Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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io. Januar 1929 ./ Und als schönen Abschluß dieses, schönen ' Tages' verbrachten wir den Abend in Gemeinde, /Ortsgruppe ü-nö Haus des Utrechter Raw und lernten dort den andern „Mäzen" der. holländischen AI. — der eine ist Polak in Groningen — : den klugen und talmudkundigen Rechtsanwalt Hamburger kennen,/der als weiser Mann unermüdlich das Wort betätigt nix» np’ l1? V2N1! ■ 5. ..; , Der Utrechter Raw hat eine ausgezeichnete Bibliothek und eine ebenso ausgezeichnete Gewohnheit, seinen Gästen Duplikate daraus zu verehren., Diesmal schenkte er mir ein Exemplar des Vortrags, den sein Vater b"i\ im Jahre 1891 in Amsterdam gehalten und den sein Sohn vor 20 Jahren in deutscher Uebersetzung veröffentlicht hat: Samson Raphael Hirsch. Und heute Nacht und heute früh habe ich nun diesen wunderschönen, geistvollen und liebedürchglühten Vortrag gelesen und wieder gelesen und vor meinem Auge erstand das Bild des großen, des größten Mannes der deutschen Orthodoxie im 19. Jahrhundert. „Unter seinem Banner"! Unter dem Banner Samson Raphael Hirschs haben wir auch das Banner der Agudas Jisroel entfaltet, es trägt /feine Farben, feine Prägung. In diesem Vortrag wird ein Wort zitiert, das Mendel Hirsch Vst am Ende der &mbw um seinen großen Vater sagte: „Unser Vater hat in wahrhaftiger Weise an uns vollbracht das Wort, das Gott von Abraham sprach: Denn Ich habe ihn erkannt, damit er seinen Söhnen und seinem Haus nach ihm die - Pflicht auferlege, daß sie den Weg des Ewigen hüten werden, zu tun, was fromm ist und gerecht." Hüten wir den Weg des Ewigen, seien wir fromm und gerecht, dann lebt Samson Raphael Hirsch in uns und wir leben in Agudas Jisroel! Agudisten lernt von den Anderen. Anläßlich des 2. Bundestages der „Zeire Misrachi" in Deutschland, sei es einem jüngeren, noch wenig gereiften Agudisten gestattet, hier den Gedanken, die sich ihm bei Eröffnung dieses Bundestages erneut aufdrängten, Ausdruck zu verleihen. Schon beim ersten Hinblicken konnte man sehen, hier sind nach innen gekehrte Menschen zusammengekommen, die nicht problemlos „mit toten Augen" durch die Welt gehen, sondern Menschen, die sich eine Idee im Kampf, mit sich selbst vor allem errungen haben, in denen diese Idee nach Verwirklichung drängt, die auf der Tagung den besten Weg dazu suchen. Man merkt es förmlich, daß ein Jeder die Bücher Herzls, die Schriften Rordaus, die Reden Sokolows oder Nobels b kennt. Wäre es doch bei uns Agudisten ebenso. Frage ein jeder sich selbst, ob er die Kattowitzer und Wiener Rede Rosenheims, Breuers Idee des Agudismus, die Protokolle der .Kenessio Gedaulo oder des letzten Bundestages .dex A. I. I. O. gelesen und sich geistig zu eigen /gemacht hat. Was nützen denn Tagungen, wenn die zutage geförderten Werte nur den Teilnehmern bekannt sind, die doch nur eme kleine Anzahl bilden? Wenn man dies einmal Agudisten sagt, so wird wohl im ersten Augenblick darauf gehört, dann aber gewinnt der „Philister" in jedem wieder die Oberhand. Wir müssen die Grundlegung unserer Idee kennen lernen, die Idee nicht einfach übernehmen, sondern sie „erwerben, um sie zu besitzen". Wenn nicht die Einzelnen dieser Pflicht genügen, so müssen die Gruppen eben die Lektüre dieser Schriften zum Gegenstand ihrer Arbeit machen. Ein Agudist wird nicht geboren. Der Name ist erst dann verdient, wenn der, der ihn beansprucht, sich völlig darüber klar ist, warum gerade die Agudas Jisroel als Organisation, warum gerade ihre spezifische Idee nach seiner und der Führer Meinung am ehesten dazu angetan ist, die beste Arbeit für den Klal zu leisten. Wenn wir nun soweit sind, dies zu wissen, dann Der Israelit i ,-.B' l-'ä-t icr haben wir für die der agudistifchen Idee dienende Organisation zu arbeiten. Sehen wir wieder, wie die Zeire Misrachi es macht. Diese jungen Misrachisten haben vor allem keine Kosten gescheut, zur Tagung zu reisen. In der 2st I. I. O. wird erst lange diskutiert, wie man die Reife um billigsten machen kann, anstatt die Mitglieder zum Kommen zu verpflichten. Im Misrachi gibt es einen Grundsatz, daß jedes Mitglied auch außer dem Beitrag noch die Mindestpflicht hat, an Arbeitsgemeinschaften, Sammelaktionen, Büchsenleerung u. a. teilzunehmen. Bei uns scheint man von der Existenz solcher Selbstverständlichkeiten noch nicht viel zu ahnen . Man glaubt, dem Vorstand einen Gefallen zu tun, wenn man sich in die Mitgliederliste eintrager. läßt, damit dann aber Vollagudist zu sein. Die schon etwas zum Schlagwort gewordene Parteidisziplin ist das, was uns fehlt. „Mensch sein, heißt Kämpfer sein", um wieviel mehr hat ein Jehudi, ein Agudist zu kämpfen für feine Idee. Aufgabe von uns Jungen ist es, vorerst gegen uns selbst zu kämpfen, uns zu agudistischen Persönlichkeiten, die „alles aus einem Punkte, alles auf einen Punkt — nämlich der agudistischen Gedanken — beziehen" (Dr. Pinchas Kohn) heranzubilden. Und hieraus ergibt sich dann von selbst, daß jeder „s i ch", nicht weniger, für die Ideen, für praktische Arbeit in ihrem Dienste hergibt. Letzten Endes will die Organisation die Ausführung der Idee erst ermöglichen, sie verteilt die Last auf mehrere.. Ohne sie müßte jeder einzelne die ganze Arbeit tun, denn für den Klal zu arbeiten, liegt jedem ob. So hat man der Organisation sich durch tatkräftige Mitarbeit dankbar zu erweisen. Diese bei den Misrachisten eonckitio sine qua non ist bei uns nur wenigen klar. Dagegen müssen wir in einer Beziehung bei der Gestaltung unserer Arbeit an der Agudas Jisroef eine scharfe Grenze gegen den Zeire Misrachi ziehen. Die Mitglieder dieser nicht aus Altmisrachi erwachsenen Organisation haben ein anderes Ziel als dieser und bekämpfen ihn gar zuweilen. , Sie sind meistens radikaler. In unserem Durchdrungensein von unserer Idee dürser w i r diesem Fehler nicht verfallen, wir müssen den schon ergrauten Kämpfern, für unsere Idee Gefolgschaft leisten, wir müssen ihnen treue Helfer sein, denn wir erkennen die Autorität des Alters, besser der Erfahrung an. Daher überlassen wir den reisen Alten den politischen Kampf nach außen. Wir Jungen wollen erst uns selbst bezwungen haben, bevor wir den Kampf mit Andersgesinnten aufnehmen. Wir müssen imstande sein, die letzte Konsequenz aus unserer Idee ziehen zu können. Diese Eigenschaft macht den Zeire Misrachi erst zu einem einflußreichen Faktor. Wenn auch wir in diesem Sinne handeln, üben wir Selbsterziehung im besten Sinne, dann werden wir auch viele unangenehme Eigenschaften, die man uns vorwirft, von selbst ablegen. Dagegen müssen wir Jungen auch schon unsere Idee verteidigen, dürfen uns nicht vor der Bezeichnung „Schwarzer" oder einer ähnlichen schämen und unsere Gesinnung, wenn er darauf ankommt, nicht verleugnen. Bei Diskussionen zwischen Agudisten und Misrachisten muß man manchmal diese traurige Feststellung machen, daß der Agudist freiwillig klein beigibt. Zweck dieser Zeilen ist es, kuxz einmal zu zeigen, woran die Agudas Jisroel krankt und wie sie dem abhelfen kann. Wir müssen so ehrlich sein, das Gute der Andern auch zu übernehmen und nicht unsere j Fehler zu bemänteln suchen. Damit aber nicht die hier ausgedrückten Gedanken wie so viele vor ihnen gelesen werden und dann wieder erfolglos verhallen, so bittet der Schreiber, der vorerst nur einmal die theoretische Seite anschneiden wollte, sowohl unsere Führer, zu diesen Fragen praktisch in den Blättern Stellung zu nehmen, wie wir nämlich unter den beschriebenen Voraussetzungen arbeiten sollen, als auch gleichgesinnte Jugendliche, ihre Gedanken hier nlederzulegen. Nr. 1. Seite 3 damit endlich einmal unserer, Arbeit die nötige nnhL.n werde. Neben derr sehr wichtigen Problemen der Kenessio Gedaulo, die der Agudas Jisroel von oben her neuen Impuls geben will, müssen wir der Frage Beachtung schenken, wie von unten her der Idee und ihrer Organisation ein brauchbarer Menschennachwuchs geschaffen werden kann. Äus diesem Grunde sei die Nachricht, daß der Organisationsvorstand das Korrespondenzblatt wieder herausgeben will, dankbar begrüßt. Es genügt aber nicht, daß dieses nur periodisch erscheint, sondern wir müßten ein eigenes, regelmäßig erscheinendes Organ der Agudojugend haben. Einmal hat dann der junge Agudist eine Zeitung, die nur für ihn bestimmt ist, und dann wird auch die Scheu mancher, ihre Gedanken den „Blättern" anzuvertrauen, überwunden. Ferner kann man sich in einem solchen Organ viel freier und offener als anderswo ausdrücken, und auch der Zusammenschluß wird durch dieses Organ in viel höherem Maße gewährleistet. Noch besser als in den Blättern würde daher in diesem Blatt der Jugend diskutiert werden können, was ich im Vorstehenden auszuführen bzw. anzuregen mir erlaubt habe. O. F., Hamburg. Aus der Bewegung. Köln. Es gehört zu den Grundgesetzen des Weltgeschehens, daß große Ereignisse ihre Schatten vorauswersen. Nach dieser Richtung hin scheint sich auch hier die kommende Kenessio Gedaulo ankündigen zu wollen; denn unser schon faw.cie Zeit geplanter „Rheinischer Bezirkstag" mußte infolge unvorhergesehener Schwierigkeiten auf die Osterferien verschoben werden. Aus besagtem Grunde konnte am zweiten Weihnachtstage nur ein Diskussionsabend abgehalden werden. Nachdem Herr Abr. Wolf die Grundsätze des Esra in althergebrachter Weise proklamiert hatte, ergriff Herr Ostersetzer - Duisburg das Wort zu seinen begeisterten und begeisternden Ausführungen über die „ Au li mbe wegun g Referent gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Aufruf Dr. Nathan Birnbaums im Westen, im Gegensatz zu den östlichen Ländern, einen solch geringen Widerhall gefunden. Auch ein neu anzufachendes rrnrnvo sei die sittliche Pflicht: Emp D-^ni ro/w 'b wr dt-ki der Verwirklichung näher zu bringen. Was die Jugenderziehung in nichtjüdischen Kreisen anbetrisft, so sieht der Vortragende dieselbe in lichtlosem Grau. Durch Selbsterziehung, die aber nur durch gemeinsames Ankämpfen gegen' den nichtjüdischen Geist durchzuführen sei, müsse die jüdische Jugend dem''Dr-Jdeal nähergebracht werden. nsmp imn mm? und msDnn rum? seien die Ziele, die Birnbaum durch die Aulim verwirklicht wissen wolle. Nicht nur die Pflichten des Menschen zu Gott, auch nicht nur die Pflichten des Menschen dem Menschen gegenber, sondern auch die Pflichten, die der Mensch seinem Ich gegenüber zu erfüllen hat, seien der Jugend in durchaus jüdischer Weise nahezulegen. In einer nw — einer allumfassenden Einheit des thoratreuen jüdischen Volkes '— habe die Au llMgemeinschvst diese Forderungen durchzuführen. Daß die Aulimbestrebungen in Köln nicht aus unfruchtbaren Boden gefallen sind, bewies der dankbare Beifall, der Herrn Ostersetzer zuteil wurde. Wie schon erwähnt, ist in den Ostertagen eine „Rheinische Vezirkstagung" der.Agudas Jrsroel-Jugendorganisation geplant, die der Werbung für Agudas Jisroel als auch der Kenessio Gedaulo dient. Die Vorarbeiten sind schon im Gange und wird um zahlreiche Anmeldungen an Herrn Hartog Hartogsohn, Köln a. Rh,, Kyffhäuserstrahe 1k, gebeten. Das Programm wird später an gleicher Stelle veröffentlicht. Unsere diesjährige Generalversammlung findet am 13. Januar um 16 Uhr in der Aula des jüdischen Lehrerseminars statt. Stellenvermittlungszenkrale der Agudas Zisr. Jugendorganisation Frankfurt a. M. Sandweg 32 (3. Stock) . Wir vermitteln Sabbakfrele S fetten Wir gewähren kostenlose Rechksberak.ung Offene Stellen 161 Lederwaren Frankfurt, Lehrling (evtl, mit Kost). 162 Manufakturwaren, Witzenhaufen, branchekundigen Detailreisenden. 163 Metallwaren engros, Nürnberg, Reifenden. 164 Manufakturwaren, Lohr, Verkäufer (freie Station). 166 Manusakturwaren Marktbrort, branchekundigen Reisenden (nicht unter 26 Jahr). 166 Manufakturwaren Marktbreit, Lehrling. 170 Buchdruckerei, Stuttgart, Hebräischer Setzer. 172 Mazzebäckerei, Frankfurt, Mazzefchießer. 173 Buchhandlung, Kurhessen, Stenotypistin.