Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. i Einige Tage bei den Agudisten in Holland. Nichts kennzeichnet besser die große und umsassende Kraft von Agudas Jisroel als die Tatsache, die sich bei der letzten Landeskonferenz der polnischen Agudas Jisroel so tief einprägte: der Erbe des „Bescht" und der. Erbe des „Wilnaer Gaon" — der Gerer Rebbe und Rebbe Chajim Oiser — sie präsidierten gemeinsam der Versammlung, sie repräsentierten gemeinsam die Seele des wiedergeweckten, wiedererwachten alten VVd: die rnin unter dem Banner von Agudas Jisroel sammeln sie die Scharen der Streiter für Gott und Sein Gesetz. Agudas Jisroel hat das geistige Band wieder hergestellt. Und wenn ich diesem symbolhaften Stück jüdischer Geschichte, das die Agudas Jisroel schrieb, nun eine kleine Aeußerlichkeit hinzufüge, so dies deshalb, um zu zeigen, wie der Gedanke der Agudas Jisroel auch räumlich nach rechts und links, in Ost und West sich ausbreitet. Genau acht Wochen, nachdem ich in Kolomea im fernenOstgalizien gesprochen, stand ich in L e e u w a r d e n , im Nordwesten Hollands vor meinen jüdischen Brüdern. Die Einen sind von den Andern geschieden in Sprache, Sitte, Kleidung und noch in vielem anderen und Wichtigeren: und doch sind sie in einem ejnig: in ihrer Liebe zu Gott und Seinem Recht und darum leben sie, hier wie dort, unter seinem Banner: unter dem Banner der Agudas Jisroel! Wenn der im Kreise der deutschen Agudas Jisroel Ausgewachsene nach dem Osten kommt, . erlebt er viel Neues und Schönes, er fühlt sich der Seele des Volkes, der «Tnn» näher, er spürt die Masse des Volkes lebendiger — aber auch wenn er westlich fährt, tut sich ihm ein neues Land mit andern Menschen, Sitten und Gebräuchen auf, er sieht vieles, das ihn zum Nachdenken anregt und Zum — Vergleichen. 2. Der Einladung der holländischen Landesorganisation zu einer kurzen Vortragsreise folgte ich gern, denn wenn das viele Reden im allgemeinen : auch recht anstrengend ist, so glaube ich dennoch, daß ein Agudist, noch dazu ein „amtlicher", noch niemals dieses gesegnete Land, wo Milch und Käse fließt, wo die Gastfreundschaft blüht, wo die Frühstückstasel so reich besetzt ist wie M unseren deutschen Bürgershäusern oft nicht der Mittagstisch, daß er es noch niemals mit — Gewichtsverlust verlassen hat. Dazu kam dieses Mal die treffliche Vorbereitung der ganzen Reife durch Isaak Vredenbürg — oder, wie wir uns jetzt gewöhnen müssen, ihn respektvoll zu nennen: durch den rrnn Isaak Vredenburg, Hollands jüngsten Rabbiner — die Vorbereitung und die unermüdliche Begleitung durch ihn. Fürwahr, es war eine angenehme und behagliche Rundfahrt, bei der ich innerhalb 10 Tagen in neun verschiedenen Hotels kampierte, Hotels, die alle blitzsauber sind. Viele davon in gutjüdischen Händen, als deren bestes und zuverlässigstes ich jedoch „Agudaleuten" und „Bais Jakauwreisenden" das Hotel M. S. Hausdorff in Rotterdam empfehle. Dieses Hotel mit seinem -Prinzip ist wohlfeil, steht direkt X'vnn nrutfn nnn und bietet dem Interessierten eine wundervolle udn kostbare Bibliothek, deren Raritäten, deren Sammlung von Samson Raphael Hirsch-Erinnerungen man „neidlos" bewundert, aber leider nicht mitnehmen kann!, (Man merke sich die Firma: M. S. (- nm Hausdorff!) An sechs verschiedenen Orten traten mein „Impresario" und ich öffentlich auf: in Groningen, Leeuwarden, Rotterdam, Winterswyk, Utrecht und Herzogenbusch und noch an vielen anderen Plätzen waren wir, wo wir Geist der Agudo kn die Häuser hinemtragen, Geld für Agudo aus den Häusern herausholen wollten, was uns in der Regel, wenigstens was die zweite Absicht anbetrifft, gelang. Wir fanden fast immer offene Herzen und darum unsere offenen Der Israelit S t fl H C T 10, Januar 1929 Hände offene Börsen. Dafür sei. auch an dieser Stelle den Freunden herzlichst gedankt. 3. Spricht man von Hollands agudistischen, von seinen rabbinischen Führern^ dann müßte man wohl auch von ihren Weggenossinnen, den Q'vs Die M«schm der holländisch^ Agudas Äsnnn _ , _V/ _schon- Schmerr .... Indem mir nicht von SKpriihrnnn tmi nnh nnn ifmMr mir pininp >f)ncn (Pretf>OT, CtfCTOltn wir dies« gtOUCtl « -unN NichL Bemerkung sei' -Mattet: bie Ä» »"scheu R°bbm°t° sind putschden Zwoller R°w: vberrabbiner Hirsch. &, Ä ' seinem Reich, das zur Zeit vom Norden bis zum Süden sich erstreckt, — neben seinem eigenen Häusern unsere edelsten rnnatfa und ihren Geist — die Wormsers, Bambergers, Langes — wieder. aronen Rabbinat verwaltet er die von Leeuwarm der ,ungen Rabbinergeneratron den^vnd Natterdam^rnr Sit im nrrS-! Wcint dieser Brauch zu gelten: »Irma!! 3nin „!m m^^.V.nL viS»h2?L'?, V «. SnÄiÄil M^ und vielleicht gerade wird in diesem unter, natüm*™**™™- Wollt? man EMM®7 hV®)“0« einem B-grisf die unglaubliche Arbeitskraft und lungstem Oberrabb.ner dr mg* „Siebte &mgir*** die von aller Welt zu ihm kommen, umschreiben: 9 f -ib niop pxa ™ ’D ’pVn nanaa ♦ nat^ Woher er die Kraft nimmt? Wir wissen es nicht, wir kön-n-en uns nur freuen, daß er sie hat und Der raw in Holand! Der nun? ist überall schön, am schönsten natürlich bei Frau und ü9„UÖa^5t5r°sr lü Kindern und Eltern. Aber auch der holländische rnwift schön. In den jüdischen Hotels — wenn ich von den wiederholten Erfahrungen im Hotel Odeevald in Groningen und bei Hiegentlich in Holland konnte nicht werden ohne ihn und ist nicht ohne ihn. S l a g r e r in Rotterdam: mein holländischer „Kollege", Redakteur der holländischen Agudozei-^ Amsterdam einen allgemeinen Schluß ziehen tung, ein frnia Ta(m von Lr. Ritter welch dars — ist man en samille, ganz ma pi Und letzterem die holländische Agudo neben vielem anderen auch einige andere ihrer besten Führer gewiß erst in den gastfreundlichen Familienhäusern und darum ganz besonders in dem Haufe verdankt: van Geldern in Amsterdam (früheriE. Polak in Groningen. In meiner Erinnerung Groningen) Goldschmidt in Os und von den! tauchen die lieben Und vertrauten Häuser auf: Jüngeren David Hausdorff und Cropfeld! Ist Mannes in Zürich und Guggenheim in Alfchwil Oberrabbiner Hirsch der Mann des zündenden Wortes, so handhabt Slagter virtuos die Feder des -pna .isw- und des Einen feurigstes Wort und des Andern fesselndste Schrift — sie gehören unserer Agudo. . Oberrabbiner V r e d e n b u r g in Arnheim, der Vorsitzende des holländischen minn ppj Ich fürchte, ich würde dem Versprechen,„das ich dem Sohn gegplen habe, untreu werden, wenn ich vom Vater schriebe: feinem Feuer, seiNM. östlich anmutenden seiner Hingegebenheit an das von ihm als wahr Erkannte, der Leser würde in einer Schilderung des Vaters eine Zeichnung des Sohnes, so wie dieser, — in jeder Füge seines Wesens, in jedem Zuge seines Charakters naxba ax — in einigen Jahrzehnten ausfehen wird, finden. Und dem Sohne habe ich versprochen — dies aus Dankbarkeit für feine zahllosen Freundlichkeiten von ihm in diesem Bericht keine „Details" zu-bringen. Rach dem „Ram" wieder ein „Laie"! Der alte, aber jugendfrische Lehrer Stern in Groningen, der Vorsitzende der dortigeMOrtsgtuppe. Mehr als fünf Jahrzehnte, „lernt" er. und „lehrt" er, und ist ihm daher die Ortsgruppe auch zunächst nur „Lerngruppe" — und möchten wir anstelle des „nur" wohl lieber ein „auch" fetzen freuen wir uns dieses jugendlichen Veteranen und wünschen ihm seine Frische D'nipjn' »ixa Ty mwi Einer feierlichen Handlung durfte ich nochin Hertogenberasch beiwohnen, wo die Bezirksgruppe ihren Oberrabbiner, Herrn Heertjes, der die Gruppe viele Jahre geleitet habe, zu ihrem Ehrenvorsitzenden wählte. So schön wie dieser Augenblick war, noch schöner war der Beschluß^ in den nächsten Wochen in den verschiedenen Ort-' schäften der Gruppe neue O'iiv'N. einzurichten und die bestehenden auszubauen. Und nun 3'3n pnnx vnmr: Oberrabbiner T a l in Utrecht, „bekanntlich" kein Agudist und ebenso bekanntlich" einer der agilsten und aktivsten Führer unserer Jugend, Förderer aller agudisti- 'chen Bestrebungen, ein begeisterter „Hirschianer", ein unermüdlicher Planer und ebenso unermüdlicher Vollbringer, ein wahrer b32?x> wie ich ihn nach unserem Schir haschirim-Lied rachedurstig bezeichnen möchte, nachdem er mir für meinen Utrechter Vortrag ein so geheimnisvolles Thema, wie „Rosen Und Lilien" nach dem Schir Haschirim-Lied gestellt hatte, ein Thema, das man nur im Weg über den apsr N3VN7.p^.dannaber auch gründlich — agudiftifch ausbeuten kann. und Goodman in London und Fraenkel in Krakau. So, wie man dort im fremden Land „zu Haufe" ist, dort auch am Freitag das Heimweh bemeistern kann, so ist man bei Polak zu Hause. Ein urjüdisches Haus, mit edlen Traditionen: nur Eines begreift man nicht recht, besonders wenn man die Kinder dieses Hauses beobachtet: warum dieses Haus ausgerechnet in Groningen steht und nicht viel stilgerechter in Krakau oder Kolomea, von wo übrigens der ausgezeichnete Groninger pn-Nachfolger unseres jetzigen Hamburger pn Rosenblatt stammt. Und zu den mvar war ich noch im Hause des Herrn Stern eingeladen, wo man wunderschön singt und nnaw nrma miteinander zu verbinden weiß. Die Schul am Schabos-Morgen dauert in Groningen sehr lang, wenn man von Hamburg kommt, ist man. aber gut „trainiert". Sehr fesselnd war der Vortrag, den Herr Stern seit vielen Jahren in der Chewro vor Mincho hält und außerordentlich interessant der Gemoro- Schiur, den der Lehrer und pn- Herr Cohen, in Gegenwart des Raw, Oberrabbiner Davids, oorlernt. Dieser . ist der Kapitän, jener/ der Steuermann. Wir: lernten VA Stunden und dabei kam mir leise der Gedanke, wie schön es doch eigentlich wäre, wenn es keine Agudisten und gäbe, alle stramm und.e i n h eit l ich organisiert, Misrachisten, sondern nur gesetzestreue Brüder wie einst: nnn *m ^rrNM dw; Den zweiten Schabbos war ich in Amsterdam, zur Erholung . vom anstrengenden Dienst der Woche. An der Freude, den Amsterdamer Raw wiederzusehen, war das Schönste die Vorfreude^ denn zu meinem großen Bedauern war er nicht in der Stadt, sondern in einer seiner Filialgemeinden. Auch Rabbiner Sarlouis — neben dem Amsterdamer und Zwoller Raw das dritte Mitglied des holländischen Rabbinischen- Rates — sprach ich diesmal leider nicht, der Schabbos war zu kurz und der holländische „Jossele" — Oberkantor Maroko — orte ebenso ausgezeichnet wie lang, den kurzen Mittag wollte ich im Lokal der Jugendgruppe, bester gesagt, der Iugendgruppen, verbringen, denn, trotz Schabbos, drängte es mich, in Konnex mit meinen „Geschäftsverbindungen" zu bleiben. — Die Jugend gruppe wird vorzüglich geleitet von Julius Goldschmiüt er ist auch in Amsterdam und auch in seiner Agudo-' arbeit ganz der Sohn von Gottfried Goldschmidt, die Mädchengruppe . wird geführt von Ester Halpern, sie ist ganz die Tochter von ^rriav Halpern — ft panu