Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1929)
- Date
- 1929-01-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Stile 10. Nr. 3 Der Israelit 17. Januar 1929 9lad}t av.f gehalten tjatte, fyatte sie eine Musrebe bundenheit der Seele schluchzt und jauchzt: Das Volk lur Erkläruna ihres Ausbleiben Es war das M* «nders aus als es Siemer m bedauerlicher Em-serd A mT s! S■• u n> i * Sti l s“! tigkeit Fleisch und Blut werden läßt. Ein künstlerischer erste Mal, daß sie IN ihrer Rede vom Wege der Borzug mag diese schroffe Hervorkehrung des hart ein- Wahrheit abgewichen war. (Fortsetzung folgt.) seitig -ausgebildeten jüdischen Verstandes für das Werk sein,, der erstrebten Objektivität tut sie Abbruch. Aber nicht grollend wollen wir bei allem freimütigen Bekenntnis, zur Wahrheit von dem Verfasser scheiden. Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen. Ein Mann, der den Mut hat, das Wort sprechen Vor 64 Jahren hat ein deutscher Erzähler großen zu lassen: „Der wahre Jude weiß sehr wohl, daß Aus- Ranges es einmal unternommen, an der Antithese, der erwMheit keine Vorrechte, sondern doppelte Pflichten Gegensätzlichkeit zwischen Jude und Arier herumzubedeutet", dem sich das jüdische Schicksal in dem rührenden schnitzen und hat sich dabei, was den Juden anbelangte. Jargonliedchen verdeutlicht, das wir zu versöhnlichem die Finger blutig gerissen. Wilhelm Raabe wars, Ausgang an den Schluß dieser Betrachtung setzen — «Inda und die Andern". der im „ H ung er p asto r " einen allen menschlichen Gefühls bis zur völligen, ja tollen Unmöglichkeit entblößten Juden darzustellen versuchte und ihm einen mit Gemüt vollgepropften Arier gegenüberstellte. Nun liebt das Problem in anderer Fasson, in tieferer Fassung, in weitaus reinerem und freierem Gesichtskreise neu aus. Heinrich Siemer in seinem Roman: Juda und die Andern" (Gebrüder Paetel, Berlin- Leipzig) meißelt die Kontraste gleichfalls in voller Schärfe heraus und ist auch seinerseits nicht gänzlich frei von papiernen Vorstellungen über Juden und Judentum. Aber zunächst ist ein grundsätzlicher sehr bemerkenswerter Unterschied vorhanden. Egoismus und Altruismus, rücksichtsloseste Selbstsucht und romantisch eingesponnener SeeDenadel kreuzten sich, stießen aufeinander, schieden sich im „Hungerpastor". Der Wille zur Befreiung vom eigenen Ich, zur Menschenbeglückung, ob auch bei beiden Helden auf Irrwegen taumelnd und,fanatisch ausartend, ist hier bei beiden vorhanden. Aber auch ein Gemeinsames beim Juden zeigt sich. Reine Hirnmenschen sind Moses Freudenftein bei Raabe, Samuel Goldstein bei Siemer. Nur im Gegenpol offenbart sich der Zeitumfchwüng. Nicht mehr die unbeholfen träumerische Versonnenheit, das Jagen nach Novalis' blauer Blume, der stets unbefriedigte und unbefriedigt bleiben müssend, wenn auch unendlich köstliche Hunger Nach dem Idealen, sondern ein kräftiges, frohes, derbes Talmenschentum, das auf der Erde wurzelt, den Augenblick ohne weitere Hinschau zur Zukunft genießt und — am Milieu des Augenblicks zu Grunde geht. Zwei Lebensläufe werden geschildert, äußerlich, abgesehen von dem Umkreis der frühen Jugend, parallel sich entwickelnd, innerlich von der Geburt an schickfalbesttmmend, auMinanderstrebend. Es ist der Artunterschied, die Unvereinbarkeit und Unversöhnlich keil von Blüh, Geist, Rasse, die der Autor sympathisch frei bekennt, immer einem solchen Manne wird die ganze Weit- und Tiefschau den Juden gegenüber noch kommen«. „Wie a Worem in der Finster, Schwach un stumm un blind. Lebst du ab die Kmdheits Jahre, Jüdisch Kind. Auf dem Wiegel singt' die Mame Nit kein Lied Vun a ruhig stillen Leben, Freiheit, Fried. Vun die Gärten, vun die Felder, Wu das frische Kind Spielt und freut sich frei und lustig. Wie der Wind. Tiefe Süfzer, heiße Thrären. Mit a starke Macht Klingen, rauschen in dem Lredel Tag un Nacht. Tiefe Süfzer, heiße Thrären, Hunger, Kalt, Schleppen sich mit dir zusammen- Auf der Welt. Un von Wiegel bis zum Grabe Allezeit Wachsen ganze Wälder Zores, Müh un Leid." (Das „Jüdische Antlitz"). Universitätsprofessor Dr. ... Hans Friedenthal, Leiter der Arbeitsstätte für wieder betont und für unüberbrückbar hält. Das Leid Menschheitskunde, veröffentlicht im „Berliner Tageblatt" eines gehetzten, unterdrückten entrechteten Volkes wirkt, ihm selbst unbewußt, im Untergründ vom Wesen des Juden Goldstein und führt ihn logisch zu der leidbeladenen, unterdrückten, in ihren Rechten geschmälerten Masse des Volkes, das er vyn der Herrschaft des überheblichen, selbstherrlichen und in sich selbst sein Genüge findenden Individualismus befreien und — utopisch — zur Geistmasse emporheben will. Aber es ist in der Hauptsache nur fiebernder Verstand, nicht mitleidendes Herz, das ihn aufwühlt, auspeitscht, zum bedeutendsten Redner, Führer Untersuchungen über Erbanlage und Umwelteinfluß mit Bezug auf die Juden-, über die er die Ueberschrift setzt: „Gibt es eine Facies judarca?". Er führt u. a. aus: Wir finden unter den Juden Leute mit weißer, gelber und schwarzer Haut, wie dies bei allen großen Religionsgemeinschaften der Fall ist. Da in China, in Afrika, in Indien und selbst bei den Rothäuten zahlreiche Eingeborene den mosaischen Glauben angenommen haben, sind ihre Nachkommen Juden. Wenn es nun auch Fehmgericht verurteilt, tätet und versenkt ihn in den- See. Der Scholle verhaftet, der Seßhaftigkeit, Bodenständigkeit und darum-d-sm auf dem Boden- Bestehenden leidenschaftlich und fast besinnungslos zugetan, von der Ntowendigkeit und Unantastbarkeit des' Bestehenden, zutiefst durchdrungen, ist fein Ge-gen-pol, der friesische Bauernsprößling Hansgeorg Weete. Berechnende, gerne im Trüben fischende Aufwiegler, die ihn von der unabweisbaren Dringlichkeit der Beseitigung der Störer dieses latenten Ruhezustandes überzeugen, als die sie mit dem ganzen Aufgebot ihrer lügnerischen Sophistik die Juden bezeichnen, treiben ihn zum Meuchelmord an Rathenau und dann, in einer Anwandlung von wiederkehrender Mannhaftigkeit, wie es ihn dünkt, in einer fort- und schließlich - Opfer der Revolution macht Das kein, einziges Merkmal gibtz welches in anthropologischer — - - .. - - Beziehung Juden- und Nichtiuden unterscheiden laßt, so gibt es doch unter Kulturgenossenschaften eine gewisse Gemeinschaft des Ausdruckes und der Mimik, die nicht nur auf Erbg-utbeschaffenheit zu beziehenist. Wir verstehen es, wenn man von -einer Facies judaica oder einem jüdischen Antlitz sprechen kann, obwohl es kein einziges anthropologisches Merkmal dafür geben kann. Weder die krumme Nase, noch Falten um die Augen, noch wulstige Lippen, noch schlechte Muskelhaltung können als jüdische Merkmale -irgendwie bezeichnet werden. Das Schicksal vieler Juden hat es mit sich gebracht, daß die Auslese unter ihren Glaubensgenossen anders aussiel, als die Auslese unter dem Volk, bei -dem sie ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Während der -europäische Zweig gesetzten Anwandlung von Feigheit, wie es uns scheint, j!?T a^‘f'ßrt ^lmze Mittelalter hindurch die zum Selbstmorde. Das ist alles mit wuchtiger, packet Eigenschaften den M.stlgm Wgenuber be- Konsequenz entwickelt, bald zart und fein strichelnd, bald v.0^“9 1a mn.reJI e. k^eren Eigenschaften m den fubreit und mächtig ausholend. Ist hineingeftellt in ein Gemeinden em Grund, die Träger solcher Eigem Zeitkolorit, wie es lebhafter und meisterlicher kaum darsihal^n zu b^iorzugen. Hierzu kommt., daß -innerhalb gestellt werden kann. K durchwoben manchmal mit gol- ^der Eintritt mchtdenen Worten über Juden und Judentum, zuweilen mit .^^sgenoffen m -eme Ehe mrt Juden zu den blankem Unverständnis ihrer Erfassung. Ist durchpulst.SAtmhntm gehörte, wahrend andereres durch Aus-- von einem ehrlichen Hang und Drang nach Gerechtigkeit ^ntt. von^Juden aus dem Judentum zahlreiche Strome iu beiden Richtungen/ die höchst sympathisch sind. Und Ml MdMen Blutes in die umgebenden Volker emdennoch ist dieser Roman von zackiger, festhaltender Ge- 'stronLen. Aus dem Judentum ist also v»el Blut herauswalt ein seltsames Gemisch von stämmiger, urwüchsiger ^flössen, aber sehr wemg neues Erbgut hinem-gekommen. Kraft und dünner, blasser Abstraktion. Kraft enisaltet der Das jüdische Problem wäre recht einfach, wennwirk- Dichter in der Verlebendigung des Ariers Weete, ihren lich nur Juden aus Westasien Mitteleuropa und die übrige Höhepunkt findet diese Kraft in den ganz wundervollen Welt besiedelt hätten. Das Problem wird aber dadurch Bildern vom Jugendbesuch der vier Freunde: Weete, kompliztexter, daß in Südrutzland g-angss Stämme mit Goldstein, eines „zwischen den Stämmen und Religionen aschblonden Haaren und heller Haut und hellgrauen geborenen" Nichtjuden und eines abgesplitterte-n Juden Augen zum Judentum übvegetreten sind, so daß also Ost- — auf dem Gute der Weetes. Dünne, blasse Abstraktion und Westjuden Mischlinge ganz verschiedener Erbanlagen hat Goldstein geformt. Juda — und die Andern — das darstellen. Wenn wir von einem jüdischen Antlitz sprechen, klingt wie Sammelbegriff, das will ein Totalbild auch so treffen wir eine Gemeinsamkeit, wleche den Ost- und von den Juden geben. Und versäumt und vergißt, das den Westjuden umfaßt trotz der Verschiedenheit ihres zu betonen, das frei heraus zu sagen, nein zu gestalten, «Körperbaues. Jahrhundertelange Bildung, verbunden mit was mit Würde, und Seele des Judentums ist: das Inzucht drückt den Juden ebenso wie - nichtjü-dische Fajüdische Gemüt. Nackte Hirnmenschen wie Goldmilien gleicher Tradition einen gewissen- Stempel auf, stein mögen auch vereinzelt vorhanden sein. Aber das! der bei nicht ganz scharfem Ausmerken den Beschauer Bolk, das der Menschheit Hochg-esä-nge der Gemütserg-rlfdazu verleiten kann, völlig nichtjüdische Menschen für jüfenheit wie die Psalmen, ein Jubellied der Innigkeit,! dlsch zu halten. Die Fähigkeit Juden und Nichtjuden wie das Hohelied geschenkt hat, das in seinen Gebeten i unterscheiden zu können, ist sogar nach guten Photogvain seinem Familienleben — von dem Siemer nichts bephien so gering, daß wir mit Sicherheit darauf rechnen gegnet zu sein scheint — mit allen Fasern tiefster Verkönnen, daß die Mehrzahl der Europäer untypisch ausfehende Juden als fo'Lche nicht erkennt, dafür aber eine große Zahl nichtjüdischer Europäer als Juden zu erkennen glaubt. Stratz ist sogar der' Meinung, daß unter allen Völkerschaften der „jüdische Typus" erzeugt wird, wo familiäre Inzucht mit hoher Bildung vereint zur Anwendung kommt. Er weist z. B. auf den jüdischen Ausdruck der alten Inkas hin in ihren königlichen Familien, ebenso aus die vorn ehmen Japaner gesichter mit für uns jüdischem Ausdruck. ' Im Allgemeinen kann mansagen., daß das jüdische Antlitz die Mrekmale der weißen Rasse in ganz befon-7 ders scharfer Weise-zum Ausdruck bringt. Es ist ein Vorurteil, daß die Krümmung im unteren Teil der Nase ein jüdisches Merkmal fein soll, wenn sie aüch bei Juden -■ häufiger gefunden werden mag, als bei N-ichtjuden. Reben der starken Ausprägung der Charaktere der weißen Raffe ist für das jüdische Antlitz ein Zweites charakter-istffch: nämlich ein starkes Auspräg-en der individuellen -Eigenart. Diese Ausprägung -der individuellen Eigenart ist sogar - für viele Beschauer, ein Grund, Gesichter für von Mischern Ausdruck zu erklären-, obwohl diese starke Ausprägung weder mit dem Erbgut der südsuropmschen Böltermischurrg noch mit demjüdischen Glauben irgend etwas zu -tun hat. Wo die Juden — wie im heutigen Nordamerika — sich völlig in allen Sitten und Lebensgewohnhei-ten der sie umgebenden Bevölkerung angegikiedert haben«, ist -es kaum mehr möglich, von -einem jüdischen Antlitz zu sprechen. Während überall da, wo die Juden andere Erziehung und anderen Unterricht genießen, als die umwohnende Bevölkerung und in anderen Berufenihr Leben hinbringen als diese, -eine Umweltsprägung -entsteht, welche zu der falschen Annahme geführt hat, daß es eine spezifisch jüdische Antlitzform des Gesichtes' gäbe, ebenso wie die Absonderung der Juden-, anvielen Stellen Europas zu -der falschen Meinung geführt hat, daß die Juden eine Rasse seien-, mit eigenen rassigen Körperformen, welche sich von denen der Richtjuden unterscheiden sollten. Lassen Sie Ihre UHREN bei Ne es er-LAPP, Allegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. A N N O N C E N B U R O JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN UK6ESTRASSE7 fEL HANSA 4841 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN-ANNAHME FÜR FRANKFURTER GESCHAFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« ♦ AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VONDRUCKSACHEN HANDEL«GESCHHFTE«PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK Qualitäts- Zigarren Moritz Wolf Zeil -49 Telefon Römer 90. %>«ianupotUt$ tüv trcn aagcmctncn Teil trat» da» rfcu-HctPN T- Schachnowttz» Frankfurt a. M>; Ävfrratr t. B.; S.Ta,aL, uowltz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrers. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbrch). — Verlag .Israelit", Ä.«.b.S., Frankfurt a.M. — Druck tzermo« Verlag»« Arriengefellschaft, Frankfurt a. M.