Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1929)
- Date
- 1929-01-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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24. Januar 1929 Der Israelit Blärter Der Nürnberger Zugendtag. Am 30. Dezember 1928 hielt der Verband der gesetzestreuen jüdischen Jugendvereine Bayerns (A. I. I. O.) seinen 6. Verbandstag ab, der bei regster Anteilnahme der Mitglieder einen überaus wirkungsvollen Verlauf nahm. Nach dem Eröffnungsschiur des Herrn Rabbinatsaffefsor B er gmonfi und den Vegrüßungsworten des 1. Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. Münz, sprachen herzliche Worte der Begrüßung und Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit die Herren: S. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, Oberstudienrat Dr. Dachauer für die Gemeinde Adaß Jisroel, Leo Katzenberger für den Verband Bayrischer Israelitischer Gemeinden, Gerson S ch n e r b für den O. V. der A. I. I. O., Dr. E i s e m a n n für die Agudas Jisroel-Ortsgruppe Nürnberg, David Lehmann für die Agudas Jisroel-Ortsgruppe Fürth, Dr. Heinrich Klein für den Chewras- Bachurim Nürnberg, und Rechtsanwalt Dr. Meyer- Regensburg für die auswärtigen Mitglieder der Leitung. Der sodann durch den Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. Münz, erstattete Geschäftsbericht. gab Einblick in die ständigen Bemühungen der Leitung, die Grundlage des Bayrischen Jugendverband es zu vertiefen, organisatorisch zu festigen und zu verbreiten, sowie in die mannigfache Tätigkeit des G. A., die sich in Treffahrten, Bezirksveranstaltungen, Vorträgen und Einrichtung von Schiurim auswirkt. Der Bericht zeigte auch die vielen Schwierigkeiten, die immer noch der Tätigkeit des Verbandes entgsgenstohen und bemühte sich, einen Weg zu deren Hebung aufzuzeigen. Die Geschäftsdebatte endete damit, daß der Leitung das volle Vertrauen ausgesprochen wurde. Die Wahl ergab einstimmig die Wiederwahl des bisherigen Vorortes und Vorsitzenden. Sodann ergriff Herr Dr. M e r z b a ch, Frankfurt a. M., das Wort zu seinem Thema: „Rel i g i ö s i t ä t ", Der Redner verstand in eindringlicher Weise darzulegen, daß der jüdische Mensch nur dann wirklich jüdisch leben und handeln kann, wenn Religion und Religiösität aufs engste verbunden feien. An die Ausführungen schloß sich eine interessante ausgedehnte Diskussion an. Herr Dr. Max Cohen- Köln sprach über: „Die Berufs - und W i r t s ch a f t s n o t der jüdischen Jugend". An Hand umfangreichen wissenschaftlichen Materials berichtete der Redner von den immer größer werdenden Schwierigkeiten, die im Wirtschaftsleben der sabbathaltenden Jugend entgegentreten und von der unbedingten Notwendigkeit, diese Gefahren rechtzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Die Diskussion zeitigte wertvolle Ergebnisse, die darin gipfelten, daß eine richtige Berufsberatung und Ausbildung von Wichtigkeit fei und daß: den Auswüchsen des gesellschaftlichen Lebens, die eine über das gegebene Maß gesteigerte Lebenshaltung notwendig machen, mit Entschiedenheit entgegentreten werden müsse. Der Verbandstag wurde durch den Abendvortrag des. Herrn Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M., über: „Die Kenessio Gedaulo und die Probleme der gesetzestreuen Judenheit" gekrönt. Eine vielhundertköpfige Menge lauschte andächtig den Ausführungen des bekannten Führers der Agudas Jisroel, die mit begeistertem Beifall ausgenommen wurden. Nürnberg, 21. Januar. Am 30. Dezember, im Anschlüsse an die bayerische Tagung des Jugendverbandes der A. I. sprach Herr Jacob Rosen he im in öffentlicher Versammlung über: „Die Bedeutung der Kenessio Gedaulo". Der Referent skizziert zunächst die Lage der Weltor'thodorie und begründet die Notwendigkeit einer zweiten Kenessio. Eine der wesentlichsten Aufgaben bedeutet die Aktivierung des Rabbinischen Rates, der letzten Entscheidungs-Instanz der Weltorganisation der A. I. In kurzen Zügen streifte der Referent einige der Aufgaben, die die Kenessio zu beschäftigen haben werden. Die Schaffung eines internationalen jüdischen Versicherungsamtes für .jüdische Arbeitslose, die Gründung einer jüdischen Zetralbank zur Vereinheitlichung der bereits in. Voten bestebö.nden 62 jüdischen Banken, die bereits , jüngst in einer Sitzung .in .Königstein -behandelt wurde, die Heranbildung eines jü-! bischen Lehrkörpers für die nichtjüdifchen polnischen Schulen, in denen etwa 80 0000 jüdische Knaben onhe jüdischen Unterricht in unserem Sinne aufwachsen, sowie die übrigen kulturellen, sozialen und finanziellen Ausgaben, sowohl der Diaspora wie auch des heiligen Landes. > Im zweiten Teil seines Referates appellierte der Redner an die Versammelten, sich in jeder Hinsicht an den! Vorbereitungen ideeller und sianzieller Art für die K. G. zu beteiligen. Die K. G. soll nicht nur eine mächtige Kundgebung der Weltorthodoxie sein, sondern sie soll auch der Organiftiaon der A. I. die Möglichkeit geben, die brennendsten Aufgaben der Gegenwart, die ja einen Aufbau für die Zukunft bedeuten, in Angriff zu nehmen und zu lösen. In zu Herzen gehenden Worten ermahnte er in seinem Schlußwort die Anwesenden, nochmals sich an dieser heiligen Aufgabe zum Besten des jüdischen Volkes jeder nach feinen Kräften zu beteiligen. I Nicht enden wollender Beifall lohnte die begeisternden Ausführungen des Redners. i Im Anschluß daran fand eine interne Besprechung statt, in der Jacob Rosenheim auf einige gestellte Fragen in bezug auf die Organisierung, des K. G. bereitwilligst antwortete. Der Vorsitzende der Nürnberger Ortsgruppe, Herr Dr. Eisemann, sowie Herr David Lehmann uas Fürth dankten dem Redner aufs herzlichste und versprachen jede Mithilfe. Zur Schulfrage in Erez Zisroel. Die Rede, die Rabbi Mosche B l a u vor einigen Monaten in Amsterdam gehalten hat, und die bereits wiederholt Gegenstand polemischer Zeitungsauseinandersetzungen war, veranlaßte u. a. auch das holländische Misrachiblatt zu scharfen Angriffen. Es wurde dem Redner vorgeworfen, daß er zwar die Bereitwilligkeit der Aguda zu einer Verständigung mit den Zionisten in gewissen praktischen Fragen scharf unterstrichen, dabei aber die angeblich unannehmbaren Bedingungen verschwiegen habe, unter denen diese Zusammenarbeit angeboten worden sei. Auf diese Behauptung antwortet nun das holländische Aguda-Organ „Agudas Jisroel" (Herausgeber Herr S. M. S l a g t e r in Rotterdam) in einem Wertvollen Artikel, den wir mit Rücksicht auf seinen sachlichen Inhalt im folgenden in deutscher Uebersetzung wiedergeben. - „Wohlweislich verschweigt R. Blau auch, daß ein Annehmen der agudistischen Forderungen auch ein Annehmen der gegen profanen Unterricht und den Unterricht in der hebräischen Sprache bedeutet hätte. Diese »'«in wären dann auch in Kraft getreten für den seitens der Gemeinde zu erteilenden Unterricht an Kinder nicht-religiöser Eltern. Die Rabbiner der A. I. halten diese o’c-'n ungeschwächt fest und durch Annahme der Förderungen wäre die Entscheidung der Rabbiner hierüber im Voraus akzeptiert. Von diesen Forderungen hat A. I. nie etwas fallen lassen und konnte sie auch nichts fallen lassen, da sie erklärt hatte, daß sie n->in rn wären. Indessen: dies ist für R. Blau kein Hindernis zu erklären, daß sie den Zionisten wiederholt die Bruderhand reichte ..." Dies ein Zitat aus dem bereits früher hier besprochenen Artikel, in welchem S. L. B. gegen R. M. Blau zu Felde Zieht. Auch hier wieder dieselbe Dreistigkeit im Aufstellen von Behauptungen, die wir schon an anderen Produkten aus S.' L. B.'s Feder feststellten. Da wird mit eineri'Bestimmtheit gesprochen als wäre S. L. B. bis in alle Einzelheiten' über das vorliegende Problem unterrichtet, als hätte er alle Unterhandlungen mitgemacht, als dürfte er ungestraft einen Mann, wie R. M. Blau der Unwahrhaftigkeit bezichtigen. Indessen hat man aus der Replik des R. M. Blau in unsrer vorigen Nummer nochmals hören können, was die Forderungen der Aguda für die Zusammenarbeit waren: Gemeinden auf dem Boden der min^feine absichtliche Sabbatschänder (o’jranW als Gemeinde-Verwalter, kein passives Frauenwahlrecht, keine Gemeindeunterstützung an Institutionen, die in Gegensatz zum Taurohgefetz geführt werden. Von Respektierung des Cherem ist hier nicht die Rede und eine vernünf- (tige Kritik hätte angefangen mit der Frage: „weshalb nicht?", „wie ist das möglich?", „was enthält denn eigentlich dieser Cherem?" Das wäre ein vorsichtiges, richtigeres und würdigeres Verhalten gewesen, als mit autoritativer Geste den Schluß zu ziehen: „Wohlweislich (lies: hinterlistig) verschwiegen . . . dieQ-'onn würden in Kraft getreten sein . . . Die A. I. kann Nr. 2. Seite 3 von diesen Forderungen nichts fallen lasten. Die Tauroh ..." K e n n t S. L. B. d e n „ C Here m? " Eine Abschrift von dem, was er meint, liegt vor uns. Das Wort Cherem ist darin nicht enthalten. Es ist eine Klage von Männern, wie R. Eliah David Rabbinowitsch, R. Samuel Salant, R. Chaim Berlin und R. Jsak Blaser (Gelehrte aus der vorigen Generation) über die Profanierung des Hebräischen, die Erhebung des Hebräischen zum Hauptunterrichtsfach auf Kosten des Tauroh-Studiums und im Allgemeinen über das bei-Seite-Schieben der traditionellen Unterrichtsmethode. Mit dieser Klage ist ein Protest und eine Verurteilung der neuen Unterrichtsmethoden verknüpft. Aus dem ganzen Schriftstück, das vor neun Jahren von R. Chaim Sonnenfeld und vielen andern minn ^Yn aus Jerusalem bestätigt wurde, spricht vor allem die Angst, daß mit den neuen Systemen auch Verwahrlosung oder Unterdrückung des Taurohstudiums eingeführt werden sollte. Ueberflüssig hervorzuheben, daß diese frommen Führer handelten auf Grund von dem, was sie sahen; daß die anti-religiöse Entwicklung des Unterrichtswesens in Palästina so weit gegangen ist, wie sie vorhersahen, ist ebenfalls bekannt. Für uns kommt es eben auf Folgendes an: In dem Schriftstück liest man u. a. Also: aber auch Männer, die in religiöser Hlnsicht verdachtfrei sind, welche die neue Unterrichtsmethode wünschen, werden nichts ändern können ohne zu überlegen mit allen Taurohgelehrten hier, in der heiligen Stadt. Hireaus geht hervor, daß das Verbot vor «allem eine Vertrauensfrage und durchaus nicht absolut ist! — Wir hatten keine Gelegenheit, mit R. M. B. über diese Angelegenheit zu reden. Für uns aber enthält der Text des Schriftstückes der Rabbiner die Erklärung der Tatsache, daß „Aufsichnehmen der Cheromim" nicht zu den Forderungen der A.^J. gehörte. Es fei uns fern, R. M. B. eines unehrlichen Verschweigens zu bezichtigen, und von dem, was S. L. V. mit fo großer Bestimmtheit hinschreibt, daß A. I. erklärt hat, nämlich daß diese Forderungen (inkl. der a'zrm S. M. B.) Din Tauroh waren, ist uns nichts bekannt. Hätte S. L. B. den agudistischen Standpunkt richtig wiedergegeben, dann wäre es unmöglick gewesen, daß ein Mann wie Dr. Moses Auerbach in seiner Broschüre: „Agudas Jisroel in Erez Jisroel" auch für die Gründung agudistischer Schulen plädiert hätte, von welchen er u. a. sagt: „In harmonischer Verbindung usw." . . . und als noch höheres Verlangen gesagt hätte: „die Gründung einer Hochschule aller Geisteswissenschaften Sub Specie der Gotteslehre". Diesen Standpunkt hat er noch genauer verteidigt in Briefen an die Ag., Palästina anno 5686. Ein Mann, wie Dr. M. Auerbach hätte nicht so geschrieben, wenn er von dem Cherem dieselbe Auffassung, hätte, wie S. L. B. Nun behaupten wir nicht, daß der Eonsens der Rabbiner so leicht erhalten wäre, und verhehlen uns keinesfalls die großen Schwierigkeiten, die diesem Problem anhaften, aber daß S. L. V., die der holländischen Judenheit beibringen will, was der A. I. als Din-Tauroh gültig ist, auch hier feine Kompetenz wieder einmal weit überschritten hat, möge aus Obigem klar werden. Demjenigen, der auf der Basis der Tauroh und der Tradition in Erez Jisroel arbeiten will, auch auf dem Felde des Unterrichts, ziemt es j öaniit anzufangen, unbegrenzten Respekt zu haben (zu zeigen) vor den großen religiösen Führern, für diees nur ein Judentum gibt: das der Tauroh, und die sich nur von ihrem Gewissen ,und ihrem Verantwortlichkeitsgefühl führen laf- «sen. Nur so ohne weiteres gegen ihren Willen aufzutreteu, zu tu nais hätten sie betreffs Unj terrichts nie etwas gesagt, und als hätten sie auch nichts zu sagen, gleichzeitig die Kinder zu erziehenim Bewußtsein, daß man der Meinung der Rabbiner nicht Rechnung zu tragen braucht, i—chas stst nicht der.Weg, um zu Resultaten zu