Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1929)
- Date
- 1929-04-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14. Nr. 15 Der I s. o a e l i L Die Lissaboner Juden. Aus dem bereits hier angezeigten I Teitelfchen Buch der Memoiren «Aus meiner Lebensarbeit" entnehmen wir hier das Capitel, das den Ang oia- Traum (geplante Ansiedlung von Juden im portugiesischen Angola) in seinen Phasen zeigt. Me erste ausländische Stadt, in der wir auf unserem Wege nach Portugal Halt machten, war Wien. Wir kamen dort, soviel ich mich erinnere, - am 29. April an. Am 1. Mai konnten wir sehen, wie di.e Wiener Arbeiterschaft ihre Maifeier beging. In geordneten Zügen marschierten die Arbeiter unter Absingung von Liedern, mit Fahnen und Musik. Ihre Gesichter waren ernst und beseelt, man fühlte, daß der „vierte Stand" sich seiner Macht und seines Anrechts auf eine der ersten Stellen in der heutigen Gesellschaft bewußt isst Polizei zu Fuß und zu Pferde, aber in kaum nennenswerter Zahl, überwachte von weitem die Ordnung, die übrigens von den Arbeitern selbst beobachtet wurde. Unwillkürlich drängte sich mir bei diesem-Anblick mitten in der Hauptstadt einer westeuropäischen Monarchie der Vergleich aus mit unserem Petersburg, wo bei jeder Kundgebung der Arbeiterschaft sofort Gendarmerie und mit Peitschen ausgerüstete Kosaken auf dem Plan erschienen. Die Schlußfolgerung aus diesem Vergleich ist einleuchtend. Mt wem ich in Wien über das Angola-Projekt sprach, alle bekundeten däfür lebhaftes Interesse und betrachteten das Angebot Portugals als sehr wünschenswert für die Juden. Von Wien "aus fuhren wir nach Paris und nahmen Wohnung bei der uns sehr befreundeten Jngenieurwitwe Raissa Vorifsowna Herzenstein, einer energische Frau,-die sich für alle jüdischen Fragen interessierte und einflußreiche Verbindungen in den Pariser Kreisen befaß. Meine Ankunft und bevorstehende Reise nach Portugal hatte sich bald herumgesprochen, und im Salon von Raissa Borissowna fanden, Gespräche und Debatten über die Angola-Frage statt. Ueber diese Frage unterhielt ich mich eingehend auch'mit den Vertretern der jüdischen Kolonisations-Gesellschaft, die von Baron Hirsch gegründet worden war. Besonders eingehend studierten die'Frage der Direktor des Kolonisations-Komitees und sein Hauptleiter, Emil Meyerson, eine interessante Persönlichkeit, auf die ich noch zurückkömmen werde. Meyerson nahm übrigens einen ablehnenden Standpunkt zu-dem ganzen Plan em, da er der Ansicht war, daß die Juden ausschließl ich näch i Amerika Muswandern und> keine anderen Länder für sich suchen sollten. Jeden Gedanken' eines autonomen jüdischen Staates oder auch nur Kantons lehnte er gleichfalls mb. Nichtsdestoweniger interessierte er sich sehr lebhaft für das portugiesische Angebot und bat Mich, ihn von Lissabon aus unverzüglich über den Gang meiner Verhandlungen zu informieren. Unterwegs nach Portugal machten wir dann in Madrid Halt. Hier hatten wir ein drolliges Erlebnis: Wir ließen unser Gepäck aus dem Zuge tragen und wollten, eine Droschke nehmen und in irgendeinem bescheidenen Hotel absteigen. Als wir aber mit unserem Gepäckträger aus dem Bahnhofsgebäude traten, fuhr ein großes, hellerleuchtetes Auto vor, u?d die Träger begannen, es mit Koffern und Reisetaschen zu beladen; auch unser Gepäck wurde dort verstaut. Gleichzeitig begannen auch die Reisenden, ihre Plätze in dem Auto einzunehmen. Run konnten wir nicht spanisch, sondern meine Frau sprach nur französisch. Wir beschlossen also, einfach dem Beispiel der anderen Reisenden zu folgen, und nahmen gleichfalls in dem Auto Platz. Es stellte' sich dald heraus, daß die Passagiere aus lauter smarten Amerikanern und- Engländern bestanden. Das Auto raste indessen durch die Stadt und hielt schließlich vor einem an der Grenze derselben liegenden luxuriösen Hotel, das in einem Meer von elektrischem Licht hell erstrahlte. Ein Troß von Dienern und Portiers stürzte vor, um dm. Reifenden, darunter auch uns, beim Ausfleigen behilflich zu fein. Da begriffen wir endlich, daß wir in eine Falle geraten waren. Als wir uns nach dem Preis eines Zimmers erkundigten, erfaßte uns vollends ein Schreck: ich glaube, es waren 50 Franken pro Tag! Der Portier durchschaute aber unsere Lage und schlug uns ein anderes, feiner Ansicht nach bescheidenes Zimmer vor; aber auch dieses war für die Delegierten der „JTO" noch viel zu teuer. Inzwischen war es bereits fast Mitternacht geworden. Allein der Portier erwies sich als lein sehr liebenswürdiger und teilnahmsvoller Mensch; er schickte einen Boy nach einer Droschke, und wir fuhren erst lange herum auf der Suche nach einem passenden Gasthof, bis wir endlich einen solchen fanden. In Madrid blieben wir zwei Tage, besichtigten die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten und fuhren dann weiter. < o (Fortsetzung folgt.) Vorpessach der Natur. Von Jsaak Schönberg. <; ' ITnb wieder hält der Frühling seinen Einzug. Wieder hat :die Sonne das Szepter ergriffen- underweist sich erneut .als-'.milde Herrscherin Über! Land -und Stadt. Die. Natur, die auf weite Dauer.unter dem beklemmenden Druck eines allzu grausamen Winterherrn stand» vermag wieder aufzuatmen, beginnt sich zu recken und. der befreien-, den Segnungen^ die der ersehnte Wechsel brachte, zu erfreuen.. In.- : vollen - Zügen trittstsie die balsamische: Luft, und. empfindet freudig die wiederkehrende Wärme und Zuneigung,, .welche sie. so lange hat. entbehren: müssen. Die Menschen, die ihr viele Monde keine Beachtung schenkten, erinnern sich ihrer, entdecken aufs Neue ihre Schönheit und möchten schließlich den. etwas verwehten Weg-ihrer Freundschaft neu .anbahnen. .. Kaum., hat man das graue Häüfermeer hinter sich, empfängt., sie einen auch schon mit offenen Armen. Man fühlt sich wohl in ihrer Nähe zu dieser Jahreszeit. Von iinden.: föchMden,.Winden begrüßt, atmet 'man die hehre, btzfrÄende, Stille; bisweilen Mr zerreißt, ein schrilles Zugsignal das erhabene Schweigen und mahnt an das. ruhemordend.e technische Zeitalter. _ Ringsum stilles Wachsen und Gedeihen. Hie und da lugt.ein junges; schüchternes Pflänzchen vorwitzig aus der Erde, rs ist noch blaß, und sonnt-sich in den. Strahlen der gütig -lächelnden Lichtspenderin. ' . Scharf heben sich die. Umrisse, der nähen Berge vom wolkenlosen-azurblauen Himmel: gleich hingestreuten Blumen liegen vereinzelte schmucke Pflänzchen mit ihren roten Dächernan ihrem Saume. Frohlockendes Vogelgezwitscher schwingt sich empor, versinkt in der Ferne, die sich schimmernd. wie durch einen goldenen, duftigen Schleier gesehen/ vor uns ausbreitet. Man wähnt einen Hauch aus Ewigkeiten zu verspüren, - ein Ahnen des ewigen Frühlings. Und gleich. strahlendem Fanal tritts kündend-vor unser Auge, nähert sich uns Jubel verheißend: Peßäch: Fest der Elösung aus mizrifchen Fesseln, Sieg der Frühlingsentfaltung über starre Winterenge ... (Tagung der jüdischen Mufeumsoerrine zu Breslau.) Der..Verein Jüdisches Museum E. D. zu Breslau hatte im Änschluß an seine so viel beachtete Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" Vertreter der jüdischen Museumsvereine Deutfchiands, Polens, Oesterreichs und der Tschechoslowakei, sowie des Eesamtarchios her deutschen Juden und der jüdischen Gemeinde in Berlin eingeladen zwecks Zusammenschluß zu einer losen Vereinigung auf dem Gebiete des jüdischen Sammelwesens. Dieser Einladung waren Deligierte aus Kassel, Mainz, Berlin, Wien, Prag, Warschau, München, Frankfurt a. M. gefolgt. Die Tagung begann mit einer Führung durch die genannte Ausstellung, und die so sachverständigen Teilnehmer waren einstimmig der Meinung, daß eine derartige wohldurchdachte Ausstellung noch niemals zu sehen gewesen war,- und das Verein Jüdisches Museum zu Breslau mit der Veranstaltung dieser Ausstellung einen ganz neuen Weg beschritten hat. Nach der Führung fand ein Vortrag von Dr. Hallo, Kassel, '_' 11. AprM 1929 über „Jüdische HM dwerker und jüdische- Künstler" statt, der im besonderen darauf hinwies, daßdas Kunstge-! werbe und die Kunst der Juden in vergangenen Jahr-' Hunderten immer im engsten Anschluß zur Kunst ihrer eigenen Zeit gearbeitet haste: Die eigentliche Arbeitstagung fand dann am' Nachmittage in den Räwmen des Gemeindehauses statt, die als wesentlichsten Pu,nkt der Tagungsordnung ehen die Frage der Errichtung einerlosen Vereinigung der Mischen Museen und ähnlicher: Sammlungen aufwies. Man war sich im: Prinzip Lber die Notwendigkeit einig, und nach eingehender Ausspraihe über die Frage, wie weit man in der Einbeziehung der . Archive und Bibliotheken gehen sollte,, kam man zu Sem Ergebnis eine „Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer" zu bilden. In ihr 1011- Breslau zunächst auf ein Jahr den Vorort bilden und in der Geschäftsführung durch die Herren Prof. Dr:, Bronner, Wien, D. Hallo, Kassel. D. Karl Schwarz,. Berlin, unterstützt werden. Der Ausschuß wird sich nun: zunächst mit' der Frage der Abgrenzung des Sammelgebietes für Bibliotheken und Sammlungen, ferner mit der: Frage, ob die Sammlungen kulturhistorisch-ethnographisch oder kunstWörischer Arttstin sollen, zu befassen haben. Schließlich wird auch die: Frage zu prüfen sein, inwieweit die einzelnen Museumsvereine,. VL sich ja in. erfreulicher Anzahl immer weiter bilden, ihr Sammlungsgebiet auchlandschaftlich abgrenzen müssen. Fernerwurde beschlossen» die- Wische Presse regelmäßig mit Nachrichten über die Tätigkeit der neuen Interessengemeinschaft zu unterrichten,- Mößere wissenschaftliche ArbeLen sollen jedocheventuell dem Notizblatt der Gesellschaft zur Erforschung. Wischer Kmistdenkmäler überwiesen werden, an -dessen weiteren Aüsbau -man - Lenkt. Die nächste Tagung soll 1930m? Berlin, die: übernächste 1Ä31 . voraussichtlich in Mainzstattsind en- Prof. Meier Balahan, Warschau, gab dann noch die mrt /fehr großer Zustimmung aufgenommene Anregung, die- Städte jüdischem:; Volkstum im System, die heute noch durchaus den mittelalterlichen EhaMter bewahrthabey,- auf, Exkursionen aufzusuchen, •: },?> r? -vV; Den Teilnehmern an der Tagung wurde eins'Reihe wissenschaftlicher Arbeiten überreicht, die von dergeistigen Tätigkeit - - aus diesem Gebieteberedtes Zeugnis geben. - Am Abend vereinigte-j -noch ein gemeinsames Beisammensein die Teilnehmer, das.--vor-, allem, Gelegenheitgab, - im nahen.Gedankenaustausch -über die Zukunft jüdischer Sammeltätigkeit - zu sprechen. Der nächste, Tag gab - den auswärtigen Freundendir ’ Möglichkeit, die anmittelalterlichen Bauwerken so reiche Stadt Breslau, sowie , eine Reihe bedeutender Priratsammlungen: kennenzulernen. ’ Wochenkatender. v. 13. bis 20.. j^vM?.Lks11^N1ßap 8688.. "T Samstag r 13 3 jrntoVrt.v/- Sonntag? 14 4 Montag 15 5 Dienstag 16 . P’3 6 Mittwoch Donnerstag ** § 17 18 7 8 Freitag iin 19 9 Samatqa 20 10 mv snsn E. HAGE & Co Das unübertroffene Vorbild? Ideales Braten - Backen! Sparsamster Brand! Niedriger Preis! Zahlurigs - Erleich terung! Eschenheimer Toi 3 ,• Das altberühmte führende jüdische Hotel und Pension „Parkhaus", Bad Harzburg, ist feit 1. Juli 1928 in dem neuen Besitz' des Herrn Posnanski übergegangen. Das Hotel ist vollständig renoviert und modernisiert. Sehr großer Wert wird auf abwechslungsreiche, gute Küche, grßte Sauberkeit und Gemütlichkeit gelegt, fodaß die Gäste auch wirkliche Erholung finden. Das Hotel steht unter Aussicht des Halberstädler Rabbinats und besitzt eine eigene Synagoge. Prospekte und Referenzen werden auf Wunsch kostenlos zugesandt. ««antwortlich 3. Schachnow ^owitz; ebenda. Kaufmann in Sc. Olkenbach). — Berlar . —Druck Lermo» «erlag» fl. Stt- Sprendlingen . 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