Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1929)
- Date
- 1929-04-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Nr. 17. D er Israelit Es waren die Stimmen von Adam und Eva aus Len Wolken. Der -Himmel heiterte sich wieder auf. Die Flur lag wieder ruhig und heiter da. Aber düster sah e§ in ihren Herzen aus. Von den Schätzen war keine Spur mehr zu sehen. Die Alte aber tröstete: „Nehmet euch das nicht so zu Herzen: Plötzlich wie gewonnen, so wurde der Schatz zerronnen. Damit mutz aber noch nicht das G l ü ck vernichtet fein! WeiH ist, wer feines Anteiles froh wird^^ -; Nach wenigen Jahren kam der Prophet mit seinen Jüngern wieder in die Gegend. „Gerne," sagte Elischa, „wurde ich sehen, wie der gewonnene und verlorene Schatz auf den Menschen gewirkt hat." „Das werden wir gleich sehen," sagte der Meister. ■ ' Wie sie ans Feld kamen, erkannten sie den Mann, der hinter seinem Pfluge zog. Er sah sehr vergnügt aus, pfiff sich ein Lied und redete den Ochsen gut zu. Sein Gesicht strahlte vor Glück, als jetzt in der Arbeitspause seine Frau mit dem Essen kam. Auch die alte Mutter war dabei, und Zwischen ihnen ein munteres Kind von seltenem Liebreiz. Der Mann nahm das Kind auf die Knie, küßte es/und war glücklich. V Da trat Elijahu an ihn heran. „Warum lachst du so zufrieden?" „Warum soll ich nicht glücklich sein?", gab der Wann zurück. „Ich habe mein Feld, das mich gut ernähret, meine Hütte, in der ich geborgen bin. Ein holdes Weib steht mir treu zur Seite und eine alte Mutter spendet mir Liebe. Und nun gar dieses Glück!" Er wies auf das Kind. „Und der verlorene Schatz?" fragte der Prophet. „Habt ihr den schon vergessen?" „Wir haben ihn wieder gefunden, , doppelt, ja, hundertfach," lachte die junge Frau beglückt und umarmte ihr Kind. Der Prophet Elijahu segnete > sie und ging weiter.' > Um anderswo Irrende auf den rechten Weg zu führen, Menschen ihr verlorenes Glück wiederzugebsn und die Herzen, von Vätern und Söhnen zu einen. Badische Nokizen. Don D—r.! ' Während in nördlicheren Gegenden Deutschlands die jüdische Oefsentlichkeit reges parlamentarisches Leben wahrnimmt, mit mitternächtlichen Debatten über jüdische Eemeindepolitik, könnte das Schweigen unserer südwestlichen''Ecke vielleicht da oder dort .als Untätigkeit, als Beharrung - im . Allen und ■ Gestrigen, ohne Frische - und neu? Energien, .gedeutet werden. Dem.ist nicht so. De? ‘ jjprr ithdtzrswoher! und die Stille bei uns besagt gar.nichts. Wo am lautestengerufen wird, ist noch nicht immerdie! fotzte 'Arbeitsleistung^.oorhandep,und die Stillen imMnde arbeiten, vielleicht mehr als man vermutet. Damit, söll aher nicht!-'beschönigt werden, daß nicht manchmal bei uns zu viel geschwiegen' wird. Es würde dem Ansehen des Oberrats . der Israeliten ' nicht ,chäden, wenn.,« von den. Dingen, di^diebadische Änd- : Äußerbad'ische jüdische Oefssntlichkeit -wissen darf und wissen soll, etwas. mehr hinausgeben würde. Weshalb benützt rr. beispielsweise das „Mannheimer Jsr. Eemeindeblatt" nicht inehr, als es geschieht, um Dinge der Landessynägöge ZU-, veröffentlichen?' Wer weitz,wie , in der! Gemeinde Mannheim oft die Frage aufgeworfen wird, was eigentlich der Oberrat mit all den SteuergeldM, die ihm,'üÄs Mannheim Zuflüßen,' tue, wenn sie schon mtcht. für Mann-- heim selbst' - verwendet .werden, der hält gewiß. eine Orientierung der Stbuetzahler für nötig, und eine knappe, allzu. -knappe Veröffentlichung in den trocken-amtlichen' .Verordnungsblättern für ungenügend-- Auch die jüdische Presse ist ein Faktor, dessen wert man ausnützen sollte. * •Es darf rühmlich von einer ganzen Reihe von' Tätig- .stilrgebieten jüdischen Schaffens in Badens berichtet werwerden, Es.ist mit Hülfe und nur mit .Hülse des Oberta's gelungen, wie er Le"re fie len?u besetzen, bei deinen Hon ' die Gefahr des Nichtwiede-befetztwerdens bestand. ,NP3;|ei Gäi ingen, W'esloch;. Schwetzingen, Sinsheim. Malsch b. Ettl. und- -Neckarbischossheim genannt. 'Ohne " Namen zu nennen,, darf mit Freude, festgestellt werden, datz bei. diesen Neubesetzungen.die Interessen,der ge>- -setzestr'eüen 'Richtung im allgemeinen gewahrt worden L!Md,'-'^ ' ' ■ ‘.. ' ' •: Daß natürlich die Wiederbesetzung anderer lehrerlos gewordenen Stellen immer unmöglicher wird, hängt mit her alten Frage'zusammen, dem Zusammenschmelzen der Nleingememden. Im „Jsr. Gemeindeblatt" Mannheims hat jetzt der Mannheimer Rabbiner Dr. M. Gründewald diese Fragen in einem Artikel, den er „Amtliche Romantik" betllelt, angeschnitten. Lesungen gibt er zunächst auch keine. Er stellt die Tatsache fest, oatz für die Zwerggemeinden vielleicht ein Matz von Mitteln der Gesamtheit aufgewandt wird ,das nicht im Einklang steht mit den Ergebnissen. Eine Diskussion, die der Verfas-, ,>r wünscht, wird zeigen, ob aus seinen sachlich nüchternen Feststellungen am Ende mehr heroorgeht, als aus den vielfachen, bisherigen Artikeln, die die jüdische Press« auch dieser Schicksalsfrage des deutschen Judentums gewidmet hat. Ob die materiellen und ideellen Gaben, die Oberrat, Rabbinat, Lehrerschaft den Gemeinden, der Jugend in diesen Gemeinden — soweit solche da ist — bietet, werterzeugend für die nächsten Jahre, für die Zukunft sind, ja, das sind Imponderabilien, die man nicht so zahlenmäßig festlegen kann, wie etwa die Tatsache, datz eine Ausgabe von 500.— Mk. für eine Synagogenreparatur eben den praktischen Nutzen hat, datz ein schade Haftes Gebäude für eine zeitlang keine gefährdender Risse mehr zeigenwird. . . Wie weit unsere Führer geistlicher und weltlicher. Art' Lauhanim sind, die die Aufgabe, die „Lücken des Hauses" zu bessern, richtig erfüllen, das wird erst die Generation von morgen Und übermorgen sagen. . . Die Generation des Jahrgangs 1902 die . jetzt so allmählich in das' Interesse für jüdische. Gemeindedinge hineinwachsen mühte, ist in den Städten lebendig. Gleichviel, ob die Lebendigkeit uns nicht in allem gefällt, das Lebendigsein allein ist schon genug — für heute. Was morgen daraus wird, werden wir seben. Die . striegsgeneration der. Kleingemeinden—- wir wissen wenig von ihr. Wir möchten mehr wissen. JStcr ist ein Sprechen derer, die es können, sehr am Platze. Man rede einmal von ihr. Man sage uns, ob sie in der Lage fein wird, an die Stelle der alten Bal-. .battim zu treten, die mit .und. ohne. Lehrer ihre stille Aufgabe erfüllen,, gemeinde- und gottesdiensterhaltend, unermüdlich tätig zu sein. , - * - Wir sehen zu unserer Freude, datz der Oberrat in jüngster Zejt wieder eine materielle Maßnahme durchgeführt hat, die den Lehrern zugute gekommen ist. Es wird zwar einer Stelle, der das Schimpfen sehr liegt, deshalb auch fernerhin nicht darauf ankommen, von Magdeburg aus. dem badischen -Oberrat gelegentlich wieder einmal einen leisen/.Hieb zu versetzen. Der Oberrat, wir Habens oben ja schon gesagt, ist. vornehm und — schweigt. Und tut, was er für recht Hält -Wir sind da nicht immer fürs Schweigen. Der ma-eriellen - Maßnahme, dem Wegfall des bisherigen. Abzugs für Zas'lalqebühren in den. in Betracht kommenden Fällen, stellt , sich würdig die materiell bedeutsam geförderte, aber in ihrem Wesen ideelle Durchführung der jährlichen Fortbildungskurse der Lehrer zur Seite. Etwa 20—30 Lehrer aus. ganz Baden und der Pfalz — obwohl diese noch nicht durch die. Reichsreform badisch geworden ist — nahmen teil. Herr Rabb. Dr. Unna hatte die Leitung, die Herren Rabb. Dr. L au er.- Rabb. Dr. Z i e m e l s (Freiburg), Stud.-Rat Dr. S. L e v i (Mannheim) teilten sich mit dem Leiter in die zu behandelnden Gebiete. Hierzu traten als autzeröadische Dozenten Rabb. Dr. I a m p e l (Schwedt) und Rabb .Dr, Schlesinger (Buchau). Einzelne Vört'äge anderer! Herren- (wie Oberrat Dr.. Moses, Mannheim) Schulrat, Gerweck (Mannheim) ergänzten. in glücklicher Weist die pädügvgisch-iri/senschaftlich gehaltene Grundidee des Kurses. ■■ ,?/ ' -//!.!';j;?j. /Die Gemeinde Mannheim -7 großzügig wiestnD^r' —^ - gab -, einen schönen Begrühungsabend, zu dem ^Dyzestte/n -inh!; Teilnehmer, SynagogeyMst und Synodälabgeordnete, sowie .die Beamten der/- jüdischen/ Gemeinde -Mannheim/'gelädetz waren. Schade!, daß die Redest/ sölcher Abende sich-- fast immer, in mehr oder weniger! köstvech) -stiopellen /Worten , erschöpfen, Astch/jr^-.Mauderton des ^wangkpsep. .'Wends. hätte!zu Nn^gWäsivollen Aus°< führun'aen des/Do^cheyhch...d.ev^,M'annh'eimer. Gemeinde, Dr. Möses, manches sagen'-lässD,^was ^auf .aktuelle Gebiete des iyüdischen Lebens - in Deu'tschland geführt - hätte. W/arum soll .Man! beim Glas Bier und - htzr Zigarre nicht auch einmal über. -P-^hleme der /Lehrerbildung,/ des Rsichsrerbgndes, der /ScheDtah,^der^.Jewish AhenN/'?,dey Mi im "jüdischen-/ -i»ÄttseilNd'"ME' sprechen.? Es. - mutz! ja.' da -wir.- hr- SüddeuffMaMisind.^ hergehen, wie manche vielleichtbefürchten. Im Ge^entejil, am gedeckten. Tisch svrichts ^fichs. viel ./ruhiger; - über ..-'Ws^l aber ernste'Dinge. Vielleicht ein ander Mal. . " -V,,.; . (Schluß//folgt.) Herr Dr. Bernhard Strauch (früher Inhaber, von Diehls Hundeklinik, Hannover) hat sich hier als- Tierarzt niedergelassen.Sprechstunde- Kai/erstr. 11. .Näheres Inserat..^ -. .' - .7 ..-/•-- ■- Wollen Sie, der ' lieben. Gemahlin oder Braut eine öünz besondere 'Freude machen? -' Dann^^'-gdhen Sie' zu P l etz s-ch ü.' So-h n.', Zeil' 95, Ecke Hasengasse, und wählen Sie - .ihr > dort zur Zierde Ihrer ' Festtafel einen gut sortierten Silberkastep. .oder irgend ein praktisches Tafelgerat! Auch Uhren und Juwelen finden Sie..dort in geschmack-oller und g^öhter Auswahl,' und alles" bei soliden Preisen und aufmerksamster. Bedienung! .!"'' ' 2C April 1929 Rinderecke Von HdUY WMche«. - ' ." - - (Fortsetzung). . , - " Aber .ein zweites Mal ginA es ihm nicht bes-- ser. So schwankte -er tzm' und her' Äs Schelome mit den Kindern sich langsäm näherte. Diesem sah man an, daß er heute, etwas verstimmt war. „ Ei n e Mizwoh muß jeder haben" — pflegte er zu sagen — ,chie er besonders lieb: hat^ die er besonders pflegt, und für die-er besondere Opfer bringt." Solch eme Mizwoh war für Schelmn«, jeden Schabbos und Iomt-ef seinen Orech bei Tisch zu haben! So arm er auch war, um kein Geld hätte er sich diese Mizwoh ab kaufen lassen. Und gerade heute, zur Sedernacht, sollte er, vielleicht zum ersten Mal seit seinem Gedenken,, keinen haben!? -Wie. vom Himmel geschickt, -erschien ihm da der Mann an der Tür seines-Hauses.. Seiner ungestümen. Freude und Einladung gelang - es bald, ihn als sehnsüchtig erwarteten Gast in feine Stube zu führen. Rochel war nicht weniger erfreut als ihr Mann, In ihrem weißen Jomtofkleid und dem sauberen. Spitzenhäubchen hieß sie den Fremden als Jomtesgast herzlich willkommen. Erst mit ihm hielt bei allen die richtige Jomtofstimmung ihren Einzug. . Jetzt erst sah man, wie licht und feierlich diese Jomtofstube aussah. Em weißes Leinentuch,, das nur für den Sederabend verwendet, wurde, lag-Mer.dem langen Sedertifch, der für 12 Personen' gerichtet war. Zwei silberne/paar Glasschalen mit zierlicher.Ä,etznflg--alte FamAienstücke, einige silberne SchälDtzLdWDen/Schatz der guten Rochel bild eten, vor allem die-.Me,- zinnerne Sederschüssel mit eingepreMen-chMschen Figuren schmückten den lang 'ausgezag^emTisch.' Vor jedem Platz stand ein einfaches Glas auf einem kleinen Tellerchen. In der Mitte: Mer glänzte ein ganz. großer gefchliffen-er Kelch, her Becher für den Elijohü-Hanovi schon feit Großvaters. Zeiten, auf dem sich die acht flackernden Lichllein iDer Schabboslampe in märchenhafter Pracht spie-- gelten. Sofa und Stühle ringsum haben eine weiße Decke erhalten'. Gar bald fühlte sich der Fremde wohl und behaglich. Denn heimelige Jomtofruhe hatte ihn für den Augenblick all das Schwere vergessen lassen, was ihn noch vor einer Stuhde bedrücken mochte. /! / Man setzte sich zum Seder und götzDen klaren Wein/ wenn es auch nur- RosinenwÄn war, in die Gläser. Doch für den - Elijöhu-HMovr . hatte man echten Wem. erspart. /Da doch Mr Hahsherr feinem Gast das Peste. chäs!\tx hatte, geben wollte, so. müßte diesmal der Prophet Elia seinen /Unteil Wein mit ihm teilen, während die Kinder. Den Fremden mit seinen feinen Zügen und seinem rWgen,'vürnehmeN Wesen fast mit heiliger Scheu hetrachtetsN'. Mt "Seder begann und in 'fchllchlen>' zn Herzenv/gehende'siiWbrten^tzrüg Schelome, in seinern)Sargestes, die HagodohjoonK Von Zeit EZMMdrf/Wr! Fremde sinnige uniw alle uber- -raWMe'ArhKMMföder beantwortete die eine .'-andKr^ /nM''-^M^'hetrlrchen,'.Midroschim. Und^kMner wieder mußtet M/Wfchgesellschaft heimlich - ihstzn -Gast anstaünech /dsvl so ggr. nicht aussah wie ein^gewöhnh'cher Orech! Doch verbot es allen .die feme .Urt. und / das Gefühl für den Mitmenschen, nach Namen,: und Herkömmen des Fremden zufragen. . UW ^r-felbst sprach nichts von sich... - ' '.-/ /:’v -v/u-..;::-; ' " So vergingen die beiden Sedetabettde dem ganzen Haufe besonders' schön /'-und Eihevoll. -Die Kleinsten tuschelten sich mS Oh):-. ob nicht' am -Ende gar Elijohu-Hanovi selbst von seinem Kos getrunken haben könne../ - - > - ' r'u (Schluß folgt.)