Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-02-21 · Heft 8 (21.2.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 8 (21.2.1929)
Date
1929-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450555--75746-2533285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

21. Februar 1929 Nr. 8 Frankfurt a. M., den Abonnement abIqnuar 1024: Deutschland 1 Toldmcnt monatlich; Anstand: B-erteltahrprelse (entsprechend dem deutsche« Inlandspreis zuzüglich Kosten des Stretfband-Ber» sandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab l. 7.27. Belga 8; Holland 2 fl.; Italien ab l.» 28.18 Lire; 2ugoflawten 66 Din.; Litauen 7.80 Ltt.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Pole« 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zlo^. Schweiz 5 Fr. Tschecho-Slowaket 25 Krone«; Ungarn Pengö 5 ab 1.Iuli1027; Dänemrrk 8.80 Krön; Norwegen8.50 «ron.; Schwede« 8.60 Kro«. Einzelnummer. dreißig Goldpfenniqe.- - - ' ■ Der Israelit erscheint jede« Donnerstag. Inserate 51 Doldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuche« und FamUlenanzlige» nur 40 Pf. Die 75 nun breite Reklamezeile: letzte Tertseite 3— Mk.. vorletzte Terisette 2.50 Mk.; Ehiffregebühr tu Höhe eines dopv. Fernb-Iefportos. Rabatt «ach Tarif.. Bet laufende« Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung federz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch de« Berlag des Israelit ®. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetarabenstrabe 7, Tel: Hansa 6842 §m. durch sämtl. Annoncen-Eroed. des In» und Auslands. Alleinige Jnssratenann. für Franks, eschättsanz.: Sul. Schmidt. Langestr. 7, N, Tel. Hansa 4841. Platzvorfchr. ohne Berbiudltchk. direkt an den Berlag auf Pcst-checkkouro Frankfurt (Main) itr. 10802. — Außerdem an: Poniparkasse Wien Nr. 7»»«>6.— Puftsparkassenaml Budapest Sir. 18434. —'Postscheckkonto tarkchmr Nr. 190757. — Postscheckamt ZünchNr. VIII 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34860 - Böhmische Unionbank in Prag - Bane» Mannarosch Blank & Co, in Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements od-r aus Inseraten nch »rredenden Zablunasv-rostichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern. Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat März! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G. in,b.'HM Frankfurt a.M. vom Wiener Kongreß bis;um Weltkrieg. Rückblick und Ausblick. Von Dir. Dr. Ellas in Fürth. Das Zeichen, unter dem sich unser ganzes gegenwärtiges Leben in Deutschland vollzieht, ist das des Aufbaus nach einer weltgeschichtlichen Katastrophe, die, wie alle zugeben, eine Folge von: Fehlern,. Unterlassungen und falschen Maßnahmen war.^ Dieser .Aufbau wird sich aber nur vollziehen können, wenn wir uns «n-icht damit begnügen, Pläne für die Zukunft zu machen, sondern fest und ehrlich auch die Vergangenheit ins Auge fassen. Gilt das aber schon für den Nichtjuden, um wieviel mehr für den Juden, dem der Talmud den Leitsatz fürs Leben mitgegeben hat: .Nur „Im Tischma bejoschon, tischma bechodosch". Nur wenn, wir auch die Vergangenheit berücksichtigen, können wir Ersprießliches für die Zukunft keiften. Sowie der Einzelne nach der Sprache.der Bibel ein Sohn seiner Jahre ist, so wurzelt auch jedes Geschlecht der Gesamtheit in dem ihm voräusgegangenen. Eine Besinnung auf die Grundlagen u n s e r e s Lebens kann nicht vorübergehen an dem, was wir im Zusammenhang, mit unserer Umwelt in den hundert Jahren vom Wiener Kongreß bis zum Weltkrieg erlebt und erlitten, erfahren und verloren haben. Zwgr> wenn wir nur auf das gesetzestreue Judentum im Deutschland -während dieser Zeit.zurückblickest, könnte es scheinen, als ob wir zufrieden sein müßten. Die Anstrengungen, welche diese Geschlechter gemacht haben, die Stellung, die sie dem gesetzestreuen Judentum errungen haben, werden auch von den Gegnern anerkannt. Aber das gesstzestreue Judentum kann nicht isoliert gedacht werden, und-dann hat die Erbschaft dieses Jahrhunderts bei allem Licht doch unendlich viel Schatten bedeutet und eine schwere Belastung für die Entwicklung und Erhaltung des jüdischen Lebens gebracht. Ich brauche nur an dreierlei zu erinnern: Wie viel jüdisches Gut, das von Hillel bis Mendelsohn geistiges Besitztum geworden und als Zedo ladorech diente, ist allein in diesem Jahrhundert verschleudert worden, wie viel fromme Juden zogen da vom flachen Lande in die Stadt und zogen mit ihrer ländlichen Tracht auch die Jüdischkeit aus, wie große Teile des östlichen Judentums, vormals ein Reservoir von ursprünglicher Kraft und Unmittelbarkeit, änderten ihre Lebensform! Bon yll den Strömungen und Bewegungen, die von der Aufklärung in unsere Zeit hinüberführten, greife ich nur vier heraus, die nationale Bewegung, den Kampf des Bürgertums, den Triumphzug der Naturwissenschaft und die Entwicklung der Pädagogik, um aus ihnen die Aufgaben des heutigen Tages abzuleiten. Hinter uns liegt ein Jahrhundert, das map nicht mit Unrecht das der nationalen Bewegung genannt hat. Nachdem Napoleon I. mit seinen auf eine Universalmonarchie gerichteten Plänen gescheitert war, erhobest sich überall in nachträglicher leidenschaftlicher Reaktion gegen solche Gleichmacherei die Völker. Die Griechen erinnerten sich ihrer alten Spräche und begründeten einen neuen Staat, die Belgier erhoben sich gegen die Niederländer, Ungarn und Polen, Tschechen und Serben rangen um ihre Selbständigkeit, in langen Kämpfen bauten' Italiener und Deutsche endlich ihr eigenes nationales Heim, und ihrem Vorbilde eiferten andere Völker und Völkchen nach. Ein Gedanke leuchtete allen-voran: Leben nach eigener Art, auf eigenem Boden, nach eigener Bestimmung. Erst der Weltkrieg hat die wahnsinnige Ueberspannüng dieses Prinzips gebracht: mit den Waffen in der Hand durch Vernichtung der andern Nation.die eigene zu schützen. Damalsbestand ‘ es noch ist der Defensive, stm so intensiver wirkte es, bildete den geschichtlichen Hintergrustd für das jüdische «Leben jener Tage und beeinflußte es. .tiefgehend. Standen doch die Juden seit Mendelssohn und der französischen Revolution in vorderster Linie der nationalen Kämpfer. Sie machten die Bewegung in ihren Höhen und ihren Tiefen mit. Verstanden sie doch am besten-, was es mit angestammten, im Volkstum wurzelnden Idealen auf sich habe. Aber diese Verwandlung in französische, deutsche, ungarische und andere Nationalisten hatte zur Folge, daß sie in der meist einseitigen Kampfgemeinschaft mit dem Nichtjuden das Jüdische verleugneten, in -der Meinung, nur so von. den widerstrebenden Regierungen! und Völkern die Gleichberechtigung erlangen zu können. Gleichberechtigung hätte auf dem Boden der Menschenrechte erwachsen müssen/ Aber noch nicht einmal Frankreich, auch nicht England (30 Jahre später) zog aus ihnen diese Folgerung, von Deutschland und Rußland ganz zu schweigen: Sie, die hoch über dem geistigen und sittlichen Niveau ihrer Umgebung standen, mußten sich vom preußischen und russischen Befreier sagen lassen, solange Juden Juden seien, könnten sie nicht die gleichen Rechte wie -andere Menschen beanspruchen. Erst im Strome der nationalen Bewegung kamen sie ihrem Ziele näher. Sie stellten sich in die ersten Reihen, verlangten an allen nationalen Erlebnissen in allen Ländern aktiv teilzuhyben aber — was sie an andern so sehr bewunderten und mit Gut und Blut, vertraten, das gaben sie als Juden preis. Dübnow weist mit Nachdruck darauf hin, daß diese Kampfer für die Gleichberechtigung peinlich bis zur Lächerlichkeit bemüht waren, den Ausdruck jüdisches Volk und jüdische Nation zu vermeiden. Aber darauf kam wenig, an. Hätten sie nur, wie die Liberalen heute selbst wünschen, aktive (Driesen) oder korporative (Goldmann) Gleichberechtigung zu erringen gesucht, die Juden wären ein Volk geblieben. Das Bewußtsein gemeinsamen Ursprungs und gemeinsamen Gesetzes und gemeinsamer Geschichte hätte einen genügend starken Ring um sie gebildet. Da sie aber die Gleichberechtigung für sich nicht als Juden verlangten, verbanden sie mit der zum Kampf um die Emanzipation nötigen Terminologie eine selbstvergessene Hingabe an die politischen und kulturellen Ziele der verschiedenem Nationen und trieben unter dem Druck des . mit der nationalen Bewegung einsetzenden Judenhasses die Verleugnung des Judentums bis zur Selbstbeschimpfung. Ich will gar nicht von den einzelnen Typen reden: wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.