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Der Israelit · 1929-02-28 · Heft 9 (28.2.1929) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 9 (28.2.1929)
Date
1929-02-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Nr. 9 Der Israelit Die nächste Arbeitssitzung' findet am, Donnerstag den 28. März vormittags 10 Uhr Langestraße 30 statt. Die Frankfurter Ortsgruppe der Brautausstattung der Ortsgrupp. e des Jüdischen Frauenbundes, Frankfurt a. M. entsendet in jedes Haus, in dem eine Braut für ihr künftiges Heim eine Aussteuer erhält, ein Körbchen, mit der herzlichen Bitte, für eine unbemittelte Braut neue, einfache.Wäschestücke zu spenden. Sie erhofft von der Warmherzigkeit der Frauen, daß sie diesem Gedanken zum Erfolg verhelfen. Die schlagenden Beweise der Hakenkreuzler. Am 11. Februar abends hielt Gemeinderabbiner Dr. Salzberger in der Salzmann-Schule im Rahmen einer Veranstaltung des Frankfurter Bundes für Volksbildung einen Vortrag. Der Redner wurde andauernd von etwa 15 im Saale anwesenden Nationalsozialisten durch Zwischenrufe belästigt. Die Aufforderung, sich ruhig zu verhalten, baentworteten die Hakenkreuzler damit, daß sie sich auf die Rednertribüne stürzten und einer von ihnen Dr. Salzberger tätlich angriff. Als die inzwischen verständigte Polizei eintraf, hatten sich die Nationalsozialisten bereits aus dem Staube gemacht. Dr. Salzberger war schon einmal anläßlich einer Kriegergedenkfeier auf dem Friedhof, wo er auf Wunsch der interkonfessionellen. „Kriegerkameradschaft" sprach, von Antisemiten überfallen worden. Die Folge war ein Beleidigungsprozeß, in dem der nationalsozialistische Redakteur Leopold Gut derer, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. - Erholungsheim in Baden-Baden. Der Verein „Erholungsheim für israelitische Frauen Baden-Baden E. V.", Verwaltungssitz Fraknfurt a. M., hat dieser Tage seine jährliche Verwaltungsratssitzung abgehalten. Die ärztlichen Beriche und Kassenberichte lagen vor. Es ergibt sich, daß im Vorfahr etwa 120—130 erholungsbedürftige Frauen und Mädchen Ausnahme in der Anstalt finden, konnten-. die dort ausgezeichnete Erholung genossen. Zur Zeit wird ein Speifefaal und eine Liegehalle, errichtet, um den ärztlichen Erfordernissen gerecht zu werden. Der Betrieb wird wohl Anfang Mai wieder eröffnet werden. Da der Bau der Liegehalle und des Speisesaals etwa Mk. 20.000 erfordert, sind Spenden dringend erwünscht. Mitgliederanmeldungen und Spenden werden entgegengenommen von den Herren Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M., Bockenheimerlandstr. 18, Willy Dreyfus i. Fa. I. Dveyfus u. Co., Frankfurt a. M., Taunus-Anlage 1, Dr. med. Fromm. Frankfurt a. M., Blechstraße 5, Albert Mainz, Frankfurt a. M., Bockenheimer Anlage 1a, Rabbiner Dr. Unna, Mannheim. Der Zeitpunkt für das Vorleser der Megilloh. Herr Isaak M. Mainz schreibt ,'gns: In Anbetracht dessen, daß dieses Jahr der Tag des Viok n’iyn so lange ist, wie es seit 114 Jahren nicht der Fall war, erlaube ich mir zu bemerken, daß nach Altfrankfurter Brauch mit dem Borlesen der Megilloh schon etwas vor Nacht, spätestens 13 Minuten vor Nachtanbruch, welcher Zeitpunkt als a’iasn vsx zu betrachten ist, begonnen wird. Herr Mainz verweist auf aon isi und andere Dezisoren, die Rücksicht auf mp’i’B' nnaiy zur Wicht machen. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Ehajim. Samstag morgen, nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage, Dinim, Herr Dr. E. Posen. — Nachmittag s/4 Stunden vor Mincho im Vereinslokale. Mikro. Herr Dr.' W. Hotmonn. Sonntag morgens noch Schul, im Hörsaale Friedberg. Anlage (ebenso Mittwoch), virr "N Herr Redakt. S. Schachnowitz. — Vormittag 8 Uhr. Vereinslokal lebenso 72 Stunde nach Sabbatausgang), Gemoro. Herr Joachim Soffer. — 9'/4 Uhr Vor. mittag (ebenso Dienstag nachmittag 6'/, Uhr), Gemoro, Herr R.-A. G. Posen. — Abends 6 Uhr im Vereinslokale Midrasch, Herr H. Holpern. Montag nach Schul» im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Donnerstag), Mtschna, Mitgliederlernen. — Abends 7 Uhr (ebenso Miitwoch) im Vereinslokale, Gemoro, Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — 8lh Uhr abends (ebenso Donnerstag), Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Freitag), Mischna, Herr Dr. E. Posen. Don Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 83A Uhr im Dereinslokale, Schaslernen des Herrn Herz Halpern. Jahrz eitsstiftunaen. Montag, 4. Mörz. Moses Loeb Rosenbaum-Stftg. Dienstag, 5. März. Frau Mirjam Hirsch- und Fanni Joseph ged. Carlebach Stiftung. Mittwoch, 6. Mörz Clementine Goldschmidt- und Olga Lion-Stistuna. Freitag, k März Therese Roos geb. Hirsch- und Leo Homburger-Stistung Aguda, Iirroel-2u>end>ruppe. Sonntag, 8 Uhr vormittag (ebenso Mittwoch 9 Uhr abend) Cbumisch. Herr Leopold Oppenheimer. Montag, 9 Uhr abends (ebenso Mittwoch) Mischna. Herr Rechtsanwalt M. Katz. — 9 Uhr abends (ebenso raw nachmittag 3 Uhr) Gemoro. Herr Emanuel Wolf —9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro. Herr Gerson Schnerb. Dienstag. 3/49 Uhr abends (ebenso rnw s/45 Ub - Gemoro. Herr Leo Schnerb. — 3/»9 Uhr (ebenso MW 8 Uhr nachmittag) Gemoro. Herr Dr. W Hofmann. — 3/49 Uhr abends (ebenso mw 3yU0 Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Jf. Posen. Mittwoch. 8/49 Uhr abends, Kizzur. Herr Theodor Spiegel. Donnerstag. 9 Uhr abends. Chumisch. Herr R.-A. Js. Rosenheim. Freitag, abends nach Schul. Muffar. Herr B. Rachelsohn. — 8 Uhr Gesellige Zusammenkunft. MW, 3/4u Uhr vormittags, Gemoro. Herr Lippmann Kurzweil. — 3/4U Uhr vormittags, Kizzur. Herr Louis Kahn. — 3/4i2 Uhr vormittags, Kizzur. Herr Gerson Schnerb. — 3 Uhr nachm., Gemoro. Herr Tarsts. - 4 Uhr nachmittag. Sidro.> Herr R. A. M. Katz. Jeden Tag von 9—11 Uhr Gelegenheit zum Lernen * jeglicher Art. Von 12—1 Uhr, Das Jaumi. Herr Herz Halpern. Agudar Jisroel-Mädchengruppe. j Montag, XA9 Uhr abends, Mischle. Herr Lehrer S. Unna. 28. Februar 1929 Dienstag, 9 Uhr abends. Tenach. Herr Dr. Weger. Miitwoch, %9 Uhr abends, Dinim. Herr Lehrer Hirschberg. MW. 4 Uhr nachmittags, Chummisch und Raschi. Herr Lehrer Hirschberg. Freitag, 87s Uhr abends. Gesellige Zusammenkunft, rlwjalh Lhen-Vereln. Samstag mittag 43/4 Uhr im Hörsale Vortrag des Herrn S. Schachnowitz (Das goldene Kalb) Beshamidrafch, Ostendstraße 15. Rabbiner M. Karpel: Sonntag von 7—8 Uhr, abends nvw r>2W Montag. Dienstag und Donnerstag von l/29—1/210 Uhr iiv'w D2W D^nn rnän> Schwänenstratze. Schachris täglich 7.10 Vormittags 11212 2'2S2 täglich 7.30 Abends a^nn man Vw w*n»n rv>2 Schwanenstraße 8. Jeden Morgen rpinw 6.45 Uhr. Jüdischer Turnerbund. Herren: Donnerstag. 872—10 Uhr, Gymnastik und Turnen. Annaschule. Alte Herren: Mittwoch 874-10 Uhr, Gymnastik und Turnen. Annaschule. Jugend: Donnerstag, 8l/2~ 10 Uhr, Gymnastik und Turnen. Annaschule.. Damen: Donnerstag, 872—10 Uhr, Gymnastik und Turnen. Ltebsrauenschule. Frauen: Mittwoch, 7»/4—9 Uhr, Gymnastikkurs, S. R. Hirsch-Schule- Knaben: Dienstag, t—llk Uhr, Gymnastik und Turnen, Annaschule). Mädchen: Mittwoch, 472—7 Uhr Gymnastik und Turnen Abllg. I (bis 10 Jahre). 472-57« Uhr Abtlg. II (über 10 Jahre). 672-7 Uhr, Annaschule. Kleinkinderkurs: Dienstag und Donnerstag Dormltt. von 72U—7sl2 Uhr, Weberstratze 38 Sonntags: 8-10 Uhr, Schwimmkurs skr Herren im Städtischen Schwimmbad. (Leitung Turnbruder Jacob Ganz). 10-127« Uhr Vorturnerkurs. Alle 11 Tage Wanderungen. Gebetzeiten. xwn '2 MW Freitag abend 5.40 Samstag N22W.2 6.45 Samstagsmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.30 Samstagabend 6.55 lvochengottesdienst: Morgens 6.45 Nachmittags 5.30 Tefillm-Legen am Morgen 5.55 I,a88«n S10 inr« UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse 2 reparieren. Sie Preise sind billig. gehen gut und die Alles unter Garantie Zum Gedächtnis Wolff Vreldenbachs (Gest, am 28. Februar 1829 m» n"2 zu Offenbach.) Von L. Harwih in Kassel. Es obliegt bzm Leser die Pflicht, Leben und Taten eines einst berühmten, jetzt fast vergessenen Namens sich vor Augen zu hai'.en und als Mann sich zu bemühen, wo es an Männern jetzt fehlt. Den Lebensinhalt Wolfs Broidenbachs könnten feine kurze Grabschrift und das noch den harten Stein überdauernde Denkmal Wolf Heidenheims wiedergebem letzteres in der nuna -Ausgabe 1806. Man lese sie: .‘>"1 f]bsii 3337m ntnisnm ftinvi nai!P»m 3333n r»sn 3B>s ^Vinan ersn sin °7S31V3"33 *]^sn 'D3iaan 71V3 03N 333 und 3'vn!? 7i» baa paxnn 3ws v'sn sin ,^>S3v' TV>a^> 3iv 33 nv»i Visa vaa m ii'viv3is ^33 ii'3vir 13» 3»s a'vaan n*nn h» irV»a fan 3vs ^33 i^> ivv'i v'3Vni a'a»n 'rva un vs |W 'm •d’ib» an^ rsnV ^S3©’> bjj 31a 333^ 3ai» sin iv3'3i vnava i33iyi N3 D’a»aa sin dj nvv -- ’ariaan ii' 3®s 3p',3 t?’sn jn - »113a noa >!» 'T ovb pii”D3i 'qwnV 'v'vs" »vsn 7133 d'bvs ni'snpny ins» ->b n»n v'iivi an’b» 'vanav aipa Vaai >'331 bab viN'^031 •ims «na i’3’i .an ii> ,'3nrr«a Im 3ima >vom 2. Tag nivn ws3 bemerkt Wolf Heidenheim zu 'v'vs„Diese Uebersetzung erhielt ich von meinem ehrwürdigen Freunde; seine Bescheidenheit erlaubt es mir nicht, feinen Namen zu nennen." —' Besonders in der Gegend zwischen Main und Rhein, in Süddeutschland wie im Westen sollte man am 28. Februar oder 28. Adar es der Jugend und dem Alter recht eindringlich verkünden, was Br. feinen Glauhensb-rüdern gewesen ist — ein ftivp ein Anwalt, ein Fürsprecher. Unsere Geschichte nennt nur noch Joselmann von Rosheim so. Wenn Anderen größere Verdienste beigelegt werden, so lag dieses darin, daß seine stille, aber nicht minder kräftige Persönlichkeit meist hinter der Szene sich hielt. Jede Eitelkeit lag ihm fern; er tat das Gute nae^ um des Guten willen. .Wolfs Breiten buch ist im Dörfchen Breiten buch 1751 geboren. Damals lebte dort ein hervorragender Talmudist, der sich der Jugend besonders annahm. Er erkannte die hervorragenden Getstesgaben des jungen Wolff und förderte ihn derart, daß er bald nach Frankfurt a. M. auf die ni'sr konnte, wo er neben talmirdischem Wissen sich allgemeine Bildung anelignete. Bei einem Buchhändler lernte Br. einen Grafen kennen, mit welchem er durch seine Meisterschaft im Schachspiel bald eng befreundet wurde. Diese Freundschaft war für W.'s Leben entscheidend. Der Graf lieh chm größere Summen zur Eröffnung eines Bank- und Juwelengeschäftes. Das D33an v'3 wurde bald mit dem Kontor vertauscht, — und für unsere Glaubensbrüder war dies von hoher Bedeutung. Durch strenge Rechtlichkeit, feines Benehmen und Glück erweiterte sich fein Kundenkreis und erstreckte sich auf die vielen Fürstenhöfe und Standesherren in der Nähe von Frankfurt und im Nasfauischen. Mit den geschäftlichen Erfolgen kamen bald die damaligen Titel als Hofagent, Hoffaktor und dergl. In besonders freundschaftlichem Berhälttris stand Br. zum Fürsten von Jsenburg-Birstein. Großherzog Ludwig I. zu Darmstadt, dessen Bruder Emil in seinem Hause verkehrte. Doch Glanz und Reichtum .machten ihn nicht blind für das Leid seiner Brüder; er suchte und fand sie. Mit ihnen mußte er den harten Lerbzoll ertragen, jene lästige Ab'gabe. die der Reiche oder Bettler an der Grenze eines jeden Amtes entrichten mutzte. Mit welcher Härte diese Abgabe erhoben wurde, kann hier nicht geschildert werden; sie kehren in allen Eingaben Breidenbachs uttd Jacobsons wieder und bieteneüt''-tvauMes7B«1o^ der.''La^e^.'"Dhe. Bemühungen hatten' in Braunschtveig, Mecklenburg und Baden Erfolg und nun setzte Br' Las begonnene , Werk fort. In dem Reichskanzler Karl von Dalberg, jdem durch den Frieden, von Luneville, Regensburg, Aschaffenburg und Wetzlar zugefallen war, fand er einen 'warmherzigen Förderer seines Vorhabens. Mit seinem Beistände dachte Vreidenbach auf dem Reichstage in Reigsnsburg die Befreiung in allen deutschen Staaten durch- ^zuführen. Für diesen Zweck waren große Summen auszubringen, die Br. allein nicht beschaffen konnte; er erließ deshalb einen Aufruf an die Gesamtjudenheit, der bei W. Heidenheim zwischen 19. und 25. September 1803 mit hebräischen Lettern gedruckt wurde und als Ueberschrift ">S3£?' 'ia ii'nsi' H--np ‘pip" führt. Der Schlußsatz lautete: „Einer eurer Brüder, ausgefordevt von einem ' großen und ansehnlichen Teil unserer Nation, ist -es, der ,um Beiträge zu dieser schönen und löblichen Stiftung, zur Bestreitung der Kosten und Opfer — euch allesamt als Menschen, als Kaufletite und Familienväter auffor- .dert" Wohl half Br. Dalbergs Empfehlung, dre ihn in einer Urkunde „Vertreter feiner Nation" nennt, der ihm .die Wege bahnte. Aber vom H u manitäts ge danken waren sie den Juden gegenüber weit entfernt, wenn die Staatskasse darunter litt, betrug doch die Einnahme 1805 in! Darmstadt jährlich 25—28 000 (Bulben. Die Feststellung ,fcer Entschädigungssummen bedarf einer Spezialfor- Ifchung. Der große Erfolg sei durch folgende Daten kurz! gezeichnet: Der Leibzoll hörte auf auf am 1. November J1803 in Hessen - Homburg, Januar 1804 in Aschafsenburg, 24. August 1804 in. Frankfurt a. M., 1804 auch in Kurhessen, 19. Januar 1805 in Darmstadt: in ' gleichem Jahre folgten die Höfe von Nassau-Usingen,; Weil bürg, Löwenstein, Wertheim, Leiningen und-.den j Häusern Erbach. Vreidenbach muß durch diese Taten für alle Zeiten leben. Sein Name ist mit ehernen Lettern im Buch der Zeitgeschichte eingeschrieben. Wo der Feind her Jetztzeit steht, wissen wir nur zu genau. Mochte uns im ZeiMtÄ Hamans «sich -der Mordechai jUntz"die Ester nicht fehlen. - 7 ■

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