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Der Israelit · 1929-04-18 · Heft 16 (18.4.1929) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 16 (18.4.1929)
Date
1929-04-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
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h and «na 2Z0LIS E.D-CX Verantwortliche Schriftlettung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). Haberfeldkrewen. Frisch auf zum fröhlichen Jagen! So tönt es in den Blättern für „Erziehung und Unterricht". Das Wild, das zur Strecke gebracht werden soll, ist das Kölner Lehrerseminar. Im Jahre 1867 ins Leben gerufen, hat es die Vermessenheit, noch weiter leben zu wollen, obwohl seine Schwestern in Kassel, Hannover und Münster den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit erlegen sind. Diese Zähigkeit gefällt den Herren in Berlin und Magdeburg nicht. Also' heraus mit Büchse und Hirschfänger und vorwärts zum frifch-fröhlichen Treiben, bis das zu Tode gehetzte Wild verröchelnd am Boden liegt! Zwar hat man' in Bayern und also auch im Würzburger Seminar, wie in Nr. 12 -des „Jüdischen Wochenblattes" zu lesen war, auch noch durchweg die alte seminarische Ausbildung, und die Neuordnung der Lehrerbildung um ein Jahr hinausgeschoben. And in Nr. 13 desselben Blattes lesen wir: „An der Tatsache, daß die Neuregelung, der Lehrerbildung mindestens um ein Jahr hinausgeschoben wird, läßt sich schon heute nichts mehr ändern. Hiermit fällt alles zusammen, was auf der Tagung des Preußischen Landesverbandes über die Möglichkeit der gehobenen Ausbildung der konservativen Lehrer in Würzburg gesagt wurde. Das dortige Seminar muß einstweilen in den alten Bahnen weiterziehen. Wann seine Umstellung möglich sein wird, vermag heute niemand zu sagen." Wir vermögen also keinen Unterschied in der derzeitigen Lehrerausbildung von Köln und Würzburg zu erkennen. Köln verlangt als Aufnahmebedingung, wie aus den neuesten Kundgebungen zu ersehen ist, Unterprimareife und zweijährige Ausbildung — Herr Steinhardt berichtet falsch, wenn er erzählt, daß Köln sich bei der Aufnahme mit Obersekundareife begnüge —, Würzburg Obersekundareife und dreijährige Ausbildung. Wo ist da der Unterschied? Wir sehen nichts! Warum also das Haberfeldtreiben nur gegen das Kölner Seminar? So weit wir unterrichtet sind, haben alle am Kölner Seminar wirkenden Lehrkräfte ihr wohlbestandenes Rektorenexamen hinter ßch. Von einer Minderwertigkeit des Ausbiidungsversonals in Köln kann also wohl auch keine Rede.sein. Warum also, so fragen wir, das Vorgehen der Herren Steinhardt u. Gen. gegen Köln und nicht auch gegen Würzburg? Die Gründe sind nicht schwer zu erraten. Herr Steinhardt — das muß man ihm lassen — macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Mit dürren Worten bekennt er: Die Kölner Herren sind stets ihre eigenen Wege gegangen, haben sich nie um uns gekümmert. Das soll wohl heißen: Sie haben nicht den Anschluß an den Verband gefunden, denn das ist doch wohl das Alpha und Omega, das Herr Steinhardt zur conditio sine qua non macht. Wie die Herren in Köln auch so selbstvergessen sein konnten und nicht mit fliegenden Fahnen in das Steinhardt'sche Lager eingerückt sind! Aber die scharfe Attacke gegen Köln hat doch tiefere Ursachen. Die Herren Steinhardt und Stern wissen, daß die Kölner Seminarleitung und das Kölner Kuratorium mit der gesamten Orthodoxie den Standpunkt vertreten: Neben der Ausbildung von jüdischen Volksschullehrern ist im Interesse der Versorgung der Kleingeineinden mit Religionskehrern auch die Ausbildung von Religionslehrern vonnöten, wenn nicht das „Land" von religiöser Betreuung entblößt bleioen soll. Wie sieht nun die Situation ■ aus, wenn man sie unvoreingenommenen Blickes betrachtet? W'.r stehen ohne jedwede Einschränkung auf dem Boden der akademischen Ausbildung der Volks schullehrer. Daß das Kuratorium des Kölner Seminars denselben Standpunkt einnimmt und einnehmen muß, dürfte füglich nicht bezweifelt werden, nachdem in Preußen die akademische Lehrerausbildung zur Durchführung gekommen. Daß Köln z. Z. noch an deni alten System der Lehrerausbildung festhält, ist nur als Uebergangsperiode zu betrachten und von vorneherein nie -anders gemeint gewesen, als Uebergangsperiode bis zu dem Zeitpunkte, in welchem eine jüdische Lehrerakademie ins Leben getreten. Der überaus große Lehrermangel machte es notwendig, diese Zwischenstufe zwischen seminarischer und akademischer Lehrerbildung eintreten zu lassen, um eine Unterbrechung der Ausbildung von gesetzestreuen jüdischen Volksschullehrern in Preußen unmöglich zu machen. Es zeugt von einem großen Maß von Objektivität und Einsühlungsfähigkeit in eine ihm fremde Ideenwelt, daß der preußische Kultusminister den Wünschen der jüdischen Orthodoxie Rechnung getragen und den Kölnern weitgehendes Entgegenkommen gezeigt hat. Nur Herr Steinhardt und die Herren der Berliner Wissenschaftlichen Lehreroereinigung vermögen nicht das Verständnis für die Forderungen der preußischen konservativou Judenheit auszubringen. Sie werden sich darum, wie angekündigt, an die zuständigen behördlichen Stellen wenden und sen Herrn Minister zur Ordnung rufen. Mögen sie es tun! Jedenfalls ist wieder einmal der Beweis dafür geführt worden, daß wir mit unseren orthodoxen Belangen bei nichtjüdischen Instanzen oft mehr Verständnis finden, als bei unseren andersgesinnten jüdischen Glaubensbrüdern. Wir kommen noch auf eine Bemerkung des Herrn Steinhardt zu sprechen, in welcher er der aufhorchenden Mitwelt erzählt, daß Seminardirektor Stoll aus Würzburg gelegentlich einer Konferenz in Berlin mitteilen konnte, in Köln feien zwei Schüler ausgenommen worden, die da-Würzburger Semi:ar infolge mangelhafter Leistungen verlassen hatten. Dazu hat die Kölner Seminarleitung bereits t a - Wort genommen. Ob Herr Stoll diese Mitteilung aus rein i ea iststchen Beweggründen gewacht hat, wagen wir zu bezweifeln. Schön war das jedenjalls nicht, Herr Stoll, daß Sie einer Schwesteranstalt eine Ohrfeige in solcher Weise zu verabreichen sich vermaßen. Es wurde uns berichtet, daß Herr Stoll auf der Münchener Lehrer- Tagung der erste war, der die von der Hessischen Lehrerkonserenz verlangten Sicherheikskauieken ablehnte. Wenn das der Wahrheit entspricht, dann können wir auch die aben verzeichnete Berliner Bemerkung des Herrn Stoll verstehen, und es erübrigt sich jedes weitere Wort. Es bedarf wohl nicht der Versicherung, daß wir nicht gegen das Würzburger Seminar eingenommen sind. Im Gegenteil: Wir betrachten es im Interesse der gesetzeskreuen Judenheit als eine Notwendigkeit, daß die Anstalt, die der alte Würzburger Raw ins Leben gerufen, gemeinsam mit der Kölner Anstalt wie seit Jahrzehnten es als ihre Aufgabe betrachtet, getreu den Intentionen ihres Gründers Junglehrer mit echt jüdischer Gesinnung und Berusstüchtigkeit auszubilden und unseren Gemeinden zur Verfügung zu steilen. Jedenfalls löste das Vorgehen Stolls in weitesten Kreisen der Gesetzesrreuen mißbilligendes Kopfschütteln aus. Denn so beklagenswert es ist, daß die orthodoxe Judenheit in mancherlei Fragen gespalten ist, ein Zustand, der oft an Selbstzerfleischung grenzt: In der Frage der jüdischen Lehrerausbildung und in Verfolg dessen in der Frage der Erhaltung der Kölner Lehrerbildungsanstalt neben dem Würzburger Institut, bildet die Orthodoxie eine in sich geschlossene Einheit. So sehr wir es für unbedingt notwendig halten, jederzeit für die Hebung unseres Standes einzutreten, so dürfen wir doch anderseits nicht die Notwendigkeiten des Klall aus dem Auge verlieren. Diese Notwendigkeiten verlangten und verlangen das Bestehenbleiben des Kölner Seminars als Uebergangszustand, damit die Versorgung der Gemeinden mit Lehrkräften nicht abbricht. Aus gleichen Gründen treten wir auch für den Ausbau Kölns als Neligionslehrerbildungsaustalt ein, damit nicht die kleinen und kleinsten Gemeinden ohne Lehrer und Führer einem Zustande verfallen, der den Rest jüdischen Bewußtseins schwinden macht, der, so weit er noch vorhanden, an Zeiten erinnert, in welchen die Landgenieinden die Stätten blühenden Lebens, die Hochburgen der Jüdischkeit waren. Heute macht sich auf dem Lande ein Geist micht nur der Entjüdischung, sondern vollständiger Entgottung breit. Da würden wir alle schwere Schuld aus uns laden, wollten wir uns zu Experimenten bereit finden, die die Entblößung des „Landes" von religiösen Führern und Lehrern befürchten ließen. Zur Frage der Lehrerbildung. Eine Entgegnung aus die Resolution der wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. Von Lehrer Bernhard Grotzmann, Hachenburg. Die Blätter für Erziehung und Unterricht (Beilage zum „Israelitischen Familienblatt") veröffentlichen in ihrer Nr. 33 folgendes: Zur Frage der Lehrerbildung. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" hat in ihrer Sitzung am 9. März, im Anschluß an ein Referat des Verbandsvorsitzenden, Koll..Stern, über „Lehrerbildung", folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Wissenschaftliche Vereinigung erhebt schärfsten Protest gegen die seit Jahren im Kölner Seminar in ein- und zweijährigen Kursen betriebene „Ausbildung" von Volksschul- und Religionslesrern. S'.e spricht zugleich ihre Verwunderung und ihr Bedauern darüber aus, daß de: preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zu diesem unbegründeten, den jüdischen Lehrerstand herabsetzenden und die jüdische Schule schädigenden Ausnahme7erfahren seine Zustimmung gegeben hat, und ersucht den Vorstand des Jüdischen Lehreroerbandes in Preußen alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um diesem unwürdigen Zustand ein Ende zu bereiten." Wenn im Folgenden einer der vorjährigen Absolventen des Kölner Seminars hierzu Stellung nimmt, so geschieht es aus der Erkenntnis heraus, daß der Behandlung des Problems „Neugestaltung der jüdischen Lehrerbildung" nichts schädlicher sein konnte als eine solche Resolution. Seit einiger Zeit beschäftigt sich die jüdische Presse recht eingehend mit der Frage, wie die bisherige Ausbildung der jüdischen Lehrer den staatlichen Vorschriften über die Ausbildung der Volksschullehrer entsprechend umzugestalten sei. Alle Veröffentlichungen umfaßten jedoch bisher nur Vorschläge und Meinungen einzelner Fachmänner und man hat es überall bewußt vermieden, Namen zu nennen oder Anklagen gegen eine bestimmte Institution zu erheben. Mit gutem Grund: Denn wenn die Oefsentlichkeit auch ein Recht darauf hat, über allech orientiert zu werden, so ist es.nicht nötig, sie mit Dingen zu beunruhigen, über deren Einzelheiten sie nicht unterrichtet ist.. Diesen Schritt zu tun, blieb der Wissenschaft lichen Vereinigung Vorbehalten, und sie hat ihn unter Assistenz der Redaktion der „Blätter für Erziehung und Unterricht" in einer geradezu unglaublichen Form geton. Wo unter den vielen Resolutionen, die man in den letzten Jahren lesen konnte, findet sich eine Parallele zu d--r obigen? Ohne daß auch unr mit einem Wort Mitteilung von dem Ausbildungsverfahren des Kölner Seminars gemacht wird, bezichtigt man es hier eines unbegründeten, den jüdischen Lehrerstand herabsetzenden und die jüdische Schule schädigenden Äusnahmererfahrens! Bisher hat noch jede gute Zeitung es sich angelegen sein lassen, ihrer Leserschast sofort die Beweise für eine so kühne Behauptung zu erbringen und die Oefsentlichkeit nicht acht Tage lang. auf einen „interessanten" Artikel über diess Angelegenheit warten zu lassen. Es ist einfach eine Sache des Taktes, den man auch dem Gegner gegenüber zu wahren hat, daß man nicht eine Anklage ohne ausführlichen Tatbestand in die Welt hinausposaunt! Die i 1t en! etzten Jahren ii Köln ausgebi.deten L chrer unterscheiden sich überhaupt nur von ihren n i ch t j ü d ischen Kollegen, die bekanntlich pädagogische Akademien besuchen müssen. Von ihren jü.ischen Kollegen — mit Ausnahme der drei, die die Simultanakademie besucht haben — unterscheiden sie sich nur zu ihrem Vorteil. Denn schon vor dem Kriege konnte man mir der Reife für Obersekunda in die dritte Klasse des Seminars eintreten, und wenn heute in Köln eine zweijährige Ausbildungszeit genügt, so ist andererseits ein Alter von mindestens 19 L/2 Jahren für die Ablegung des Examens vorgeschrieben (gegen 18 Jahre, mit denen man früher in die erste Prüfung kommen konnte). Für Abiturienten ist ebenso wie früher eine mindestens einjährige Ausbildungszeit vor-

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