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Der Israelit · 1929-05-16 · Heft 20 (16.5.1929) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 20 (16.5.1929)
Date
1929-05-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Der Israelit Blätter Nr. 10. Seite 3 16. Mai 1929 Leipziger Delegiertentag. Wie uns mitgetM wird, beabsichtigt der bekannte Führer der polnischen Landesorganisation der Agudas Jisroel, Herr Oberrabbiner Weier Schapiro aus piotrkow am Leipziger Delegiertentag der Agudas Jisroel teilzunehmen. Herr Oberrabbiner Zchapiro wird auch der Hauptredner bei der für den Abend in Aussicht genommenen öffentlichen Kundgebung fein. Delegiertenkag Leipzig. 1. Das Tagungslokal -er Delegiertentagung befindet sich, im Künstlerhaus, Ittckischplah 1. 2. Die ankommenden Herren werden auf dem Leipziger Hauptbahnhof von hiesigen Agudisten empfangen und in das auf dem Leipziger Hauptbahnhof befindliche Empfangsbüro geführt. Im Empfangsbüro wird Auskunft über reservierte Zimmer in Hotels oder bei Privatleuten gegeben. Eröffnung des Keneffio-Gedaulo-Vüros. Das Büro der Kenessio Gedaulo ist in Wien H, Malzgasse 12a eröffnet worden. Dorthin sind alle Korrespondenzen zu richten, die sich auf Unterkunft, P a ß v i s a und sonstige die Reise zur Kenessio Gedaulo betreffenden Angelegenheiten beziehen. Die Bedentnng des Markes. Zum Leipziger Delegiertenkag. Es ist vielleicht ein günstiges Zeichen, daß der Leipziger Delegiertentag zu einem Zeitpunkt stattfindet, wo in seinen Teilnehmern noch die Gedanken nachklingen, die die Wochen-Parscho 11V8 m ihnen geweckt hat. Dem Midrasch (aus Grund des Talmud) wird das Wort iw zur Gelegenheit, die Reinheit der Sprache, die Heiligkeit des Wortes eindringlich zu beurkunden, den Mißbrauch des Wortes in Bösrede und Zwischenträgerei zu brandmarken, ihre furchtbaren Folgen an historischen Beispielen zu belegen. Gottes Thora, deren Worte gezählt sind, fügt sich Worte hinzu, um das Wort „unrein" nicht zu benutzen!; aus dem Mund des Heiligen kommt nur das Wort Reinheit. Der Midrasch erzählt uns von den Jünglingen zur Zeit des Königs David, die den Geschmack der Sünde nicht kannten, und die die Thora in 49 facher Weise zu deuten wußten, so daß Davids Herzen ein Gebet um sie entströmte: „Gott hüte sie, Gott schütze die Lehre, die in ihrem Herzen ist." Und doch, sie zogen in den Krieg, und sie fielen im Krieg, weil unter ihnen Bösredner und Zwischenträger waren. Und da David die, furchtbare Folge der Bösrede und Zwischenträgerei sieht, ruft er verzweifelnd aus: „Gott, was soll Deine Majestät auf der Erde, steig hinauf über die Himmel, Gott, Deine Majestät nimm weg aus ihrer Mitte." Da, wo Bösredner sind, wo Zwischenträger, anonyme Hetzer und Verleumder sind, da ist die Religiosität, gewichen, da entweicht die Schechina, sie zieht sich zurück in den Himmel. Und umgekehrt, zur Zeit von Achab, da war das Geschlecht gottlos und götzendienerisch; und dennoch, es zog in den Krieg und siegte, siegte, weil Bösredner und Verleumder, weil Verräter nicht unter ihm waren. , Jn> einer Zeit, wo wir Verrohung durch Wort und Schrift schaudernd erleben, da sollten die, welche Gottes Schechina in ihrem Kreis wissen möchten, doppelt und dreifach die Mahnung spüren, die aus dem naK' Worte fließt. Sie sollen der Lehre eingedenk sein 021212 11,1m 2'»2N. Wollt Ihr weise sein, dann nehmt Eure Worte wohl in Acht. Das Wort steht zwischen Gedanke und Tat. Ein niedriges Wort läßt auf 'Niedrige Gedanken schließen und niedrige Taten befürchten. Und in, unserer heiligen Sprache sind ja Wort und Tat durch dieselbe Vokabel gekennzeichnet "uv- Wollt Ihr weise sein, dann nehmt Eure Taten in Acht D31313 Iinm r oder, wie wir es einmal vom Wiener Schifffchulraw '"i hörten: „Wollt Ihr weife sein, dann seid strahlend, Liebe und Frömmigkeit ausstrahlend in Euren Worten und in Euren Taten.' Der Talmud knüpft an das m»8i ii»8 die Lehre: a'iopa bv a^m i',imb m&8i ii»8 Das mag vielleicht nicht nur bedeuten, daß den Großen die Pflicht obliegt, die Kleinen zu verwarnen, daß sie nicht Mutwillens sich verunreinigen: vielleicht mag es auch den« Sinn haben, daß den Großen die Aufgabe obliegt, durch das Strahlende und Leuchtende in ihrem Wesen und ihrem Wirken auf die Geringen Enifluß zu nehmen, daß das leuchtende Beispiel der Großen die Kleinen von der Verirrung, von der Verunreinigung in Gedanken, Wort und- Tat zurückhält. Der deutsche Delegiertentag repräsentiert die älteste Landesorganisation der Agudas Jisroel. Aber Nicht nur deshalb, sondern weil man weiß, daß der im Osten entstandene agudistische Gedanke seine erste organisatorische Formung in deutschen Landen und durch deutsche Persönlichkeiten erfahren hat, darum soll, sollte die deutsche Landesorganisation ein Vorbild sein für die andern. Möge auch ihr Delegiertentag davon zeugen, mögen seine Beratungen so viel Liebe, Brüderlichkeit und Wahrheit ausstrahlen, daß die deutsche Landesorganisation den andern Schwesterorganisation-en nach dieser Richtung hin Beispiel gibt und Ansporn wird, daß er getragen sei von dem Geiste der Thora, in dem sich vermählt haben die Liebe und Brüderlichkeit mit der Wahrheit: .,12 tv»k V1LN1 ,nmo rwm-r 8N'"118 W. S. I. Kattowitz oder Men. Vorbemerkungen zum Leipziger Delegiertentag. Don Wolf S. Jacobson in Hamburg. Zu dem in diesen Tagen stattfindenden Delegiertentag der deutschen Agudas Jisroel seien einige Bemerkungen gestattet. Sie wurden veranlaßt durch verschiedene Aufsätze in der Pessach- Festnummer der Jüdischen ^Presse, die sich sehr erfreulicherweise mit der Kenessio Gedaulo und den verschiedenen Problemen, die auf ihr behandelt werden oder behandelt werden sollten, befaßt. Die dort veröffentlichten bezw. im Zitat gebrachten Aufsätze zeigen, daß vielen, und' auch hervorragenden Männern, die Agudas Jisroel nicht das ist, was sie sein sollte: der Boden, auf dem sich die verschiedenen Richtungen des orthodoxen Judentums begegnen, daß sie Jedem von ihnen vielmehr nur ein Instrument ist, durch das er seiner Auffassung des orthodoxen Judentums, seiner Auffassung von Aufgabe und Organisationsform des thöragetragenen Volkes zum endgültigen Sieg verhelfen will. Da ist einer unserer jugendlichen Denker, Siegmund Forst-Wien, dem davor bangt, daß die Jugend des Ostens zum „Thora-im-Derech- Erez" Hirfchs hinsteuere, und der da sagt, daß das ein System des Kompromisses sei, während „Agudas Jisroel die berufene Vertreterin wäre, den Gedanken des jw»id fortzuführen, unter Ausschaltung der kompromißhasten Lösung eindeutig nach außen Stellung zu nehmen; unter Betonung unserer völligen Veziehungslosigkeit zu den Andern, jüdische Geistigkeit zu intensivieren." Da wird weiter ein Aufsatz „Wir brauchen Scholaüm" zitiert, in welchem A. M. zur Sammlung aufruft, zum Scholaüm unter den deutschen Jereim. Da wird versucht, dem deutschen Rabbimschen Rat, der die höl^ste geistige Behörde, die geistige Repräsentanz der deutschen Agudas Jisroel, also d i e deutsche Agudas Jisroel darstellt, Vorschriften zu machen, wie er, der Rabbinische Rat, die Idee der Agudas Jisroel aufzufassen habe. Und das ist wieder charakteristisch und zeigt, daß dem Schreiber seine Auffassung nicht nur als die ihm absolut richtige erscheint, sondern daß er sie auch als die für die Gesamt- Agudas Jisroel gültige deklarieren möchte. U-nid dort findet sich weiter ein ausführlicher Aufsatz eines unserer agudistischen Führer, Dr. Salomon Ehrmann-Franksurt a. M. „Zur Kenessio Gedaulo", in welchem wichtigste Probleme der Agudas Jisroel, Fragen an die 2. Kenessio Gedaulo, unter Verwendung des Motivs der ü'i3 'i zur Erörterung gelangen. Da es sich bei oiesem Aussatz um die Meinungsäußerung einer unserer Spitz en persönl ichk eiteN> handelt, sei eine ausführlichere Stellungnahme gestattet. Ich teile zwar den Pessimismus, der aus den Ausführungen des Herrn Dr. Ehrmann z. T. spricht, nicht in vollem Umfang; denn ohne gegen die aus unserer finanzieller.i Not entstandene Lockerung der Organisation blind' zu sein, sehe ich doch in fast allen Ländern, am allerwenigsten leider noch in Deutschland, die orthodoxe Jugend in Scharen zur Agudo eilen; sehe unter ihr Persönlichkeiten, die in, nicht zu ferner Zukunft agudistische Führer großen Formats zu werden versprechen. Dennoch bin ich mit allem, was Dr. E. unter den Fragen despwi 'wi und b8wb snr» unw rubriziert, und was er auf diese Fragen antwortet, einverstanden. Zu dem, was er zum Kapitel des Chochom zu sagen hat, möchte ich jedoch Einiges bemerken: Ganz einig bin ich mit ihm, daß es völlig abzulehnen ist, wenn von agudistischer Seite dem Rabbinischen Rat quasi diktiert bezw. nahegelegt wird, was und wie er zu entscheiden hat. Das ist das Wesensmerkmal von Agudas Jisroel, und das allein kann es bleiben: D e r R a b b i n i s ch e Rat ist, als Repräsentant der Tauroh, der Herrscher in Agudas Jisroel u n d : „ u n s e r H e r r s che r absolut, wenn er seinen Willen tut." Niemand hat ihm dreinzureden. Niemand Ratschläge zu erteilen, und Jedermann, in welchem Lager er auch steht, die Entscheidung des Rabbinifchen Rates als für ihn verbindlich anzuerkennen. Rütteln wir an diesem Prinzip, oder strafen wir es durch ünfer Verhalten Lüge, dann haben wir uns als Agudisten gerichtet unddie Agudas Jisroel vernichtet. Wenn Dr. Chrmann jedoch das in dem betreffenden Aufsatz von A. M. anAschnittene Problem auf die Formel „entweder Kattowitz oder Wien" bringen will, so muh ich dem entschieden widersprechen. Um welches Problem handelt es sich? Es handelt sich um Folgendes: Der 8 4 der Agudo-Verfassung schließt Angehörige von Organisationen, die sich im prinzipiellen Gegensatz zur Agudas Jisroel befinden, von der Wählbarkeit in die zentralen Verwaltungsorgane — den Zentralrat, bas (S^etu* tiv - Komitee, den Geschäftsausschuß — aus (nebenbei bemerkt, nicht von der Wahl in den Rabbinischen Rat.) A. M. ist nun der Meinung, daß der 8 4 ruhig bestehen bleiben möge für die Länder, die darin eine Sicherung. sehen; wünscht aber, — und gibt diesem Wunsch in einer oben schon gegeißelten, unerlaubten Form Ausdruck — daß der deutsche Rabbinische Rat ihn in einer Weise interpretiere, daß die Angehörigen gemeindeorthodoxer Organisationen von ihm nicht betroffen werden. Wie reagiert Herr Dr. Ehrmann auf diesen Wunsch? Entweder Kattowitz oder Wien! Und er formuliert diesen Gegensatz wie folgt: „Ist die Agudas Jisroel bloß ein Zweckverband, in dem auch in den obersten Verwaltungsorganen alle Diejenigen, welche individuell-orthodox sind, zur Leitung und Führung völlige Gleichberechtigung haben? oder aber ist die Agudas Jisroel nicht bloß ein Zweckverband, sondern eine Organisation, die

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