Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1929)
- Date
- 1929-03-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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k ».»'^rr/i-~v ^.'{‘.'r 'r~^' rzieijüfij PäJaaoaiscfie Eeit Ly re a3°JI,sa?c **eiiaje zwnjllsraefif' drs Kundrs grlrtzrstreuer Mischer Ketzrer Deutjchlan-S ÄnkerrichkMlder. Von Linst Mayer in Hackbürg. 7. . Die neue Seite. Die Tafel geigt noch immer das Bilbder Eisenbahn, die tf. v in den BahNhöf Änläüft. Und wir wollen nochMls. ganz schnell unsere neuen Begriffe wiederholen' Und spielen deshalb „raten": Iw? Irma aio' r-vavk.ns*;'. rvosr, w«!ina‘<*|bi» .-yyn ns" ropiskNK. ..?w*'ri .Tkl'Hn» ,>ia!«P /3py »van .vai« ,vbß‘ ,o'NV. .nn«^ rniiaiin bv o’xs nsn " •. D->nv rtinS" ’~vv?oysn riy n3ia ’a Wer kann mal einen -großes Daum an . die Tafel malen? Hermann malt und spricht am Schluß: Noch einige Jungen malen einen Baum, dann male auch ich einen, großen. ,,£X der hat aber eine dicke Wurzel." Zeig' mal, was du meinst... .... DSttjn lyr ."v\v~ iv'vn m.'? .-»«nn 'cjdt>! vp. — V1V m >p So, jetzt legen wir mal' schnell einen großen Baum mit einer Während des Legens gehe ich vyn Tisch zu Tisch und frage nach der vw Noch werden andere Bäume mit Wurzeln „glegt", da male ich «-inen Jungen an, der gerade über die Wurzel fällt — und erzähle dann: .01V3 0'21 Iv«i i rr» -iV« avi i’«a oV „Herr M., niV3 heißt: -im Feld" — .DB» 73'211 D’pntfn 171831 N1V3 -13 (Natürlich mache ich die entsprechende Bewegung dazu.) .7?1V-1 n« n«i «in ^mn p»n 5« fi ->e»« »nsm Und da hat*) der Meir ganz laut gerufen-:! V1V7 .1B»8 ,1V« i VT" ,1V« ,1V« (Ich rufe dem Oscher an der Tafel zu und ganz suggestiv setzen auch die Kinder ein: ViV iV« ,^V« Aber der Oscher war längst gestolpert, und jetzt schreit er: ,-V«-> .->«« "»» 'v«i- Wir „schreien" (einen kurzen Moment sogar im wahrsten Sinne des Wortes!) auch, und spielen die Geschichte und schreiben an die Tafel: 'V«1 '»« '1« „Herr M., da haben wir ja Men neuen Buchstaben." Wo denn? „Der Punkt ist das hebräische ou". i«v 3iv ,1131 „Das ou ist wie ein i. nur oben." Das ou wollen wir mal allein schreiben. Wie heißt denn der: «? „Stummer". Lies ihn! (Der Junge zuckt mit den Achseln.) Wer kann denn ein ou draus machen? — Nun lesen wir « rt « — „Herr M., bei «^ kommt das ou auch gleich hinten" 0«i3 I mm — und schreiben s ...-—**) 8. Latern-e, Laterne! Sonne, Mond und Sterne ... So singend, die bunte Pcrpierl-aterne in der Hand, ziehen die Hamburger Kinder an schönen Spätsommerabenden durch die Straßen. Da ist ein Trupp mit vier Kindern, dort sind es 6 oder 7 oder 8. Selbstverständlich dringen diese Töne auch ins Schulzimmer und unter frohem Singen werden auch hier Umzüge gemacht. Die neunte Seite der nnavi mi«- Frbel zeigt uns einen solchen. Vom gestrigen Tage stehen noch einige „Rätsel-Bilder" an der Tafel:?m nai "••■/in ,pt>v-?m na -"io»?m na ,f|Di’ im na >2« ,p (Ich male eine Laterne an.) ."13-11)7" .? 7111 ' ."13 1'5" Und ganz von selbst stimmt Ne Klasse an: „Laterne, Laterne . . ." „Aber das können wir doch, nicht, in der hebräischen Stunde deutsch singen." Richtig, das geht auch, nicht! Schon probieren einzelne: - w-wn ,13 03 — weiter reichts nicht. Und trotzdem können wir's singen! „La la la . . ." Während des Singens schreibe ich an: 1 > b „Herr M., das ist der hebräische Haller." Nun legen und schreiben wir gleich unser Lied: b j,... *) Mt Absicht erzähle ich plötzlich deutsch, um durch den Kontrast die Wirkung des Ausrufs zu steigern. , **) Man kann das « auch aus: au! au! entwickeln. Nun. «vollen wir das Wort iv« und viv auch dazu schreiben!' — Und damit ist die neue Seite vorbereitet. Ein Hilfsverein für notleidende jüdische Sleingemeinden. Zu den -br-emtenDenl. Fragen, der. Gegenwart zählt zweifellos M^Notder Kleingemeinden. Bereits vor 25 Jahren versuchte es die Freie Bereinigung. für die Interessen des orthodoxen Judentums zur Losung dieser wichtigen.- Kulturfrage beizütrvgen. Da kam der furchtbare Weltkrieg und verschlimmerte noch die alte Wunde. Seit. Kriegsende ist man allgemein bemüht, die nichts mehr wegzüle-ugnende große Not, zu beheben. Alle jüdischen Zeitungen und Vereine entwarfen Probleme, diesem Uebelstcmde abzuhelfen. Doch blieben es überall nur Probleme. Bisher fehlt der starke Mann, der sich dazu ermannte, die wie Pilze emporschießenden Vorschläge in die Tat umzufetzen. Vielleicht in keiner Epoche. unserer langjährigen Geschichte war es mit den religiösen Verhältnissen in Deutschland, insbesondere auf dem Lande, so traurig bestellt als in der jetzigen Zeit. Fehlt es doch bei uns fast überall wie bei keiner anderen Konfession cm den erforderlichen Pflanzstätten der religiösen Bildung. Bis vor 20 Jahren hätte fast ftde «lebensfähig« Klei-ng'emeinde ihren eigenen Religionslehrer und Schachet. Nur wenige ganz kleine Gemeinden wurden durch den Lehrer der Nachbargemeinde betreut. Wie siehts dagegen heute aus? Seitens dse Keren Hatorah in Hamburg war mir vor -drei Jahren die Mission übertragenworden, eine statistische Vearbsitung der religiösen Verhältnisse in Deutschland vorzunehmen. Wir versandten an 600 Lehrer Fragebogen über den Stand der Schulen, des Gottesdienstes, der Frauenbäder, der Vereine usw. Von 227 Lehrern ging rechtzeitig das erwünschte Material ein. Jedoch die geringe Zahl der beantworteten Fragebogen genügt, ein Bild von den traurigen religiösen Zuständen in Deutschland zu erlangen. Nach meinen Feststellungen vegetieren neben diesen 227 Lehr-ergemeinden 151 Gemeinden, also rund 10 Proz., ohne jeglichen Religionsunterricht. Nach meinen Beobachtungen, die ich indessen im stillen machte, hat sich seitdem an diesem Bilde wenig geändert. Wir müssen also damit rechnen, daß wir in Deutschland mindestens 300 Gemeinden haben, in denen die schulpflichtigen jüdischen Kinder ohne religiöse Unterweisung heranwachsen. Wenn hier nicht alsbald Abhilfe geschaffen wird, werden wir in 10 Jahren in Deutschland mindestens 2500 jüdische Analphabeten aufzuweisen haben, 2500 Seelen, die nicht jüdisch lesen und schreiben können. 2600 Seelen', die keine Ahnung von ihrem Ju-, de-ntum haben! Dies zu verhindern ist Momentan die wichtigste Ausgabe, die wir zu -erfüllen haben. Es ist sehr bedauerlich, daß seitens der maßgebenden Kreise dieser hochwichtigen An-celegenheit nicht die genügende Beachtung geschenkt wird. Nun haben wir in Preußen zwei- Landesverbände, die die liberalen und ges-etzestreuen Gemeinden nach außen hm vertreten. Auch in Hessen haben wir Gemei-ndeverbände gesetzestreuer und liberaler Richtung. Die Frage, ob -eine Trennung und Scheidung in zwei Lager nötig war, wollen wir hier nicht erörtern. Jedenfalls ist es richtiger, daß die Vertreter zweier extremer Richtung in religiösen Fragen nicht zusammen unterhandeln, da mit diesem Wege jedermann seine Gewissensfreiheit garantiert ist. Das schließt jedoch nicht aus, daß beide Verbände sich auf neutralem Gebiete die Hände reichen könnten. Den Landesverbänden beider Schattierung obliegt die unbedingte Pflicht, dm Landgemeinden in ihrer bedrängten Lage endlich durchgreifende Hilfe zu schaffen. Die gemeinsame geistige Rot auf dem Lande müßte die Plattform bilden, auf der in beiden divergierenden Landes- und Gömeindeverbändsn Hand in Hand zusammen«! arbeiten könnten. Hier müßten die religiösen Gegensätze der feindlichen Brüder zurücktreten. Hier müßt« nach der bekannten, zum Erfolge führenden Parole des erprobten' Schlachtmmelsters Moltke gehandelt werden: „Getrennt marschieren und vereint schlagen". Das wegen feines Ankifemitismus' unter schwierigsten, wirtschaftlichen Verhältnissen kämpfende Bayern hat den Beweis geöwH, dgh m dieser Frage ein Zusammengehen der verschiedenen Mchtüygen sehr leicht möglich ist. Hier, hat man neben dem gefetzestreüen Gemeindeverband an dessen.Spitze der. bekannte Distriktsrvbbiner Dr. Stein in Schweinfurt steht, einenneutralen Landesoerband,,. .der .fast alle bayerischen Gemeinden, sowohl die Sefetzestreu-en als.- auch,d-le neolog-en u-mfähd. Lt. Statut ist den Gemeinden die selbständige Erledigung und Wahrnehmung ihrer religiösen Bedürfnisse gewährleistet. Der Verband hat keinerlei Handhabe, irgendwelchen Einstuß auf, den Kultus der seinem. Banner unterstellten GemMden aüMuüben. Dagegen häh er es sich zur Aufgabe gemach, die wirtschaftliche Stellung der jüdischen Beamten, wie Rabbiner, Lehrer, Vorsänger, Schächter, Synagogendiener, Gemeindesekretäre usw. zu sichern, ihre Relikten vor Rot zu schützen und auch den kleinen Gemeinden einen zeitgemäß besoldeten Beamten' zu geben. Hier, genießen, was vieMcht nur noch im Musterländle Baden der Fall ist, die RÄigionslehrer vollständig Beamtenrecht. Der bayerische Nekigionslehrer steht geselllchaftlich im gleichen Rang wie der Ortslehrer, was ger-ade in, diesem antisemitisch durchseuchten Land von wesentl-icher Bedeutung ist. Gesetzestreue und Liberale arbeiten harmonisch und einträchtig zusammen an dem schönen Merke der Volkserziehung. Bäyern darf "in, dieser Hinsicht als ein Musterland bezeichnet werden-, und der Verband darf -es als ein unsterbliches Verdienst buchen, ein Werk geschaffen zu haben, dag den Juden Bayerns i-n Zukunft zu größtem Segen gereichen wird. Sollt-e es in anderen deutschen Bundesstaaten, in Preußen und in Hessen usw. -nicht auch möglich sein, eine gleiche Zusammenfassung der divergierenden Kräfte in die Wege zu tevten? Sollte in den beiden Ländern nicht auch Männer mit der Energie und Zähigkeit eines Dr. Reum-ayer und Oberlehrer Dingfelder existieren, die die Kraft und Organisatl-onsfähigke-it besitzen, ein ähnliches Werk wie in Bayern zu schaffen? Ohne Frage müßten hier die Großgemeinden mit -ihren reichen Mitteln den Kleingeme-inden helfend zur Seite stehen. Es müßte für ganz Preußen, Hessen sowie jeden -anderen Bu-ndesstaat -eine gemeinschaftliche Knltuskasse gegründet werden, welche einerseits aus den zur Verfügung stehenden Staatszufchüssen, andererseits den Beiträgen sämtlicher jüdischer Steuerzahler des ganzen Bundesstaates gespeist wird. Sämtliche Rabbiner, Lehrer und Kultüsb-eamten usw. erhalten, -ihre Bezüge aus dieser Kasse. Natürlich müßte für die Gemeinden mit Volksschulen -ein anderer gerechter Zahlungsmodus geschaffen werden. Die Beamten würden von den Gemeinden und Gemeindegewaltt-gen unabhängiger werden und mit doppelter Freudigkeit -ihres Amtes walten. Die Aussicht auf gesicherte Stellung dürfte vielen Jünglingen ein Anspornsein, sich wieder wie früher dem Berufe eines Rabbiners, Lehrers, Kantors, Schächters' und Kultusbeamdenzu widmen. Das auf dem Lande, fast gänzlich erloschene geistige Leben würde wieder neu aufblühen. Möchten doch alle Verbände, Vereine und Korporationen -erkennen, daß die jetzigen Zustände unhaltbar sind und die nötigen Konsequenzen ziehen. Tausende jüdische Kindess-eelen lechzen vergeblich nach der himmlischen Kost. Schieben wir die Hilfe für die notleidenden Gemeinden nicht auf morgen hinaus. Unsere heilige Pflicht ist es, sofort Hilfe zu sch-affen. - Heute noch! Freudenberger, Fkieden. Die kultusbeömtevschule. So -betttelt sich ein Artikel von Waisenhausdirektor Per-itz, Königsberg -in Nr .5 des „Israelitischen Familienblattes" in Hamburg. Er wendet sich mit seinen Ausführungen gegen einen Beschluß des Rates vom Preußischen Landesverband an die Schächterschule in Berlin eine Kültusbeamtenschule anzugliedern. Lm wesentlichen begründet, Peritz seinen ablehnenden Standpunkt damit, daß dadurch, zchei verschieden vorgebildete Beamtenkategöri-en gesWffien wü-rdM Die Äetzürfn-jssrage und die Not der Kleingemeinden berührt ihn weniger. Cr stellt -in seiner ziemlich lanßen Betrachtung eigentlich nur'das