Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-03-21 · Heft 12 (21.3.1929) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 12 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450559--75833-2533376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 14. Nr. 12 I i" h n V' •hl I h £ nur beachtete, sondern auch zu würdigen verstand. Geht doch der Talmud soweit ms Menschliche herab, daß er (Berachot) den Besitz Hner schönen Frau als vorteilhaft für die Regsamkeit der Geisteskräfte hinstellt. Das geht aber noch lange nicht soweit, daß bedenkenlos und gedankenlos jüdische Mädchen! einer übermodernen Schönheitskonkurrenz Zuströmen. Ein edles Selbstbewußtsein, jüdische S'elhstMürde sollte zu denken geben, vd bei der wüsten antisemitischen Hetze der Schritt' jerr-er"' HihgeM^ert" wari Das jüdische wird, MUß in seiner goldenen Vömheit ewig leuchten. 'Als den Pätast des' Kölligs AhaSveros Zur Schönheitskonkurrenz eintrat, wür^"dies für sie' ein leidvoller Gang. Sie wurde dcizü'gezwungen. Mordechai hielt sie zurück bis in letzter Stunde, 'pnpVim iiiii nihm^als sich schon viele Jungfrauen versammelt hatten in Schuschan, der Residenzstadt, Nnvrrn^mda wurde Esther sozusagen polizeilich geholt. **) Und auch im Palast verschmähte sie jedwede Kosmetik, Parfümerie oder sonstige Schönheitspflege. nm^ianih nay n« mia mb« ]■»«• Esther verriet nicht ihr Volk und ihre Abstammung. Sie wahrte auch in der eigenartigen Situation dort am KöNigshose den jüdischen, Takt und ihr jüdisches Selbstbewußtsein. Was würden hypermoderne Jüdinnen in ähnlicher Lage sich leisten? Wir aber reichen heute noch Esther den Unverwelklichen Lorbeerkranz, . den höchsten Tugendpreis: ma nraa ‘inoK mm» Gesegnet Esther, ein Schild wahrer Jüdischkeit! — Preisgekrönte Frauenschönheit in, biblischer Vorzeit. Der Purim am 17. Schewat. Von Johanna Bach, (Möhringen). Beim Lesen dieser Ileberschrist wird wohl mancher Leser oder manche Leserin das Haupt schütteln und am Ende denken, sie sei ein Produkt des Druck,ehlerteusels. Dem ist aber nicht so! In vielen jüdischen Gemeinden in der Türkei wird am Abend des 16. Schewat, der dort ein Fasttag ist, die Megillah vorgelesen und der folgende Tag wird als Freudenf e st gefeiert. Der Grund dieser Feier ist folgende-Begebenheit: Im 15. Jahrhundert herrschte in der jüdischen Gemeinde zu Saragossa die Sitte, daß die Gemeinde den Geburtstag des Königs feierte, indem die Emeindeältesten mit den Thorarollen vor dem Palaste erschienen und an dessen Psorte von dem Landesvater empfangen wurden. Der Oberrabbiner sprach den bei uns Juden üblichen Segen beim Anblick von gekrönten Häuptern. Die Thora war in jener Zeit nicht um hölzerne Rollen gelegt, sondern in Futterale gesteckt worden, auf deren Spitze eine silberne Krone ruhte. Bei diesem Huldigungsznge wurden nun stets nur die Futterale genommen; die Thra selbst ließ man im Gotteshause. Wieder einmal — es war im Jahre 1420 — nahte das Geburtsfest des Königs. Einige Tage vorher war ein Festbankett und der Landessürst sprach sich bei dieser Gelegenheit in anerkennenswerter Weise über seine jüdischen Untertanen aus, die es nie versäumten, ihm ihre Liebe und Verehrung zu zollen. Ein getaufter Jude, namens Hasim S ci a m i, der zu den Ratgebern des Königs zählte, war Zeugs der huldvollen Asutzerungsn des Königs über die Juden, und es schmerzte den Renegaten, die Träger der Religion, die er verlassen, geehrt zu wissen. Er entgegnete dem König, daß er sich täusche, alle Liebe und Verehrung der Juden sei nur Heuchelei und er könne Seiner Majestät auch den Beweis dafür geben. Am Geburtstage solle der Landesherr die Thorarollen besichtigen, und dann werde er sich überzeugen, daß die Juden nur die Futterale trügen, die eigentliche Thora aber im Gotteshause lassen, um sie nicht durch den Anblick eines christlichen Fürsten zu entweihen. Wie oft schon habeä, Verleumdungen willige Ohren gefunden — so auch hier. Der König beschloß, an seinem Geburtstage sämtliche Juden des Reiches töten zu lassen. In der Nacht vor dem Geburtstage des Königs erschien dem dama igen Gemeindediener Ephraim B a r u ch der Prophet Elia im Traume und teilte ihm das traurige Schicksal mit, das den Juden bevorstand, und das nur dadurch abgewendet wäre, wenn die Thorarollen in die Futterale gesteckt würden. Er sollte dies unverzüglich tun. Baruch schenkte dem Traum keine Beachtung und schlief weiter. Da erschien ihm der Prophet zum zweiten Male und. ermahnte ihn dringend, seinen ihm gegebenen Auftrag sofort auszusühren und gegen jedermann tiefstes Stillschweigen zu bewahren. Nunmehr stand Baruch auf und führte den Befehl des Gottesboten aus. Am anderen Tage, als die jüdische Gemeinde, an der Spitze der Rabbiner, und die Gemeindevorsteher **) Siehe Mglbim zur Stelle. WS!? sa «W mm Der Israelit 21. Mar§ 1929 mit den Thorarollen vor dem ’ Landesfürsten erschienest Futterk!en vor ihm Erschienen, um ihn zu verhöhnen Zur Strafe sollten an diesem Tage alle Juden seines Reiches ' getötet * werden. Die Juden waren starr vor SchröÄbn. "" '' ‘ ft"'s ft"', s' ’:V": - Der ° König ries seine Diener, um die Futterale gewalttsirm zu' ösfmm: Hoch wer ~ beschreköt hie' allseitige Ueberrkschmig, als' 'beim' OefMn der' Futterale die'Thorarollen sichtbar wurden! Heiße DankKehrte stiegen aus den angsterfüllten Herzen der Juden zum Allmächtigen empor. ' 's'' Nach diesem Beweis nahm der König seinen Blutbesehl zurück und ließ statt der Juhek seinen Minister sofort enthüüpt^sts r' . r'. Da diese Begebenheit sich am 16. Schewat zugetragen hat, so bestimmten her Rabbiner und die Weisen von Sar agossä, daß dieser Tag als der Gedenktag der Rettung der Jud^ttft stets in der Gemeinde gefeiert werdest solle und 'der Täos vorher als Fast- und Bußtag zu begehen sei. ' Nach' der Vertreibung aüs Spanien haben dann hie Juden Saragossas diesen Brauch in ihre neue Wohnsitzes bis „hinein, weit in der Türkei" mitgenommen und'jahrhundertelang getreulich bewahrt. Russische Marrynen iy Berlin. Vor kurzen starb in Berlin, wo er als Emigrant lebte, der in Rußland betühmte Schüflsteller'und Kultur- Historiker Julius Eichenwald. Ein Trambahnunfall riß den erst Achtundfünfzigjährigen mitten aus frohstem Schaffen. Eichenwald war einer der wenigen Juden, denen es gelang; der russischen Literatur und Kultur ihren Stempel aufzudrücken und ihnen neue Ziele zu weisen. Er war Sohn eines Kronrabbiners in Odessa und begann seine Karriere an der philosophischen Fakultät der Odessaer Universität. Bald ist er ordentlicher Proffessor in Moskau, berühmter Puschkin-Forscher und Ver'asser weitbreiteter Sch-iften über Leibni; und Schopenhauer. Daß er sich den Eintritt in die hohe russische Kultur mit dem Tau f schein erkauft hatte, war selbstverständlich und siel weiter nicht auf. Nach der russischen Umwälzung kam er mit vielen anderen Emigranten nach Berlin, wo er seit acht Jahren lebte und eine hervorragende Stellung in der russischen Kolonie einnahm. Er nährte auch von hier aus eine ganze Reihe russischer Zeitschriften und blieb nach wie vor führend im russischen Geistesleben. Seine Frau entstammte einer alten russischen Familie, die Kinder wurden alle streng in der griechisch-katholischen Kirche grohgezogen. Mil seiner angestammten Religion schienen ihn keine Faden mehr zu verbinden. In der Berliner Verbannung ging aber eine sichtliche Wandlung , in der Seele Eichenwalds vor sich, vornehmlich veranlaßt durch den Verkehr mit den russischen Emigranten aus der jüdischen Intelligenz. Ein jüdischer Freund erzählte ' in, einem Nachruf, wie sich Eichwald in letzterer Zeit für jüdische Probleme interessierte, für jüdische Ideale begeisterte. In den letzten zwei Jahren feierte er in Gesellschaft von Freunden die Geb erabende mit, nach allen Vorschriften des Gesetzes. „Wir Juden", oder „Unsere jüdische Eigenart" und ähnliche Redewendungen kamen oft über seine Lippen. Er äußerte in Freundeskreisen oft den Wunsch, auch offiziell in den Schoß der Väterreligion zurückzukehren. Er hätte gewiß auch diesen letzten Schritt getan, wenn nicht der Unfall so jäh seinem Leben ein Ende gemacht hätte. Er' wurde auf dem russischen Friedhof in Berlin unter Teilnahme der russischen Geistlichkeit mit allen Formalitäten der russischen Kirche begraben. Darin sehen seine Freunde die letzte und größte Tragödie dieses zerrissenen Lebens. Die Sache hat noch eine Fortsetzung. Es gibt noch mehr Renegaten in Berlin,, die aber von anderer Art sind, die den Haß gegen den alten Glauben auch noch in die Verbannung getragen und ihn hier in jeglicher Art und Weise nähren; darunter Joseph Gis sin, der in der Zählungsliste . sich einträgt: „Nationalität jüdisch, Religion-rechtgläubig", dann Proffessor F rank mit dem Aussehen eines jüdischen Gelehrten und mit einer ganz in der russischen Kirche wurzelnden Seele. Diese Gruppe von Renegaten setzte es mit aller Energie durch, daß in der russischen Kirche Messen für die. Seele Eichwalds gelesen wurden. Die jüdischen Freunde, die die verlorene und heimsuchende Seele Eichwatds besser kannten, protestieren. Das setzt häufige Zusammenstöße in der russischen Kolonie ab. Der ganze Zwischenfall hat etwas Bezeichnendes und Symbolisches für die jüdische Tragödie im Rußland des vorigen Jahrhunderts. Rabbinifche Anekdoten. Rabbi Israel Salanter stieg auf Reisen in einen ländlichen Gasthof ab. Der Wirt, erfreut einen jüdisch aussehenden Menschen zu empfangen, begrüßte ihn freundlich' und' fragte gleich, ob er vielleicht Sch och e t sei. Er . hafte da.. 'Gänse und Hühner, liegen und möchte sich doch. hie. Arbeit spMN, sie in die Stadt-zu bringen. Rabbi Israel verneinte; er' habe; das> Schöchferhandwerk nicht gelernti ft ft - ' "ft . ft. ' Nach einer Pause bat Hahbk''JLKrh 'NKn"'Wrrt, er möge ihm doch drei Rubel iei^eni ' ' / ' „Wie könnt Ihr das verlangen?" lehnte der Wirt ah, „ich sehe Euch doch zum erstenniäle". r- ~ „Das wollte ich hören" sagte der Äadbi. „In Gelddiügeü 'geMU ich' M' 'Euch' "kÄn' "VÄüMen für Ei Rubel, aber eure Nes chomoh wollt Ihr. mir unbesehen vertrauen. Als Schochet bin euch gut genüg, obwohl Ihr mich gar nicht kennt.". Rabbi Josef Ber tadelte die Unsitte vieler Autoren, immer aus Quellen zu verweisen, ohne sie anzusühren und zu erklären:' „Wer eine Anweisung ober ünest Wechsel ausstellt", satzke - er, '"„Trafo' geDzende " Dechmg'" besitzen. Ich fürchte, daß hie Verfassers M ft'viek änMiseüft aD Eigenem recht wenig zu bieten haben". Man fragte Rabbi Israel Salanter, warum man keinen SegeNtzfpruch für Zedökoh eingeführt M. „Da würde man auch vorher hie Hände waschen", sagte er, „und g a n z Fromme würden sogar erst inS Tauchbad gehen. Inzwischen könnte der Atme verhungern": ' ’ ’ '^ Der bekannte jiddische Romanschriftsteller des vorigen Jahrhunderts, ' „S ch o Ni o r"; kam mit seinem neuesten Roman nach Wilna und besuchte Rabbi E ste Charis. „Wie ist der Name des Werkes?" erkundigte sich der Rabbi. „Mein letzter Roman heißt „d e r böse Schaut e". „Wie kann sich nur ein Mensch einen solchen Namen für alle Zukunft beilegen?" wunderte sich der Rabbi. „Wißt Ihr denn nicht, daß die Welt den Verfasser nach seinem Werke nennt. Z. B. der „Tausfaus Jaumtaüw", der „Naudo Vihudo", der „Pne Jehauschua", der „Chassam Sofer". Erich wird die Welt nennen „der böse S ch a u t e". Ein gesunder Amhoorez vom Lande wandte sich an Rabbi Eise! mit der schweren Kaschje: „Was heißt der Pfchat von „Boruch fcheumar?" „Borach" heißt: entlaufen, „schomar" aber: gehütet. Wie kann nur einer entlausen, wenn er bewacht und gehütet wird?" Daraus der Rabbi prompt: „Steht ja weiter: „wehojo hoaulom" darüber wunderte sich der ganze Aulom". Humor in Palästina. Zwei jüdische Diebe in TeH-Awiw Ziehen auf Beute aus. „Siehst du oben das offene Fenster," sagte der eine, „da steigst du hinauf, holst fämAiche Blumentöpfe herunter. Das gibt morgen Geld und Brot." „Und wenn der Schober (Polizist) kommt?" „Laß mirs schon machen, ich stehe unten Wache." Der erste ist oben. Und wirklich steht wie gerufen ein Polizist da. „Was tveibt Ihr da?" donnert er. „Pfch^. . ." beruhigte ihn der Wachthabende, „da oben wohnt unser Freund, der heute Geburtstag feiert. Wir wollen ihn mit Blumen überraschen." „Das geht nicht," belehrt -der Mann des Gesetzes, „So darf es nicht gemacht werden." „Darf nicht?" wundert sich der da unten. „Hörst wohl, Motte", schreit er jetzt hinaus, „man darf nicht. Hole geschwind alle Blumentöpfe herunter . . .!" (Purimspiele.) P u r i m - S p i e l von Mudr. Robert Herrmann, Verlag Dr. R. Färber, Mähr.-Ostrau. Preis Mk. 1.-7-. Es ist kein Ueberfluß vorhanden an geeigneten kleinen Stucken zur Ausführung für Familie oder Schule. So wird das die Purim-Geschichte behandelnde Büchlein trotz der zuweilen dem Reime zuliebe etwas ungehobelten Sprache manchem willkommen fein. An Kostümen und Requisiten werden immerhin einige An- 'orderungen gestellt. Briefkasten. 5. F. A. Abcmnementsb etrag «ingegangsn.. D. S. in 71. 3. Wir können Ihnen leider unsere Unterlagen nicht einhändigen>. S. C. in H. Uns ist die Adresse nicht bekannt. Schicken Sie den Briefan Herrn Rabbiner D. W o l f in Köln, Staufenrmg 14, der ihn sicher an den BerM wei-tergiöt. E. in. Ar. Die-betroffenen Herren ryünfchen nicht, daß. darüber berichtet ryird. Besten- Dank. x FamMtmachrichien. 8 0.- ®je b u r t s tsa gt' EnMie R otch fichilch -, Bing, Alsfeld, (Hessen) am 26, MjäM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.