Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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■t: ßr. 12 1929 WJ. Jüdische königsgeschichken. Friedrich der Große und Moses Mendelssohn. Friedrich u. besuchte eines Tages Moses Mendelssohn in seiner bescheidenen Wohnung und traf den Philosophen nicht zu Hause. Aufgelegt zu einem Spasfe, schrieb der König auf die Tischplatte: „Mendelssohn ist der erste Esel". Als Moses Mendelssohn nach Hause kam, fand er die Aufschrift, erkannte sofort die Handschrift und schrieb darunter:'„Friedrich der Zw eite". Die spassige Geschichte hat ihre Fortsetzung: als der König den Besuch bei Mendelssohn wiederholte, stand die Aufschrift auf der Tischplatte noch unverändert da. Bei allem Sinn für einen guten Witz wurde doch Friedrich H. rot vor Zorn über die unerhörte Majestätsbeleidigung. Wollte er es ernst nehmen, so stand darauf nach dem damaligen Gesetz die Todesstrafe. Mendelssohn verteidigte sich, er habe nichts anderes getan, als den Namen des Königs, wie er sich auf allen Urkunden befinde, darunter zu setzen, damit alle Welt wisse, wer ihn, Mendelssohn, so einschätzte.- Ein anderes Mal begegnete König Friedrich Mendelssohn auf der Straße und fragte ihn-, wohin er ginge. „Ich weiß es nicht," antwortete der Philosoph. „Was soll das heißen, du weißt es nicht?" brauste der König auf. „Wie soll ein Mensch nicht wissen, wohin er geht?" „Ich wiederhole, ich weiß es nicht," beharrte der Philosoph. Da geriet der König in Zorn und ließ Mendelssohn verhaften. Noch am gleichen. Tage suchte der König, der über das Benehmen seines jüdischen Freundes nachdachte, diesen im Gefängnis auf. „So sage mir doch, wie kannst du mir, deinem König, eine solche sinnlose Antwort geben?" „Die Antwort war einzig sinnvoll," gab der Philosoph ruhig zurück. „Wissen wir Menschen, wohin wir gehen,? Ich glaubte in die Akademie zu gehen und kam ins,Gefängnis." Er durfte mit dem König gleich nach Hause gehen.!'!; Apfel.., Sp L e gel und Teppich. -■ ::: Folgendes- Gefchichtchen dürfte auch anderen Völkernbegannt fein,'doch hat sie im Jüdischen Une eigene--sogar moralische Note, r Drei -Brüder beschlossen, in die Welt hiNauszugehen-, >jed er, nach emer anderen Richtung. An einem bestimmten Tage nach Jahren wollten sie sich am Ausgangspunkte wieder treffen und sich gegenseitig Rechenschaft ablegen über daS, was sie inzwischen in der großen Welt erreicht und errungen habend * . Nach vielen Jahren kamen sie wieder zusammen und breiteten chre Errungenschaften aus. Der eine hatte einen Wunderspiegel erfunden. Wenn man in ihn hineinash, erblickte man Land und Leute bis ans Weltende. Der zweite erfand einen W un d e rt e p p ich, den man nur äusbrelte-ni mußte, um damit in wenigen Minuten die fernsten Länder im Fluge zu erreichen, -. Mr dritte hatte einen A P f e l von wunderbarer Heilkraft entdeckt. Der Kranke, selbst wenn E auf dem Totenbette lag, genas, so er nur hineinbiß. ' . -s „Das find wertvolle Dinge," sagten sich Hie Brüdex:. „Wir wollen, sie' gemeinsam veMerten und damit unser Glück machen." Der erste sah in seinen Spiegel. Da offenbarte sich ihm ein fernes. Land, in deren Straßen helle Aufregung herrschte. Die Menschen drängten sich an den Königspalast, und aus den erregten Mienen konnte er schließen, daß jemand in der Königsfamilie auf den Tod erkrankt sei. „Da. wäre es Zeit, mit meinem Apfel die Heilwirkung auszuüben," dachte der Jüngste, „aber wie kommen wir noch rechtzeitig dahin?" „Ganz einfach," sagte der zweite. „Ich breite meinen Teppich aus." Er tat es. Alle drei setzten sich darauf und in wenigen Augenblicken, waren sie am Ziele, vor den Toren des Königspalastes. Man wollte sie nicht vorlassen. Aber am Ende, es war ja nichts mehr zu verlieren, ließ man den jüngsten der Drei mit seinem Apfel ans Bett der auf den Tod erkrankten Prinzessin. Sie aß ein wenig , davon. Und siehe Wunder! Sie stand auf und war gesund, wie kaum je zuvor. Als Belohnung sollte einer der Drei die Prinzessin zum Weibe bekommen. Aber wer? Im Streite der Brüder um den hohen Lohn schien 'jeder recht zu haben. „Ohne meinen Wun? derspiegel hättet Ihr von der Sache nichts erfahren," sagte der erste. „Und Ihr wäret aber nicht hingekommen, hätte: ich nicht den Teppich ausgebreitet," parierte der zweite. „Was hätren euch Glas und Teppich genützt, wäre ich nicht im Besitze des heilbringenden Apfels gewesen?" beharrte der dritte. Ratlos wie sie waren, überließen König und Minister die Entscheidung der Prinzessin selber. Und diese sprach: „Denken wir nicht an die Vergangenheit, sondern an die Zukunft. Spiegel und Teppich haben ihren Dienst getan, wir können sie entbehren. Den Apfel werden wir vielleicht auch später -noch oft genug brauchen. Somit gehört dem Erfinder und Besitzer des Apfels der Meisterlohn. So war dev Jüngste der Glückliche, der die Prinzessin heimführen durfte. (In jüdischen Moralschriften dient diese Fabel als treffliche Erklärung zum Psalmensatze (Psalmen 27). „Wenn mich Vater und Mutter verlassen, so nimmt mich Gott auf." Drei Teilhaber machen Anspruch auf die Liebe des Kindes: Vater, Mutter und Gott. Kommt aber die Zeit, da Vater und Mutter das Kind ins Leben entlassen, Gott bleibt ihm immer, bis zum Grabe.) Die Neutralität des Himmels. Friedrich der Große ging an einer Berliner Synagoge vorbei und hörte, wie da heiß gebetet wurde. . „Ist doch heute nicht Sabbat noch Feiertag,' warum dje Gebete?" fragte der König einen gerade herauskommenden Juden. .„Wir beten für den Sieg des Königs rwn Preußen gegen die Russen, bet dem'jetzt beginnenden Feldzug," gab der Jude Auskunft. ' ' „Das will mir gar nicht gefallen," bemerkte der König. „Auf diese Weise werden die Juden in Rußland beten für den Sieg ihres Zaren und der russischen Waffen. Und die Juden des Zaren sind meines Wissens weit zahlreicher und viel frömmer ..." „Was sollten wir denn tun?" fragte der Jude. „Ihr deutschen Juden," sagte der König, „betet^ der liebe Gott möge sich gar nicht einmischen, dann werde ich schon mit Nikolai alleine fertig." Cin Bonmot ausdem letzten K r i e g e. Scharf und schneidig und gut litauisch-jüdisch ist folgendes Bonmot: „Warum leibt Amerika dem russischen, Kaiser Geld und Wilhelm nicht?" „Einfach:; Die Russen sind ehrliche Leute, waMie nehmen, geben scke bald. zurück. Die Deutschen dagegen behalten, was sie einmal genommen haben, für alle Zeiten. (Was Rußland in den ersten Kriegsjahren eroberte, verlor es am zweiten Tage wieder,- die Deutschen dagegen hielten alles im. festen Händen.) Preisgekrönte Frauenschönheit. Von A. Mannheimer in Dettelbach. In den jüngsten Tagen wurde bet einem Schönheitswettbewerb zwei Jüdinnen der erste Preis zuerkannt. Gar mancher und gar „manche" wird das Resultat mit hoher Genugtuung und besonderem Behagen begrüßt haben. Nicht so der in jüdischem Geist und Wesen Wurzelnde. Ihm gilt heute noch das alte salomonische Werturteil: ^nnn um v'pbrr rirn' nwx ''SI'N jrm Trügerisch ist die Anmut und eitel die Schönheit; en Weib mit Gottesfurcht,- es nur ist lobenswert. Für sogenannte Gefühlsmenschen, die leicht äußeren sinnlichen Eindrücken erliegen, die vom Reiz der Schönheit sich ohnmächtig in Bann schlagen lassen, mag das Wort Salomos zu nüchtern klingen, ja, vielleicht hart und unnatürlich. Ist nicht die Schönheit eine Naturgabe und damit auch eine Gabe des Schöpfers? Gewiß. Der Jude darf sich, ja, er soll sich ihrer freuen. Das Judentum verbietet nicht den Sinnengenuß, aber es durchgeistigt ihn. Sinnengenuß darf nicht zur Sinnlichkeit herabsinken, das wäre eine Entartung, -er soll veredelt werden. Es war ein wunderbarer und gigantischer Kampf, den Israel um dieses Prinzip einst gegen das Griechentum mit seinem Schönheitskult trieb. Je stärker der Reiz, desto schwerer der Kampf. Das Hellenentum war eine farbenprächtige Blume, deren, Hauch giftig war, eine rotwangige Frucht, in der der Wurm nagte. Hier bestand Israel die Feuerprobe: ihm ist nur schön, was zugleich gut ist, nicht umgekehrt. Unsere heilige Religion hat das Auge vor der Welt des Schönen nicht, verschlossen. Die ganze Welt der sinnlich faßbaren Erscheinungen untersteht der ästhetischen Betrachtungsweise, also auch Frauenschönheit. Auf den -ersten Seiten der Bibel hören wir von der Schönheit des Baumes, dessen Frucht Eva reizte. Joseph wird als '■di nnin na’ geschildert; seine Schönheit wird ihm geradezu zum Verhängnis. Saul war „jung und schön, kein Mann von den Kindern Israel war schöner als er" (Sam. I, Kap. 9, 2) Auch David war „schön und wohlgebildst". (Sam. l, 16, 16.) Ausführlich wird auch Absaloms hohe Schönheit geschildert, (Sam. n, 25). Ebensoweng wird an Frauenschönheit vorübergegangen. Unsere Stammütter waren nun» ms'N.iMN nimschön an Gestalt und schön von Ansehen. Die Augen Leas waren „zart".*) Abigajil, Batseba, waren Schönheiten ungewöhnlicher.Art, wie etwa Rabbi Jochasichr. in talmudischer Zeit, dessen >,Arm leuchtete^ Rabbi Schimeon ben Gamliel, erstaunt über,, die außerordentliche Schönheit einer Heidin, die er auf den Stufen des Tempelberges sah, rief tief ergriffen die Worte des Psalmisten aus: 'n im no wie groß find Deine Werke, o Herr! Als ein jüdischer Frauenlob ist Rabbi Jschmoel bekannt. Er nahm ein wenig schönes Mädchen ms Haus, wo sie durch sorgsame Pflege zu einer hübschen Jungfrag wurde, worauf sie ihr Onkel, der sie vordem ^verschmäht hatte, zur Frau nahm. Weinend rief Rabbi Jischmael aus: M'IpND XbX 'jn N1X3 M32 D, Israels Töchter sind von Natur aus schön, nur die Armut ists. die sie häßlich macht! Und bei Rabbi Jifchmaels Leichenbegängnis zogen jüdische Jungftäuen ihm wehklagend nach: nun nam *>n bx bx'-W' ihr Töchter Israel, weinet um Rabbi Jischmael! Man vergleiche -auch die Worte, welche König David in seiner ergreifenden Klage um Süuls tragisches Ende den Töchtern Israels m den Mund legt. Alle diese Beispiele zeigen, daß man Frauenschönheit nicht ir *) Der Midrasch nimmt an dieser Stelle allerdings eine Wendung ins Ethische. Leas .Augen waren durch Weinen angegriffen, sie dachte, als älteste Tochter Labans den älteren Vetter, den gottlosen Esau, heiraten zu müssen.