Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Die vierzigste Zahrzeil Samson Raphael Hirschs in Frankfurt. Am Dienstag abend, dem Vorabend des Jahrzeitstages, erlebten wir im großen Saal des Zoologischen Gartens in Gesellschaft von vielen Hunderten aus unserer Kehila Zwei erhebende Weihestunden bei Samson Raphael Hirsch. In Zwei vortrefflichen Referaten wurde uns der Meister und sem Werk, für Gegenwart und Zukunft, für die Gemeinde und die Gemeinschaft und für die Schule, vor Augen geführt. Zu Anfang sang der Hurch Knaben der Samson Raphael Hirsch-Schule verstärkte'Synagogenchor unter Leitung von Max Neumann das ’rpw zum Schluß ein aus der Mitte des Synagogenchors gebildetes Doppelquartett das ~\b ■’irDr- Zwischen den beiden Referaten trug Herr Kantor Steinberger stimmungsvoll dasll'QNi 8?a '8 vor. Wir behalten uns vor, demnächst die beiden Referate im Hauptblatte im Wortlaute zu bringen. Im Wesentlichen bekamen wir folgendes zu hören: Herr Rabbiner Dr. Mer zb a ch, Darmstadt zeigte von der Mischnalehre np'7 tryms ausgehend, wie die jüdische.Seele durch NL'O auf Grund der nv:N' durch mit- und nachschaffende Vertiefung in des Meisters.Werke, heute noch ihre Harmonie finden kann, wie wir uns selbst beim Lesen seiner Zeitartikel an seiner Persönlichkeit emporranken können. Er bleibt uns Führer und Meister in o^ornn 'inn.i jump N-I8ONN1' zu Wissen,Liebe und Schönheit. Tenach gab S. R. Hirsch die Antwort auf alle Fragen des Lebens, und so läßt er in den 19 Briefen wiederholt die wpivs zu uns sprechen, darin die Wurzel des Judentums zeigend, die Grundlagen unseres Seins. Es geht nicht allein um das Prinzip, sondern um die Konsequenz für das praktische Leben, die Wahrheit. Werden einem Geschlechte die Hirsch-Gedanken zur toten Gewohnheit, so könne auch darin eine Gefahr liegen, wie nach dem thoradurchtränkten Zeitalter eines Chiskijahu der Niedergang einer Menafcheepoche nicht aufgehalten werden konnte. Wir müssen heute noch denkend und nachschaffend die Lehren von S. N. Hirsch uns erarbeiten. Auf diese Weise sind sie heute noch das beste Mittel, Irregeleitete auf den rechten Weg zu führen. Der Weg, den uns Hirsch bei der Erforschung der rmxan. gezeigt hat, muß von uns auch beim .Talmudstudium gegangen werden. Nicht Glauben, sondern Erkennen. Wir müssen von ihm lernen, die Mizwaus unabhängig von dem Menschen, in ihrer Verbundenheit mit den Urquellen des Göttlichen zu ergründen. Samson Raphael Hirsch war uns ferner Führer im Leben, im Kampfe gegen die Halbheit. Momentane Errungenschaften der Gesetzestreue innerhalb thorafremder Kreise gelten nicht viel, wenn ihnen der Boden und die Basis fehlen. Das war der eine Weg zur Rettung des Judentums, der Ruf nach Ganzheit. Der zweite hieß: p8 *p*7 03? min* Es gilt heute in der Welt ein anderes Derech Erez als damals, und es fei zu prüfen, ob sich nicht ein. falsches Derech Erez in die Thora einschleiche. Wie König Davids Bitte stattgegeben' wurde, daß bei jedem Opfer und bei jedem Gebete sein Namen und seine Gesänge miterklingen, so müssen wir heute bei jeder jüdischen Tat auf Rabbiner S. R. Hirsch zurückgreisen, den Führer für alle Zukunft.- Herr Direktor Dr. Elias behandelte die jugendbildnerische Seite des Meisters. Bestand doch in der Hauptsache die ganze Kraft von S. R. Hirsch in seiner Liebe zum Lehren. Er war der Jugendbildner, so wie er die Geschichte seines Volkes als Erziehung auffaßte. Sein erzieherischer Genius war herausgelockt durch die geistige Not der Zeit, die Redner mit einzelnen Strichen schildert. So machte er denn die Kultur der Gesetzestreue zur Jugendkultur. Wie Elischa, der Prophet, so legte er „Hand auf die Hand, Mund auf den Mund des Knaben", um ihm den lebendigen Odem einzuhauchen. Der Choreb war sein erstes pädagogisches Werk. Alles andere Wirken schließt sich diesem an. Was ein Pestalozzi gewollt und was eine moderne Schulreform will, Samson Raphael Hirsch schwebte das alles schon vor und er zeigte all diese Erziehungsmaximen in den jüdischen Quellen auf. Neben der Schule war für ihn der zweite Rettungsanker für die jüdische Zukunft, das jüdische Haus, dem er sein Loblied iw allen Tonarten weiht. Und der dritte: das Wissen, die Aufklärung. Das Wissen alles Wissens blieb aber die Thora, nicht als kalte Wissenschaft, sondern alsrn^wein zündendes und wärmendes Feuer. „Wissen und Glauben", „Reines Menschtum", „Ganzheit", darauf hinzielend, ganze Menschen aus einem Gusse zu bilden, waren die drei Rufe S. R. Hirschs. Darin liege die ewige Aktualität der Hirschgedanken. Alles führe zu Gottesdienerfchaft, und alles führe über die Tat zur Tat. Auf diesem Wege habe^ wir weiter zu schreiten. Mit stiller Ergriffenheit wurden beide Referate angehört. Dieser Abend war mehr als eine Sache der Pietät, ein Ansporn zur Lehre und lebendigen jüdischen Tat, wie sie uns der Meister gezeigt. * * Am Dienstag Morgen saß ein kleineres, aber andächtiges Auditorium im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage, um im Rahmen des täglichen Mischnalernens des großen Rabbiners zu gedenken. An die gerade gelernte Mifchna aus dem dritten Traktat von O'tdü anknüpfend, besprach der Dozent, der Redakteur S. Schachnowitz, den Schlußpsalm, mit dem nach der Mischna die Bikurimbringer das Heiligtum betraten, in der Auslegung des O'^.nn-Kommentars und sagte dann auf Grund eines anderen Erklärers: Von all den in diesem Schlußpsalme genannten Instrumenten ist das nnmn bi Gott das liebste und gefälligste, der Gesang der jüdischen Seele, der zum Ausdruck die Posaunen, Harfen und Fiedeln zu dienen haben. Vor einem halben Jahrhundert stand die Sache so, daß auf der einen Seite unter den Treugebliebenen die jüdische Neschomo der geeigneten, die Welt für sich einnehmenden Ausdrucksformen entbehrte, während auf der anderen Seite sich die ganze Jüdischkeit auf einen Schön h eits kult zurückzog und mit Zimbeln, Harfen und Orgeln gepriesen wurde. Hie Seele ohne Rahmen, dort schöner Nahmen, dem der Inhalt, die Seele, fehlte. Die Synthese zu schaffen zwischen 18W tfpn und n»27M by alle erlaubten Schönheitsmittel in den Bann der Heiligkeit zu ziehen, damit sie Ausdruck und nur Ausdruck der jüdischen Neschomo werden, dies blieb dem großen Regenerator im vorigen Jahrhundert Vorbehalten. Es ergibt sich daraus, was wir dem Lehrer und feiner Lehre schulden. Am Dienstag vormittag gingen viele Mitglieder der Kehila auf den Friedhof hinaus, um an den Gräbern der ersten beiden Rabbiner der pw my bnp Gebete zu verrichten. Die Woche. Jüdische Musik. Max Neumann-Konzert im Saalbau. Großes Orchester, Oberkantor Alter als Solist, I Hugo K o l b e r g mit der Violine, Reinhold Merten jam Klavier, ein tausendköpfiges Auditorium in höchster j Spannung und Beifall rasend, mit einem Worte: einer! 5er großen Max Neu mann scheu Abende. Ein Abend mit Niveau, hochkünstlerisch und noch gut! jüdisch dazu. Zu Anfang ein Orchsterkonzert. „König , David" von Honegger, mit der sich NeumanN an «me neue Aufgabe heranwagte und sie glänzend löste. Das Orchester des Dr. Hochschen Konservatoriums, zum guten Teil aus jugendlichen Kräften zusammengesetzt, war mit voller Hingabe bei der Sache. HugoKolberg spielte hebräische und jüdische Melodien geradezu hinreißend. Dann kam Alter mit Arien, Gebetsstücken und chassidischen Weisen. Wie dieser Künstler von Konzert zu Konzert wächst, kann man beobachten, auch ohne musikalischer Fachmann zu sein. So meisterhaft wie er den E l e a s a r aus der „Jüdin" sang, so stand er im zweiten Teil als E h a s a n vor uns. „U mipne", „Melauch", „Brach daudi, u. v. m. kamen aus tiefstem jüdischen Empfinden durch eine Kehle, die Gott mit einem Klange und einer Tonfülle gesegnet hat, wie wir sie, auf andere Art, höchstens von Jogele lliosenblatt gehört haben. Neben diesem wird man heute Alter nennen müssen. Das strahlende und blinkende Gold in den Höhenlagen Joffeles besitzt Alter nicht, aber das Metallene und der Silberklang in der Mittellage ist bei ihm fast noch mächtiger und schöner. Das Massive und Weitausholende ist durch liebliche Weiche gemildert. Stark in der Nuancierung zeigte er sich in dem chassidischen Gesänge von den „zwei Briefen an den Rebben". Das Rufen und Schreien nach Zugaben konnte schließlich nur durch das einfctzende Orchester gestillt werden, das mit einer heiteren Weife den herrlichen Abend beschloß. Sijumfeier des Mekor Chajim. Die Vorbereitungen zum Feste find, wie wir hören, soweit abgeschlossen und versprechen einen schönen Verlauf. In den letzten Tagen' sind auch viele Anmeldungen noch emgelaufen, so daß auch mit großer Besucherzahl gerechnet werden kann, wie stets bei derartigen Veranstaltungen des Vereins. Der Kartenverkauf muß mit Rücksicht auf die Einteilung der Gäste unbedingt einige Tage vor der Feier geschlossen werden und ersucht die Verwaltung die Interessenten dringend, bis spätestens Montag, den 14. Januar, noch nicht erfolgte Bestellungen auf Teilnehmerkarten an die Herren Fritz Stern (Langestr. 18, Hansa 3441) oder Josef Sänger (Hanauer Ldstr. 17, Carolus 44428) zu richten, da für die Zuteilung später bestellter Karten keinerlei Gewähr geleistet werden kann. Entsprechende Reklamationen können späterhin nicht berücksichtigt werden. Ein Verkauf an der Abendkasse ist aus gleichem Grunde ausgeschlossen. _ Generalversammlung des Vereins Mekor Chajim. Am Sonntag, den 6. Januar, hielt der Verein feine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Herr Jos. Sänger eröffnet« um 4,45 Uhr die Versammlung und gab das Wort Herrn Dr. S. Lindenbaum zu dem Geschäftsbericht, der eine kurze Uebersichl über das im Berichtsjahr durchgeführte Programm darstellte. Mit besonderen Worten gedachte der Bericht der Herren Sanitätsrat Dr. Half Hirsch s. A., Max Markus und Lehrer Bendix s. A., mit deren Hinscheiden der Verein schwere Verluste erlitten hätte. Herr Fritz Stern verlas den