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Der Israelit · 1929-05-30 · Heft 22 (30.5.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 22 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14. Nr. 22 Der Israelit 30. Mai> 1929 diesem Raume, in dieser Situation, bei dieser Seelenqual. (Fortsetzung folgt.) Interessante Schulgebete in den ersten jüdisch-konfessionellen Schulen der einstigen Österreich. Erbländer. (Unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv des Unterrichtsministeriums- Wien«.) Bearbeitet von Dr. Lhaim Tennenhaus. Nach der Jof-ephi-Nischen Judenordnung vom Jahre 1789 sollte in» jeder Judengemeinde eine jüdisch»-deutsche (konfkssion-elle) Schule, nach dem Muster oiner christlichen Normalschule, errichtet werden. Zur Erhaltung derselben wurden die Minjantaxen verwendet. Der Besuch dieser konfessionellen Schulenwar für beide Geschlechter obligat. Schulzwang», sowie indirekte Mittel, wie die Erlangung einer Heirats-lizenz, Wählbarkeit zum Rabbiner und zum Gemsindevo rfteher sowie die Einstellung von Lehrlingen, die man von dem Borweis» »eines Zeugnisses über den erhaltenen Unterricht in der deutschen Sprache abhängig machte, förderten den Besuch der Schulen. In diesen wurde der Unterricht »in der deutschen Sprache, Orthographie, Schreiben, Rechnen und Logik (!) erteilt. Jeder Dagesunterricht wurde — je» nach der Klasse — mit einem eigentümlichen» Anfangs- und Schlutzgebet begonnen und beendet. Nachstehend geben mir die Gebete wieder: Gebet vor dem Unterricht für die Elementar und 1. Kl. „Lieber Gott! Gib uns Lust zum Lernen und mache, daß» wir lieber »in der Schule fein wollen», als zu Haufe müßig gehen». Mache, d-aß wir ruhig »auf das Achtung geben, was uns der Lehrer vorsagen wird, dah wir das Erlernte nachher auch behalten und willig» »befolgen'. Stärke »unfern Willen, das Gute »anzuhören und »auszuüben. Amen!" Gebet nach dem Unterricht für die Elementar »und 1.Kl. „Nun haben wir schon wiede»r etwas zugelernt. Gib auch dafür lieber Gott! Gesundheit und langes Leben dem Kaiser, weil »er uns hat eine Schule machen lassen, unfern Eltern, weil sie uns fleißig in »die Schu»le schicken und unferm Lehrer, weil er »uns lauter gute und nützliche Lehren gibt, und viel Geduld mit uns hat. Amen!" Gebet vor dem Unterricht für die 2. und 3. Klaffe. „Allmächtiger Schöpfer, unser und »aller Menschen Gott! Wir rufen Dich kindlich um Erleuchtung» an! Wir möchten sonst wider Deinen heiligen Willen »etwas tun, oder unterlassen und Deine Ungnade dadurch aus uns bringen. Erwecke in »uns »den Trieb zum Forschen -und zum Nachdenken über das, was wir lernen werden, denn Du kennst ja unsere Neigungen alle, daß wir »uns sonst der Trägheit leicht überkaffen möchten. Lenke unfern Willen, o gütiger Vater aller Menschen! Allen unfern Nebenmenschen Gutes zu tun, damit sie den» Nutzen» der heilsamen Lehren anerkennen» mögen». Lehre »uns, o Ewiger! die Wahrheit mit Eifer zu suchen »und wenn wir sie finden, so »lehre uns, sie »lieben und ihr folgen! Bewahre unfern Geist vor Eigensinn und Rechthaberei, mache, daß »er seine Jrrtümer »gern ablege, und jedem Recht gebe, dem es gebühre, wenn -er "auch geringer ist als wir. Amen!" Gebet nach dem Unterricht für die ' 2. und 3. Klaffe. „Kindlich danken wir Dir, o Urquell »der Wahrheit! Unser Geist hat »schon wieder »etwas gelernt, was »ihm vorhin unbekannt war. Dein heiliger Wille ist erhaben und Deine Weisheit unersorschlich. Mel werden wir noch lernen müssen, »ehe rv>i!r nur das Geringste Deiner Werke begreifen können. Wir 'Unterlassen aber nicht, durch jeden neuen Schritt, den wir tun, der Erkenntnis Deiner Größe näher zu kommen>. Verleihe uns ferner Deinen» väterlichen Beistand, denn ohne diesen würden wir straucheln, und von »der Bahn »der Tugend abkommen. Vor allem aber lehre uns alle »unsere Mitmenschen brüderlich zu lieben, sie mögen Deinen heiligen» Namen» verehren», auf daß wir weise sein sollen». Denn sie sind ja alle Deine Kinder, Du blickst »auf alle Mit »gleicher Huld herab», Du züchtigst sie mit gleicher Gerechtigkeit und segnest mit gleicher Liebe. Schenbe sodann allen Dein Licht, damit alle glücklich hier, -und ewig dort werden. Amen! Der Verfasser dieser Gebete »ist unbekannt. Angeblich soll »er ein aus Mähren »nach Lemberg »eingewanderter jüdischer Lehrer gewesen sein. (Aufschwung im persischen Judentum.) Nach einem an »die ITA. »eingetroffenen zuverlässigen Berichtaus Teheran hat sich die rechtliche, politische und wirtschaftliche Lage der Juden in Persien seit -der Jnaugurierun-g des neuen demokratischen Regimes bedeutend gebessert. In der persischen» Hauptstadt Teheran »leben heute ungefähr 10 000 Juden. Kleinere jüdische Gemeinden gibt es »in anderen persischen» Städten». Die Juden, »die vor der «neuen konstituionellen» Aera «fc Heloten behandelt, unterdrückt und. mißhandelt wurden, »denen nur die Ausübung der niederen Berufe gestattet war, dürfen« heute -dank der freien Konstitution und »dank auch dem seit dem Kriege vor sich gehenden wrrtfchaftKchen Aufschwung ehrenvolle Positionen einnehmen. Die persisch-jüdischen Kaufleute haben» in den besseren» Straßen von» Teheran moderne Warenhäuser errichtet und größere Handelsbüros etabliert. Die Juden vermitteln» den Hände«! mit Europa, richten Druckeretsn «ein/ mehrere Juden betätigen sich als Aerzte und Apotheker, »eine größere Anzahl von Juden- »ist »im Handwerk und »besonders fot» der Schnei» derei tätig, auch dürfen Juden» heute staaitl>iche Aemittr bekleiden». Die »bemittelteren Juden verlassen das enge Ghetto von Teheran »und siedeln sich in den» europäischen Vierteln an. Die jüdischen Kinder besuchen die persischen und die »ausländischen mittleren »und höheren Schulen. Nach der Verfassung» »genießt der persische Jude die gleichen Rechte wie jeder persische Bürger mit der -einzigen Ausnahme, daß ihm wie jedem Nrchtmufelmanen die Ministsrlaufbahn verschlossen »bleibt. Allerdings wird diese Bestimmung »der Konstitution» nicht konsequent durchgeführt: denn auch die Departements der Justiz, der auswärtigen Angelegenheiten, »der Polizei^ »des öffentlichen Unterrichts und des Krieges scheinen den Juden verschlossen zu sein. Seitdem vor dvöi Jahren» die allgemein e Wehrpflicht eingeführt wurde, »dienen die jüdischen» jun«- gen Leute auch »in der Armee die »den Judm früher hermetisch verschlossen war. Bei den Parlamentswahlen wählen die Juden »in »einer »gesonderten» Kurie, was Anlaß zu bedauerlichen Streitigkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinde gibt. (Negerfynagoge.) Herr Rabb. M. M a l i n a - New Pork schreibt Uns: In Nr. 16 des „Israelit" finde ich eine Notiz über die Einweihung einer Negersynagoge in New Work, die zu einer irrtümlichen Beurteilung führen muß. — Die Situation ist wie folgt: Wir haben hier eine Anzahl Neger, die sich unter Leitung eines Negers Ford, der von Beruf Musiker ist, zu einer Judengemeinde zusammengeschlossen haben. Ford, der einzige, der hebräisch lesen kann, wurde zum Rabbiner, resp. hat sich zum Rabbi gewählt. Diese Gemeinde besteht aus 45 Mitgliedern, die in der Hauptsache Hausierer sind. Mit einem großen Mögen Dawid am Rock und einer Mesusa an der Uhrketie gehen sie in die jüdischen Häuser, ihre Waren anbieten und machen damit gute Geschäfte. Wer wird einem schwarzen Juden nicht etwas abkaufen? Viele von diesen Negerjuden werden aber keine Messe in der Kirche versäumen. Der Tüchtigkeit des Rabbi 'Ford ist es zuzufchreiben, daß die Negergemeinde in kurzer Zeit es' dahin gebracht hat, daß sie zwei Häuser erwerben konnte. Ein kleiner Parterreraum, ca. 100 Personen fassend,, wurde in einem der Häuser für Andachten, die Freitag Abend 8,30 und Sonntag in der Kirchenzeit stattsinden, srer gemacht. Vorn steht eine Kanzel mit einer ganzen Menge Leuchter daraus. Ein Siddur, von Schlesinger in Wien gedruckt, und ein Hymnenbuch mit den Kompositionen des Rabbi, sind die benutzten Andachtsbücher. In einer Ecke steht der Oraun Hakaudesch mit einer Sefer- Thora darin. Die meisten Neger, die ich fragte, was das ist, wußten es nicht. An der anderen Seite steht eine Piano, auf d.em die Hymnen begleitet werden. Das alles beweist wohl, daß wir weder ein Recht haben, diese Stätte eine Synagoge, noch die Besucher Juden zu nennen. Rinderecke. Aus meinen Kindertagen. Von» D W. i«rn A. Habt ihr heutigen Kinder wohl schon so-lche Herzensfreude»» in. Euch verspürt, wie wir jk -in» »unserer Km«- derzeit fühlten? Verschwunden sind jene »idealen» Zeiten, in welchen »die Kin-der noch Anteil nahmen» an» allen» Vorkommnissen des religiösen Lebens, wo sie sich aus Sabbat- und Festtagen freuten». Un-d deshalb will ich Euch aus meiner Kinder- und Jugendzeit vom jüdischen« Leben erzählen, aus meiner Heimatgemeinde in. einem kleinen Dorfe. Mit Wehmut denke »ich zurück an jene schönen- Zeiten-, wo man sich n-och so» recht kindlich freuen konnte, was »der heutigen Zeit beinahe fremd» geworden ist. Wir hatten eine jüdische Elementarschule, »unser Lehrer .t? war ein jüdischer Lehrer im besten« Sinne des Wortes, sein Andenken sei -gesegnet. Und nun will ich mit dem beginnen, was ich Euch, m-ein«e lieben Kinder, erzählen will. Freitag Nachmittag und Sabbat. Der Freitag Nachmittag war schulfrei und schon beizeiten waren wir in den schönen« Schabboskleidern. Die Knaben spielten im Schulhof, »die Mädchen holten die chöngefl-ochtenen-, mit Mohn bestreuten Berchies »und den Kuchen beim Bäcker. Kaum konnten wir erwarten,, bis die Zei»t des Synagogengehens gekommen war. Die Mutter betrachtete ans vorher noch »einmal, ob »auch unsere schönen Kleider' beim Spiel nichts an Reinheit verloren hätten. An« Vaters Hand, das Gebetbuch unterm» Arm, (bei uns war ein Eruw, daß man am Schabbos die Gebetbücher wieder 'zurücktragen konnte) ging es zur hellbeleuchteten»..Synagoge. In stummem Staunen» »beträten» wir den heiligen iRaum, geblendet vom Glanz »der messingenen!, » großen achtarmigen Lampen und dem schönen» Schabbos-Po-rau- ,'ches vor dem Or-an-hakaudefch. Und wenn« «erst der Chason Lechodaudi »anstimmte, »da lauschten wir andäch- »fög unb fühlten in heiligem» Schauer die Gottesnähe un d die Sabbatruhe. Den Gebeten» folgten wir, soweit es uns schon möglich »war, mit »ernster kindlicher Andacht.' Wie glän-zten unsere Au-g-en^ wenn wir »beim Kiddüsch den Chason umstanden und wir vom Berocho-Wein i-trink-en »durften. Nach »dem Schkußge-bet -eilten die Kinder 'zu den Großvätern und Vätern und liehen sich benschen. Wie verehrten wir Großeltern und EtternkWo ist diese aus aufrichtigem Herzen kommende Ehrfurcht geblieben? Kam man dann nach Haufe, stand die Mutter in ihrem Schabboskl-eid «m Tische, »uns mit offenen Armen empfangend und uns segnend. Wirklicher Aun-eg Schäbbos» erfüllte »den »durch di«e Schabboslampe »erhe»llten Raum. Auf weißer Tischdecke »lagen »unter dem goldgestickten Deckchen »die Berches und im silbernen Becher glänzte der Wein zum Kiddusch.» Nach» »dem Essenwurden Semiraus -und Schir hamalau-s -gesungen und dann gebenscht. Unser« größte Freude war, wenn wir einen fremden Armen »am Tische hatten, insbesondere, wenn er uns schöne» Thoraworte sägen und Mofchel erzählen konnte: Wo sind die Zeiten hingekommen, wo man der Weisen Spruch: „Die Armen se«ien Deine Hausgenossen" »>ja o” y I'.I'I noch voll und ganz erfüllte! Die heutige materielle Zeit ha»t uns herrliche Güter genommen, aber leider nichts Besseres an deren Stelle gesetzt. : Vielfach, meine »lieben Kinder, hört ihr über schwere, entbehrungsreiche Zeiten klagen und manche unter Euch glauben vielleicht, jetzt könne man» nicht mehr Schabbos halten. Fraget uns, di»e wir M geworden, »ob unsere Väter sich nicht mehr plagen mußten,, um »dm« Unterhalt für die Familien zu erarbeiten. Aber der heilige Schabbos entschädigte sie vielfach für all »ihre Mühe. Sie fanden das Glück im Kreise der Familie, »die Sabbatseele war in ihnen und keine Sorge trübte ihnen» die Sabbatfreude. Und wenn am Schabbos Mittag gebenscht war, dann nahm der Hausherr -das Chum-efch zur Hand u-nd erklärte die Sldro des betreffenden Schabbos mit Raschi, denn so unwissend waren damals nur wenig-e, daß sie nicht Raschi lernen konnten». Keines der Kinder, ob klein oder -erwachsen, durfte dabei seinen Platz verlassen. D»ann ab«er -gings hinaus, die Knaben fanden sich -im Synagogenhof zum Spiel zusammen. Kurz vor Mincho kamen Äi«e Balebatim, um sich vor der Gebetszeit zu» unterhalten, aber nicht von Geschäften sprachen sie, sie waren für uns »der lsh-endigs Schulchan -aruch. Wer hätte damals geglaubt,, daß es einmal jüdische Menschen geben könnte, die den Schabbos durch Arbeit oder andere unerlaubte Dinge entweihen würden. Kam dann die Nacht, -eilten wir wieder indie Synagoge und wie war man» -glücklich, wenn man die Hawdolo-K-erze halten durfte, wie man es »als» eine b>efonder-e Bevorzugung erachtete, wenn man. nach »dem VormMagsgottesdvenst den silbernen Thoraschmuck ins Gemeindehaus zurück-trägen durfte. Kaum nach Haufe gekommen, wurde auch »Per Hawdolo» gemacht, der Kleinste »des Hauses hielt» »die buntgeflochtene Kerze, man fang die Semiraus für Sabbatausgang, Diese Iugendermnerungen begleiteten uns hinaus in das Leben, Pelten uns -aufrecht in allen Lebenslagen». Nun sind wir alt geworden »an Jahren, aber im Herzen sind wir jung geblieben, wei»l Gottes heilige Thora, fein Religionsgesetz uns auf den Weg des wahren Glücks begleitete. Etwas, das als »abfolut z»u»oer-läsfiges Mittel gegen Schlaflosigkeit bezeichnet werden muß, ist jetzt nach 17jährigem Versuch von Di>r. Richard Wagner. Dresden-N. 6 (Deutf-chland) erfunden und» auf den- Markt gebracht worden. Die Erfindung» »besteht aus» einem Seidenkissen, einer Seüden-kappe, Schlafbrille »und Bettauflage, gefüllt mit »frisch duftenden Kräutern«, die mit einer harmlosen- Kräuter-Tinttur getränkt und inhaliert werden«. Besondere Kräuter werden mittels »biochemischem Prozeß» ihres Saftes« en«tzogen, woraus der Duft -erzeugt wird. Wissenschaftlich festgestellt »ist, daß b»ei Verwendung, dileser Tropfen aus bestimmte, »gerei-n-igt und Wtrockn-ete Pflanzen« »der Mensch b»eim e»ina»tmen unmittelbar ermüdet, einschkäft und nach ausruhen gestärkt »erwacht, -ohne jede Ben»ommen»heit oder Kopfweh. Man schreibe an« Laboratorium „ R i w a " , Dresden»-N. 6, Bautzner Straße' 34. Seit 35 Jahren «beliebt» und bewährt, m tausenden von Haushaltungen als unentbehrlich erprobt, so erfreut sich bei unseren Hausfrauen unter dm, Bedarfsartikeln für die Hausrvi-rtschaft die »rühMli-chsL bekannte weiße Elefantenseife mit der Schutzmarke „Elefant" von Günther u. Haußn-er A.-G. in Chemnitz der größten Beachtung und Wertschätzung. Die weiße Elefantenseife zeichnet sich durch' Reinheit und höchsten Fettgehalt aus, unter Verarbei-dung garantiert npr reiner Pflanzenöle, so daß n«m -dieselbe nicht nur zum Wa-schech der Wäsche und aller zarten Gewebe, sondern auch' zur Körperrernigung- und allen sonstigen Zwecken in Küche ML Haus verwenden kann,. Ms besonder« Eigenschaft hat sie noch den Vorteil, daß sie selbst im härtesten Wasser ganz heevorragend schäumt.

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