Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. Nr. 14 Der Israelit Der Verein bezweckt, dafür zu sorgen, daß in Todesfällen nwV nvan srto &« Bestattung in traditionell-füdifcher Weife vor sich geht. Die Lieferung des Sarges erfolgt kostenlos; es wird nur ein geringes Eintrittsgeld und ein Jahresbeitrag von Mk. 3.— erhoben. Anmeldungen nehmen entgegen: Der Vorsitzende: Herr Hugo Fraenkel, Efchenh. Anlage 19a; der Kassier: Herr Max Tannenbaum, Oberlindau 56, die auch jede weitere Auskunft erteilen. Sitzung der Gemeindeverkretung der Israelitischen Gemeinde am 21. März. Die Jahresrechnung 1927/28 ist von den Revisoren nachgeprüft und in Ordnung befunden worden. Die Verwaltungskommisfionen werden in Erfüllung eines lange gehegten und vielfach geäußerten Wunsches durch Aushebung und Zusammenlegung einzelner eingeschränkt. Bei Stimmenthaltung der Konservativen wird ein Nachtragskredit von Mk. 44.000 für das Philantrvpin genehmigt. Der — in Gliederung und Ueberfichilichkeit meisterliche — Etat ist den Mitgliedern der Gemeindevertretung erst jetzt zugegangen. Da andererseits dem Finanzamt in den nächsten Tagen die Unterlagen für die Kultusst e u e r übergeben werden müssen, so ergibt sich die Notwendigkeit, diese vor der Beratung des Etats festzusetzen. Der Vorsitzende des Vorstands, Justizrat Dr. Blau, nennt unter schließlichem warmem Appell an den alten jüdischen Gemein- und Wohltätigkeitssinn zu diesem Behufs die Hauptziffern. Der ordentlich« Etat balanciert auf beiden Seiten mit rd. Mk. 1.968.000 und weist einen Fehlbetrag von Mk. 136.000 auf, der a u ß e r o r d e n t l i ch e Etat figuriert mit Mk. 729.000. Für diese Mk. 729.000 ist eine Deckung nicht da, nach vereinzelten Äußerungen, die allerdings nur mehr als Vorpostengeplänkel zu werten sind, scheint zur Deckung keine Neigung zur Aufnahme einer Anleihe zu bestehen, sondern mehr Meinung für die Beanspruchung kurz- oder langfristiger Kredite oder des Gemeindevermögens. Hinsichtlich der Kultussteuer steht der Vorstand nach wie vor auf dem Standpunkt, daß nicht mehr erhoben werden dürfe, als zur Deckung des Bedarfs unbedingt erforderlich ist. Abgesehen von der Grundsätzlichkeit dieser Auffassung nimmt er dabei auch weitgehende Rücksicht au : die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse. Er kann sich daher zu einer Erhöhung augenblickliche nicht entschließen und schlägt wiederum wie im Vorjahr 11 Proz. der R e i ch s e i n k o m m e n st e u e r vor. Zögernd und mit schwerem Herzen, das auch keine Befreiung durch den ermunternd anspornenden Zuruf des liebenswürdig konniventen und stets streng objektiven Vorsitzenden der Gemeindevertretung findet, stimmen die Parteien zunächst zu. Alle aber knüpfen den audsrücklichen und nachdrücklichen Vorbehalt daran, daß sie im Laufe des Jahres, vielleicht schon bald, eine Erhöhung beschließen werden, sofern die Beratung des Haushaltsplans sie irgendwie notwendig erscheinen lassen werde. Die Kultussteuer erbringt bei 11 Proz. einen Ertrag von Mk. 1.454.000. Der Neueingang im Jahre 1928 war über Erwarten günstig. Auch der Gedanke eines zehnprozentigenVermüg enssteu« r zuf chlags, wie ihn hier nach der Mitteilung eines Herrn neben 12 Proz. von der Einkommensteuer auch die Evangelische Gemeinde erhebe tauchte schon auf. Das jüdische Haus., In einer Aussprache über Familienerziehung im Frauenbünde sagte vor Kurzem Frl. Bertha Pappenheim u. a. einige beachtenswerte Worte: Die jüdische Gemeinschaft lebt heute verteilt auf der ganzen Welt. Das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl — Kol Jisroel arewim seh losch — bedeutete nicht nur, dem Schnorrer ungeprüft geben, sondern bedeutet ein Gefühl der Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft ist nicht denkbar ohne die Familie. Wofür soll man leben, wenn nicht ein Fortbestehen — das kann auch geistiger Arl sein — gesichert ist? Die Kraft des Judentums beruht in der Familie. Wenn die jüdische Familie heut: fühlt, daß ihre Kraft versagt, sollen wir uns fragen, worin hat diese Kraft bestanden? Diese Kraft der Familie wieder zu sichern, ist ein göttlicher Auftrag der Juden an die Welt. Das Judentum kennt nicht Staat znoch Kiche. sondern besteht aus Menschen, die ihren Willen Zusammentragen. Die Familien, die fühlen, daß ihnen ein großes Stück, oder ein Rest Kraft geblieben ist, sollen sich zusammenschließen; besonders die nicht ganz sicheren. Es ist sehr schwer, manche Dinge im Getriebe der Welt ausrechtzuerhalten; findet man sich mit anderen zusammen, dann wiegt und bedeutet alles mehr. Frau Dr. Strauß hat schon darauf hingewiesen, daß eine Familie eigentlich erst beginnt, wenn mehrere Kinder vorhanden sind. E i n Kind ist eine zittrige Freude, andererseits bedeutet ein Kind auch schon eine Million, ein Etwas in der Wagschale des Liebhabens, des Sichentmikkelnkönnens. Die Frage, die die jüdische Familie — und gerade an die nicht mehr gänz fromme ist gedacht — sich stellen .nus, müßte etwa lauten: Wie kann ich leben, um meinem Kinde möglich zu machen, als Mutter mit gleichen Gefühlen an das Elternhaus zurückzudenken, wie wir an Eltern und Großeltern zurückdenken. Es wird auch an die moderne Großmutter init Freude und Liebs zurückdenken können, wenn in der Familie Strahlen wärmender Liebe Platz und Möglichkeit haben. Als erster Programmpunkt ist wichtig: Die 'Erhaltung des Freitagabends. Dieser Abend sei der schöne Abend, der jour sire, der Festtag der Woche. An ihm werde das frische Tischtuch aufgelegt, die frische Schürze ungezogen; die Frau entzünde die Lichter. Das kann ganz ohne Sentimentalität geschehen und kann jede Woche einen Moment oer Weihe beoeuren. Man lade zu diesem Abend Gäste ein. denn es wird vielen leichter werden, diesen Abend so zu begehen, wenn man ihn jemand vorleoen kann. Man kann auf diese .Weise einen Weg finden, ein Körnchen des bewußten Judentums sich, entwickeln zu lassen, dem Kinde die Bedeutung des Saobats für die soziale Gesetzgebung fühlbar zu machen, es ohne Lüge mit Stolz zu erfüllen auf diese jüdische Tat. Der zweite Punkt des Minimalprogramms lautet: Jedes jüdische Fest muß in jedem jüdischen Hause unrerstrichen werden. Alle Lichter, die im jüoischen Leben eine Bedeutung haben, müssen angesteckt und gesehen werden. Das Chanukkalicht, — aber auch das Jahreitslicht in Gegenwart des Kindes. Es soll wissen, daß man dieses Licht anzündet für Menschen, die man lieb hat, und die nicht mehr leben; und es soll wissen, daß es einst deses Licht crnzünden soll für seine Eltern. Auch die Familien- »osen müssen individuelle Möglichkeiten finden, solche Sitten zu pflegen. Jedes Licht fei ein Licht, sei eine Leuchte. Der Moment der Weihe, das Helle, Zarte wird etwas sein, was die Kindesseele unendlich ergreift. Die dritte Forderung besteht darin, oaß das Maaßergebot wieder bewußt erfüllt werde. Man spreche davon in Gegenwart der Kinder, daß jeder, der verdient, Manu oder Frau, den Zehnten herzugeben habe und auch dadurch neu Zusammenhang mit einer Gemeinschaft betont. Man spreche über die Verwendung des Maatzer. Das Kind sol.l wissen, daß es oft zu klein ist für das, was man erfülle.: möchte. Es begreife, daß man seine soziale Verpflichtung nicht loskaufen kann und nicht durch Organisationen verschütten lassen soll; daß man sich die große Freude des Gebens und persönlichen Mitgestaltens nicht nehmen taffen soll. Im Zusammenhang damit muß ausgesprochen werden, daß oie jüdischen Frauen verlangen sollen, daß ihnen außerhalb des Maaßer vom Mann Geld zur Verfügung gestellt wird, über das sie frei bestimmen können. ,eve Frau muh über ihr soziales Konto verfügen. Es ist eine Schmach, daß wohlhabende Frauen noch heute oft erklären müssen: Ich habe kein Geld, und mein Mann gibt mir zu diesern Zwecke keins. (Das soll doch wohl nichr heißen: man heirate nur einen reichen Mann? D. Red.) Eine weitere Forderung für die die jüdische Familie wäre, die einfache Lebensjührung. Hier sind jedoch die Maßstäbe und Begriffe so verschieden, daß man diese Foroerung in das eigenrlichs Minimalprogramm eines jüdischen Elternbundes nicht einbauen kann. Nur wirtlich Erfüllbares soll gefordert werden, anderes soll sich dann selbst herausentwickeln. Unbedingt zu fordern ist jedoch, daß außer zu Kiddusch und Hawdoloh kein Alkohol am jüdischen Fainilientisch getrunken werden soll. Auch das ist eine alte, jüdische Lebensregel denn nichts ist im Judentum neben der Unzucht so verpönt, wie das Uebermaß des Genusses von Alkohol. Dex Verkauf der 2t. A. Itobelschen Bibliothek. Vom Vorstande der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. wird der ITA. mitgeteilt: „In dem JTA.-Dieust vom 13. März und, hieraus übernommen, in einem Teil der jüdischen Presse ist die Nachricht von dem Erwerb der Bibliothek des fei. Rabb. N. 21. Nobel durch die Hamburger Gemeinde enthalten, wobei weiter mitgeteilt wird, daß zwischen der Frankfurter und Hamburger Gemeinde um' diese Bibliothek ein Wettbewerb entstanden, -aber schließlich die Frankfurter Gemeinde zugunsten der Hamburger zurückgetreten sei. Diese Darstellung ist unzutreffend und irreführend, da die Bibliothek, um deren Erwerb sich der Frankfurter Gemeindevorstand in einem früheren Zeitpunkt bemüht hatte, ohne sein Wissen verkauft wurde. Jubiläum. Am 11. April blickt der Prokurist der Firma Beer, Sondheimer u. Eo., Herr Siegfried Neuberger, auf eine ununterbrochene 40jährige Tätigkeit im Hause Beer, Sondheimer u. Co. zurück. Alt-Frankfurt a. M. Eine geschichtliche Zeitschrift für Frankfurt a. M. und seine Umgebung. Von dieser Zeitschrift, die wir in Nr. 47 v. 22. Nov. v. Js. zu würdigen versuchten, sind inzwischen Hefte 5, 6. 7 sowie 1, 2 des 2. Jahrgangs erschienen. Die Redaktion liegt in den bewährten Händen von Universitätsprofessor Dr. Voelcker. Meist widmen sich die einzelnen Hefte abgeschlossenen Sondergebieten, so Nr. 5—6 „Fünfzig Jahre Historisches Museum", Nr. 7 „Ali-Frankfurter Familien". In dieser Nummer ist auch kurz eine Polemik zwischen Mendelssohn und Kölbel« gestreift. Zu dem „Hedes-Problem" melden sich zwei Stimmen zur Diskusston, um recht gelungene Ergänzungen zu bringen, die beide versuchen, dem Problem näher zu kommen und, zwar in Nr. 5 von Frau Camilla Burstyn-Tauber, in Nr. 2 des zweiten Jahrganges von Jacob Julius Strauß. Möge diese gute Zeitschrift, die bisher einen sehr ausgedehnten Freundeskreis besitzt, noch weitere Freunde gewinnen. (Verlag Joseph Rensch, Habsburger Allee 53). Preis pro Heft 30 Pfg. I. H. / 5. April 1929 Jranffurfet Bereinsfalen&er. Verein Mefor Chaji«.; . i Samstag morgen, nach Schul, im HörfaaleFriedberger Anlage. Dinim. Herr Dr. E. Posey. — Nachmittag 3/4 Stunden vor Mincho im Vereins- - lokale. Mikro, Herr Dr. Hofmann. Sonntag morgens nach Schul, im Hörsaale Friedberg. Anlage (ebenso Mittwoch), vlrr "» Herr Redakt. S. Schachnowitz. — Vormittag 8 Uhr. Vereins- - lokal (ebenso Hg Stunde nach Sabbatausgang), Gemoro. Herr Joachim Soffer. — 9l/4 Uhr Vormittag (ebenso Dienstag nachmittag .6!/, Ahr). Gemoro, Herr R.-A. G. Posen. > Montag nach Schul, im Hörsaale Friedberger' Anlage (ebenso Donnerstag), Mischna, Mitglied erlernen. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Dereinslokale, Gemoro, Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — 8lh Uhr abends (ebenso Donnerstag), Gemoro. Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Freitag), Mischna, Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 8% Uhr im Vereinslokale, Schaslernen des Herrn Herz Halpern. Jahrzeitsstiftung. Samstag, 7. April. Rabb. Jsak Strauß-Stiftung. Montag, 8. April. Direktor Dr. Mendel Hirsch- Stiftung. A>uda, 3isroe(>3ufenbfnippe. Sonntag. 8 Uhr vormittag (ebenso Mittwoch 9 Uhr abend) Chumisch. Herr Leopold Oppenheimer. Montag, 9 Uhr abends (ebenso Mittwoch) Mischna. Herr Rechtsanwalt M. Katz. — 9 Uhr abends, (ebenso mw nachmittag 3 Uhr) Gemoro. Herr Emanuel Wols. — 9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro. Herr Gerfon Schnerb. Dienstag, »/A Uhr abends (ebenso raff 3k5 Ub ' Gemoro. Herr Leo Schnerb. — Uhr (ebenso mw 3 Uhr nachmittag) Gemoro. Herr Dr. W- Hosmann. — 3/49 Uhr abends (ebenso rw 8/*i0 Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Js. Posen. Mittwoch. 3/49 Uhr abends. Kizzur. Herr Theodor Spiegel. Donnerstag, 9 Uhr abends, Chumisch. Herr R.-A. Js. Rosenheim. mc, 3/4n Uhr vormittags, Gemoro. Herr Lippmann Kurzweil. — S/4U Uhr vormittags, Kizzur. Herr Louis Kahn. — 8/4i2 Uhr vormittags, Kizzur. Herr Gerfon Schnerb. — 3 Uhr nachm., Gemoro. Herr Tarsts. — 4 Uhr nachmittag, Sidro. Herr Damstag mittag 12 Uhr Droscho des Herrn Herz Holpern. R.-A. M. Katz. Jeden Tag von 9—11 Uhr Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art. Von 12—1 Uhr, Daf Jaumi. Herr Herz Holpern. Agudär Jisroel-Mädchengruppe. Montag, 7a9 Uhr abends, Mifchle. Herr Lehrer S. Unna. Mittwoch, 7«9 Uhr abends, Dinim. Herr Lehrer Hirschberg. nntp, oorm. nach Schul o'ab» isv Herr Julius Lewin. - 4 Uhr nachmittags. Chummisch u. Raschi Herr Lehrer Hirschberg. Llwjath Chen-Verein. Samstag mittag nach Mincho 8/45 Uhr im Hörsale Vortrag des Herrn S. Schachnowitz über „Siebenmal vier" (Aus Muffasptjut). Osljüdischer 3ugendbund. Nach den Osterferien beginnen diese Woche alle Kurse wieder. Das ueue <r ommerprogramm wird zu Pessach bekannt gegegeben. Osijüdischer 3ugendbund, Frankfurt a. 21t., Langestr. 33. Am Samstag, den 6. April, nachmittags pünktlich 4 Uhr, beginnt Herr B. Messerer (Leiter der hebr. Sprachschule) mit einem Vortrags -Znklus über: „Neu-Hebräische Literatur". Gäste herzlichst willkommen. Die Vorträge finden im Heim Langestratze 33 statt. Gebetzeiten. TW 712V Freitag abend 6.30 Samstag 6.45 Samstagsmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.30 Samstagabend 7.50 - - lDochengottesdienst: , Morgens 6.30 Nachmittags 6.30 . Tefillin-Legen am Morgen 4.35