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Der Israelit · 1929-04-24 · Heft 17 (24.4.1929) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 17 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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;; Der Schah Im Ackerboden Aus den Geschichten, des Propheten Elijahu. *) Der Prophet Elijahu ging mit seinem Diener Elischa durch die Lande. Sie sahen überall nach dem Rechten, mahnten, wiesen zurecht und führten Irrende auf den rechten Weg. An vielen Orten wurden sie mit Haß und Argwohn empfangen, beschimpft und beleidigt. Die Baals-Propheten hetzten das Volk gegen sie auf und trachtetU ihnen nach dem Leben. Die Königin Jfebel schickte ihren Boten aus, um die ihr bis in die Seele verhaßten Gottespropheten zu erhaschen und zu. vernichten. Mehr wie eintnal waren sie in Gefahr, ergriffen zu werden, hätte nicht noch in letzter Minute ,Gott ein Wunder geschickt. Jsebel und die Baalsmänner. konnten Elijahu den Vorgang am Karmel, wo beinahe tausend Götzenpriester fallen mußten, nicht vergessen und vergeben. Bei all diesen Nachstellungen ging doch ElijahU mit seinem Jünger frei und erhobenen Hauptesdurch Jfehels Land, ohne daß ihnen ein Haar gekrümmt wurde.. . „Vater," rief einmal der Jünger, da sie gerade in einem Dorfe Lästerungen und Drohungen ausgesetzt waren, „warum meiden wir nicht diesen Ort, der. uns.Schmähurigen und Gefahren nur bringt, öhne daß unsere Reden Eingang.in die Ohren und Herzen finden? Wäre es nicht schon bester, wir gingen nach Judäa, ins Reich des frommen.Königs Josaphat aus dem Stamme Dawids, dorthin, .wo der Tempel Salomos sich m seiner Herrlichkeit erhebt^ wo Priester und Leviten Fas Wort.Gottes singen und künden?" Elijahu hörte diese Worte kaum und wies auf Del Gestalten hin. „Siehst 8ü, Elischa, die zwei Männer, die müde und abgespannt sich anschicken, den steilen und krummen Bergweg hinaufzugelangen? Der eine ist ein Greis, der schwer an der Last des Lebens'trägt, der andere ein junger Mann, der sicher und stark seines Weges geht. Gehe hin, Elischa, und reiche Hm, dem Jüngling, Meinen Stab, daß er sich darauf stütze und leichter den Gipfel erreiche." Elischa staunte. „Habe ich recht gehört, Meister? Ich sollte doch wohl den Stab dem schwachen P r e i s geben, der der Stütze bedarf, daß er nicht mitten am Wege liegen bleibt!" „Du hast rechts" erwiderte der Prophet. „Gehe hin und reiche dem Alten den Stab. Der Junge ist stark genug, um seinen« Weg ohne Stütze zu finden." Elischa tat, wie ihm befohlen war. Nun sprach Elijahu: „Das mit dem Stabe war die Antwort auf deine Frage. Du. fragtest, warum ich nicht nach Judäa in das Land des frommen Josaphat gehe, wo Priester am Altäre opfern, die Leviten im Ehore singen und Lehrer das Wort Gottes verkünden. Dort sind die Gesunden und Starken, die der Stütze nicht bedürfen. Hier im Lande der Schwachen und Irrenden ist unser Platz, und unseres Amtes ists, zu lehren, zu weisen, zu stützen und aufzurichten. Und wenn wir Undank und Schmähung dafür ernten, so beweist es nur, wie sehr es noch unserer Arbeit bedarf." Als sie weiter gingen«, stießen sie auf eine Schafherde am Waldesrande. Da brach plötzlich aus dem Walde ein Wolf mit leuchtenden Augen vor und stürzte sich auf die Schafe. Ein- Teil der Herde flüchtete nach, rechts, dem Dorfe zu, der andere Teil lief verschüchtert in den Wald hin- *) Nach «hier hebräische» -Quelle. ein. Der Hirte aber ließ die einen ms Dorf laufen und begab sich mit feinen Hunden in den Wald, um den Schäfchen, die dort Schutz suchten und nicht wußten, daß sie dem offenen Rachen der Raubtiere entgegenliefen, beizustehen und sie zu sammeln. ' „Unsere Aufgabe," sagte der Prophet, „ist. die des Hirten. Nicht die Schafe, die beisammen in Sicherheit sind, sondern diejenigen im Walde unter Raubtieren, die ihnen nach der Seele trachten, haben wir zu suchen und zu sammeln, und kostete es auch das eigene Leben." v Sie gingen weiter und kamen an einem Felde - Korbei, auf dem ein Mann düster und verdrossen hinter der Pflugschar zog. Mit harten Worten trieb er die Ochsen an und schlug auf sie ein. Man sah es dem Manne an, wie wenig ihm das Glück hold war UTtfr wie schwer ir an seinem Schicksal trug. Auch jetztnachdem ihm eine junge Frau, in Begleitung einer älteren Speise und Trank gebracht hatte, heiterten sich-seine Mienen nicht auf. Er aß schweigend von den Speisen und trank den Wem und sein Auge schaute trübe vor sich wie vorher. Elijahu trat an ihn heran und berührte sanft seine Hand. - „Warum so verdrossen, guter Mann? Du hast gut gegessen und vom köstlichen Weine, getrunken. Ein schönes, holdes Weib fleht dH zur Rechten und eine, greise, ehrwürdige Mutter spendet dir Liebe. Was fehlt dir noch zum Glücke?" „Was mir zum Glücke fehlt?", gab der Mann mürrisch zurück. „Alles.- Muß ^ich doch vom frühen Morgen bis zur späten Nacht mit dem Schweiße meines Angesichtes arbeiten, indes andere sich eines leichten Lebens erfreuen. Sie-sitzen in ihren Palästen Und verfügen über alle Annehmlichkeiten des Lebens, ich aber bewohne eine armselige Hütte und muß mich schwer plagen. Wer ist an all dem schuld? Wer sonst als A dam u n d E v a. Hätten sie nicht von der verbotenen Frucht gegessen, wir Meisten heute alle noch im Paradiese, es gäbe keine Last und keine Tränen." „Ja, nur Adam und Eva", stimmte die junge Frau bei. „Ich an Stelle der Eva hätte mich von der Schlange nicht verleiten lassen, auch meiti Mann nicht,, und wir hätten das Menschengeschlecht nicht um sein Erdenglück gebracht." „Ihr sprechet wie kleine Kinder," mischte sich jetzt die alte Mutter ins Gespräch. „Vertraut ihr denn so sehr auf euch, daß ihr jeder Versuchung widerstehen könntet? ‘ Ihr, und mit.alle, hätten das gleiche getan. Was Adam und Eva getan, das' ist die Schuld und das Schicksal des ganzen Menschengeschlechtes. Nicht andre wollen wir verantwortlich machen, in uns wollen wir Ausschau halten nach den Quellen von Glück und« Unglück." „Du hast in Weisheit gesprochen," lobte Elijahu. „Man sieht, daß dir das Leben manche Erfahrung gebracht hat, die du zu Nutzen anderer zu verwerten« weißt. Ihr aber," wandte er sich zu den Ehegatten, „ihr werdet bald Gelegenheit haben, eure Kraft zu erproben und zu erfahren, wie weit euer Widerstand reicht." Als der Prophet und fein Jünger nun wetter gegangen und ihren Augen entschwunden waren, meinte die Alte: . „Der Mann« scheint mir kein gewöhnlicher Sterblicher zu fein. Er mag einer von den Gottesboten sein, die ausgesandt werden, die Menschen zu belehren und auf den rechten Weg zu führen." Der Sohn spottete: „Er hat dich nicht umsonst gelobt und deinem Stolze geschmeichelt. Nun soll dieser Besserwisser, der, ungefragt, Ratschläge und Weisungen gibt und sich in Anderer Angelegenheiten mischt, gar ein Mann Gottes fein." „Rede nicht so," verwies die Mutter. „Menschen, die uns die Wahrheit sagen, > sind unsere Freunde undr wollen unser Bestes."; DerMann antwortete nichts, stand auf und if Dr. 17 Hr M» wandte sich seufzend der Arbeit zu. Die beiden Frauen machten sich, nach Hause. Kaum hatte der Mann eine Furche fertig gepflügt, als er plötzlich eine Grube entdeckte. Darin lag eine schwereiserne Truhe. Er hob das Kästchen aus der Grube und sah darunter noch eins liegen und noch eins. Mit lauter Stimme rief er die Frauen, die noch nicht weitweg waren, wieder herbei. Alle sahen sie bm Fund an, und mit einiger Mühe brachtn sie die Aufschrift auf der obersten Truhe heraus. Da war zu lesen: „Wer mich findet, kommt in den Besitz großer Reichtümer." „Sagte ich es doch," triumphierte die Alte, „es kam der Gottesmann, um uns einen großen Schatz zu bescheren." Da öffnete der Mann die eine Truhe. Ein Haufen blinkender Goldschekel bot sich ihm dar. „Gin Schatz," schrie $r,. berauscht von Glück. „Ich glaube zwar -nichtdaß es der Wanderer gemacht Wt, es?ist Zufall, ich hätte den- Fund auch so gemacht. " Aber gleichwohl, wir sind reiche Leute. Nun lasse ich die Arbeit, errichte mir große Häuser und schasse mir Sklaven an." „Und ich," jubelte die junge Frau, „werde mich in Samt und'Seide kleiden und mit vielem Schmuck behängend Dienerinnen sollen nunmehr im Hause die Arbeit statt meiner verrichten." ,:Nun zum zweiten Kästchen," sagte der Mann, „es ist noch schwerer als das erste und enthält wohl noch mehr Gold. Was steht aber darauf geschrieben? Wir wollen doch erst einmal lesen." . „Wer sein Glück im Gold und GutsUcht, möge mich öffnen." Er öffnete auch dieses Kästchen und brach in laute Freude aus. Hier hausten sich die goldenen Schekel in noch viel größerem Maße. Auch die junge Frau war berauscht vor Freude, Die alte Mutter suchte die Freude etwas einzudämmen, ind-em sie darauf hinwies, «daß Geld allein noch nicht des Lebens höchste Güter ergibt. Aber die anderen hörten gar nicht auf sie „Nein," schrie der Mann in Ekstase, „kein Haus, einen Palast errichte ich mir, eines Königs würdig, aus Zedern, Gold und Marmor, und Wagen und Pferde soll es. geben,- wie sie nur die großen Fürsten besitzen." „Und ich," jubelte die junge Frau, „werde mir die kostbarsten Kleinodien der Welt anschaffen." „Ich hpre von euren Plänen," mahnte die alte Mutter leise,. „ich höre, was ihr mit dem vielen Gelde machen wollt, noch aber hörte ich kein Wort davon, wie ihr den Armen, die kein Brot für den Tag haben, beistehen, wollt." , Mann und Frau schwiegen eine Weile /beschämt. Aber nun gingen sie an das. dritte Kästchen. Wie sie aber die Aufschrift lasen, erschraken sie sehr. Da hieß es: „Wer mich findet, verliert all sein Gut." „Wir lassen diesen Kasten in der Erde ungeöffnet," riet der Mann. „Es wird nichts passieren," entgegnete die Frau. „Er ist gewiß gefüllt mit Perlen und Edelsteinen, wir wollen ihn doch öffnen. Wir sind doch allein und es sieht uns keiner." Der Mann weigerte sich. Auch die alte Mutter warnte. Aber die junge Frau gab keine Ruhe, und der Mann ließ sich Überreben. Mit großer Mühe und Kraftaufwand brachen sie den Deckel auf. Was war das? Kaum war dies geschehen, als sich der Himmel schwarz bedeckte. Es grollte der Donner und zündete der Blitz und es regnete Feuer/gpd Wasser. Und mitten im Ehaos verschwanden die beiden ersten Kisten. Aus der dritten stieg Dampf und Rauch auf, hoben sich bis zu den Wolken. Von oben-aberrief eineStimme: „Nicht wir sind schuld. Ihr habt - unser Vergehen wiederholt, ihr habt der Versuchung nicht widerstanden."

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