Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1929)
- Date
- 1929-02-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450555--75763-2533302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2. Nr. 4 Der Israelit Blätter Lelksätze für die Adar-Aktion 56SS der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel. Die Orts- und I u g en d grup p e n werden ersucht, die künstlerisch ausgeführten Coupons zu Gunsten des Erez Jisroel-Schulwerkes zu vertreiben. Couponhefte mit je 50 Quittungen stellen wir zur Verfügung. DenMädchengruppen sind besonders die Coupons zu Gunsten, unserer Veth Jakauw-Schulen in Erez Jisroel zu empfehlen. Jeder Sammler und jede Sammlerin, welche mindestens 50 Mark auf diese Weise aufbringen, kann sich an unserem diesjährigen „Preisausschreiben" beteiligen. Die Herren Rabbiner und Lehrer der Gemeinden, bitten wir, in ihren Predigten und Vortrögen auf die Bedeutung des Schulwerkes in Erez Jisroel hinzuweisen. Die Vor st än de der Gemeinden ersuchen wir, die am Sabbat Schekolim geschnoderten Thoraspenden und Machazis Haschekel- Gelder (insoweit die Verwendung nicht anderweitig festgelegt ist) für unser Schulwerk zu bestimmen. Jede Ortsgruppe aber ersuchen wir, die Patenschaft für eines oder mehrere Schulkinder in, Erez Jisroel zu übernehmen. Die Einrichtung der Uebernahme von Patenschaften ist in folgender Weise gedacht: Jedes Kind unserer Schulen in Erez Jisroel kostet durchschnittlich 10 Mark pro Monat bzw. 120 Mark pro Jahr für Unterricht und Schulspeisung. Wir empfehlen, daß in Fällen, wo einzelne Agudisten nicht in der Lage sind, eine ganze Patenschaft zu übernehmen, sich ein, Kreis von 5 bis 10 Personen zusammenschließt, der gemeinsam für ein Jahr lang die Patenschaft über ein Kind übernimmt. Die Palästina-Centrale ist gern bereit, die direkte persönliche Korrespondenz dieses Kindes mit dem betreffenden Kreise oder der Einzelperson zu vermitteln. Auf alle Fälle aber muß die B e t e i l i g u n g an der Rvsch Chaudesch-Spende laut Beschluß des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel in allen Gruppen möglichst so durchgesührt werden, daß jeder Agudist mindestens Maaßer min Hamaaßer für diesen Zweck spendet. Falls die Gruppen zur Durchführung dieser Aktion einen auswärtigen Redner benötigen, ist die Palästina-Centrale bereit, einen solchen zu vermitteln. Palästina-Centrale der Agudas Jisroel (Postscheckkonto Nr. 53 900 Frankfurt a. M.) Jüdische Mädchenschulen in Erez Jisroel. Von Ob-erlehrerm üarolme Nachmann in Jerusalem. 1. Jerusalem. Und dann — sah ich die Schule. Meine Schulet Sah, was mir das Herz erzittern, machte in glückseligem Jubel. Sah, was ich für ferne Zukunft nur zu erträumen gewagt, als greifbare, sichtbare, so unendlich beglückende Gegenwart. Ist es wahr? Ist es möglich? So rasch gewandelt? Weite, helle Räume, blinkend vor Sauberkeit. Herrliche frische Luft, die durch die großen Fenster zieht. Und so schöne blitzblanke hygienische Schulbänke! Und eine drehbare Tafel gar — es ist unglaublich! Und dieser gute geordnete Unterricht! Diese reichen zuverlässigen Kenntnisse! Diese gepflegten Hefte und die w e i ß e n Fingerchen, die eifrig in sie schreiben — wo noch gibt es weiße Fingerchen in Palästina? Und diese sauberen, frischgewaschenen fröhlichen Kinder! Diese fleckenlos reinen Kleidchen und Schürzen! Bin ich wirklich in Palästina noch?. Wo Schmutz und. Trübsinn Lebensnotwendigkeit? Also geht es auch ohne Schmutz, ohne Trübsinn, also sind Schmutz und Trübsinn nicht Lebensnotwendigkeit! Also ist wieder einmal nicht das Land schuld, sondern die Menschen? Also kann es auch hier eine blitzblanke Schule geben mit glücklichen Kindern, so gut wie irgend eine in Deutschland? Ganz dankbar war mir zumute. Ich war glücklich, restlos glücklich. Daß es nur ein Traum war, ein schöner beglückender Traum — wer hätte anderes vermutet? Denn daß die Wirklichkeit hier in Palästina nicht s o aussieht, weiß ein jeder. O, ob der trüben, grauen Wirklichkeit! In Wirklichkeit sind es natürlich nicht Räume, sondern Löcher, dunkel, eng, niedrig, mit einem elenden Fensterlein. Eine Luft zum Ersticken! Ein Schmutz, daß sich Gott erbarm! Den Schmutz Hab' ich hinausgeschafft. Nicht e in Mal nur! Aber er ist wieder da. Ist jeden Tag wieder da! Die Kinder bringen« ihn mit in Kleidern, Schuhen, Essen. Und ich kann doch nicht jeden Tag Putzfrau spielen. Außerdem hat es ja auch wenig Sinn auf diese Weise. Nicht von den Schulräumen kommt der Schmutz, sondern von den Kindern. Die Kinder müssen sauber sein; dann ist alles gut. Bei uns in Deutschland ist dies die Sorge der Eltern. Hier in Erez Sisroet aber zählt sie zu den Sorgen der Schule. Weshalb? Die Eltern sind arm, bettelarm. Wer soll Seife und Wasser bezahlen, wenn kein Geld da ist für Brot? Und dann: wer will es den« Armen, den Elenden verargen, wenn sie den Schmutz nicht mehr sehen, nicht mehr empfinden? Ihr ganzes Empfinden geht ja auf in dem einen; Gefühle, dem nagenden, bohrenden, fressenden Hunger! Wo Hunger weilt, muß Reinlichkeit we'chen — das ist Naturgesetz. Hunger macht wild. Hunger macht schlecht. Hunger duldet keine Götter neben sich. Wer will es den Armen, den Elenden verargen, wenn sie dem Schmutze nicht Einhalt gebieten-. Sollen sie vielleicht ihre Kinder waschen, ieden Morgen? Mit dem teuren Jerusalemer Wasser? Sollen sie die Läuse ihnen ablesen, jeden Tag? Es ist viel zu dunkel dazu im feuchten Keller. Sollen sie den Schmutz ihnen abbürsten, zu ieder Stunde? Oder die schwarzen Nägel ihnen schneiden? Wer kann auch solches von ihnen vergangen? Weiß doch ein jeder, daß die Armen, die auf dem bloßen Kellerboden schlafen, niemals Bürste oder gar Schere besaßen. „Kerne Götter neben mir!" so tobt und johlt der Hunger. „Hi Seife ho Wasser, he Läuse — hschschsch." Und mit einer einzigen wilden Geste fegt er diesen ganzen Plunder vom Tische. Unnötig, jawohl! denn« mit Schmutz kann man leben, mit Hunger aber, mit Hunger — aber nicht. Auf die Eltern also können wir nicht rechnen. Die werden nie im Leben uns eine faubree Schule schaffen. Das können nur wir tun, die Lehrer. Wir, die Schule. Wir, die Reichen, die Glücklichen! Und darum müßt ihr alle heran«, Mann für Mann. Daß ja keiner sich drücke! Die Strafe wartet schon sein. Wie bitter wird er sich kränken, wenn der Traum Wirklichkeit geworden, wenn die Schule blinkt und blüht — ohne seine Hilfe! Heran denn! Helft! Es ist nicht mehr als Selbstverständlichkeit, daß die Satten den Hung-! rigen beistehen. I 21. Februar 1923 I Jeder gebe, was ihm am wichtigsten, scheint^ Der eine stifte die Badewanne und der andere den. Ofen,, der dritte die Duschen und der vierte Bürsten, Seife und Tücher. Jener zahle das Wasser, jahrein, jahraus, und dieser das Holz. Denn wir müssen sie waschen und baden, die Kinder, jeden Morgen in der Schule. Und wieder einer spende Milch für die blassen Gesichtchen, und noch einer Brot und Obst. Und einer gebe die Becher und Teller und ein anderen die schönen Rödelheimer Sidurim zum täglichen Tisch- und Morgengebete. Und du, der du soeben deine schönen, gehegten, geliebten Kinder anschaust, wirst uns Schulbänke spenden, moderne, hygienische, damit den arme Rücken wieder gerade wird. Und einen wird uns Wandtafeln bringen, richtig schwarze, Kinder, aus denen die weiße Kreide leuchte t. Nicht wie bei uns, wo man sie gar nicht mehn sieht. ' . ' Und der Onkel Doktor wird, eine Schulapotheke stiften, o wie fein! Wie schnell werden« da zerrissene Finger wieder heil und schmerzende Äugen hell! Und der Kollege wird uns die Schwester stellen, die täglich die wunden Köpfe pflegt und die kranken Augen. Und vielleicht wird jemm gar Landkarten bringen oder einen Globus und eine ausgestopfte Katze. Aber das ist Firlefanz, das mit der Katze und den Karten, nicht wahr, Kinder? Vorläufig haben wir Hunger, vorläufig scheren wir uns den Teufel um Katzen, um lebende oder tote. Doch ein Tag wird kommen, Kinder, da werdet ihr sehen und staunen. Da wird die Sauberkeit selbstverständlich geworden sein, da wird die Sättigung alltäglich euch scheinen — sie, die ihr jetzt aus Märchen nur kennt — da werdet ihr allen Ernstes an Katzen denken und Kartell. Darum seid gut! Lasset ruhig heute schon die Brüder draußen auch Karten und Katzen -euch schicken, laßt sie die wohlgewählte Schulbibliothek spenden, die hebräische! Laßt sie den Stoff euch senden, den schönfarbigen, den dauerhaften, für die hübschen Schürzen, die wir uns nähen« wollen, — für jede Klaffe in ihrer Farbe — die wir des Morgens anziehen nach dem Bade und des Mittags sogleich gefaltet in dem großen Fächerschranke verwahren,' den der Onkel Möbelfabrikant uns geschickt hat. Laßt sie die beiden Schreibmaschinen senden, die hebräische und die deutsche, laßt sie Briefpapier spenden und Hefte, den großen Schreibtisch und die elektrische Lampe, die Thermometer und die Papierkörbe. Laßt sie all' ihre abgelegten Mädchenkleider schicken, auch Strümpfe, Schuhe und Wäsche. Und vielleicht wird der Onkel Schuhfabrikant 100 Paar derbe Sandalen stiften, neue, Kinder! .Und wenn der Onkel Konfektionär das große Los gewinnt oder gut gelaunt ist, dann schickt er hübsche, gleiche Kleidchen für euch — natürlich nur waschbare — und warme Mäntel. Und dann gibt es unter euch, Brüder, — ich weiß es wohl, auch solche, die nichts übrig hüben für tote Dinge, denen es nur um die lebenden Menschen zu tun ist. Seid beruhigt, auch für euch ist gesorgt. Ihr werdet Adoptivpapa, ihr werdet Adoptivmama, ganz ohne Schreibereien und Gerichte. Ein jeder adoptiert eins unserer Kinder, d. h., er bezahlt uns jeden Monat die zehn Mark, die jedes Kind uns kostet. Je mehr Adoptiveltern sich an diesem Werk beteiligen, um so mehr von den vielen Kindern, die ohne Schule aufwachsen, können wir bei uns aufnehmen. Am Schabbos, Brüder, lest ihr diese Worte. Und euer Erstes am Blausoei Schabbos ist unbedingt der Scheck, den ihr der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel schickt, Postscheckkonto Frankfurt a. M. N. 55 900. Und geizt mir ja nicht z mit den Nullen! Eine mehr ist hübscher als eine ° weniger. 100 sieht unbedingt eleganter aus als! Ueßeeioeife Deine ftaufcfi Gfiaudefcfi-Spende auf das £ofifcfiecftßonto den TalSstina-Zenlcake dev flguia8~Ji&roef ftp. SS 900 S’Panfzfutf a. ftl.