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Der Israelit · 1929-02-21 · Heft 8 (21.2.1929) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 8 (21.2.1929)
Date
1929-02-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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r,v > -- ZV VT*?? I'T' Sette 14. Nr. 6 Der I s r a e l i t . ._ 21. Februar 1929 saßen sehr viele Gäste um das Brautpaar und die Hochzeitsgesellschaft herum. Die hell beleuchteten Fenster zogen Dobosch gar sehr an. Unwillkürlich blieb er stehen unüberlegte, ob er hinein sollte oder nicht. Eine innere Stimme warnte ihn davor, aber die hellen Klänge, die Speisen und Getränke auf dem Tische lockten unwiderstehlich. Er ging durch das offenstehende Tor und trat direkt ohne anzustopfen in die aller Welt geöffnete Sabbatstube Rabbi'Leibs. Zunächst dachte man, an einen verspäteten Gast. Wie man aber das Gesicht des Räubers erblickte, das alle aus eigener Anschauung und durch Beschreibung kannten, wurde die Gesellschaft von einem Schrecken erfaßt, wie beim plötzlichen Einbruch einer Naturgewalt. Es suchte sich zü' retten, was sich retten konnte. Der Brautvater Hatte noch so viel Geistesgegenwart, das Brautpaar rasch nach sich zu ziehen unb in einer Ecke des Dachbodens iu verstecken. Wer im Haufe allein, in aller Seelenruhe Mit dem Kidduschbecher in der Hand blieb, das war der Hausherr^ Rabbi' Leib Pistiner. Ueberrafcht blieb Dobosch eine Weile stehen Und sah dem Juden scharf ins Gesicht. Er glaubte, dieses Jiüdengeficht schon einmal gesehen zu haben. Ab et Döbosch war kein Mann des langen Nachdenkens. Schon zog er den Säbel und schlug damit Rabbi Leib so kräftig über die. Hand, daß ein Blutstrahl aufspritzte und auf den Tisch floß, aber den, Weinbecher ließ Rabbi Leib nicht fallen. Er richtete die Augen nach oben und sprach im verzückten Gebete: „Möge mein Blut für die ganze Gemeinde sühnest, daß sie verschont bleibe von ferneren Leiden, den Räubereien und' Ueberfällen, Herr der Welt!" Da fing Dobosch an zu zittern. Seine Hände hingen schlaff herunter, feiste Beine schlotterten. ' Er senkte sich tiefer und tiefer, bis er Rabbi Leib zu Füßen lag und etwas von Verzeihen stöhnte, „Geh deines Weges!", sagte Rabbi Leib ruhig, „und bete, daß Dir Gott verzeihe." „Heiliger Mann," flehte der Räuber. „Ich bin hungrig, gib mir was zu essen." Da rief Rabbi Leib alle seine Hausgenossen und die Gäste wieder in die Stube, er befahl ihnen, da sie immer noch voller Angst zögerten, zu kommen. Dann sprach er, mit blutender Hand den Becher hochhaltend, das Kiddufchgebet, das Segensgebet, über das Brot und verteilte die Brotstücke an sämtliche Gäste. Auch Dobosch bekam sein großes Stück ab. Er ging aus dem Hause, ohne ein Wort zu reden. In Dobosch ging aber seit diesem Tage eine Umwandlung vor. Er zog sich in den tiefsten Wald zurück, vergrub Flinte, Schwert, Messer und Dolch. Dann holte er aus seinen Schlupfwinkeln alle in den vielen Jahren geraubten Sachen hervor und wartete am Wege, bis eine Fuhre kam. Und waren es arme Juden, so schenkte er ihnen von den Sachen, ja, nötigte ihnen auf, was sie gerade brauchen konnten. So tat er es jahrelang, bis er von all dem angesammelten Gute keinen Faden mehr hatte. Darauf zog er sich in einen andern Wald zurück, entsagte völlig dem Fleisch und Alkohol und lebte wie ein Naturmensch von Früchten, Wurzeln Und Wasser. Aus dem gefürchteten Räuber wurde ein Freund und Beschützer der Reisenden. Kam ein Vaudewagen des Weges durch den Karpathenwald, so stand, wie aus dem Boden gewachsen, Dobosch davor, fragte den Fuhrmann, wohin er wollte, zeigte ihm den Weg- und gab ihm gute Ratschläge für die Weiterfahrt. Bei den Juden Kolomeas und der Umgegend steht heute noch Rabbi Leib Pistiner-in bestem Andenken. Im Chasfidimstübel erzählt man sich gyrn das Wunder, das sich in dessen Haus, in dem 'eist Abglanz vom großen Baalschemtow leuchtete, 'am Freitagabend beim' Kiddusch vollzog.' Lin Rabbi vom königlichen Muke. Das Werk „Sera Jizchak" ist in rabbinifchen Kreisen sehr populär und ist in mehreren Auflagen erschienen. Es enthält religiöse Abhandlungen über die drei Grundpfeiler des Judentums,'Thora, Slwodjr und-Gmrllus/Chefed. Verfasser des Werkes ist Rabbi Jizchok den Awr 0 h 0 m, der noch mehr als. „Rabbi. Jizchok Ger", Dajan in Amsterdam, bekannt ist. Der Familiennamen des Verfassers ist im Vorderblatt nicht> angegeben. Eines seiner hebräischen Gedichteergibtuim Akrostion den Namen . „Groonboom", und man weiß, daß die aristokratischen Träger dieses Namens ihre. Abstammung auf König Karl XXII. von Schweden zurückführen. * Es war zu Anfang des 18.Jahrhunderts. Schweden war darnals so gut wie judenrein. Kein Jude durfte den schwedischen Boden betreten, wollte er nicht der Zwangsarbeit und nachher der Austreibung verfallen. Und zur damaligen Zeit geschah es, daß eine ganze Familie, Väter, Mutter und zwei Kinder, den christlichen Glauben abschworen und öffentlich zum Judentum übergingen. Es war dies die Familie des Grafen Groonboom, die zum höchsten Adel des Landes gehörte. Der Graf war damals^ bereits 69 Jahre alt, die Liebe zum Judentum trug er aber schon seit den Kindesjahren in feinem Herzen. Seine Mutter war eine nahe Verwanhte des bekannten General Steinbock. lieber ihre Beziehungen zu König Karl XXII. gingen dunkle Gerüchte. Man sagte sogar, der König sei der legitime Vater des Grafen Groonboom. Die Sache wird Auch im Buche „Thorat Hakanoot" von Rabbi Jakob Emden erwähnt. Alls Kind vvn 5 Jahren perlor er die Mutter. Auf -ihrem .Sterbebette soll sie dem Kinde, das damals die Worte nochnicht recht begriff, ans Herz gelegt haben, später die jüdische Bibel und die Propheten zu studieren, was er ihr unter Eid versprach. Er wurde von General Steinbock ins Haus genommen und erzogen und später in eine Militärschule geschickt. Von dort trat er als Sechsundzwanzigjähriger als Offizier in das schwedische Heer ein. Mittler weite brach der Krieg zwischen Schweden und Dänemark aus und Groonboom zeichnete sich durch große Heldentaten aus. Schwerverwundet lag er einige Zeit in Stockholm im Lazarett. Nach feiner Genesung widmete er sich weiter dem Staatsdienste und wurde 1715 Bürgermeister der Stadt Linkepick. Den Vorgang am Totenbette der Mutter hatte er längst vergessen. Aber da erschien ihm einmal die Mutter, im Traume und erinnerte ihn an sein Versprechen. Er nahm sich das alte Testament vor, las und lernte es von Anfang bis zu Ende, suchte jedes Wort und jeden Satz bis auf den Grund zu verstehen und nahm die Hilfe von jüdischen Lehrern und Kommentaren in Anspruch. Und je weiter er in seinem Studium kam, um so stärker flammte in ihm die Liebe zum Judentum auf. Bis er eines Tages die.letzie Konsequenz zog und mit Frau und Kindern, die seine - Ueberzeugung teilten, zum Judentums übertrat. Seine drei .Sohne erhielten, di« Namen Jizchok, Daniel Matisiahu, die beiden Tächter:. Sara und Lea. Vielen Verfolgungen ausgesetzt. beschloß er, Schweden zu verlassen, wozu er 1749 die Erlaubnis erhielt. Er siedelte sich mit Familie in Amsterdam an. Der Führer der dortigen Kehilla. d e Lim 0. mit dem damaligen Amsterdamer Rabbiner, Rabbi Lob Löwenstamm, verhielten sich zuerst etwas reserviert, nabmen ihn aber, nachdem sie sich von seinem ehrlichen-Willen überzeagtz hatten, ^'n aller Form iy den jüdischen Bund, und in.die Gemeinde auf. ' 1751 starb Abra Ham Ger. Der Kinder nahmen -sich Amsterdamer Juden an.. Dev Aelteve Jzchok. bekam Aufnahme bei! einem Diamantenschleifer, der. zugleich ein großer!Thorag-elehrter war,- Rabbi Meir G a n z'.- Der Junge zM^e.'-eine'Liebe zun Lehre,, die. alle in) .Erstaunen setzte. Er-ließ sich ^wohl den ganzen Tag'an. der. Arbeit in der Werkstätte nicht stören, die Nächte lernte er aper fast durch. So wurde er ein großer Gelehrter, der aber von seiner Hände Arbeit lebte. Später gab er-bas genannte Werk „Sera Jizchok" heraus, das zum! ersten Mal 1786 erschienen ist. Als .feine, oedrückte Lage, bekannt, wurde, wurde er von der Gemeinde als Lehrer an der Jefchiwa ..Ez Chanm" und später als Dasan angestellt. Als 1797 .in . Amsterdam die neue. Gemeinde „Ädaß Jefchurun" gegründet wurde, wählte sie den Pro-' selytensohn Groonboom zu ihrem Rabbiner. Mit dem Wachsen der Gemeinde zur ersten Gemeinde Hollands wurde Rabbi Jzchok der erste Rabbiner von Amsterdam. Er starb 1807 als geistiger Führer der großen, reichen Gemeinde, betrauert von der jüdischen Welt weit über Holland hinaus^ (Ein jüdischer Vortrag kn der Leo-Gefellschaft.) In der katholischen Leo-Gesellschaft. m W.i e n ereignete sich Ende Januar wiederum einmal der seltene Fall, daß ein jüdischer Gelehrter, Dr. A. K a m i n ka auf Ersuchen des gegenwärtigen. Wiener Universitätsrektors im erzbischöflichen Palais vor einem dichtgedrängten Publikum von katholischen Geistlichen und sonstigen gebildeten christlichen- Gefellschastsschichten einen Vortrag über die Erliste,hu n g s z e i i d e r Psalm« n , hielt. Dr. Kaminka - trat, gestützt auf rein wissenschaftliche Gründe, gegen die bibelkritischen TheoriM -auf.' 'die---eine ganze' Reihe von- Psalmen bis in die. Makkabäerzeit hinabverlegen. Ka-. m'mka chält. die KönigLzeit. Mtz En-tstehuügsperiod.e, der' Psalmen.aufrecht, auch für,den berühmten 131i Psalm.' Die Bibelkritik., habe Sprachgüt von fast einem Jührtausenb wabllas' ünterei^anderaeworfen ünh die Sprachentwicklungfastgar nicht berücksichtigt, soqst -hätte man nicht, uratje, Diktion, M,s^He, PfMÄ.,agWM^ mtz.der Sprache der MakkabäerMt, z. D. MrjWgenSirachs verwechseln können. Die Psalmen zeigest ferner eine vollkommene Einstellung auf Wettbürgertym und Kosmo-' politismus, wie sie der Periode des assyrisDn Weltreiches, nicht aber den späteren Jahrhunderten, entsprach Eine von Prof. Zimmer gefundene- Keilhandschrist,' M den Gesang eines assyrischen Königs widergibt, weise starke Anklänge an Davids zweiten Psalm aus. Jesajäs, Jeremias und der Verfasser dse Buches Hiob müssen die Psalmen bereits gekannt haben-. -Der Bortrag wandte sich in Schärfe gegen die modernen Bibelforscher) - die jeden ihnen unverständlichen Vers bequemer Weise als Interpolation erklären. Prof. Gabriel dankte dem Redner in herzlichen Worten, weil er dem jüngerenkatholischen Theologen die Wichtigkeit eines wisfenschaDühen Studiums der hebräischen Sprache gezeigt habe, sowie -insbesondere für seine neue und sinngemäße Erklärung des. so viel beanständeten 137. Psalms. In einer Zeit, so, sagte der Redner, wo gegen das alte Testament vielfach Sturm gelaufen wird, macht sich jeder um den-Katholizismus verdient, der die. Grundmauern stützt, aus denen das Gebäude und das Dach des Katholizismus aufgebaüt sind. (Das Judentum in der Geschichte Schlesiens.) In den Räumen des Schlesischen Museums für -Kunstgewerbe-und Altertümer wurden in diesen TaWn die Ausstellung- „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" eröffnet. Zu dem festlichen Akt hatten sich Re' Spitzen der Behörden und zahlreiche geladene Gaste eingefunden. VerünstMer der Ausstellung ist der Verein jüdisches; Museum Breslau,, dessen Vorsitzender, Herr Max SMerö-erg, die Erschienenen begrüßt, woraufhin Dr. Heinewann den inneren Sinn der Ausstellungerläuterte, die -ein Spiegelbild der Wesensart des Judentums ist. Unabhängig von äußeren Geschicken, die in einem Teile der Ausfüllung demonstriert sind, haben die Juden aus dem Festhalten an chren religiösen Gebräuchen und der Beschäftigung mit ihren heiligen Schriften immer neue Kräfte -gezogen, die sie' die alte Tradition wahren ließen-. - Herr Prost Hintze, Direktor des Schloßmuseums, der Organisator der Ausstellung, erläuterte den äußeren Aufbau. Cr erörterte die Aufgaben des im März 1928 gegründeten Vereins „Jüdisches Museum Breslau". Rur Dinge von wirklich künstlerischem oder historischem Werte werden gesammelt. Die Sammlung von Judaic-a sei nichts neues; London hat in den 80er Jahren d>es vorigen Jahrhunderts den Anfang gemacht, das Elunymuseum in Paris war gefolgt; im Laufe der Jahve sind -in Prag, Wien, Budapest, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin, Kassel, Mische- Museen entstanden. Das Museum in Breslau ist wichtig, weil sich in schlesischen Synagogen noch kostbare Gegenstände befanden, die es durch zweckmäßige Aufbewahrung und verständnisvoller Restaurierung vor dem Untergange zu retten galt. Das Thema der -ersten Ausstellung lautet: «Das Judentum in der Geschichte Schlesiens von- 1050 bis 1850". — In dem historischen Teile -der Ausstellung wred-en die wechselnden Geschicke der Juden in Schlesien aus-gerollt. Jeder neue Herrscher leitet eine neue Aera ein; Privilegien werden erneuert oder eingeschränkt, worüber Urkunden und bildliche Darstellungen' Aufschluß. geben. In dem zweiten Raume sind Kultgegenstän-de der Synagogen zusammengestellt. Man-sieht einen Thoraschvein, prunkvolle Vorhänge und eine größere Zahl kunstvoll angesertigt-er und kostbarer kleinerer Gegenstände. In einem weiteren' Raume sind Kultge-genstände für den Hausgebrauch zusammengestellt. In einem vierten Raume sind Porträts, illustrierte Handschriften und Inkunabeln ausgestellt. Prof. Hintze hat! einen sehr instruktiven- Katalog verfaßt, zu dem Dr. Willy Cohn die historische Einleitung geschrieben hat. - Briefkasten. Zr. A. H. München. Die Auffassung, daß es sich hierbei um einen SovvtagsgoM-bienst handelte, hatte aber das ofsisiolle Organ des Liberalen Judentum« in Berlin, dessen Jubel unsere Auskührunaen auskösten. Fllc die anderen Mitteilungen besten Dank! - Steinkanf. Wir empfehlen Ihnen Kottek: slüdisrbp Neicki'ckte. Lassen Sie Ihre U H R E N!ßei Neeser- LAPP, ÄÜegas^e reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. Moritz Wolf Zei 1.49 Telefon KRtnei-iW. Bad Mergentheim in Cai.r0. Als einziges deutsches Bad war Bad Mergentheim auf der Ausfüllung des, großen internationalen m.edizinis ch e n K 0 n g r e s s e s i n E a i r ö' vertreten-! Der Stand/ der berechtigtes Aufsehen erregte, würde bei: der Eröffnung^der Äü-sstellüng von K o ni g F ua h st.eingeheüd^sichtigst Als besondere Anerkennung wurde -Bad Mergencheim durch! den ägyptischen Unterrichtsmmisier Me.Medaille überreicht. ' ''!:,!,!','^;,:,';^'i Beräatw ürtttch ' Hie oen allgemeinen TeU und. da» steü> lleto« S - S chach nowttz,-?sra»kfur1a. M.; Inserates. B.H>.S.-8 cha<b' -owitz,' ebenda. - Sflr die vLdaaogische Beilage: ,vehrxr L- Agnsman-nin 'Svrendlingen (Kr Ostenbach). ''*■*> Beklag .Israelit", D «.b.tz.. Frankfurt cuM. —^Druck-^ermo«,Berlags> ... Aktiengesellschaft,- Frankfurt-a/'/ Xi?, i: s:-? ‘ V. -'!? ’ - - - - ' - - Zigarren

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