Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1929)
- Date
- 1929-02-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Seite 14. Nr. 7 Der Israelit 14. Februar 1929. und eine große Zahl begab sich mit dem geliebten Lehrer in deutsche Gefangenschaft. Rabbi Finkel sah bald, daß die Thora einstweilen deutsches Klima nicht ,-ertrage, und der Allgütige krönte seine Bemühungen, nach Rußland zurückzukehren, mit sichtlichem Erfolg. Er wandte sich mit seinen Schülern nach Minsk, um dort die Pforten der Jeschiwoh sofort wieder zu -eröffnen. Aber bald mußten sie wieder geschlossen werden. Die Kriegsfurie tobte weiter und die flüchtende Jeschiwoh begab sichnach Kremenzug in der Ukraine. Die Schüler ertrugen standhaft Hunger und Todesschrecken, ihr großer Lehrer Rabbi Finkel teilte mit ihnen das Stückchen Brot, das sie aßen, während Thoraworte ihrem Munde entquollen. Auch im Kri-sgsgolus, im Gebiete der Ukraine, wußte man die Slobodker Jeschiwo als Edelgewächs zu würdigen und man bereitete ihr auch in Zeiten bitterster Kriegsnot einen freundlichen Empfang. Der Historiker, der über Wohl und Wehe der Jeschiwos der Nachwelt zu berichten hat, wird einmal.mit goldenen Lettern der Liebestaten gedenken müssen, mit denen die jüdischen Bewohner von Kremenzug in der Ukraine die flüchtende Jeschiwoh von Slobodka, obwohl selbst bitterste Not leidend, bewirtet haben. Wir kennen die geschichtlichen Ereignisse, wir wissen, daß Deutschland seine Siegesfahnen in. Litauen aufgepslanzt hat. Unverzüglich erschien Rabbi Finkel in Slobodka, um mit flammendem Eifer die Jeschiwoh zu eröffnen. Er hatte alle Hände voll zu tun. Aus dem Territorium, das vom Kriege zerwühlt war, bedurfte man seiner Klugheit, seiner Umsicht, seiner materiellen und geistigen Fürsorge. Er verdoppelte seinen Fleiß, seine Kraft, seine Hingabe. Seine berühmten Mussarvorträge belebten mit erfrischendem Hauch Lehrerkreise und Schüler, dabei gewann er in Rabbi Eisig Scher, dem derzeitigen Leiter der dortigen Jeschiwo, eine wertvolle Mithilfe. Rabbi Nathan Zewi.Finkel lächelte zufrieden: Slobodka, das edle Kind feiner Schöpfung, konnte wie ehedem wieder der jüdischen Gesamtheit leben. Er konnte nun daran gehen, einen andern Lieblingstraum seines Lebens zu verwirklichen: Geist und Methode des litauischen Lernens auf den heiligen Boden von Erez Jisroel zu verpflanzen. Und auch hierin hat der Allgütige ihm Erfüllung gewährt. Unter, der Aegide des Gaons Mordechai Epstein begab sich ein Stab der Slobodkaer Jeschiwoh nach Hebron, die würzige Atiyosphäre des heiligen Bodens war ja seit Jahrtausenden erprobt für die Empfänglichkeit zur Aufnahme des Thorawortes- und Geistes. Im darauffolgenden Sommer entschloß sich auch Rabbi Finkel, nach Erez Jisroel überzusiedkln. Wie schwer wurde ihm die Trennung von der Stätte, wo er Jugend- und Mannesjahre verlebt, wo jeder Winkel erzählte von den Spuren seines Geistes, wo er ein Licht entzündet, das in die ganze jüdische Diaspora hinausstrahlte! Aber es mußte sein. Die wachsenden gesundheitlichen Beschwerden konnten nach ärztlicher Auffassung nur in einem sonnigen Klima behoben werden. Wo ist aber d'.e Sonne heilkräftiger, Luft und Himmel milder, als im Lande der Väter? Wo springen Thermen zutage, die Jugend und Elastizität in gleichem Maße verleihen, wie die warmen Quellen von Liberias? So reift« der Entschluß, ins heilige Land zu ziehen. Eine große Zahl von Freunden hatte ihn dort empfangen und die Jeschiwoh zu Hebron gelangte bei der Kunde, der „Alte von Slobodka" sei angekommen, zu hoher Blüte. Die guten Berichte von Slobodka", daß auch dort unter bewährter Führung von Rabbi Eisig Scher, Boruch Horowitz und Awrohom Grodsinski bei einer fortwährend steigenden Schar von Schülern schöne Erfolge erzielt werden, hatten seinem Herzen wohl getan. Da kamen Tage schwerer Prüfung. Rabbi Fintels großer Sohn, der Gaon Rabbi Moscheh Finkel, Dozent an der Jeschiwoh zu Hebron, eine Säule der Thora und Iiroh, wurde unerwartet durch ein Typhusleiden, im Alter von erst 42 Jahren dahingerafft. Ohne das leiseste Murren gegen den himmlischen Richterspruch nahm unser Rabbi Finkel seine Tätigkeit als Lehrer und Wächter seines Volkes nach beendeter Trauerzeit wieder auf. In Tel-Awiw, wo er sich wegen zunehmender körperlicher Leiden aufhielt, empfing er den Besuch vieler Schüler und Freund«, die mit Genuß seinen „Sichaus", seinen tiefgehenden Meditationen über Zeit und Ewigkeit im Spiegel der Thora lauschten. Noch in den Jomim Nauroim setzte er diese Tätigkeit, nachdem er wieder in die Jeschiwoh zu Hebron zürückgekehrt war, eifrig fort. Am Tag vor Erew Jomkippur, anläßlich der Ueberbringung einer neuen Cefer Thora zum Andenken an seinen großen Sohn, hatte er sich zum letzten Mal in einer geistvollen Mussaransprache an sein zahlreiches Auditorium gewandt. Nach Verlauf der Sukkoth-Tage, als die Körperkräfte sichtlich zerfielen, trüg ihn das Verlangen noch einmal in die Stadt der Wonne, nach Jeruscholajim. Ueberall, wohin die Kunde seiner Erkrankung drang ,in Europa und jenseits des Ozeans, stiegen innige Gebete um feine Wiedergenesung zum Himmel empor. Die Engel siegten in dem Verlangen, einen der ihrigen in Himmelssphären begrüßen zu dürfen. Rabbi Nathan Zewi Finkel ist gestorben, aber seine Schöpfungen, insbesondere die erste und mächtigste von ihnen. Slobodka lebt weiter, allerdings, die Existentzmöglichkeiten sind nicht lejchter.geworden. Was würde. Rabbi Finkel sagen, wennerh.örte,daß.in der Jeschiwoh zu Slobodka. die' Gespenster des Hungers und der finanziellen Sorge sichtbar werden,. die nach den Berichten des derzeitigen Lesters die MtühtW zst-«iner überaus, schchie- >rigbn<-.ejLälW^'. Wer mochte uytehjjjis EMraytchhrtung!auf fich lädM. Wser78kfeMen ThoIastM^die rjns HundexretzrößLtM'nnÄ WMstkt hat/ feine Me zu versagen? Unser Familienhnd Vergnügungsbudget weist so manchen Posten auf, der entbehrlicher ist als diese Kapitalanlage für unsere jüdische Seele! Der Talmud sagt, daß wir vom Verdienste der anspruchslosen Thorajünger leben, es ist darum ihr gutes Recht, von uns das Exrstenzmnurnum zu verlangen. Der Jahrzeitstag des j unsterblichen Rabbi Nathan Zewi Fjnkel mgöe uns Anlaß sein, Herz uüd Hand für Slobodka zu offnen! Ainderecke. : 111 n d Rätsellösung. Das Rätsel in Rr. 5 bedeutet naiin- Richtige Lösungen sandten ein: Mordechai Flammer.' Metz; Jos. Artmann, Remscheid; I. Kaplan, B Mandel, &. Kalauer, Berlin: Abraham ülesach, Breslau; I. Beermann, Riga. Der Tod Mösts. Zum 7. Adar. Don Hdmond Kkeg. Am 6. Adar war es. Mitten am Tag rief vom Himmel herab eine Stimme: „Moses, Moses, nur einen Tag noch ist es dir beschieden, in dieser Welt zu leben." — „Warum ist mein Tod so nahe?", stöhnte der Prophet. — du nicht zweimal schon darnach verlangt zu sterben?" — „Herr, Herr, Du hast Deine Stärke am Sinai gezeigt und Deine mächtige Hand über den zehn Plagen Aegyptens; Du hast Deine Milde über dem goldenen Kalbe gezeigt und Deine Liebe über dem Manna der Wüste: Laß mich noch leben, Deine Herrlichkeit zu verkünden." Und in dieser Nacht sprach der Prophet fünfzehnhundert Gebete. Und er schrieb die Thora ab, schrieb sie von neuem ab, auf den Rollen von Pergament, dreizehnmal. Dachte: „Die Thora ist das Leben und die Verlängerung des Lebens: auch mein Leben, vielleicht verlängert sie es." Aber am Morgen des 7. Adar rief die Stimme vom Himmel: "Moses, Moses, nur 6 Stunden noch ist es dir beschieden zu leben." Und Moses erwiderte: „Erst laß mich noch Israel segnen, dann will ich gehen,, meinen Brüdern mich zu vereinen." Und er versammelte die Menge und sprach über sie den Segen ... Als er vollendet hatte, rief die Stimme vom Himmel: „Moses, Moses, nur vier Stunden noch ist es dir beschieden, zu leben auf dieser Welt." Bat der Prophet: „Herr, Herr, laß mich noch Abschied nehmen von Israel, dann will ich gehen, meinen Brüdern mich zu vereinen." Und er las den Stämmen die Thora, las sie ihnen ganz, gab eine Rolle an jeden der Stämme. Sprach: „Bewahrt die Thora, damit sie euch bewahre: laßt kein Wort, laßt kein Zeichen anders werden bis ans Ende der Zeiten, damit ihr lebet bis ans Ende der Zeiten." Schrien alle: „Wir wollen sie bewahren bis ans Ende der Zeiten, damit sie uns bewahre." Und die dreizehnte Thora, die Moses abgeschrieben hatte, nahm der Erzengel Gabriel, um sie dem Himmel wiederzubringen. Dann sprach der Prophet: „Ich habe euch viele harte Worte gegeben der Thora zuliebe; verzeiht mir." Erwiderten alle: „Wir haben dich oft gereizt der Thora wegen, verzeihe du uns."-— Sie verziehen ihm; er verzieh ihnen. Dann fuhr er fort: „Wenn ihr düs Land Israel betretet, denket meiner Gebeine, die eurer gedenken werden. Und sprecht: Wehe wehe, der Sohn Amrams, der vor uns herlief wie ein Streitroß, er ist in der Wüste gefallen" Sie klagten alle: „Moses, Moses, unser Lehrer, was tun wir noch ' ne diH?" Er antwortete: „Gott b.leibf mit euch. . NichLfürmich, füri euch, ist -es geschehen, daß er durch meine Hand seine Wuyder-tzatz setzt «öot Äjpea! ni|( tu. einen MMchM Est Fleisch und Blut; ihr seht, er ist ein Nichts, denn er gehört dem Tod. Der Ewige wird euch andere Propheten senden. Hört auf sie, folgt ihnen; doch, wenn jemals einer von ihnen euch sagen sollte, e'r sei Gott, so glaubt es nicht. Denn Gott allein ist Gott." Und alle schrien: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig." Niemand, so sagten unsere Weisen, stirbt früher als er sterben soll. Aber, so spät er auch stirbt, für ihn selbst ist es immer zu bald: denn obwohl er zweimal schon nach dem Tod verlangt hatte, obwohl er durch Gottes Mund und selbst erfahren hatte, daß es ihm nur noch eine Stunde lang zu leben beschieden war, war der Prophet noch immer nicht zu sterben bereit. Von Menschen verlassen flehte er nun zum Berg der Wüste, zur Erde und zum Himmel. Er bestieg den Nebo und sagte schluchzend zu ihnen: „Ruft doch, ruft das Erbarmen des Ewigen auf mich herab. Daß er vom Tode mich rette." Aber der Berg erwiderte: „Er möge zuerst sich meiner erbarmen; hat er nicht geschrieben: Die Berge werden vergehen und die Höhen werden' niedergemäht werden?" Die Erde und der Himmel antworteten: „Er möge zuerst sich unser erbarmen; hat er nicht geschrieben: Die Erde wird sich abnützon wie ein Kleid; wie ein Rauch werden die Himmel sich'verflüchtigen?" Und die Wüste antwortete: „Jedes Ding kehrt an seinen Platz zurück. Alles war Staub, alles wird zu Staub." Und der Prophet stöhnte: „Wohin gehen? Wen noch anflehen? Einst war ein Pharao mein Sklave; ich befreite ein ganzes Volk von Sklaven; ich legte ihnen den Sabbath auf und das Fasten; ich bestimmte das Leben und den Tod; die Thora trug meinen Namen. Ich gebot der ganzen Welt; die Ordnung der Dinge vertauschte ich. Zum Himmel, der Wasser herniedergießt, sprach ich: „Gieße Brot hernieder — und Manna fiel. Zur Erde, welcher das Brot entsprießt, sprach ich: laß Wasser entsprießen — und Wasser stieg empor. Gott gewährte mir. Sprach ich: „Erhebe Dich, .erhob er sich; steh still — stand er still. Ich sagte zu ihm: „Strafe — er strafte; vergib — er vergab. Was bin ich heute? Ein Greis, der bettelt und den man nicht hört." — „Das ist -das Gesetz alles Fleisches mein Sohn", antwortete ihm Gott. „Du warst an der Reihe und nun wird ein anderer an die Reihe kommen. Westen Sohn bist du? Amrams... Und Amram, westen Sohn war er: Kohats. Und Kohat war der Sohn Levys und allerwaren die Söhne Adams und alle starben wie Adam. Warum solltest du nicht sterben?" - Familiennachrichleri. Barmizwo: Samuel. Sohu des Herrn Stegmund Doael, Kl. O^eimair.stroße 12. Synagoge OstendsNatze 18.-nviin N2V — Heini, Soha des Herrn Dr. med. vi. Lewi. Langestratze 11. Synagoge Friedberger Anlage, narrn 's unp. Briefkasten. W. B. Mtz. 40 — dankend empfangen. 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