Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 'Tfjgfi La Bau &'Dte£* £B« ■ ^ili Jüdische Frauenvereiuiguvg E.V. Jahresbericht 1928/29 der Jüdischen Frauenvereinigung 'erstattet bei der 20. Hauptversammlung am 20. März 1929. Vor Eintritt in unsere Berichterstattung möchtenwir des grasten Verlustes gedenken, den unser Vorstand -als „ auch' unsere Unterstützungsrommisston durch den Heimgang unseres treuen Mitgliedes, Frau Bella Wolfs sel. erlitten hat. Eine edle, gütige Frau im wahrsten Sinne,- hat sie mit Rat und Tat unserem Verein nach besten "Kräften gedient, wie sie uns allen Vorbild fein konnte in Ausübung, von Gemilus Chessed in echt altjüdischer Weise. Ihr Streben ging dahin, -ihre Mitmenschen, ob arm oder reich, zu erfreuen und darin fand sie -ihre eigene Freude, ihr eigenes Glück! So wird ihr Andenken ein gesegnetes sein und unauslöschlich in uns Allen fortleben! Noch immer hält Frau Sorge weite Schichten unserer . Glaubensgemeinschaft mit ihren Armen umklammert, noch immer sind Not und Entbehrungen stete Begleiter eines großen Teils unseres Mittelstands, noch wollen sich die dunklen Wolken, die am Himmel des Geschäftslebens, von -Handel und Industrie, stehen-, nicht lichten-, und verzweifelte und bittere Klagen hört mantäglich über die Schwere . des Existenzkampfes. So haben wir mit unserer Fürsorgetäligkeit nicht Nachlassen dürfen, -wir mutzten auf dem Posten sein, um unsere schwachen Kräfte auf das Aeu-ße-rste anzuspannen, um immer wieder zu werben, daß neue Kräfte sich in den Dienst unserer guten Sache stellen. Wenn wir auch nicht allen an uns herantretenden Forderungen gerecht werden konnten, so können wir doch mit -bescheidenem Stolze auf das Erreichte blicken, in der Hoffnung, daß unsere Freunde und Gönner uns weiterhin in unseren Bemühungen, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung vieler Menschen zu bannen, ihre Sorgen : zu verringern und, wenn möglich, einige Lichtblicke in ihr bekümmertes Dafein zu bringen, stützen werden. / Jeden Mittwoch tagt unsere Unterstützungs- Kommission, in der über die zweckmäßigste Verteilung der vorhandenen Mittet beraten wird. Zu Chanukkoh und Purim suchtenwir unsere Schützlinge mit ihren meist zahlreichen Familien durch Zuwendung von Lebensmitteln zu erfreuen, indessen wir -ihnen den so schweren Pessach sowie Roschhaschonoh mit folgenden Jomtofr-Kgen durch jeweilige Geldspenden zu erleichtern bestrebt sind. Wir betreuen Wöchnerinnen und gewähren ihnen Beihilfen und haben bei der diesjährigen außergewöhnOch scharfen Kälteeinigen Familien durch Zuweisung von Kohlen wertvolle Hilfe gebracht. Auch unsere Geschirr- Verteilung zu Pessach, als einzige derartige Einrichtung, soll nicht unerwähnt bleiben; da ein immer dringenderes Verlangen dafür besteht, möchten wir bei größeren finanziellen Mitteln gerne diese Einrichtung ausbauen. Doch werden nicht nur diese Hissen gewährt, ausunserem Kleiderdepot kommen Wäsche, Stiefel, Strümpfe, Kleider und Mäntel zur Verteilung und immer wieder möchten wir darauf aufmerksam machen, daß wir für überflüssig gewordene Kleidungsstücke sehr dankbar sind und solcheabholen lassen. . Sehr wertvolle Hilfsarbeit ersteht uns aus der N ä hstube, in der tatkräftige Frauen dauernd tätig sind, um Wäsche und Kleidungsstücke in schönster Weise herzustellen. Ganz besonders schöne Sachen empfingen wir aus der Nähstube zu Chanukkah für unsere Hortkinder. Wir sagen den verehrlichen Damen an dieser Stelle unseren wärmsten Dank für ihre opferfreudige Mühewaltung. Wiederum möchten wir hochherzige Gönner und Freunde unserer Bestrebungen bitten, uns bei diesem L-i-ebeswerk, das in hohem Grade sozial-ethisch wirbt, in weitgehendster Weise zu unterstützen. Doch beschränkt sich unsere Kinderfürsorge nicht nur auf den Hort, es gelang uns auch, 20 Kinder zur Erholung in Heime zu schicken. Wir konnten 10 Kinder nach Kreuznach schicken (davon entfielen 2 aus den Winter), 5 Kinder nach Hofheim und 5 Kinder nach Nauheim. Die Kosten wurden von manchen Eltern ganz, von manchen teilweise getragen, zum Teil entnahmen wir sie ausder Blumen- und Telegramm-Ablösung, die wir nicht oft genug unseren Mitgliedern in Erinnerung bringen können. Natürlich reichten die Mittel aus diesem Fonds nicht aus, und wir rechnen zur Fortführungdieses wichtigen Zweiges unserer. Tätigkeit aus die großzügige Freigebigkeit unserer Freunde. In der Siellenoermittlung war es uns wiederum möglich, einige Hausangestellte in echt-jüdischen Haushaltungen un-terzubringen. Unsere Hermann Lehmann-Schule hat im letzten Jahre durch die Anstellung eines neuen Lehrers, des Herrn Dr. Gutmann, einen großen Gewinn zu buchen. Ca. 30 Kinder werden in 10 Stunden wöchentlich in Defilloh und Chumisch unterrichtet. Nach längerer Pause hattenwir in diesem Jahre wieder eine Chamischoh-osier-Feter, bei der verschiedene Vorstandsdamen, sowie Herr Dr. Gutmann zu Herzen gehende Worte an die Kinder richtete; auch des Gründers der Schule, des Herrn Herm. Lehmann V-st wurde in warmen Worten gedacht. Die Kinder wurden mit. Obst und Lesebüchern beschenkt. Noch eine soziale Einrichtung müssen wir hier erwähnen; es ist dies der unentgeltliche Nachhilfeunterricht, den einige Damen solchen Kindern erteilen, deren Eltern Extrakosten für Privatunterricht nicht aus sich nehmen-können. Es ist dies eine besonders feine und begrüßenswerte Form der Mittelstandshilfe, daß dadurch den Kindern -ermöglicht wird, das Klassenziel 511 erreichen, undwir sprechen den- Wunsch aus, daß sich noch recht viele Damen an dieser wirklich dankbaren Aufgabe beteiligen möchten. Wie alljährlich, haben wir auch in diesem Jahre auf geistigem Gebiet durch verschiedene Vortragende Anregungen und Belehrungen übermitteln können. Herr Redakteur Schachnowitz hielt uns drei Vorträge: 1. u. 2. „Was hat Leo Tolstoi uns Juden zu sagen?", 3. Lessings Nathan und fein Modell. ' Herr Dr. Arnold Merzbach vermittelte „Psychologijches über Weltanschauungen", Herr Dr. Ehrmann referierte übre „Erziehungsfragen". Für die gemütlichen Dt-enstag - Nachmittags - Zusammenkünfte stellten sich freundlicher Weise verschiedene Damen zur Verfügung, um in interessanter Weise über aktuelle Themen zu plaudern. Es mären dies Frau Dr. Oppenheimer, Frau Dr. Gros, Frl. Alice Kastell, Frau Dr. Js. Breuer und Frau Dr. Dora Edinger. Allen Herren und Damen sei an dieser Stelle nochmals aufs Wärmste gedankt für ihre Bereitwilligkeit, ihr Wissen und Können in den Dienst der guten Sache gestellt zu haben. Durch unsere schlechten Finanzen wurden wir gegen unseren Wunsch gezwungen, wiederum, ein Fest zu veranstalten, und wir können mit Befriedigung konstatieren, daß das materielle Ergebnis, trotz der Schwere der Zeiten, nicht schlecht war. Wir sind dadurch in die Lage versetzt, weiter hilfreich sein zu können und manche Sorge zu bannen. Allen Herren und Damen., die hierbei so frig mitgewirkthaben, sei herzlichst für ihre Mithilfe gedankt. Schon lange beabsichtigten wir, ein „Goldenes Buch" anzufchaffen, das bei freudigen Anlässen ins Haus geschickt wird, um gu Spenden anzuregen. Im Oktober bot!sich Gelegenheit zur Einführung dieses „Goldenen- Buches", das seitdem in Benutzung ist und mit dessen Erfolg wir recht zufrieden sind. Sein Ertrag soll uns ermöglichen, den Mittelstand zu stiitzen und die Kinderfürsorge weiter auszubauen, die dringendste Notwendigkeit ist. Der Existenzkampf, -in dem der Mittelstand heute steht, bringt es mit sich, daß die Gesundheit der Kinder nicht in dem Maße gepflegt wird, wie es früher üblich war. Um so mehr ist -es da unsere Pflicht, Alles daran zu setzen, recht vielen Kindern die Möglichkeit einer Erholung zu schaffen und dadurch mitbeizutr-agen an dem Aufbau einer gesunden Judenheit. In den Kindern liegt unsere Zukunft; sind sie körperlich zu kräftigen Menschen heran-gewachsen, so werden sie auch eher geistig-sittlich gesund bleiben, denn in einem gefunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Aber auch dazu, wie zu allen Zweigen unserer ausgedehnten Tätigkeit gehört Geld, Geld und nochmals Geld. Darum dürfen wir nicht aufhären in unseren Bemühungen, Mittel herbeizuschaffen, dürfen aber auch nicht -aufhören, praktisch zu arbeiten; die hingebungsvolle Arbeit unserer Frauen, die die Not richtig erkennen und da Hilfe bringen, wo es am Platze ist, sie ist es, die das Geld zum Segen werden läht. Ihnen fei unser heißester Dank ausgesprochen. Die Woche. Festabend der Vereinigung ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Samson Raphael Hirsch-Schule. Die Vereinigung ludzum ersten Mate seit ihrem Bestehen ihre Mitglieder zu einem Gesellfcha f ts - abend m großen Saal des Zoologischen Gartens ein und man ist, wenn auch nicht in der erwarteten großen! Zahl, der Einladung gern gefolgt. Improvisiert und ungezwungen, wie das Ganze war, konnten sich doch Familien und Freunde an Tischen zu gemütlichen Stunden der Unterhaltung finden. Oben auf der Bühne mühte sich Herr Moses S 0 ndheimer redlich, die Gemütlichkeit auf einheitliche heilere Linie zu bringen, was ihm manchmal auch gelang. Mehr Aufmerksamkeit, als bei der animierten Stimmung im Saale möglich war, hätten die Ausführungen des Herrn Hermann Schwab-Halberstadt verdient, der aus dem Schatze feiner Frankfurter Schulerinnerung-en viel Schönes und Köstliches auspackte unddamit bei den älteren Jahrgängen angenehme und wehmutsvolle Rcminiszenz-en aus des Lebens Maien-zei-ten auslästc. Musikstücke umrahmten die einzelnen Darbietungen, dabei konnten wir das sichere Ktavierfpiel des Frl. V-etty Stern genießen, während sich Herr Marcel Oppenheimer als Violinist bewährte. Herr Max Stern arbeitete als V e r w a n d l u n g s kü n st l e r mit so ausgezeichnetem „Material", daß die geschaffenen Typen kaum von den Originalen zu unterscheiden waren. Herr Erwin Off-enb-acher trug wieder -einmal mit oid Elan und Charme Kuplets aus Gegenwart und jüngster Vergangenheit vor. Auch Tifchlieber -ertönten, mehr von Harmonie der Herzen als der Stimmen zeugend. Zum Schluß hatte noch Herr Robert Aron Heiteres und Schönes in gebundener und ungebundener Form zu sagen. Die „Vereinigung der Ehemaligen" wird, wi-e wir hoffen, auch fernerhin wissen, ihre Mitglörder auf dem Boden gemeinsamen Jugenderlebens in frohen Stunden zusammenzuhalten. Bericht der, Samson Raphael Hirsch-Schule. Der Bericht ist in einem stattlichen Hefte erschienen. Er -enthält Angaben un-d Auskünfte über iftnterricht, Lehrer. V-erfügungen, Stundenpläne und Verzeichnisse von Stiftungen. Der Bericht über die Geschichte der Anstalt geht von der S ch u l j u -b i l ä u m s f-e i e r aus, gedenkt der Toten und entwirftein umfassendes. Bild von Lehrprogramm und.Lehrziel der Schule. Interessenten, die den Bericht noch nicht besitzen, können ihn auf der Kanzlei, der schule Am Tiergarten erhalten. Verein „Gegenseitigkeit". Der Vorstanddes Vereins „Gegenseitigkeit" macht auf den hier bestehenden „Verein Gegenseitigkeit" aufmerksam.