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Der Israelit · 1929-04-18 · Heft 16 (18.4.1929) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 16 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Seite 4. Nr. 1 Der 2 s r a e l 4 t 13. April 1929 Versammlung um Mosche, das Gottesmort zu vernehmen, es auszuführen. Und dieses Gotteswort, meine Damen und Herren, gipfelt in einem: (H, 35, 4.) irr>rr 121.1 nt - rmrr nix onmn n*?s .(ii 35.4) nx>xb mx Das eine Wort des Heiligtums, das den einen Gedanken an Gott von Gott ausstrahlt, gestaltet sich aus den Schriftzeichen der praktischen Lebensführung. Ueber dem Denken und Tun steht erhaben in unerschütterlicher Ewigkeit, im tiefen Ernst der Lebenswirklichkeit, eine fürchterliche Mahnung durch Abstieg zum beseligenden Aufstieg, die Geißel einer Wirtschastsnot als alleiniger Pfadfinder zum gesellschaftlichen Glück. „Sechs Tage soll deine Arbeit geschehen und am siebenten Tage soll euch eine Heiligung sein, ein Ruhetag völliger Werkeinstellung — Gott zu Ehren. Jeder, der an ihm ein Werk verrichtet, wird ein Opfer des Todes. " (H, 35, 2.) Meine Damen und Herren! Wir klagen an jedem 9. Aw: „Wir haben des Sabbat in abtrünnigen Herzen vergessen, der Allmächtige hat darum all unser Wohltun vergessen." Ein solcher Tischo beaw ist heute das Bild unseres trauernden und traurigen Alltags. Händeringend stehen wir am Grabe unserer Träume und Hoffnungen. Die Judenheit hat ihren Bankerott erklärt. Sie hat ihr unveräußerliches Vermögen auf die Börse der veränderlichen Werte getragen und hat das Judentum verspekuliert. Achtung und Ansehen ist verloren. Arm an Geist und arm an Geld, arm an Sitte und arm an Seligkeit, sind wir das Ziel des Hasses und Spottes einer durch uns um ihre höchsten Güter betrogenen Welt. Uneinigkeit um die Erhaltung des einzigen Kleinods, das unseren Händen anvertraut ist, Mangel an Selbstachtung, Kleinlichkeit und Egoismus sind die entspannten Triebfedern unserer Handlung. Der Geschäftsinhaber kämpft schwer um die Erhaltung der geringen Kraft und der mittellose Arbeitnehmer sieht keine Aussicht auf Gründung einer Zukunft. In der Verzweiflung kämpfen Arbeitgeber und Arbeitnehmer um das Stückchen Brot fürs Dasein, und der niedergetretene Schabbosgedanke hat nicht mehr die Macht, sie zu einen uni!v sie zum gemeinsamen Dienst an seinem Heiligtum zu befrieden. Die Not der Wirtschaft erschwert die Familiengründung und zerstört die Heiligkeit der jüdischen Ehe. Man sieht und fühlt, daß alle Festigkeit geschwunden ist und die Selbständigkeit der Tauroh und ihr Verteidigungswille sind dahin. (V. 32, 36.) Schwer lastet auf dem jüdischen Mittelstand und dem Proletarier, — wie wir den Mittelstand bald nennen können — der Haß der Umwelt, schwerer die verständnislose und n i ch t h i l f s b e r e i t e L i e b l 0 s ig k e i t d e r eigenen Stammesbrüder. Die Judenheit gegen das Judentum, das goldene Kalb gegen Mofcheh, lautet das Feldgeschrei. Schon in der Wüste, nicht erst heute. Und doch sind wir noch da?! „Weil, wenn Gott Sein Volk richtet, Seiner Diener er gedenkt". (V. 32, 36), weil dem bNAi ein bripy folgte, weil nach dem Sturmlauf gegen die Tauroh noch immer eine Ernüchterung eintrat, die das Wort der Gottesverkündung entgegennahm,' weil — wie in der Geschichte des Menschendenkens, — nach einer Zeit materialistischer Anschauung, durch den Mißerfolg ihrer Ueberspannung, der Idealismus den Sieg gewann. So wird der Kampf der geeinten Schwachen gegen die immer fester sich verbindenden Starken, den Sieg erringen. Was in Selbstsucht und gegenseitigem Mißtrauen sich äußerlich zur Unterdrückung anderer verbunden hat, muß zerfallen (Ps. 92, 10), um sich selbst für immer zu Grunde zu richten. (Ps. 92, 8.) Der Gerechte aber blühet zwar langsam, doch blüht er wie die Palme und wie die Zeder strebt er ragend himmelan. (Ps. 92, 13.) Das ist das Lied, das jeder Sabbat singt, (Ps. 92), das Schicksal derer, die des Schabbosgeistes nicht achten und die Förderung derer, die den Schabbos ehren. (Nachalas Seew S. 117, Nr. 140.) Bis dahin muß in den Herzen derer, denen der N2L> selbst das höchste Heiligtum' des Judentums bedeutet, die Zweckmäßigkeit der Notwendigkeit weichen. Es darf keine Rücksicht auf die eigene Lage geben, wenn der noch schwächere Bruder neben dir vor deinen Augen verblutet. Du darfst nicht stehen bei dem Blute deines Nächsten. (Ul. 19, 16.) Rettung des Schabbos ist die Devise des Tages, Rettung des Schabbos ist die Pflicht für jedermann. Rettung des Schabbos möge der Erfolg unserer Tagung sein, auf daß unser bnpy zur Erörterung der Ideale des Judentums Sühne werde für das VnjrV das Zeichen des Materialismus der Zeit.- Nach einer gemütlichen Kaffeepause, während der die Verwandten sich begrüßten, die Bekannten sich zusammenfanden, neue Bekanntschaften geschlossen wurden und die Lebensgeister sich restaurierten, ergriff Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach-Altona das Wort zu einem einftündigen hinreißenden und gehaltvollen Vortrag über die Siege der neueren Entdeckungen über das Kartengebäude der Bibelkritik, der Tatsachen über die nicht vorurteilsfreie Theorie. Wir bedauern im Interesse unserer Leser, nicht in der Lage zu sein, den Vortrag an dieser Stelle wiedergeben zu können und schließen mit den Worten eines Berichterstatters über unsere Tagung in' einem anderen jüdischen Blatt: „Wenn der Rheinlandoerein mit seiner diesjährigen Tagung nichts anderes erreicht hätte, als seinen Mitgliedern diesen Vortrag zu bieten, so müßte man ihm schon dafür Dank wissen." Sklavenhaus. „Der Dich aus dem Sklavenhaus hinausgeführt hat" lautet das Kreditiv für den, der Anspruch auf seine Verehrung erhebt. Sklavenhaus! und wenn er uns nicht herausgeführt hätte, wären wir und unsere Kinder und Kindeskinder untertänig geblieben dem Pharao in Aegypten. Pharao: eine Macht, Aegypten eine Macht! Pharao in Aegypten: eine schier unbezwingbare Macht! Kein Eingreifen hätte je mehr gefrommt. Wenn nicht damals im rechten Augenblick der Festigung dieser Macht Einhalt geboten worden wäre. Es wäre der Welt ihr kostbarstes Gut, ihr Bewußtsein von Freiheit, ihr Wille zur Freiheit ür immer verloren gegangen, wie Israel es chon abhanden gekommen war. Da erhob sich eine Macht, unsichtbar für das Menschenauge, doch in die Erscheinung tretend durch die Boten,' die sie sendet, ihre Gesalbten, an denen''sich kein Mensch und kein Volk ungestraft vergreist, ihre Propheten, die niemand, ohne Schaden zu nehmen, mißhandelt. Menschen sendet diese Macht zum Menschen, Menschen, unscheinbar in der Ercheinung, stehen Menschen gegenüber, aus deren Auge Hochmut blitzt, die sich allein"das Recht zum Handeln Vorbehalten wollen und alle anderen Menschen als Sache einschätzen. Eine solche Zeit ist wieder angebrochen. Nicht Könige und Fürsten sind es, die ihren Stammbaum hinauf zum schneeigen Olymp führen, da im Rat der Götter irgend einer einen Seitenprung nach einem staubgeborenen Weib getan, die mit Szepter und Schwert der Welt, die vor ihnen kniet, ihren Willen diktieren, und ihn zum obersten Gesetz erheben, von einer Welle im toenden, brandenden Zeitenmeer emporgetragen, um demnächst unter Lärm und Schluchzen derer, die sich durch sie geschädigt fühlen, von hohem Kamm in die Tiefe zu stürzen. Eintagsgrößen, die im Augenblick die Macht besitzen, Brot zu geben und Brot zu nehmen den Sklaven der Schreibmaschine und der Fabrik, des Lagers und der Eisenbahn, sie vertreten heute den Thron der einstigen Gewalthaber. Und mit demselben Stolz und derselben Eigensucht, mit derselben Kälte und derselben Gefühlslosigkeit beglücken, sie mit Gnade und schleudern den Bannstrahl ihrer Ungnade. Stellen Arbeiter ein und entlassen sie, wenn den Einsatz ihres Geldes die Dividende des Ertrages nach ihrem Ermessen^ nicht lohnt . Keine Einschränkung der eigenen Lebensführung, große Reisen, schöne Villen, — aber der andere, der Kleine, nicht verwöhnte, der Entbehrung und des Mangels aber stets gewohnte darbende Familienvater, er muß auskommen. Er hat nicht das Recht zu genießen, für ihn gibt es nur noch trockenes Brot unter ständiger bebender Angst, unter geistiger Zermürbung durch die tägliche Sorge vor dem Schreckgespenst des „Abbaues". Es muß an Personal gespart werden, die Wirtschaft wird rationell eingerichtet, — auf Kosten, mit dem Blut der Familien Sabbat heiligender jüdischer Väter. Geld ist eine Macht. Eine materiell gerichtete Welt ist eine Macht. Geld in dieser Welt ist eine Macht des Verderbens. Erst mußte die große Allgemeinheit durch die Gewalt des politischen Kampfes mit Bajonetten und Kanonen ihr mühsam erarbeitetes Kapital verlieren, um dann Sklaven zu werden den neuen Pharaonen im modernen Aegypten. Die ganze Welt ist ein Sklavenhaus geworden. Wenige Begüterte leiten sie mit immer größerer Expansionskraft ihrer wirtschaftlichen Unternehmungen. Die Schwachen leiden im eisernen Tiegel dieses geschäftlichen Aegyptens und haben unter 'dem Diktat der bitteren Not das Seufzen schon vergessen. — Habt ihr keine Erinnerung mehr an Aegypten, ihr Herren der Welt, ihr Beherrscher eures Sklavenheeres? „Und du sollst doch gedenken, daß Sklave du gewesen bist im Lande Aegypten und Gott, dein Gott, von dort dich hinweggeführt, mit starker Hand und ausgestrecktem Arm. Darum hat dir Gott, dein Gott, geboten, den Schabbos zu begehen." Wer den Schabbos aus Reichtum nicht hält, weil fein Geschäft nicht ruhen kann, weil die größte Lösung am Schabbos eingeht, weil der andern Angestellten wegen eine Ausnahme nicht gemacht werden kann, weil eiste religionsgefetzliche Regelung dem Schabbos den Betrieb gestattet, weil aus allen diesen und unausgesprochenen Gründen leitende Stellen aus versteckter Furcht vor einstiger Konkurrenz jüdischen Angestellten nicht anvertraut werden — wer des Schabbos nicht achtet für sich und seine Brüder, Gott zu ehren, selbstlos und menschlich, weil er jetzt über Macht gebietet und sie rücksichtslos anwendet — er versündigt sich an sich und seinen Kindern, versündigt sich gegen Gott und Menschen, gegen Judentum und Menschheit. Pessach kommt mit seinem Ruf. Freiheit den Sklaven! Heraus aus dem Sklavenhaus! Nieder mit den Tyrannen, nieder mit dem Tyrannentum! Peffach kommt und ruft in unsere Herzen die Mahnung, uns zu betrachten', als wären wir selbst aus dem Sklavenhaus gezogen. Wir Juden sind die Befreiten und haben die Menschheit mit uns befreit und sollten und könnten nun die Bedrücker werden, die Bedrücker der eigenen Brüder? Viele alte Systeme sind dahin. Auch das wird fallen, weil. es fallen muß, das System der Herren und Knechte. Die Spannung zwischen Verdienst des Unternehmers und dem des Arbeiters kannnicht fortbestehen. Auch der Arbeitnehmer will leben. Eine Interessengemeinschaft auf tragbarer Grundlage für Arbeitgeber und Arbeitnehmer muß die Form der Zusammenarbeit beider werden, bis die großen Betriebe sich allmählich auflöfen, weil ohne Aussaugen der billigen Arbeitskräfte ihr Vorteil in Frage gestellt ist. Dann werden sie sich in einzelne kleine Existenzen auflöfen, die, in Freiheit auf sich gestellt, wieder freie Bahn zur Entfaltung ihres Könnens und Wollens zurückzugewinnen. Dann wird das Sklaventum fein Ende erreicht haben und als freie Leute werden wir uns an den Seder setzen und Hinausrufen: wen es hungert, der komme hinein und labe sich an der Humanität, mit der die Tau-> roh Israel und die Menschheit beglücken wollte/ als Gott uns herausführte aus dem Sklavenhausl

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