Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 7 De r I » ra eli l . Bla t t.e r 5. April 1929 boxen Institutionen in Wien erstreckten. Die Gründungen her Agudas Iisroel, sowie das Waisenhaus in Baden, ein aus diesem Gebiet vorbildlich geleitetes Institut, die Jugendgruppe, die auf allen Gebieten von Thauro, Awaudo und Gemilas Ehesten mustergültig tätig ist, das Wanderheim, die Beth Jakob-Schule sind in vollster Tätigkeit. Dieselben habe ihre selbständigen Verwaltuung, daß der Geist der Agudas Iisroel, der von dem dieselben statutarisch sestgelegt. Er konstatierte mit Genugtuung, dah der Geist der Agudas Iisroel, de mit dem Geiste der Thauro umwoben ist, sowie besonders das Zusammengehöriglei sgesühl der strenggläubigen Judenschaft sich in Wien von Tag zu Tag stärkt. Redner streifte dann die ausgedehnte Zusammenarbeit mit der ihren Sitz hier habenden Weltzentrale der Agudas Iisroel und erwähnt besonders die schweren Kämpfe in Jerusalem, die einen grohen Aufwand von Kraft, Arbeit und Mitteln erheischten und die die alteingesessene Orthodoxie in Erez Iisroel vor der Vergewaltigung und Vernichtung durch den Zionismus schützen sollen. Er gedenkt des ausgezeichneten Referates der leider inzwischen bereits verstorbenen Madame Wickfel beim Völkerbund, einer nichtjü ischen Dame, die dahin konkludierte, daß es wohl für die englische Regierung schwer ist, mit zwei -jüdischen Organisa.tonen zu verhandeln, datz es aber andererseits ganz unmöglich erscheint, Männern, die keine Religion besitzen, die Macht über Menschen zu geben, die nur in der Religion leben. Redner erwähnte auch die Teilnahme der Agudas Iisroel beim Völkerbund gelegentlich der Verhandlung über die Kalenderreform, die eine schwere Beeinträchtigung der Sabbatruhe, des heiligsten Gutes des Judentums, zur Folge gehabt hätte, und bei der Herr Oberrabbiner Fürst durch seine glänzenden Ausführungen einen entschei)enden Einfluß aus '»ie hohe Versammlung ausübte, so daß vorläufig von einer derartigen Reform Abstand genommen wurde. Der Vorsitzende schließt mit der Aufforderung an die Anwesenden, an der -heiligen Arbeit der Agudas Iisroel, tatkräftig mit* zuwirken und in allen Kreisen popagandistisch für ihre Ideen tätig zu sein. (Lang anhaltender Beifall.) Daraus tritt aus die Rednertribüne Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr P. K o h n, Präsident der Weltzentrale der Äguda, stür misch begrüßt, und entwickelt die .Bedeutung der Orts gruppe unter Hinweis auf die im Herbst s. G. w. wieder in.Wien stattfindende zweite Kenessio Gebautv Das Spiegelbild der Agudas Iisroel im ganzen bildet in. kleinem Maßstab die Ortsgruppe Wien, die infolge ihrer geographischen Lage mehr als irgend , eine andere Stadt die verschiedenen Richtungen von Ost. und West in sich beherbergt. Die Aufgäbe des zu wählenden Vorstandes wird es in erster Linie sein, diese Richtungen in klüger Weise zu vereinen. Die heutige Versammlung wird alsdann die würdige Vorbereitung der Kenessio Gedaulo sein. Er appellierte an die. Führung und Mitglieder der Ortsgruppe, auch dieses Mal der Kenessio Gedaulo zu einen wüTi'en Verlauf zu rerhel en. (S.ürmische Beifallskundgebung.) Es sprachen sodann Herr Rabbiner M. Blech für die Keren Hathora- und Beth Jakob-Zentrale. Er schilderte die Betätigung der Ortsgruppe auf Grund des Schekolim-Gsdankens und legte. der Versammlung nahe, aus Ehinuch der Töchter weiteres Augenmerk zu richten. Er gedachte der in den letzten Jahren dähingegangenen Thoragrößen, zu deren Ehrung sich die Versammlung erhob. Herr Kultusvorsteher Dr. Ticho begrüßte die Versammlung im Namen der Kultusgemeinde Wien und wünschte der Ortsgruppe eine weitere gedeihliche Fortentwicklung in der Verwirklichung der Religion. Herr Alfred Stroh zeichnete die zukünftige Tätigkeit der Orthodoxie, die sich auf neun bedeutsame Gebiete erstreckt, und brachte.die folgenden vier Resolutionen vor, die per Akklamation angneommen würden. Der Misrachi hat trotz seiner gegnerischen Einstellung Resolutionen der Zentralverwaltung der Agudas Jisroel-Ortsgruppe Wien am 2. März 1929. I. Die am 28. Adar 1 tagende ordentliche Generalversammlung der Agudas Jisroel-Ortsgruppe Men hat mit grtzem Interesse den Bericht über den Empfang der Zentralleitung der Agudas Iisroel beim Herrn Vundespräsidenten Miklas entgegengenommen und spricht dem Herrn Bundespräsidenten ihren Dank für die warmen Worte aus, die er für die Schaffung unserer Organisation im Geiste der Religion gefunden hat. II. ' Die Zentralverwaltung nimmt die Nachricht, daß die zweite Kenessio Gedaulo m. G. H. wieder in Wien stattfinden soll, mit ungeteilter Begeisterung entgegen und versichert der Leitung der Zentrale der Weltorganisation, alle ihre Energien aufzuwenden, um den illustren Gästen den Aufenthalt überaus angenehm zu gestalten und in dauernd schöner Erinnurung zu erhalten. III. Die Generalversammlung stellt neuerlich mit größtem Bedauern fest, daß - der- Misrachr jede Gelegenheit benützt, um die Tätigkeit der Agudas Iisroel in ihrer schweren und verantwortungsvollen Aufbauarbeit im Geiste der Thora Zu stören. Die Versammlung protestiert energisch gegen den Verrat der religiösen Interessen durch die Intervention des Misrachi beim pa.ästinensischen HighkommWöner Lord Chancellor und verweist darauf, daß der Austritt jedes Jore Schomäjim aus der zionistischen Kenesses Iisroel in Erez Iisroel von fast sämtlichen Thora-Autoritäten zu unbedingten Pflicht gemacht wurde. kein Recht, Entscheidungen eines Rabbi Chäsim Sonnenfeld, Elkjahu Klatzkin, Ehofez Eha.im, Ezortkower,; (5 er er Belzer Großrabbinen u. a. Zadikim anzutasten. Er hat sich dadurch neuerlich als der Scherge des antireligiösen Zionismus gezeigt und nicht als Vertreter religiöser Forderungen im eigenen Lager.!V. Die Generalversammlung fühlt sich veranlaßt, mit größte,n Bedauern feststellen zu müssen, daß im Namen des Misrachi ein Lehrerseminar in einem offiziellen Organ Lehren zu verbreiten sucht, die den Grundlehren und Grundanschauungen des orthodoxen Judentums widersprechen. Daran ändern auch nichts die drei sich widersprechenden, im „Hator" erschienenen Dementis. Gleichzeitig spricht die Generalversammlung ihre Anerkennung und Bewunderung den Männern aus, die auf die bibelkri ifchen Gefahren in dieser Erscheinung rechtzeitig und energisch aufmerksam gemacht haben.., Herr M. Hornstein, Obmannstellvertreter des Hitach duth, entwickelte in temperamentvoller Weise die Postulate unserer ostjüdischen Brüder und beruhigte sich mit der Zusage, daß der neue Vorstand alles tun wird, um den berechtigten und erfüllbaren Wünschen gerecht zu werden Es sprachen ferner die Herren .Theo Klein, Sch Fischheimer, Kultusvorstand. M. Leitner und S. Stern Die Versammlung setzte den Jahresbeitrag auf S 6 fest. Eine Statutenänderung, bezw. Erweiterung wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen. Dann erfalgte die Wahl von 21 Vorstandsmitgliedern und eines 35glied° rigen Parteirätes. Kinder für. die Lebensaufgabe, .der überlieferten Lehre TTTfAt/ rllAtnAt* TSä«» Ata «M*A/o Aus der Bewegung. Berlin. Die Erkenntnis, daß auch die jüdischen Frauen Berlins .sich für die Aufgaben, die Agudas Iisroel zu erfüllen hat, einsehen müssen, hat den Gedanken ge weckt, dine Frauengruppe der Agudas Iisroel ins Leben zu rufen. Am -vot 'd wurde gemeinsam mit der bisherigen Frauen gruppe der Freien Vereinigung, die sich mit der A. J.-Gruppe. vorschmolzen hat, von über 100 Damem der Berliner. Orthodoxie die „Frauengrüppe Berlin der Agudas Iisroel" gegründet. Frau Dr. Möses Auerbach, die schon seit langem sehr aktiv in der Bewegung tätig ist, eröfsnete die Versammlung Und erteilte Herrn Dr. David Ochs das Wort zu seinem Referat über die Ideologie der Agudas Iisroel. Der Referent zeichnete in großen Umrissen das Programm der Ä. I. Eine Idee zu propagieren, bei der ausschließlich die Organisation das Neue darstellt, ist in unserer Zeit natürlich sehr schwer. Bei der A. I. ist die Organisation Selbstzweck und soll zugleich auch Mittel, zum Zweck sein. Sie. ist Selbstzweck, indem durch sie das gesamte thoratreue Judentum zusammengefatzt werden soll; sie ist Mittel zum Zweck, indem ihre Organisation, dazu dienen soll, bestimmte Ziele mit größerer Stoßkraft zu erreichen. Die Ä. J.-Organisation als Selbstzweck wie als Mittel zum Zweck ist nur positiv eingestellt, und in ihrem Wesen ist eine Kampfstellung nicht begründet. Es werden sich in ihren Arbeiten aber Zusammenstöße dann nicht vermeiden lassen, wenn etwa eine Ausgabe des Judentums entgegen dem Sinne der Thora gelöst werden soll (Palästinaarbeit). Dieser Kampf ist dann aber kein Kämpf mehr für die Organisation, sondern für die Thora. Prinzipiell ist jedoch Ä. I. das Lager, dessen Tore allen Gesetzestreuen weit geöffnet find. Die Anwesenden folgten mit regem Interesse den Ausführungen des Redners und gaben durch warmen Beifall ihrem Danke Ausdruck. In einem zweiten Referat sprach Herr Willy Gugg e n h e i m über die Stellung der Frau im Judentum. Er verstand es, die besondere Stellung der Frau innerhalb der Agudas Iisroel in. eindrucksvoller Weise zu zeichnen. Ju der Diskussion sprach Dozent Dr. Moses Auerbach, der aus dem reichen Schatze ferner Erfahrungen, die er in der Arbeit für A. I. gesammelt hat, der jungen Bewegung Ansporn und Arbeitsideen mit auf den Weg gab. Die weitere Diskussion brachte eine Fülle von. Anregungen, als deren Extrakt das nachfolgende Arbeitsprogramm festgestellt wurde: 1. Bildung kleinerer Arbeitsgemeinschaften zwecks Besprechung allgemeiner und jüdischer Fragen. 2. Beratungsstelle für Erziehungsfragen. - 3. Einrichtung von Lehrkursen. ‘ 4. Soziale Fürsoge. Hamburg. Die Ortsgruppe Hamburg-Altona der Agudas Iisroel hatten zu einem Vortragsabend „Im Zeichen der Kenessioh' Gedauloh" am Montag, den 4. März, im Logenheim ge'aden. Als Redner waren gewonnen Dozent Dr. Mo'es Auerbach-Berlin, über das Thema „Erziehungs- Fragen auf der Kenessioh Gedauloh", und Distriktsräbbiner Dr. Elie Munk-Ansbach, über das Thema „Der Weltanschauungskamps des gesetzestreuen Judentums". Namens, des. Vorstandes begrüßte Herr Dr. Möller-Ältonä, die Erschienenen und mahnte zur einigen Tätigkeit unter der Devise Thauras Hafchem temimoh. Alsdann ergriff der erste Redner des Abends, Herr Dr. Moses Auerbach, das Wort zu seinem Vortrage „Erziehungsfragen". Er verstand es in meisterhafter Art darzulegen, daß für den religiösen Juden die richtige Erziehung seiner Kinder aussch'aggebend sein muß für sein ganzes Leben. Es ist Pflicht der Eltern, die Kinder rechtzeitig der Thora zuzuführen und ihr Fühlen und Denken für den angestammten Glauben zu gewinnen. Schon in frühester Kindheit müssen die Bemühungen der Eltern einsetzen, ihre ttreu zu bleiben, vorzubereiten. Der Redner wies darauf hin, wie jedes Zeitalter neue Probleme stellt und wie die bewährten Führer der Judenheit. in den einzelnen. Ländern rechtzeitig bestrebt sein sollen, die Erziehungsmethode und die Erziehungsmittel in Einklang zu. bringen 'mit beu Forderungen der Gegenwart, stets aber unter der Devise, weiterhin ein Volt heranzubilden, das das Ziel hat, ein Mamleches Kohanim zu bilden und zu bleiben, es gilt, stets das richtige Maß finden zwischen profanem und religiösem Wissen, die richtige Zeiteinteilung beim Unterricht, daß wirklich eine Jugend herangebildA wird, die in der Lage ist, sich hinzugeben für den unversälschtenGottesgedanken und peinen Kontrast aufkommen zu. lassen zwischen Theorie und Praxis. Der nächste Redner dse Abends, Herr Dr. Munk, legte in formvollendeter Weise die Grundlagen des Weltanschauungskampses des gesetzestreuen Judentum, das Ringen für feine Idee, den Zuhörern dar. Die Kenessioh Gedauloh solle die Lauter-, keit der Gesinnung der Agudas. Iisroel und ihrer Mitglieder erweisen und das, Bewußtsein der Treue zum altüberlieferten Gesetz stärken. Dr. Munk verstand es, den Zuhörern die Ziele klarzulegen, welche dis Agudas Iisroel verfolgt und welche sie bestimmt, nunmehr eine Kenessioh Gedauloh einzuberufen.und auch den Kampf der Meinungen aufzunehmen. Anschließend sprach, in der Diskussion Herr Oberrabbiner Dr: Carlebach, Altona. Er. mahnte vor-allem, zum Frieden, nach innen und nach außen. Agudas Iisroel solle keine . KampforgänisatioN sein und werden, sondern alle heranziehen zur Liebe zum Judentum, das immer wieder an das Herz seinet Bekenner sich wendet, sie alle mit gleicher Anhänglichkeit seinen Lehren zuführen und keinen einzigen.. seiner. Bekenner zurückstoßen, will. Das Schlußwort des Abends, von Dr.. Moses Auerbach gesprochen^ faßte in eindringicher und herzerhebender Weise nochmals die gegebenen Anregungen zusammen zu einem' Appell an die Mitglieder der. Agudas Iisroel zur verständnisvollen Mitarbeit., Der. Dorträgsabend kann nur als wohlgelungen bezeichnet werden, fein Verlauf hat die zahlreich Erschienenen sichtlich befriedigt. Kötn, 17. März. Herr S. S. schreibt Uns: Durch Rücksprache mit einigen Esraführern wurden die von mir in meinem Aufsatz „Esra und Agudas Iisroel" geäußerten Befürchtungen hinsichtlich der religiösen Zukunft kunft des „Esra" v er st an d es mä ß ig widerlegt. Dem O.-B. de A. I. möchte ich aber nochmals eindringlichst eine idealere, beweglichere Ausgestaltung der Jugendorganisation, etwa in Richtung der Vorschläge von Dr. Elie Munk-Berlin ans Herz legen und ihn bitten, die Ausgestaltung von Arbeitsgemeinschaften in der Art derjenigen des Esra allen Jugendgrüppen zur Pflicht Zu achen. Amsterdam. Heute ist Herr Konsul Sülly G U ggenheim aus Bafel hier emgetroffen, um in seiner Eignschaft als Mitglied der politischen Exekutive der Agudas Iisroel und im Aufträge des Geschäftsausschusses die Vorbereitungen für die Kenessio Gedaulo einzuleiten. Mit.Unterstützung der ehrwürdigen Herren Oberrabbiner und der führenden agudist schen Persönlichkeitsn des Landes beabsichtigt Herr Guggenheim in den größeren Städten Vorträge zu halten, um auf die Bedeutung der Kenessio Gedaulo hinzuweisen und zur eifrigen Beteiligung an dem Kenessio Gedaulo-Fond anzuregen. London. Zur Unterstützung der lokalen Instanzen bei der Vorbereitungsarbeit für die Kenessio Gedaulo weilte hier im Auftrag des Geschäftsausschusses der Gesamtorganisätion Herr Heinrich Eisemann aus Frankfurt a. M. Man hofft, daß in Verbindung mit. dieser Vorbereitungsarbeit die englische Aguda auch in organi- 'atorischer Hinsicht weitere Fortschritte machen wird. Bratislava. Die ^Vorbereitungen zur Kenessio Gedaulo werden in der S l o v a k e i sowohl wie in B ö h .. men und Mähren eifrigst betrieben. Versammlungen zur Vertiefung in die geistigen Aufgaben der Kenessio . Gedaulo und zur 'Propaganda für den Kenessio Gedaulo-Fond haben bisher außer in Preßburg auch in Tyrnau, Neutra, Presov und Topol c any stattgefunden. In Neutra hat der Oberrabbiner Aron K a tz einen feurigen Aufruf veröffentlicht, der die ge- 'amte Ortbodoxie zur Konzentrierung ibrer Kräft auf )ie Dorbereitungsarbeit ausfordert. In Böhmen, Mähren und Schlesien liegt die Aroeit in den Händen der Herren Gustav Springer, Dr. S. L i e b e n, Dr. Max B e e r, Jakob Schwarz und Franz F i s ch h o f. Riga. Die Vörbereitungsarbeiten zur Kenessio Gedaulo sind in Lettlandim vollen Gang. Man erwartet diese Woche von Seiten der Zentrale Herrn Wolf Jacobson, der von Riga aus auch. die übrigen' Gemeinden des Landes zu bereisen gedenkt. (iigucf a ~ &ttä vfcen * »rfiftflffcfi in allen Ortsgruppen.