Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1929)
- Date
- 1929-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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21. März 1929 Nr. 12 Frankfurt a. M., den 9. Adar u 5689 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. '■■i Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmar! monatlich: Ausland: Biertelahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Berandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6«—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 26 Fr.; Belgien ab 1.7.27. BelgaS: Hollands fl-; Italien ab 1.1 88.18 Lire; Jugoflawien 65 Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowakei W Kronen; Ungar« Pengö 8 ab 1.Juli 1937; Dänemark 3.60 Krön.;Norwegen8.80 Krön.; Schweden 8.30 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Aoldpf. für die fiebengespalteu« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuche» und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 76 mm breite ReklarnezeÜe r letzte Tertseite 2.— Mk., vorletzte Tertsette 8.30 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende» Jnserataufträge« tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseraten an >'hme durch de« Berlag des Israelit G. m. b. H., Franksurt a. M., Rechneigrabenstraße 7.?l. i fow. durch sämtl. Annoncen-Exoed. des In- und Auslands. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Lang aahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19803. — Warschau Nr. 190787. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7Wi — Inkasso-Bank Rotterdam - Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. - Der Gerichtsstand für ~ »«»pest Nr. 18424. — - Bane sanca Marmarosch Blank & Co. in Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt g. M. Rabbiner Dr. Jonas Bondi Vst' .’rnn ’rnns ins 's Was wir schon, seit einem Jahre fürchteten nnd doch nicht wahr haben wollten, es traf ein. Am Donnerstag morgen durcheilte wie ein Lauffeuer zur gleichen Zeit Mainz und Frankfurt die Kunde vom Ableben Rabbiner Dr. Bondis und im Laufe des Tages trug der Draht die Trauerbotschaft weiter durch die Lande, überall gleiche Bestürzung auslösend. Denn der Mainzer Raw gehörte zu den Rabbinen, deren Wirken weit über den engen Kreis der Gemeinde hinaus leuchtet; fein Leben und Schaffen war, wie das der Begründer der gesetzestreuen Gemeinden in Frankfurt und Mainz im vorigen Jahrhundert, der Gemeinde und der Gemeinschaft gewidmet. Jonas Bondi war der Auserwählten einer, die das Auge in die fernen Zeiten vor uns gerichtet, *rni *rn ninv lipä ni»' -iisn den Geist des Judentums zu erfassen und mit den Quadern aus der alten Welt den Zukunftsbau aufzurichten suchten. Einer der letzten, vielleicht der letzte dieser besonderen Art. 1862 in Mainz als Sohn von Markus und Enkel von Rabbi Schmuel Bondi — die Mutter war Tochter von Kommerzienrat Josef Hirsch V'st in Halberstadt — geboren, war er buchstäblich von Kindheit auf, wie Samuel in der Bibel, dem Heiligtum geweiht und zu Großem berufen. Er lernte bei seinem Großvater, Rabbi Schmuel Bon dt und bei seinem Onkel Dr. Markus Lehmann V'sv dessen Erbe er später in treue Hut nehmen sollte. Ein gut Teil seiner ersten talmudischen Kenntnisse eignete er sich auch bei Rabbi Moritz L e w i n Vst an. Schon mit 11 Jahren hatte er das Glück, in die Nähe und Geistessphäre von Rabbiner Dr. Salomon Breuer *?"xt zu kommen, bei dem er intensiv lernte. So vorbereitet, nanrr v'vw r>8*i'i nnirin großer Ahnen im Blute und das Borbild großer Meister im Herzen, ging er nach Berlin« und wurde bald der Lieblingsschüler von Dr. Esviel Hildesheimer b"Lr- Zur gleichen Zeit wandte er sich auf der Universität seinem Spezialfach, der Geschichte, zu, für die er die ersten Antriebe und Anregungen von seinem Onkel und Lehrer Dr. Markus Lehman n erhielt. Ein Vollendeter, der aber noch 40 Jahre unablässig an sich arbeitete, als “pn# im Sinne vonv^wa *pi nösrn 28' kam er, ein 27jähriger, im Jahre-1889, ausgestattet mit : bedeutendem Talmud- und Weltwissen, nach seiner Vaterstadt Mainz, um hier das heilige Erbe seines Onkels und Lehrers Markus Lehmann anzutreten. - Am Rausch-Haschonoh 5649 wurde er in sein Amt als Rabbiner der Mainzer Jsraelitichen ReligioNsgesellschaft eingeführt, zugleich als Leiter der von Lehmann gegründeten Elementarschule, der er selber seine ersten Schulkenntnisse verdankte. Volle 40 Jahre blieb er treuer Hirte seiner Gemeinde und von hier aus vvelverehrter und erfolgreicher Lehrer der Gemeinschaft. Ein Mann7 des naxi ism der eifern konnte für die heilige Sache, ohne die Liebe seines Herzens, das Leuchten der warmen Menschlichkeit in seinem Auge zu verlieren, ohne nur für eine Minute das vergessen zu lassen, was uns alle eint und bindet, strafte er schon in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit das Wort vom „Propheten, der in seinem Vaterlande nichts gilt", Lügen. Und seine Beliebtheit als Mensch, seine Autorität als Rabbiner, die ihm als Lehrer und Führer gewährte Gefolgschaft wuchsen von Jahr zu Jahr. Er war Freund eines jeden seiner Gemeinde, seiner Schüler und der großen Schar derer, die auch von« auswärts zu ihm um Rat kamen. Ohne Amt und Titel ergab es sich in, der Folge von selber, daß er der Raw von ganz Rheinhessen war und die jüngeren Amtsbrüder in den umliegenden Gemeinden auch über Hessen hinaus sich mit allen halachischen und religiösein Fragen an ihn wandten. Wie lebhaft konnte sein Wort, sein Wesen, seine Bewegung werden, wenn es galt, einen Freund zu begrüßen. Jemand etwas Liebes zu sagen. Das gute Auge und das gute Wort galten allen, Verwandten und Fremden, Reich und Arm, Hoch und Niedrig. So war der Mann, dessen flammendes Wort der Mahnung und V e - lehrung oft von der Kanzel, und im „Liwjath Chen" sich Sabbat für Sabbat in die Herzen seiner Hörer, ergoß, auch der berufene Leiter und Wegebereiter des von ihm mitbegründeten, segensreich wirkenden Wohltätigkeitsvereines. Es gab für diesen. strengen Lehrer und Menschen von der Milde Hillels nichts Kleines und nichts Unbedeutendes. Keine Frage blieb unerledigt und kein Brief unbeantwortet, und nie durfte dabei die liebevolle menschliche Note fehlen. Spricht man von Jonas Bondi als Lehrer der G e m e r n s ch a f t, als Verbreiter und Künder der an T h o r a v o r a u s f e tz u n g gebundenen jüdischen Wissenschaft, so muß man an die Jüdisch-Literarische Gesellschaft und deren in 19 Jahrbüchern gesicherte reiche geistige Ernte denken, mit der der Mann und sein Werk aufs engste verknüpft sind. Was Bondi seit seiner Doktorarbeit über „Rabbi Saadiah Gaon", bis in die letzten Jahre, da ihm die Krankheit die Feder aus der Hand riß, im Rahmen dieser Gesellschaft und in deren Jahrbüchern niedergelegt' hat, was er uns seitdem in Gefchichtsvorträgen in Mainz und in Frankfurt vor Augen geführt, wird, wie wir hoffen, gesammelt, m den Literaturschatz des jüdischen Volkes für ewige Zeiten eingehen. Seit dem Tode seines kongenialen Freundes, des „Hanauer Raw b"8rIlag die Leitung der Jüdischen Literarischen Gesellschaft und die Redaktion der Jahrbücher allein in seiner Hand. Was er hier mit unvergleichlicher Aufopferung in langen Tages- und Nachtstunden mit Hilfe eines von ihm zusammengehaltenen Stabes von Mitarbeitern leistete, wissen all diejenigen, die, auch außerhalb unseres gesetzestreuen Kreises, sich mit jüdischer Wissenschaft befassen, zu würdigen. In Frankfurt Chatte Rabbiner Dr. Jonas Bondi sein wissenschaftliches Katheder im Mekor C h a j i m, von« wo aus er lange Jahre hindurch, mindestens zweimal im Winter, sein Wort auf uns einwirken ließ und uns, ein Meister auf dem Gebiet, einer der letzten vielleicht, in vergangene Zeiten zurückführte, aus denen wir uns die Kraft für Gegenwart und Zukunft holen sollten. Eine tief veranlagte Gelehrtennatur war der Mainzer Raw. Und selbst auf dem Wege, den ihm der große Lehrer und Onkel Markus Lehmann gewiesen und geebnet, zeichnete er sich von diesem in einigem aus. Für Lehmann, war jüdische Geschichte eine unerschöpfliche Fundgrube für Themen und Motive, die, in, Kleinmünze der leichten Novelle geprägt, bei Alt und Jung das damals, während der Hochflut der Reform, hie und da zum Verlöschen gelangende alte jüdische Licht wieder in strahlendem Glanze aufflackern lassen sollten. Bondi übernahm vom Lehrer und Vorgänger die glühende Liebe zur Geschichte und Geschichtsforschung, bei ihm aber blieb sie st r e n g e W r s senschaft und wurde als solche mit Strenge und Ernst behandelt — wichtig genug in einer Zeit, da eine sogenannte „voraussetzungslose" Wissenschaft und in der Geschichte eine Säkularisierung ewiger göttlicher Erscheinungen es mit den modernsten Waffen auf die gebil-