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Der Israelit · 1929-03-14 · Heft 11 (14.3.1929) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 11 (14.3.1929)
Date
1929-03-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Isidor Mendel Von einem schweren Unglück ist unser Herrn o n - Ve r l a g und der Betrieb des „Israelit" G. m. b. H. betroffen worden. Der technische Leiter der Druckerei, Isidor Mendel, ist nach kurzem Kranksein,' erst fünfzigjährig, von den Seinen und der Stätte, der seine ganze Arbeitskraft, feine ganze Persönlichkeit, sein ganzes reiches Können, sein Herz und seine Seele, gehörten, abberufen worden. Im kleinen Heime weint eine junge Frau und ein Kindchen, das am Todestage des Vaters das zweite Lebensjahr vollendete. Im Betriebe der Druckerei in der Schützenstraße aber stehen die ernsten Männer wie verwaist an ihren Setzerkästen, die Arbeiten ausführend, wie e r sie gelehrt und vorgemacht, wehmutsvollen Herzens des Mannes gedenkend, der ihr Freund und ihr Leiter war und der nicht mehr wiederkehren wird in das Reich der geheimnisvollen Buchstaben, die hier in einer eigenen Welt des Geistes und der Technik sechs Jahre lang Leiter und Mitarbeiter vereinigten. Isidor Mendel kam aus dem Pofenfchen über Berlin nach Frankfurt. Als einfacher Setzer anfangend, hatte er sich in seinem Fache bis zum vollendeten Künstlertum heraufgebildet. Der Weltkrieg zog ihn in seinen Strudel, brachte ihn durch die Welt und unter die Menschen, wo er unter Leiden und Prüfungen sich noch weitere mannigfache Kenntnisse in seinem Beruf erwarb. Im Rödelheimer Verlag bei I. K a u f f m a n n fand er Gelegenheit, sein reiches Können zu entfalten und ' sich in kurzem Zeiträume in eine Vertrauensstellung hineinzuarbeiten. Als vor sechs Jahren der Hermon-Verlag A. G. mit der Druckerei -in der Schützenstraße gegründet wurde, trat er bei uns als technischer Leiter ein, und sein Name wird eng verbunden bleiben Mit diesem Unternehmen, dem er Seele, und Struktur gab. Was an Schönheit, Ausstattung und Buchschmuck der Verlag bei seinen Ausgaben hervorbrachte, war samt und s o n d e r3 s esst n,W e r k. Ein Meister auf allen GHieteAper Graphik,'war er der ausgesprochene Freunds d,e,s schönen B ü ch e s? Seine Initiative nach dieser Richtung war so unerschöpflich/^ ivie seine Hände nimmermüde waren, sie auszuführen und damit all seinen Mitarbeitern vorbildlich und anspornend voranzugehen. Er war keiner von denen, die sich an Vertrag und Tarif halten. Ein Berufener war er, von innerem Drang, von Pflichtgefühl und Schönheitssinn zu seiner Arbeit, die ihm Lebensideal war, getrieben. Er saß, wenn es sein mußte, lange Nachtstunden selber an der Setzmaschine, und indeß er an den Geschäftsbüchern faß, Aufstellungen und Kostenberechnungen machte, arbeitete es in seinem Gehirn unaufhörlich an Plänen für 'neue Ausstattungsmöglichkeiten. Schreiver dieses liebte und achtete diesen tüchtigen, feinsinnigen und stets liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen, als Freund und Mitarbeiter, in dessen bewährte Hände er die Ausgabe seiner Bücher vertrauensvoll legen kontite. Denn der Mann, der.die Verantwortung dafür trug — ihm waren diese Dinge nicht Äeußerliches und Nebensächliches, sie waren ihm Sache des Herzens, Diktat einer schönen Seele. Ein Mensch war Isidor Mendel unter Menschen, ein Freund den Freunden, ein lieber Kollege, der auch den Mitarbeitern in der Druckerei niemals den Vorgesetzten hervorkehrte und daher sich absoluteGefolgschaftundhöch sie Achtung gewann. Das Bild Isidor Mendels, das nun von den Wänden in der Druckerei in die Kästen, auf die Maschinen und die dabei hantierenden Menschen herabsieht, wird auch aus den Jfidor Mendel Herzen all dieser Menschen nicht schwinden. Auch wir in der Redaktion und Expedition werden unserem treuen Freund und Mitarbeiter ein ehrendes und liebendes Gedenken bewahren. 1!:; Möge '"vn der jungen Witwe und hem Kinde, nsit denen wir alle heiß mitfühlen, seinen himmlischen Trost angedeihe-n lassen. Tmsani *' ‘ * j. .. Die Beerdigung fand Mittwoch wormittag!l 1.30 Uhr auf dem Friedhof der Israelitischen Gemeinde statt. Freitag vormittag 11 Uhr findet eine schlichte G >e d e n k f e i e r vor dem technischen und kaufmännischen Personal des Herrnon- Betriebes in den Räumen seiner Wirksamkeit, in der Druckerei, Schützenstr. 12, statt, bei der u. a. die Herren Jacob Rosenheim und Redakteur S. Schachnowitz sprechen werden. Die Woche. Rabbiner Dr. Jonas Bondi Nach Schluß der Redaktion kommt von Main z die erschütternde telefonische Nachricht, daß der Mainzer Rdtt), Rabbiner Dr. Jonas Vondi, am Donnerstag vorm. 10 Uhr seine reine Seele ausgehaucht hat. Eine Würdigung folgt innächster Nummer. Das vierzigjährige Jubiläum der'Jüdischen Krankenhilfe (Bikkur Lholim) und fein Fest. Aus Anlaß seines vierzigjährigen Jubiläums und um feine Kaffen entsprechend der gesteigerten Not und Hilfsleistting in diesem strengen Winter auszufüllen, verschrieb sich der Bikkur Choliim-Verein „Leinen aus Irland". Es ist dies der Name eines Wiener L u stfpiels von Kamare, das wahrscheinlich die Lustspielsaison des Sommers beherrschen wird. Weil es bei aller Naivität der Handlung, bei aller Anspruchs- und Problemlosigkeit. zumal in der glänzenden Aufführung des Neuen Theaters, ohne« jede Anstößigkeit beinahe drei Stunden lang das Publikum in heiterster Stimmung erhält. Ein Teufelskerl und gerissener Gauner (halb in kosendem Sinne) von einem Mohammed Efendi Schlesinger steht während des ganzen Abends unaufhörlich redend, gestikulierend und alle verkalkten k. k. Behörden in den Sack steckend auf der Bühne, daß man sich schon seinetwegen-allein das Stück ansehen soll, so man sich in dieser ernsten Zeit Stunden harmlos vergnügten Lachens verschaffen will. Nicht aber das Stück und seine Aufführung sind hier das Wichtige. Entscheidend ist, daß Direktor Hellmer die Premiere der guten Sache des Bikkur Cholim zur Verfügung stellte. Wir vermuten, daß beide Teile gut dabei gefahren sind, denn das Haus war bis auf das allerletzte Plätzchen von einem zahlkräftigen Publikum, das weit über den üblichen Preis leistete,, besetzt. Und der beträchtliche Ueberschuß wird den K r a nken und Schutzbefohlenen der Jüdischen Kranken Hilfe zugute kommen - Wenn Kunst und Glanz sich zusammentun, um dem jüdischen Wohltun zu dienen, dann darf man diejenigen, die diese glückliche Idee hatten und sie mit so vieler Aufopferung zur Ausführung brachten, beglückwünschen. Ja, Kunst und Glanz..sogar noch mehr Glanz, denn Kunst. Zu einem g e s ei l s ch a f t l i ch e n Ereignis nicht gewöhnlicher Art wuchs sich die Veranstaltung aus. Die festlich beleuchteten Räume, das illustre Auditorium Kopf an Kopf, viele „Steine (glitzernde) unter Steinen" und große Toiletten, (etwas mehr Leinen aus Irland! . . .) Nach der Aufführung gab es noch so etwas wie Kabarett mit «leichter und noch leichterer Kunst. Es wurden Blumen und Erfrischungen verkauft /und Wertvolles versteigert, und das alles floß der guten Sache zu. Dem guten Zwecke diente das Amüsement und Jeder kam auf seine Rechnung. Wie uns mitgeteilt wird, hat Herr Hofrat Stefan von Kama re nach der Festvorstellung im Neuen Theater dem Verein sein Werk „Leinen aus Irland" mit nachfolgender Widmung übergeben: „Dem Verein „Jüdische Krankenhilfe" in Frankfuü a. M. in Erinnerung'an ein verständnisvolles und liebenswürdiges Publikum mit freundlichem Dank gewidmet." Der Kunstmaler G o t t - selig hat Plakate und Programme schön, anmutsvoll und — unentgeltlich gezeichnet. Die Jüdische Frauenvereinigung. Die Jüdische Frauenvereinigung 'richtet an alle ihre Mitglieder, Freunde und Gönner Re herzliche Bitte, alles Entbehrliche an Kleidungs- und' Wäschestücken, so-- fern es noch gut erhalten ist, zukommen zu lassen. Biele Mütter kinderreicher Familien wenden sich an uns undbesonders groß ist die Nachfrage nach-Bettwäsche. - Bei der Pössach-Arbeit'mustern alle Hausfrauen ihre' Bestände an Kleidern und Wäsche; wenn Sie Neues an schaffen, gedenken Sie derer, die sich keine Anfchaffüngen leisten können und für «die manches von Ihnen Ausgeschiedenes noch recht gut verwendbar ist. Auf Wunsch erfolgt Abholung im Hause. Agudas Iisroel-Jugendorganifakion. Wir weisen nochmals darauf hin, daß der Bezirkstag der rheinischen A. I.-Gruppen am 30. März beginnt. Am 31. abends wird Herr Jacob R o s e n H e i m in großer öffentlicher Versammlung referieren. Anmeldung zur Teilnahme müssen. bis spätestens Dienstag den 19. März bei Herrn H. Hartogfohn, Köln, Kyffhäuferstr. 11 erfolgen. Das in den letzten Blättern veröffentlichte Programm der Tagung stellt nur einen Vorentwurf dar. Die endgültige Bekanntmachung des Programms erfolgt in der nächsten Nummer der „Blätter". , Veranstaltungen der Agudas Jisroet-Jugendgruppe. Dienstag den 19. März findet abends 8.49 Uhr im Saale des Steinernen Hauses, Braubachstraße 35, ein Vortrag des Herrn Robb. Dr. E. Munk, Ansbach, statt über das Thema: „Die Religion im jüdischen und modernen Empfinden". Am Samstag den 16. März findet um 8.45 Uhr im Saale V des Volksbildungsheims ein Ausspracheabend über das Thema: „Erzieherische Umorientierung" auf Grund des seinerzeitigen: Vortrags des Herrn Dr. Arnold Merzbach statt.

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