Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1929)
- Date
- 1929-01-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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TTT-* ß fjl R B B B b Die Woche. Drei Jeschiwaus in Not. In Mir in Polen befindet sich die zur Zeit noch -größte Jefchiwa Polens. 400 Thorajünger sitzen hier zu Füßen großer Meister, an deren Spitze der Gaon Rabbi Ebieser Jehuda. Fink«! und Rabbi Jerucham Lubabowitz, und obliegen Tag ^für Tag bis in die tiefe Nacht hinein, dem Studium der Thora .Im Rahmen der Jeschiwa lernt auch ein Ko lei von 30 verheirateten jungen Leuten. Eine Reihe großer Rabbiner sind bereits im Laufe der Jahre aus dieser Lehranstalt hervorgegangen. M i r erfreut sich auch einer sehr ausgedehnten rabbinifchen Bibliothek. Die Jefchiwa, die nur mit großem Kostenaufwand auf der Höhe erhalten werden kann, befindet sich infolge der wirtschaftlichen Krisis in Polen in größten Nöten. Zur Zeit weilt in unserer Stadt ein Vertreter der Jefchiwa, Rabbi R a b b i n o w i tz, um edelgesinnte Thorafreunde für dieses Nervenzentrum des polnischen Judentums zu interessieren. Wir wollen hoffen, daß er mit Rücksicht auf das große Werk, das er vertritt, überall offene Herzen und offene Hände findet. Ferner weilt hier ein Vertreter der Ke l me r Jefchiwa, die als Fortträgerin des nun-und Mussarerbes von R. Jisroel Salanter und R. Simcho Sifsel wohlbekannt ist und keiner weiteren Empfehlung bedarf. Und zuletzt ist hier ein Sendbote aus Hebron (Palästina) eingetroffen, um für die dort im Geiste von S l a - bodko von Rabbi M. M. Epstein geleitete Jefchiwa zu wirken. Dieses Thorazentrum in Palästina, das von 200 Vachurim bevölkert ist, bedeutet die Rettung unserer Zukunft im Heiligen Lande. All dies« drei Thorapflanzstätten werden nicht müde, zu lernen und zu lehren. Ermüden auch wir bei der Unterstützungsarbeit für dieselben nicht. iMxv rr^i-i. statt. Etwa noch benötigte Karten sind — soweit noch vorrätig — am Samstag abend bei Herrn Fritz Stern, Oftendstraße 22 (Telefon Hansa 3441), zwischen 7 unb 8 Uhr noch zu haben. Sitzung der Gemeindevertretung dev Israelitischen Gemeinde am 10. Januar. Der Sijum im Mekor Chajim. Die Verwaltung teilt uns mit: Wir weisen nochmals darauf hin, daß der .w'v am kommenden Sonntag p ünk t lich um 4.30 Uhr in der Frankfurt-Loge mit dem rww-Gebet beginnt und bitten wir um pünktliches Erscheinen, um Störungen während der Hadronvorträge zu vermeiden. Außerdem weisen wir nachdrücklich^ darauf hin, daß der Zutritt nur gegen Vorzeigung der Teilnehmerkarte erfolgen kann und daß die Türschließre angewiesen sind, zur Aufrechterhaltung der Ordnung alle Besucher ohne solche abzuweisen. Wir bitten daher, die Karte nicht zu vergessen. Ein Verkauf an der Abendkasse findet nicht In geheimer Abstimmung werden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren B o n w i t und Dr. Warmbrunn wiedergewählt. Auch das Büro der Gemeindevertretung (Dr. Merzbach, N. -Fromm, Goitein, Felix Meyer, Gerlich). bleibt in seiner Zusammensetzung unverändert. Es liegt ein Beschluß des Vorstands vor, im Haufe Gerornusftraße (Eschersheimer Landftr. 65) einen provisorischen Betsaal mit konservativem Ritus einzurichten, > dafür RM. 5000 als Einrichtungskosten und RM. 8000 'als Jahreskredit für laufende sachliche und persönliche Ausgaben zu bewilligen und Herrn Willy Mainz zum i Dezernenten zu machen. Di« Vorlage entfesselt eine lebhafte und langausgedehnte Debatte. | Beanstandungen verschiedener Art werden geltend gemacht. i Die Bedürfnisfrage gerade für diese Gegend wird mit Rücksicht auf die Nähe der Unterlindau-Synagoge, die! 545 Plätze habe, als zweifelhaft hingestellt. Insbesondere!auch, weil genannte Synagoge demnächst voraussichtlich! oergemeindet werde.! Ein dringenderes Erfordernis als der Betfaal fei die 'Einrichtung des dafür ausgezeichnet geeigneten Hauses ^Eschersheimer Landstraße als Gemeindehaus und zugleich jzur Unterbringung von Bibliothek und Museum. | Die Eröffnung dieses Betsaals hemme diese notwendige Zweckbestimmung. Auch die Jugendorganisationen verlangten mit völliger innerer und äußerer Berechtigung die einstweilige Ueberlassung von freien oder freiwerdenden Räumen unter noch festzüsetzenden Bedingungen. Dom Vorstandstisch und von konservativer Seite wird diesen Einmänden entgegengehatten, daß man sich seit Jahren mit dem Projekt der anderweitigen Verwertung der Gebäulichkeiten Fahrgasse 146 unter'möglichster Wahrung des Eigentumsrechts der Gemeinde und der Einrichtung eines entschieden erforderlichen neuen Gemeindehauses befasse. Aber die Finanzfrage sei in dieser Hinsicht nicht im Handumdrehen zu lösen. Der Wohnungszuzug dränge nach der Eschersheimer Landstraße hin. Beweis: es seien bereits 253 Anmeldungen für den neuen Betfaal, den man aber nur mit 70—80 Plätzen anfangen wolle, eingelaufen. Man wolle diesen nur zunächst als eine Akt Probe einrichten, um zu sehen, ob di« Gegend für eine große konservative Synagoge — die übrigens im Prinzip von der Gemeindevertretung bereits früher genehmigt ist — geeignet fei. Nach Ansicht' einer im Sommer stattgehabten konservativen Versammlung, der auch Rabb. Dr. Hoffmann beiwohnre, sei sie Las. Nachdem noch, der dringende Wunsch geäußert wurde, daß der Vorstand bald ein Projekt für ein neues: Gemeindehaus vorlegen möge, schälte sich aus der Fülle der sich teils widerstrebenden, teils mei na n der g re i send en Anträge der Vorschlag heraus, die Angelegenheit der Finanztommissian zu überweisen. Was auch geschah- Theodor Rothschild In dem im 90. Lebensjahre verschiedenen Theodor Rothschild verliert unsere Kehilo nicht nur ihr ältestessondern auch eines ihrer treuesten Mitglieder. Seine Anhänglichkeit an die Kehilo und seine Verehrung für ihren großen Rabbiner bewogen ihn, dessen Ruf in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts sofort Folg« zu leisten, und zu den 85 Männern zu gehören, die seinerzeit aus der großen Gemeinde austraten.. Seine schlichte und innige Frömmigkeit wird Allen, die ihm im Leben näherstanden, lange in Erinnerung bleiben. n"ax:n- Alme paktiere in Frankfurt. In den Feflsälen des Frankfurter Hofes sprach Paktiere, der Verfasser des „Unbekannten Heiligtums", am Mittwoch abend vor einem nach vielen Hunderten zählenden Auditorium und vertrat in einstündigem Vortrag seine aus feinen Schriften bekannten Ideen, die in der Hauptsache aus ein Bekenntnis zur jüdischen Wahrheit und den „sieb«n noachidischen Gesetzen" hinausgehen. Durch grandiose Aufmachung gestaltete der „Verein Westendsynagoge" den Abend zu einem großeck gesellschaftlichen Ereignis. Eingehender Bericht und Wertung der Palliere'schen Ausführungen folgen in nächster Nummer. Der neue Palästina-Film. „Frühling in Palästina", ein neuer Werbefilm für Keren Kajemeth und Keren Hajeffod, wurde in den „Bieberbau-Lichtspielen" vorgeführt. Man muß zugeben: dieser Film ist gute Arbeit. Ohne aufdringliche Tendenz erzählt er vom Wollen und Streben dse Anbauwerls, i kündet die einzigartigen Schönheiten des Landes und die bunte Mannigfaltigkeit des palästinensischen Lebens: da entsteht ein gigantisches Kraftversorgungswerk neben den Ruinen römischer Theater, Brücken und Tempel; hier primitives Beduinendorf, dort Tel-Awiw, modern-europäische Stadt, beinahe Großstadt, mit Boulevards, Opernhaus, Sportgelände und „Purim-Karneval". Wir sehen eine Orangenernte in Petach Tikwah, begleiten die Landesprodukte bis zum Ausfuhrhafen von Haifa, erleben -eine Purims'udoh bei den Juden aus der Buchara; man zeigt uns Volksfeste, eine Pilgerfahrt zur Klagemauer, führt uns in Häuser der Jemeniten, in denen, kunstvolle Erzeugnisse der Heimindustrie entstehen. Eine Landwirt- Jh iK ¥ AM -»WM WM i P'lp Frau SälomonWolf n"j? aus Köln. Zu ihrem ersten Iahrzeitstage am 10. Schewat 5689. Die heilige Sprache weist ausgewählte Hauptwörter auf, die uns bald in männlichem, bald in weiblichem Geschlecht« begegnen. Der merkwürdige Sinn dieser sprachlichen Eigentümlichkeit ist im Leben der herrlichen Frau y"?, deren . Andenken diese Zeilen gewidmet sind, zur sichtbaren Wirklichkeit geworden. Denn sie hat nach dem frühen Heimgang ihres Gatten an ihrer Kinterschar in gleichme Maße Vater- und Mutt erpslichten erfüllt. Die Lösung dieser gewaltigen Aufgabe wurde ihr Pva durch die Größe ihrer Persönlichkeit ermöglicht, deren Schilderung wir in Folgendem versuchen möchten. Am 10. Schewat 5688, dem fünfzigsten Iahrzeitstage ihres großen Vaters, Rabbi Mendel Löb Königshöfer ' ^>"xt ist d.e Edl eaus dem hieniedigen Leben geschieden. Dieses, zeitliche Zusammentreffen erscheint wie ein Siegel, welches der Allgütige ihrem Leben beim Abschiede vom Diesseits ausgeprägt. Denn all ihre Tage verliefen in innerer Uebereinftimmung mit der vortrefflichen Erziehung, die ihr «inst der Vater angedeihen ließ. Gar häufig erwähnte sie mit bewegtem Herzen, daß sie ihre durch Frömmigkeit ausgezeichnete Mutter im zartesten Kindesalter: verloren und daß. sie daher mit doppelter Liebe an ihrem Vater hing. Der Sinn der Tauroh, die dieser gelehrte, in Gotteslieb« und Gottesfurcht erprobte Mann alltäglich schon vor dem Morgengrauen beim Studium der Folianten mit lauter Stimme aussprach, wurde zum Leitstern ihres' Lebensweges. , Aus solch geistiger Elite hrveörgegangen, wuchs di« Verblichene immer mehr zu einer Frauengestalt empor, deren Wesensart sich kaum in das Gewand der Sprache kleiden läßt. Die göttliche Vorsehung beschied ihr einen Gatten, dessen tiefgründig« Frömmigkeit uno gütliche Gediegenheit, dessen Taurohwissen und Herzensbildung mit ihrem Seelenadel zusammenstimmten und die Atmosphäre eines Eheglückes schufen, in dessen Schoß die Saat des elterlichen Beispiels feste Wurzel faßte. Bezeichnend für den Wert, den sie dem belehrenden Einfluss« ihres edlen Gatten auf die reiche Kinderschar beimaß, sind die warm empfunden,eck, Worte, die sie seit seinem frühen'Weggange an ihr« Kinder richtete: „Als hätte Eure Vater geahnt, daß er uns so früh verlassen mußte, hat er. Euch schon Lehren erteilt, die erst für ein späteres Lebensalter bestimmt find." Die goldene Tr«ne. die sie dem Gatten zu dessen Lebzeiten zollte, bewährte si« in noch v«rmehrtem Maß«, als er nicht mehr an ihrer Seit« weilt«. Die Tatkraft, welche sie dazu entfaltete, übersteigt die Grenze menschlicher Ausdrucksfähigkeit. Von früh bis spät galt ihre unverdrossene, rastlose Tätigkeit dem geistigen und leiblichen Wähle ihrer Kinder, die sie mit zarter, aber sicherer Hand leitete, um sie auf jüdischem und profanem Gebiete fürs Leben zu ertüchtigen. Dabei versäumte sie keine und keinen J /rjyniinö, schlug ihr Herz auch für die Nöte anderer, denen sie weil über" ihr« Kraft hinaus beistand. Den Höhe- ' punkt erreichte ihr bewundernswerter Fleiß in der Vorbereitung zum Sabbat und zu den Festtagen. Dann rauschten die Schwingen ihrer Kraft dem hehren Ziele entgegen, die gehobenen Tage für das Gemüt ihrer Kinder eindrucksvoll zu gestalten. Bis ins Greifenalter blieb ihr diese sich immer aufs neue verjüngende Schaffensfreude zueigen, und es war ihr in ihren letzten Lebenswahren ein schmerzliches Bewußtsein, daß sie nicht mehr j wie ehedem ihre Hände in emsiger Tätigkeit zu regen vermochte. Edel wie ihre Tat war ihr Innenleben, wleches sich in der Liebe zu Gott udn in der Güte zu den Menschen ausprägte. Ihrer tiefen Gottesfurcht verdankt sie die > seltene Vollkommenheit ihres Charakters, daß sie wohl niemals einen Unrechten Gedanken hegte oder eine unrechte Tat beging. Ihre Geduld und Sanftmut sind sprichwörtlich geworden. Nie-geriet sie in Wallung, nie sprach sie ein unüberlegtes Wort. Im Blicke, in der Rede und Gebärde zeigte, sich ihrer Umgebung die Vornehmheit ihrer Gesinnung. Jeden Menschen beurteilte sie nach der guten Seite und wies gerne darauf hin, daß auch Gott sich so zu den Menschen verhält. Bösrede war ihr verhaßt. Neid war ihr fremd, mit dem Wohlergehen anderer freute sie sich wie mit dem eigenen. In ihrem edlen Antlitze ruhten zwei tteue, gütige, kluge Augen. Wer das Glück hatte, diesen Spiegel ihrer remen Seel« zu schauen, sah ein« Himmelsleucht« in irdischer Gestalt. Wer je in ihrer segnenden Nähe oder gar in ihrem trauten Heime geweilt, wurde der paradiesischen Zufriedenheit inne, die von ihrer harmonischen Persönlichkeit ausstrahlte. Mit der Heiterkeit ihres Wesens, mit dem gefühlvollen Zuspruch ihres Wortes wußte sie Gebeugte aufzurichten, das Herz der Sorgbeladenen zu erleichtern und Lebensfreude wiederzuerwecken, wo sie unter dem Drucke materieller Verhältnisse für immer geflohen schien. Ihr selber blieb das Leid nicht erspart. Das tiefst« Weh empfand sie über den tragischen Heimgang ihres vortrefflichen Sohnes Emanuel >"xr der, fern der Heimat, im Weltkriege aus dem Diesseits ging. Auch in diesem herben Schicksalsschlage bewährte sie ihr felsenfestes Gottvertrauen. Di« sonnige Anmut ihres Wesens vermochte er nicht p' trüben; nur der lebedige Schwung, der einst ihr Inneres beseelte, ermattete im Dunkel der Trauer, die seitdem ihr eHrz erfüllte. Auch zwei andere teure Kinder, denen sie in gleicher Liebe nachtrauerte, waren ihr im Tode vorangegangen. Die Sehnsucht nach ihnen erleichterte ihren Abschied vom Hiersein. In weiser Voraussicht hatte si« bis ins Kleinste Anordnungen für di« Zeit nach ihrem Heimgang« getroffen Pp