Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450565--75955-2533504- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
turnt Der jsraetit l)r. i$ 192$ MW Die Lissaboner Zuden. II. Aus dem bereits hier angezeigten I. Teitelschen Buch der Memoiren „Aus meiner Lebensarbeit" entnehmen wir hier das Capitel, das den Angola- Traum (geplante Ansiedlung von Juden im portugiesischen Angola) in seinen Phasen zeigt. Nach einer ermüdenden Reise mit der spanischen ziemlich langweiligen und schmutzigen Eisenbahn kamen wir endlich in Lissabon an, T-erlo, dem unsere Ankunft angekündigt worden war, erwartete uns am Bahnhof mit Zilinder und Handschuhen und auch sonst in Lull 6re6. Wie erstaunt war er aber, als die Delegierten der „Jto" einem unansehnlichen Wagen 3. Kl. entstiegen! Er brachte uns im Auto nach dem besten Hotel, „Europa", wo für-uns zwei geräumige und gut möblierte Zimmer reserviert waren. All das mußten wir aus unseren dürftigen Mitteln bezahlen! Terlo erwies sich als ein äußerst beweglicher, energischer Mensch; die Rolle eines Vermittlers zwischen dem jüdischen Volk und der portugiesischen Regierung schmeichelte nicht nur seinem Ehr' geiz, sondern begeisterte ihn, und er wünschte nichts sehnlicher herbei, als die Uebersiedlung aller Juden nach Portugal. Wie wir später erfuhren, war er in ganz Portugal der einzige Jude aus Rußland, und darum hatte sich auch die portugiesische Regierung mit ihrem Vorschlag zuerst an ihn gewandt. In Lissabon waren wir abends angekommen. Nachdem wir uns mit Terlo unterhalten hatten, legten wir uns, ermüdet von der langen Reise, zu Bett. Frühmorgens am nächsten Tage traten wir auf die Straße hinaus. Eine helle Frühlingsfonne strahlte freundlich herab, und wir kamen uns wie in einer Zauberwelt vor. Von sämtlichen Hauptstädten Europas, die wir fast alle kannten, erschien uns Lissabon als die schönste. Die Stadt erstreckt sich über sieben Hügel und ist voll üppiger südlicher Vegetation. Riesenhafte Palmen, an deren Stämmen sich Rosen aller Farben und Schattierungen emporranken. In den öffentlichen Gärten allerhand kunstvolle Bauten, Lauben, Sonnenschirme und Kolonnaden in den schönsten Farben. Lissabon liegt an der Küste des Atlantischen Ozeans und ist daher stets von einer Fülle von Durchreisenden nach Marokko, Palästina, Südamerika besucht. Trotz der frühen Stunde war das Straßenleben bereits in vollem Gange; ein mannigfaltiges Publikum: Engländer, Afrikaner in Landestracht, besonders viel Mulatten. Ich weih noch, wie mich die Schaufenster in Erstaunen setzten; die Preise waren schwindelerregend; ein Damenkleid war mit 16 000 Reis, eine Bluse mit 5000, eine Kravatte mit 200 Reis ausgezeichnet ufw. Wir wurden durch dieses Anblick ziemlich deprimiert und dachten sogar schon daran, so schnell wie möglich aus Lissabon wieder zu verschwinden, da unsere gesamten Kapitalien, das uns von dem Kiewer „Jto"-Komitee mitgegebene Geld miteingerechnet, bei solchen Riesenpreisen auch nicht für einen Tag reichen würden. In großer Verwirrung kehrte ich mit meiner Frau ins Hotel zurück, und wir waren sogar entschlossen, auf den Morgenkaffee zu verzichten. Aber Terlo, der uns bereits erwartete, beruhigte uns lachend und erklärte, daß ein Reis ungefähr gleich einer Viertelkopeke fei. Da beruhigten auch wir uns. Obwohl es erst Anfang Mai war, bekamen wir schon zum Morgenkaffee wunderbare Südfrüchte in Hülle und Fülle serviert. Nach dem Frühstück führte uns Terlo in fein Büro. Er betrieb etn Weinexportgeschäft. An einer Wand seines Arbeitszimmers hing eine große Karte von Angola. Terlo hatte einen alten Militärarzt, der fast 20 Jahre in Angola zugebracht hatte, gleichfalls eingeladen, und dieser führte Uns nun eingehend in die ethnographische und geographische Beschaffenheit von Angola ein, das fast den ganzen südwestlichen Teil von Afrika einnimmt. Dieser Arzt wor ein großer Liebhaber von Angola und glühender portugiesischeer Patriot, und so trat er eifrig für die Uebersiedlung der Juden nach Angola ein. Terlo spielte bei dieser Unterhaltung den Dolmetscher. Uebrigens sprach der Arzt auch französisch, und meine Frau übersetzte mir dann, was er ihr sagte. Wir verbrachten fast den ganzen Tag bei Terlo. Am nächsten Tage wollte er uns mit einem Manne bekanntmachen, der über das Angebot der portugiesischen Regierung gut informiert war und eine hervorragende Stellung in den politischen Kreisen Portugals einnahm. Es war Alfred Benfaud, Direktor der Technischen Hochschule von Lissabon. Bei Benfaud und dessen Familie möchte ich hier noch etwas verweilen. (Fortsetzung folgt.) Ainderecke. Der Elijohu-Vecher. Don Edith -Levi, München. (Schluß.) Am Festausgang versammelte sich die ganze Familie zu Hawdoloh. Dann erhob sich der Fremde, dankte seinen Gastgebern in gerührten Worten für ihre Güte und nahm feuchten Auges Abschied. Er wollte, nachdem der Jomtow vorbei war, die Gastfreundschaft dieser guten Leute unter keinen Umständen länger in Anspruch nehmen. Es war ja noch -nicht spät, und so hoffte er in der sternenhellen mondklaren Nacht nach dem etwa eine Stunde entfernt gelegenen Ternow zu kommen, wo ein alter Bekannter von ihm wohnte und von wo er dann am andern Morgen seinen Heimweg antreten wollte. Jeder einzelne wollte ihn zurückhalten; doch keiner wagte ein Wort zu sagen. Da nahm sich Schelome ein Herz und bat, er möchte doch wenigstens bis zum Morgen bleiben. Dann wollte er ihn ein Stück Wegs begleiten, bis er aus dem abgelegenen Orte auf sicherer Landstraße sei. Im Stillen hoffte er wohl, seinen Gast über ganz Jomtow bei sich halten zu können. Der Fremde widerstrebte sehr und lange mußte Schelome bitten und drängen, bis dieser sich bewegen ließ, diese Nacht noch zu bleiben. Endlich gab er nach und so bezog er wieder, wie die beiden Nächte zuvor, sein Dachkämmerlein und bald darnach legte man sich schlafen, um am nächsten Tage in aller Frühe wieder auf den Beinen zu sein.- Es mochte wohl gegen 1 Uhr Nachts sein, da wurde au die Tür gepocht. Erschrocken erhob sich Schelome, um nachzusehen und fand zwei Männer, die eben einem Wagen entstiegen waren und ihn nach dem Gaste fragten!, den er beherbergte. Im ersten Schrecken wußte Schelome nicht, was er sagen sollte. Doch da er bald erkannte, daß es Beamte waren, die in freundlichem Tone zu ihm sprachen, beruhigte er sich und stand Rede und Antwort. Bald nachher fuhren die beiden mit seinem Gaste, den er geweckt hatte, in die Nacht hinaus. Er konnte beobachten, wie sie ihn in zuvorkommender, beinahe ehrerbietiger Weife behandelten. Das machte ihm das Rätsel zwar nicht kleiner, aber beruhigte ihn doch über das Schicksal des Fremden.- Das Fest verging in Erinnerung an den seltenen Gast, von dem sie nichts weiter erfuhren. Da langte eines Tages ein Paket an, das ein Bote von Mahram Leibenstein überbrachte, einem der ersten Kaufleute Lembergs, der durch seinen Reichtum, seine Thoragelehrsamkeit und sein Gemilus-Chesed, weit und breit in aller Munde war. Das Paket enthielt einen großen silbernen Pokal mit der Aufschrift: „Kos fchel Elijohu Hanowi". Er war mit Goldstücken bis zum Rande gefüllt. Oben aber lag ein Brief, der nach herzlichen Worten des Dankes vo-n den Erlebnissen des Gastes berichtete. Dieser war kein anderer als Mahram Leibenstein selbst. Auf dem Heimwege pon der Leipziger Messe, war er in dem großen Walde vor Latisow von Wegelagerern überfallen worden. Sein Diener wurde erschlagen, sein Geld und seine ganze Habe, die er bei sich führte, geraubt und sein Wagen mit den edlen Pferden fortgeführt. Nur wie durch ein Wunder konnte er selbst das nackte Leben retten. Holzfäller hatten am übernächsten Tage den Erschlagenen -im Walde gefunden. Und da man bald in der Gegend von dem seltsamen Gaste sprach, der die Aufmerksamkeit aller erregte, die ihn sahen, hatte man rasch einen Zusammenhang, desselben mit dem Verbrechen geargwohnt. In der Nacht nach dem Feste hatte man Bewohner von Latisow verhaftet, die sich in verdächtiger Weise in der Nähe von Schelom-es Haus zu schaffen machten. Sie wurden sofort vernommen und leugneten alles. Sie zeigten sich über alle Maßen empört, daß man ehrsame Bürger so verdächtige. Da faßte der Untersuchungsrichter den Entschluß, noch in der Nacht den Fremden herbeizuholen, ihn auszuforschen und den- Verhafteten gegenüberzustellen. Den Anblick ihres Opfers ertrugen die Verbrecher nicht. Sie brachen unter der Wucht der Tatsachen zusammen und gestanden alles. Teils weil sie noch Besitz bei dem Fremden vermutet hatten-, vor allem aber um den Zeugen ihrer Untat zu beseitigen und so deren Spuren zu verwischen, hatten sie den Tod des Fremden beschlossen, sobald und wo sie seiner habhaft werden könnten. Daß der Fremde an diesem Abend das schützende Haus nicht verließ, hatte ihren Plan vereitelt. Gegen. Mitternacht wurden! sie von patrouillierenden Soldaten aufgegriffen und nach dem Bezirksgericht gebracht. Mahram Leibenstein hatte sein Eigentum wieder zurückerhalten. Den Retter seines Lebens und die beiden Sedernächte vergaß er nicht. — Schelome brauchte für sein weiteres Leben keine Sorge mehr zu haben. Er hatte mehr als genug. Dafür sorgte Mahram Leibenstein. Aber die Orchim hatten es von jetzt ab erst recht nicht schlecht bei ihm. Und „Kol dichfin jeisei! vejeichul" war jetzt das Motto feines Hauses nicht nur an den Pesiachtagen.. Wschenkalender. v. 4. - 11. Mai 1929 ■ v. 24. Nitzan.bis 1. Isar 8889. Samstag 4 24 ennn p2-nv ' »inrr Sonittag 5 25 Mauled Mittwoch nachts 12 Uhr 88',s M. Montag 6 26 Dienstag 7 27 Mittwoch Mai 8 srm 28 Donnerstag 9 29 Freitag 10 30 iznn wn '8 Samstag 11 1 " " '2 D’Wip Neeser-LAPP, Allegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. verantwortlich für den allgemeine» Teil und das Frutlleto« I. Schach «owitz, Frankfurt a. M.; Inserate t. B.: S.Tchachnowttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer«. Kaufmann in Sprendlingen (Kr- Osfenbach). — Verlas .Israelit", lS.m.b.S.. Frankfurt a.M. - Smi Sermon SerW Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M. D3D