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Der Israelit · 1929-05-23 · Heft 21 (23.5.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 21 (23.5.1929)
Date
1929-05-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 21 Der Israeli + 23. Mai 1929 PalästinenstscheAusgrabungen vor dem internationalen Archäologen- Kongreß in Berlin. Auf dem Internationalen Archäologen-Kongreß, der soeben in Berlin eine Tagung abhielt, hielt Herr Prof. Sukenik von der Hebräischen Universität in Jerusalem ein viel beachtetes Referat über den Stand der neuesten Synagogen-Forschung in Palästina. Es handelt sich — so führte er in der Einleitung aus — um ein Gebiet, auf dem die bahnbrechende Arbeit von deutschen Gelehrten geleistet wurde. Es war die Expedition der „Deutschen Orient-Gesellschaft", die in den Jahren 1905 und 1907 unter der Leitung von Kohl und Watzinger elf Synagogen in Galiläa teilweise ausgrub, wobei es gelang, die Grundform der palästinensischen Synagoge festzustellen und vieles der alten Synagogen-Ornamentik zutage zu bringen. Die Hebräische Universität in Jerusalem, fuhr Pros. Sukenik fort, beabsichtigt, in der nächsten Zeit eine totale Freilegung der alten Synagogen vorzunehmen. Vorläufig sind nur zwei der von Kohl und Watzinger teilweise frergelegten Synagogen völlig ausgegraben; die bekannte Synagoge von Kapernaum (Teil Hum) und die Synagoge von Ehorazin (Keraze). Die Ausgrabung der Kapernaum-Synagoge haben die Franziskaner beendet; deren Bauzeit verlegt Orfali in das 1. Jahrhundert. Wichtigere Resultate haben sich bei der völligen Freilegung der Synagoge von Ehorazin ergeben, die das Antiquität-Departement der Palästina-Regierung vorgenommen hat. Prof. Sukenik wandte sich der Tätigkeit der „Jüdischen Archäologischen Gesellschaft" in Jerusalem zu, die sich mit dem neuen Synagogen-Fund ber Tiberms befaßt hat. Die Ruine dieser Synagoge wurde beim Wegebau nahe Liberias entdeckt. Die Bauform ist die bei allen Synagogen Palästinas übliche Basilikaform. Von besonderem Interesse sind Reste des Thoraschreins mit kleinen Türen mit Marmorbelag. Außerdem sei eine steinerne Menorah erwähnt, die erste ihrer Art, die man in einer antiken Synagoge entdeckt hat. Ein ganz neu entdeckter Synagogentyp ist eine Synagoge bei Jericho, die im letzten Kriegsjahre aufgefunden wurde, als eine Bombe auf dem türkischen Lager nahe Jericho in einen Hügel einschlug und die Engländer tags darauf Teile eines Mosaikfußbodens -:.u't einer aramäischen Inschrift freigelegt fanden. Diese Synagoge wurde nach dem Krieg von den Dominikanern ausgegraben, wobei reicher dekorativer Zierrat ans Licht gebracht wurde. Auch diese Synagoge ist im Basilikastil angelegt und ist von Vorplatz, Hof und Seitengebäude umgeben. Am bemerkenswertesten ist der Mosaikboden des Mittelschiffs; er weist verschiedene Abbildungen von Vögeln, Tieren, Früchten u. dgl. auf. Der Jnnenkreis umschließt das Mittelstück; eine figürliche Darstellung der Sonne, die aus einem Viergespannwagen, einher fährt . Um dieses Mittelstück sind in Kreisform die 12 Sternbilder angeordnet. In den vier Ecken sind , Figuren angebracht, die die vier Jahreszeiten symbolisieren. Hebräische Inschriften erläutern den Sinn der Darstellungen. , Die Bilder sind leider fast nur in den Umrissen enthalten. Oberhalb des Zodiakus schließt sich eine weitere Darstellung an, die man nur dank einer guterhaltenen hebräischen Inschrift deuten konnte. Von rechts und links schreiten zwei Löwen auf eine in der Mitte befindlichen Figur zu,' von der nur Reste beider Hände enthalten sind. Die Inschrift zeigt den Namen Daniel; offenbar handelt es sich um eine Darstellung Daniels in der Löwengrube. Im «Cüdteil des Baues zeigt der Mosaik die Darstellung eines Thoraschreins, flankiert von zwei fiebenarmigen Leuchtern. In den letzten Monaten, berichtete Prof. Sukenik weiter, ist eine zweite Synagoge dieses Typs entdeckt worden, die der Referent im Aufträge der Hebräischen Universität zu Jerusalem ausgegraben hat. Auch diese Synagoge ist zufällig ans Tageslicht gekommen, als man in der jungen jüdischen Siedlung Beth-Alpha im Tale Esdraelon unweit Beisan Drainagearbeiten vornahm. Hier hatten wir das Glück, auf ungewöhnlich gut erhaltene Funde zu stoßen. Die freigelegte Fläche ist 28 Meter lang und 14 Meter breit. Auch hier ist die Basilikaform gewahrt. Zwei Reihen von je 5 Pfeilern teilen die Synagoge in die übrigen drei Stücke. Längs der Wände ziehen sich .steinerne Bänke. Von großem Interesse ist eine Apsis, die auf der Südmauer der Synagoge ausladet und zweifellos als Standplatz des Thoraschrems diente. Eine spätere Hinzufügung ist ein stufenartig erhöhtes Podium (Bema) m der Nähe der Apsis. Die -Richtung der Synagoge zeigt gen Süden, ist also Jerusalem zugewandt, wie alle Synagogen, die nördlich Jerusalems aufgefunden wurden. Der ganze Komplex ist mit Mosaiken ausgelegt, das Hauptmosaik des Mittelschiffs ist außerordentlich bilderreich und vielfarbig. Es ist in drei Felder geteilt und von einem Rahmen umgeben, der eine "verschlungene Wemranke darstellt, in deren Ver» stzlingungen sich Abbildungen von Menschen, Tieren, Vögeln, Fruchlkörbssn usw. finden. Bei der Apsis im Südteil zeigt das Mosaikfeld die Wiedergabe eines Thörafdjrerns; seiner Geräte und Verzierungen. Im Mittelpunkt ist der Thoraschrem als ein giebelartiges Gebäude dargestellt. Seine Front weist zwei Flügeltüren auf, die in je vier Felder geteilt sind. Jedes der vier Felder zeigt Nachbildungen von Schnitzornamentik. Heber den Türen trägt eine Leiste drei Vasen. Oberhalb der Basen sieht man eine Conche, über der vom Giebelvorsprung herab die Ewige Lampe hängt. Auf den Akroterien steht je ein Vogel — wahrscheinlich die Cherubim der Bibel. Zu beiden Seilen des Thorraschreins stehen zwei siebenarmige Leuchter, bei denen man zwei Widderhörner, sowie Abbildungen von Thorarollen in Theken sieht, aus dem die Umbilici herausragen. Rituelle Feststräuße und Citrusfrüchte (Lulab und Ethrog) finden sich unter den Abbildungen. Unterhalb der Leuchter flankieren zwei brüllende Löwen den Thoraschrein. Sträucher und Vögel füllen den freien Raum. An dieses Feld schließt sich das rechteckige Feld des Zodiaks an, das hier den Mittelpunkt des ganzen Mosaiks bildet. Im Zentrum sieht man die figürliche Darstellung der Sonne mit einem Strahlenkränze auf dem Haupte auf einem vierspännigen Wagen tronend. Die freien Stellen sind mit Halbmond und Sternen bedeckt. Konzentrisch zu dem kreisförmigen Mittelstück sind die zwölf Sternenbilder angeordnet. Das Jahr beginnt, wie aus den Inschriften klar ersichtlich ist, .mit dem Widder — dem Sternbild des ersten Frühlingsmonats. Besondere Erwähnung verdienen folgende Bilder: 1. Das Bild der „Zwillinge", die eng verbunden gleich siamesischen Zwillingen dargestellt sind. 2. Die „Jungfrau", die mit Ohr-, ringen und anderem Schmuck behängt auf einem Thronfessel sitzt. 3. Das Abbild der „Waage", das einen Mann zeigt, der in seiner Rechten eine Waage hält. 4. Der „Schütze", der in der Linken einen Bogen hält. 5. Der „Wassermann", der das Wasser aus einer Zisterne schöpft. In. den vier Feldern des Rechtecks, das den Zodiakus umspannt, sind vier Darstellungen der Jahreszeiten angebracht, die durch geflügelte Genien versinnbildlicht werden. Am künstlerischsten ist das Bildnis des Herbstes. Die Gestalt tragt ein Diadem, Ohrringe und Schmuckbehang, der hauptsächlich aus Smaragd, Amethyst und Topas besteht, zu deren Wiedergabe man Glaswürfel verwendet hat. Bemerkenswert ist, daß die Genien blondes Haar tragen. Gut erhaltene hebräische Inschriften finden sich neben jeder Abbildung. Das anschließende Feld ist einer Darstellung der Opferung Isaaks gewidmet und zeigt einen Aufmarsch aller beteiligter Personen von links nach rechts. Links stehen die beiden jungen Diener mit dem aüfgezäumten Esel. Der Diener rechts von dem Tier hält in der rechten. Hand hie Zügel, in der linken eine Peitsche. Neben ihm sieht man einen Widder, der an einem Busch angebunden ist Heber dem Widder befindet sich ein Zitat aus dem Thoraabschnitte, das auf den oiblich'en Vorgang hindeutet. Eine ausgestreckte, von einem Strahlenkranz umgebene Hand symbolisiert das Eingreifen Gottes und weist auf Abraham, der sich nach ihr umwendet, um den Ruf Gottes aufzunehmen, lieber der Hand führen einige hebräische Worte den himmlischen Befehl an. Abraham selbst ist als ein ältlicher, bärtiger, wohlbeleibter Mann dargestellt, dessen langer Mantel bis auf den Knöchel herabfäNt. In der Rechten hält' er ein langes Messer. Die Linke saßt den Sohn Jizchak, der nackt in sehr Hellen, weichen Farben als 'junges Knäblein mit gebundenen Händen dargestellt ist. Rechts steht der Ovferaltar mit lodernden Flammen. Zu beiden Seiten der Mitteltür trägt das Mosaik Bilder eines Löwen und eines Bison oder Stiers. Zwischen den beiden Tieren wurden zwei Inschriften — die eine in aramäischer,, die andere in griechischer Sprache — gefunden. Die griechische Inschrift enthält die Namen der beiden Handwerker Marianos und feines Sohnes Hanina, die das Mosaik legten. Die leider zum Teil zerstörte aramäische Inschrift gibt die Zeit der Anlage des Mosaik an, sowie die dafür verausgabte Geldsumme und die Namen der Stifter,mit den üblichen Segensformeln. Von alledem hat sich noch folgendes erhalten: „Dieses Mosaik wurde im Jahre . . . der Herrschaft des Kaisers Justinus gelegt" usw. Sukenik vermutet, daß es sich um Justin I., 517—528 handelt, fodaß wir es also mit einer Synagoge aus dem Ende jdes ersten Viertels des 6. Jahrhunderts n. d. u.' Ztr. zu tun haben. Die aus der ganzen Welt versammelten Archäologen folgten mit gespanntem Interesse den Ausführungen Prof. Sukeniks. Hauptversammlung des Ostpreuß. Synagogen-Verbaudes. Die im jüdischen Gemeindehause in Allenstein stattaesundene Hauptversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens war von fast allen ostpreußischen Gemeinden vertreten. Der Verbandsvorsteher, Arthur E o h n - Königsberg, begrüßte die Versammlung und die Ehrengäste. Nchch weiteren Begrüßungsansprachen eröffnet der Verbandsvorsteher die Tagung durch einen tief empfundenen Nachruf an den verstorbenen Vexbandsvorsteher, Justizrat Eduard H o lz? Königsberg. Der Jahresbericht des Verbandsvorstehers gab,ein Bild von.der außerordentlich umfangreichen und fruchtbaren Tätigkeit des Verbandes. Im besonderen be-; richtete er über die vom Preußischen Landesverband be-; willigte Ostpreußenhilfe, Wer hie KrgWsation .des Reli-; gwüsunterrichtes, die im großen und ganzen alD -UH? geführt hez.eichpet werden konnA die be«chstchDg.te SHäf- Mg - .B^irWWinate; die Äulmrfahrten, in die Kleingemeinden usw. Rabbiner Dr. A p t - Allenstein hielt darauf eineu Vortrag über „Die religiöse Pflicht des Zusammenschlusses". Der Zusammenschluß jüdischer Menschen zu gemeinsamer Arbeit im Dienste jüdischer Ideale sei höchste religiöse Pflicht. Durch diese Versammlung der Vertre'er jüdiHer. Gemeinden und jüdisch-religiöser Interessen in einem jüdischen Gemeindehause sei das Gebot des religiösen Zusammenschlusses in höchster Vollendung erfüllt.. Prof. Türk- Berlin erferierte über die Aufgaben des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, die er in der Hilfstätigkeit für die .notleidenden kleinen und mittleren Gemeinden durch Gewährung von Subventionen zur Besoldung der Beamten, Instandhaltung der Synagogen und Friedhöfe, in der Einrichtung von Be- ^i.kslehrerstellen, Bez'rlsrabbinä!en und Schulirfrekiionen, in der Begründung einer Arbeiterkolonie, Förderung und Beachtung der jüdischen Bevölkerungsstatistik, Schaffung des Judengesetzes, Einführung einer Beamtenordnung usw. erblickt. Der beste Wille des Landesverbandes auch den weitgehendsten berechtigten Wünschen gegenüber findet eine Grenze in der Beschränktheit seiner finanziellen Mittel. Aus diesem Grunde könnten auch die unzulänglichen Dersorgungsverhältnisse der Beamten und.deren Hinterbliebene nicht beseitigt werden ,so sehr die Notwendigkeit hierzu auch anerkannt werden müsse. Eine Erhöhung der Beiträge der Gemeinden zum Landesverband fei erwogen worden, hätte sich aber nicht durchführen lassen. Ostpreußen befinde sich infolge seiner ungünstigen geografischen und wirtschaftlichen Lage in einem schweren Notstände. Die Bevölkerungsstatistik habe ergeben, daß die Zahl der Juden in Ostpreußen — heroorgerufen durch Abwanderung ins Reich infolge wirtschaftlichen Boykotts, dur chSpätehe, Geburtenrückgang u.» a. — immer mehr zurückgehe, fodaß die Verhältnisse hier weit ungünstiger liegen als in den westlichen Provinzen. Darum feien für Ostpreußen besondere Hilfsgelder als erforderlich anerkannt und bewilligt worden. Die Referate veranlaßten eine außerordentlich rege Aussprache, an der sich die Vertreter zahlreicher Gemeinden sowie Vertreter der Beamtenorganisation beteiligten. Eia Mittagessen, zu welchem die Synagogengemeinde Allenstein emgeladen hatte, vereinigte die annähernd 200 Teilnehmer. Nach Wiedereröffnung der Hauptee.fammlung erstattete Waisenhausdirektor P e r i tz - Königsberg den Bericht des S chu l aus f ch uf f es , aus dem sich ergab, daß besonders durch die Bildung von Bezirkslehrerstelleu die Erteilung des Religionsunterrichtes in einer immer größeren Anzahl von Gemeinden erreicht worden ßens, nach dem bereits feit Beginn des neuen Schuljahres ist. Der neue Lehrplan für die Religionsschulen Ostpreugearbeitet wird, lasse erhoffen, daß auch der Religionsunterricht sich den neuzeitlichen pädagogischen Anforderungen anpassen werde. Den Kassenbericht erstattet der Schatzmeister Siegmund Wolfs- Königsberg. Danach schließt das abgelaufene Geschäftsjahr in Einnahmen und Ausgaben mit Rm. 10 756.—, der Voranschlag für das neue Geschäftsjahr mit Rm. 7 600.—. Zum Verbandsvorsteher wurde einstimmig Herr Arthur Cohn- Königsberg gewählt, zu Stellvertretern Sanitätsrat Dr. Rosenkranz - Insterburg und Siegmund Wolfs- Königsberg, zu Mitgliedern des. Gesamt- Ausschusses Rechtsanwalt Reeumann -Allenstein, Dr. Krüger-Allenstein und Geheimrat Prof. Dr. Falten he im -Königsberg. - Der Verband wird im nächsten Jahre die Feier seines 50jährigen Bestehens begehen. Stadtältester Otto Eichelbaum - Insterburg überbrachte, die Einladung seiner Gemeinde, diese Feier in Insterburg stattfinden zu lassen, da der Verband hier s. Zt. gegründet worden ist. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Familleuyachrichten.° Geburten: Eine Tochter, Landrabbiner Dr. Blum, Emden. B a rm i z w o: Wilhelm. Sohn hes Herrn &. H. KatzenMn, LänsDrähe 25a SyriaZotzeFriedbdrHraUage: ins ritnjf w-ipi rW, — Walter. Sichtt des Herrst Robert Rilckersberg (Hotel Kronprinz) Wiesbaden; * ' r* j 5 N _ _ loeBwtaMrrSjet? MbfVaB ‘Sjfäxtllet?* MkA'ttjMOifiT, KauWrt a.M^ IWratei.K> :MS Hatz' rtz, Aeüva.kfcttatttr i» Bttlas «erlüg-' Ameugesellschaft. Fraukfurt a. 9t.

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