut für -die Selbständigkeit der orthodoxen Kehilla gekämpft. See, meine Herren, sind im Begriffe, diese Selbständigkett zu zertrümmern. Wenn Sie schon Resolutionen fassen wollen, dann erklären Sie., daß der 8 4 undeutlich sei, und daß Sie eine klare, deutliche Jnterpretaitton von der Mnessio Gedaulo wünschen, ob Misrachisten und Nilchtangehörige eiNler orthodoxen selbständigen Gemeinde.in. die zentralen Stellen der Agudas Jisroel gewählt werden können oder nicht und enthalten Sile sich jeder En>tscheidung. Ich weiß, daß ich in diesem Saale in der Minorität bin, möchte Ihnen aber trotzdem empfehlen, von Ihrer MajoMä't keinen Gebrauch zu machen. Die Zeire Agudas Israel in Riga. Riga, 20. Mai. Am Donnerstag Y'K m sah die Organisation Zeire Agudas Israel in Riga auf ihr 15 jähriges Bestehen zurück. Vor 15 Jahren wurde die Organisation von Rabbi Joel Barantfchik unter dem NamMiw-nn? knrrsrvns Leben gerufen. Es war damals in der russischen Zeit keine leichte Aufgabe, eine solche Organisation zu gründen und zu erhalten. Die Behörden sahen mit mißtrauischen Augen auf jeden Zusammenschluß, zumal wenn dieser Juden und Jugend zusammenfaßte. Hauptaufgabe der Organisation war Förderung des Thorastudiums unter der arbeitenden Jugend. Es sollte auch der Sabbatentweihung entgegengearbeitet werden. In unermüdlicher Arbet gelang es unserem Rebben, die Flammen der Begeisterung zu entfachen und sie in beständigem Lehrkursus zu erhalten. Jede *) Diese Auffassung wird durch die inzwischen erfolgten Der ö f fenWchungen der Jüdischen Tetegraphen-Agentur vollauf bestätigt. freie Minute wunde für Limud Thora ausgenutzt. Die vielversprechende Arbeit fand mit dem Weltkrieg eine Unterbrechung, aber nicht ihr Ende. Nach der neuen Regelung der Dinge etablierte sich 1917 der Verein von neuem unter dent Namen „Zeire Agudas Israel", und die Arbeit wurde intensiver denn je wieder ausgenommen. 1920 kam unser Rebbe aus der russischen Verbannung wieder zurück, bald darauf wurden die Kurse wieder eingeführt und Lehranstalten gegründet. Unzählige danken es der Organisation und ihrem Leiter, daß sie von dem Strome der Zeit nicht fortgerisfen wurden. An jedem Sabbat hält unser Lehrer eine Mussarrede. Das Jomi wird jeden Tag unter großer Beteiligung gelernt. Das Jubiläumsfest wurde im Haufe des Herrn Mayer R i t t o w, der feit Bestehen der Organisation eine gange Etage seiner Wohnung für ihre Kurse und Vorträge überläßt, gefeiert. Ihm wie dem geistigen Führer, Rabbi Barantschik, ist der Dank der Rigaer Jugend sicher. Aus der Bewegung. Halverstadt. Die Generalversammlung der Ortsgruppe wurde in Abwesenheit von etwa 80 Mitgliedern vonr Vorsitzenden, Herrn Dr. Schlesinger, eröffnet. Einleitend sprach Herr Dr. L i p s ch ü tz - Leipzig über „Glaube und Philosophi e". Der Referent bot einen Ueberblick über die Entwicklung der Philosophie von der Antike bis in die Gegenwart, wies die Krise im Denkprozeß der Menschheit auf, die nur im Glauben überwunden werden kann durch das Absolute, auf dem der Glaube sich aufbaut. Der Vortrag fand reichen Beifall, dem auch der Vorsitzende nochmals Ausdruck gab, indem er es wohl für unerwünscht hielt, eine Diskussion anzuschließen. Eine solche fand auch in der Tat nicht statt. In der dann folgenden Geschäftstagung gab Herr Dr. Schlesinger einen allgemeinen Ueberblick über das Geschäftsjahr 5688, mit dessen Verlauf man im Allgemeinen zzusrieden sein könne, erwähnte die Neuentstehnng des Frauenklubs, der ohne Heranziehung von Dozenten mit eigenen Kräften feine wöchentlichen Zusammenkünfte bestreite, sowie die Anregung der Hamburger Landesorga- Lnisation ins Leben gerufenen sogenannten Klub-Abende, deren im verflossenen Winterhalbjahr vier mit sehr regem und angeregtem Besuche stattfanden. Jeder einzelne fand in einem anderen Privathause in angeregtester Stimmung von Alt und Jung statt, wobei auch Diwrei Tauroh und Agudoh-Themata zu ihrem Recht kamen und trugen jedesmal die Gastgeber das ihrige dazu bei, um echt jüdische Geselligkeit im zusammenpassenden Kreise aufkommen zu lassen. Die Hoffnung ist berechtigt, daß sich diese beiden Neueinrichtungen auch im neuen Winterhalbjahr aufrecht erhalten lassen. — Den Kassen-Bericht, der sich etwa über l1/2 Jahre erstreckte, mit Auszählung der in dieser Periode stattgefundenen neun Vorträge — im Jahre 5688 allein waren es deren fünf — nämlich am 22. November 1927 Herr Rabb. Dr. Auerbach: „Aufgaben^ der Ortsgruppen",' 8. Februar Herr Rabb. Dr. Schlesinger: „Grundlagen der jüdischen Gemeinde"; 25. Februar 1928 Herr Dr. Lipschütz, Leipzig: „Heber die Erschließung des Seelenreiches"; im Januar 1928 Herr Rabb. Dr. Auerbach: „Jüdische Namen, ein Spiegel jüdischer Geschichte"; 12. Märzz 1928 Herr Wolf S. Jacobson: „Was erwarten wir von der nächsten Kenessio Gedaulo?" erstattete dann Herr Siegmund Strauß und es schlossen sich an beide' Berichte verschiedene Anfragen aus dem Kreise der Mitglieder. Bei etwa 80 Mitgliedern, die am Ende 5688 die Ortsgruppe hatte, und die gegeb 5687 sich kaum veränderten, führte die Gruppe statt nur M. 590.—, an die Landesorganisation ab, gegen M. M. 400.—, wiederum fast M. 200.— mehr, nämlich 600.— im Jahre zuvor. Von prominenter Mitgliederseite wurde auch dieses Jahr wieder in nicht mißzuverstehsnden Worten, die innerhalb der Versammlung auf großes Verständnis stießen, der Verstimmung Ausdruck gegeben, daß dis Landesorganisation wohl Redner und Material zur Verfügung stelle, aber für rührige und tätige Gruppen wie die unsrige, was auch vielfach anerkannt werde, dennoch niemanden entsende. Wenn es hier auch in der Regel nicht an einheimischen Rednern fehle, so sei es doch sehr erwünscht, daß außer diesen auch hie und da Herren aus der Leitung, die mehr mit den laufenden Angelegenheiten, . die noch in der Entwicklung begriffen seien, vertraut sind, in Ortsgruppen, wie die unsrige, sich bemühen und so dazu beitragen, das Interesse wach zu erhalten, zu beleben und zzu verstärken. Namentlich für jüngere Mitglieder, die erst seit wenigen Jahren in der Agudoh sind, sei dies dringend notwendig; wenn auch der Tatsache, daß man nicht erwarten könne, daß die beliebteren, zugkräftigeren Redner überall sprechen könnten, so seien doch selbst diese Redner häufig an größeren Orten, die nicht weit von hier entfernt seien, sodaß auch Halberstadt ohne allzugrotze Opfer an Zeit und Mühe nicht ganz leer auszugehen brauche. Nach Erledigung des Punktes 2 der Tagesordnung, Erteilung und Entlastung des Vorstandes, "fand dessen sowie die Wahl der Herren Joses Baer als Revisor und Wiederwahl, nämlich die Herren Dr. Schlesinger als Vorsitzender; Königshöfec, Lundner, Strauß und Leisner statt, des Herrn Albert Jakobson als Ersatzrevisor. Der Vorsitzende erwähnte noch die im Mai vorgesehene Delegierten-Tagung in Leipzzig, zu der in Kürze eine neue Versammlung behufs Wahl der hiesigen zzwei Delegierten geladen werden solle und schloß dann gegen 11 Ahr die Versammlung. Lübeck .imö kiel. In Lübeck fand' am vorgestrigen Montag der BeirsaMmLung-saibend der AgUÄitstem! zur Vorbereitung der Kenessio Gedaulo statt, deren Programm und Notwendigbeiit Herr Bezirk srabbiner Dr. Cohen aus Friedrich-stadt-Flensburg in kurzen und fachlichen Aus fiifyru rug&n brarlegte. 5>te Zuhörer folgten mit sichtlichem Interesse. Herr Rabbiner Dr. Winter wies in der Diskussion nochmals auf die N-otwendigMi hin, die Kentzffio Gedaulo möglichst repräsentativ zu gestalten und tn ihr alle Gegenwartsprobbeme im Sinne L!sr Thora -Neu aufzm rollen. Auch die der Agudo seMstehenden Krieche biekundeten durch Beiträge zum Kenessio Gedaulo-Foinds ihre Zustimmung. Am folgenden Dag stellte sich Ln -aufopfernder Weist Herr I. A. Car lab ach der Mion zur Verfügung. Auch m Kiel, wo Herr Rabbiner Dr. Cohen schon vor mehreren Wochen im gleichen Sinne etem Midraschvortrag zu Gunsten des Kenessio Gedaulo-Fonds gehalten hatte, wu>rde am gtelichen Tags >e!in ähnliches Resuliat erzielt. Die Giemsinde Kiel erwtes sich hierbei alks eine Gruppe der Judenhelit, welche durch diie nnalbläfsigen Bemühiungen ihres verehrten Rabbiners und ferner ln Agudo kreisen bestöekannten würdigen! Gattin lauf «ine vor wenigen Jahren noch uirvgMhnte Höhe beir Gesinnung und Thorafreundschast erhobienl worden ist. Wien. Die A. I. P. V.-Ver>ichte werden, wie das Büro in fetnen tetzien Mitteitunigen bekannt gibt, wahrend der Kenessto-Woche in Wien tägltch erscheinen und genaue Berichte über Verh!andlunGen bringen: Abonnements für dve Kenessio-Au sgabe nimmt zum Preise von eln>em halben Dollar jetzt schon d>ie A. I. P. B., Wien Ii, Leopoldsgasse 26, an. Wien. Sonntag den 5. Mai. (25. Nissan) fand die heu rige zehnte Generalversammlung der Agudas Jtsroeil- JugendMuppe unter besonders zahlreicher Teilnahme der Mitglieder und Freunde der Juigendgruppe statt. Vizepräsident Heinz Herzog, eröffMe die Versammlung mit einer kurzen Begrüßung, insbesondere der erschienenen ofsiziellen Bertreter der Adas Jisroel (Schiffschlll), der Kulbusgemeinde, der Hlisachdus Jeveiim, des Pauteiraides und tue© Vorstandes der Agudas Jisroel, des Beth hamidrasch, der Jessod Haihora und anderer mehrerer VereiiNe, und erteilte Herr Vezatet Stern das Wort zum Generalveferat. Ausgehend vom Kassenbericht, der heuer die imponierende Summe van S. 22.000.— im Eingang ausweist und aktiv aibschließtj, zeichnete der Referent ein anschauliches Mld vom Wachstum d,er Bewegung. Mit der Entwicklung der DugenÄgruPpe HM gleichen Schritt die Vertiefung ihnsr Arbeit. Gin Sijum haschäß .e,ines ihrer jüngsten Mitglieder und d!ie preisgekrönte Kenntnis zweier MtgliieÄer. firt schweren talmudischen Traktat Baba batra sind die stchtbarstein Zeichen für die gründliche Lehrtätigkeit dev Jugendigruppe. Bibliothek und Schiurim weisen glelichermaßen steigjend'e Frequenz aiuf. Die Bibiliothek hat -im vergangenen Jahre 82 neue Werke mit 112 neuen Bänden langeschafft und weit über 3000 Entlehnungen ausgewieisien!. Die Keren Hwtho,ra-Airbleit war voller Erfolg; über 3500 Büchsen sind itn Wien und den Bundesländern plaziert. Die Gibgänge bewegen sich in auffteigender Linie und -lasien Me Hoffnung berechtigt erscheinen, daß der Keren H>athora in absehbarer Zelt m Oesterreich seinen Aufgaben entsprechen werden können wird. Die mächtig aufftrebende Angestellten- und Arbeiterbewegung der Aguda hat in der Jugendgruppe Wien starken Anhang gesunden,, so daß die Steltenvermitilung und Schomre-Schabbos-Akteon der Jugsndgruppe heute ein Faktum bildet, mit dem in Wien heute gerechnet wird. Der Geselligkeitsausschuß hat seine Tätigkeit so sehr erweitert, daß er mit Recht einen^ Teil des Aufschwunges der Jugendgruppe auf sein Konto bucht. C fff J denketdesKer Poslsche ck-Konien: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A. Hamburg,. Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt} a. M. Nr. 41666 (P, Sch, A. Frankfurt a. M Karen Hatorah-Kommrssanat Nfiraberg Nr, 18440 (P. Sch. A» Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr 50131 (P. Sch. A. Köln) Ker’en Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70147 (P. Scb. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 73991 C. Salomon. Keren Hatorah-Kommiuariat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Aiöllsr. Keren Hatorah-Kommissariat Hamburg P, Sch, A, Nr. 40953 für Dr, Julius Basel Keren Hatorah-Kommissariat Karlsruhe Markus Stern Bankkonto Ignaz Ellern,

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