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Der Israelit · 1929-01-03 · Heft 1 (3.1.1929) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 1 (3.1.1929)
Date
1929-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Ein 75 jähriges Hirsch-Dokument. Zum bevorstehenden 40. Todestage des Meisters, veröffentlicht von Provinzialrabbiner Dr. L. Hirs ch f e l d - Gießen. In meinem Besitze befindet sich ein Origmalbrief Samson Raphael Hirschs im Jahre 1854 gerichtet an meinen Vater ^»"87- Rabbiner^ Dr. ,Aron Hirschfeld-Thorn. Der Brief ist von kulturhistorischem Interesse, da Hirsch in ihm den Plan der Gründung seines spater fö bedeutungsvollen Jefchurun in eingehend genauer Disposition entwickelt. Der Brief lautet: Ew. Ehrw. Ueherzeugt, welches lebhafte Interesse Ew. Ehrw.' für jedes Unternehmen fühlen, welches i nur irgendwie geeignet sein konnte, der großen Sache unseres gemeinsamen Heiligtums förderlich zu sein, beehre ich mich, die vorläufige, vertrauliche Mitteilung zu machen, daß ich mit mehreren anderen Gesinnungsgenossen zur . Begründung eines Organs zusammengetreten, das einerseits die Belehrung über den Inhalt upd die hohe ewige Bedeutung unserer religiösen Institutionen, andererseits die Beleuchtung unserer religiösen Zustände, die Erkenntnis vorhandener Mängel, die Ermittelung möglicher Abhülfe und überhaupt die Belebung des Bewußtseins und des Interesses für alles sich zur Aufgabe setzen wird, was in einer Prüfungszeit wie der unsrigen einem jeden pflichtfühlenden Juden als heilige Obliegenheit da- - stehen dürste. Sollten Ew. Ehrw. dieses Unternehmen durch. Ihre geschätzten Beiträge an Aussätzen, Korrespondenzen, Berichten usw. zu unterstützen sich geneigt fühlen, so würde ich mir erlauben, recht freundlich darum zu bitten. Namentlich wäre es mir shre willkommen, wenn Sie mir zu den nächsten Wochen einen Bericht über die gegenwärtigen! religiösen Zustände Ihres Kreises zukommen lassen möchten. Ich erlaube mir^nur noch allgemein zu bemerken, daß das Blatt für das wissenschaftlich gebildete, nicht aber speziell für das gelehrte Publikum breechnet sein wird. Indem ich Ihrer baldgefälligen Erwiderung entgegensetze, benütze ich gern die Gelegenheit zur Versicherung vorzüglicher Hochachtung, mit der zu verharren die Ehre hat Ew., Ehrwürden ergebenst : - Rbr. Hirsch. Frankfurt a. M., 4. July 1854. Ein Rundgang _durch die „Ork"-Ausstellunq. Die Wanderausstellung des Verbandes der Gesellschaften" zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden „Ort" wurde am Dienstag, den 18. 'Dezember, in Berlin durcheinen Festakt er- . öffnet, dem sich ein Ründgang durch die Ausstellungsräume anschloß. In F ra n k fü r t wird die Ausstellung ^am 14. Januar eröffnet werden. In der allgenieinen Abteilung befindet sich eine geographische. Karte, auf der schematisch alle Punkte,, in foune me im . Len verschiedenen Landern bestehenden Ort-Kotn)tees'värMHnet!) sind.-, Dhr äüSgestellten Diagramme, geben den Umfang der Ort-Tätigkeit für die Jahre 1921. bis 1927 an, In diesem Zeitabschnitt verausgabte der Verband: 1. Für die Gründung und Erhaltung von Fachschulen und Lehrkursen 577189 Dollar. 2. Für landwirtschaftliche Arbeit 512 884 Dollar. 3. Für Belieferung der Handwerker mit Produktionsmitteln (einschließlich der Einkaufsgesellschaft) 399 710 Dollar. Aus einem speziellen Diagramm ist zu ersehen, daß der Verband zurzeit in der Sowjetunion., Polen und Rumänien in 131 landwirtschaftlichen Ortschaften 4807 Siedlerfamilien ans einem Bodenareal von^ 35 063 Desjatinen (Desjatine — 1,0925 Hektar) bedient. Mer große Diagramme -enthalten Angaben über die. Zahl der Schuber der Fachschulen und deren Verteilung nach Ländern und Berufen. Aus einem dieser Diagramme ist das Anwachsen der Schülerzahl von 2420 im Jahre 1922 auf 4933 im Jahre 1927 zu ersehen. Weitere Diagramme, und photographische Aufnahmen illustrieren die Tätigkeit und die Entwicklung der Einkaufsgefellschaft. Der. Umsatz derselben machte im Jahre 1924: 3936 Dollar. 1925: 20 979 Dollar, 1926: 65232 Dollar, 1927: 131375 Dollar und bis November 1928: 375 000 Dollar aus. Auf zwei großen Plakaten ist symbolisch die Idee und die Tätigkeit des Ort gekennzeichnet. Daneben hängen, zahlreiche Photobilder von Werkstätten, die, von der EMkaüfsgesellfchaft mit modernen Maschinen beliefert worden sind. In der Abteilung für fachliche Ausbildung sind folgende Schüben und Lehrwerkstätten vertreten: Frauenhandwerkschule in Warschau. Eröffnet im Herbst 192! Unterrichtsfächer: Damenschneiderei, Weißnäherei und Kunststickerei. ■ Der Schule ist -ein praktischer Kursus mit denselben Fächern für Erwachsene angegliedert, lieber 1000 Personen haben ihre Fachausbildung in den- Warschauer Ort-Schulen genossen. Äon den Mädchenschulen in den Provinzstädten Polens ist die Lehrwerkstatt in Brest und ditz Madchenchsule in Grodno in der Ausstellung vertreten. Einen besonderen Platz nehmen die industriellen Lehrwerkstätten und Lehrfabriken in Lodz ein. .Sie bezwecken die Vorbereitung jüdischer Arbeiter für die Großindustrie, insbesondere für die Textilbranche. Photoaufnahmen zeigen die Ausstellung der einzelnen Werkstätten, während ein besonderes Diagramm die Frequenzkurve seit der Gründung der Werkstätten veranschaulicht. In der Zeit von 1923 bis 1927 wurden hier 942 Personen ausgebildet. Bon den werblichen. Ort-Schulen anderer Länder sind vertreten: die Handwersschuken in Riga (Lettland), ChisinamKischinew und Czernowitz (Rumänien). Die Chismauer Frauenschule umfaßt vier Lehrwerkstätten: Weißnüherei, Kunststickerei, Teppichweberei und Konfektion. Neben. den StiSeveiarbeiten aus Czernowitz (turzfristifche Frauenkurse) sind auch Schneideverzeugnisse einer Frauenfchule in' der kleinen bessarabischen Stadt Orhej zu -sehen. Von den ausgestellten Arbeiten der männlichen Handwerksschulen sind an erster Stelle die Erzeugnisse der Warschauer Mustermöbelwerksta-tt, ferner die Erzeugnisse der Schulen in Wilna. Brest, Rowno in Polen, Chisinau, Tigina in Rumenänien, Dwinsk (Daugaopils) in Lettland und Kowno (Kaunas) in Litauen. Die Mustermöbelwerkstatt in Warschau wurde im Jahre 1923 gegründet. Ein in dieser Möbelwerkstätte ausgeführtes Herrenzimmer äus amerikanischem Nußbaum ist nach Entwürfen des Dipl.-Jng^ L. Frenkel und L. Bermann an ge fertigt und stellt den Versuch dar, altjüdische Ornamente bei Möbeln zu verwenden. Eine der ältesten Ort- Anstalten, die Fachschule, in Dwinsk (mit einem dreijährigen Lehrkursus), besitzt zwei Abteilungen: eine Möbeltischlevei und - eine mechanische Schlosserei. Die Gewerbeschule in Kowno (Kaunas) besitzt Abteilungen für mechanische. Schlosserei und Schneiderei; ungegliedert sind ihr noch Chauffeurkurse und Zuschneidekurse für Meister und Gehilfen. Zu derselben Gruppe von Ausstellungsobjekten gehören die Programmarbeiten der Wrlnaer und Brester Handwerksschulen und der Handwerksschule in Rowno. Daneben sieht marr Erzeugnisse zweier Handwerksschulen der Städte Chtsiinau (Kschinew) und Tighina (Benderi). Auch die vom Ort unterstützte Schneiderlöhrwerkstatt für Knabenin Berlin stellte einige Arbeiten aus. Eine Sonderstellung unter den Fachausbildungsanstalten des Ort nimmt das Wtlnaer Technikum ein — eine Mittelschule mit dreijährigem Lehrplan in jiddischer Unterrichtssprache. Die Schülerzahl betrug im Jahye 1927/28: 182. In den Jahren 1924127 absolvierten das Technikum 123 Personen. Die Woche. Agudas Jisroel-OrgamsationsvorstandsSihung. Der Organisations-Vorstand der Agudas Jisroel-Jugendorganisation hielt am 1. Januar in Frankfurt a. M. ene Vollsitzung ab. Nach dem von dem Vorsitzenden, Herrn Dr. med. Willy S) o f m a n n,. erstatteten Tätigkeitsbericht der Jugendorganisation wurde in die Diskussion über di« in den nächsten Monaten, zu unternehmenden Arbeiten eingetreten. Die vielstündige Debatte, an der sich alle.! Erschienenen beteiligten, zeitigte als Ergebnis: In den > Monaten Februar, März und April sollen in Hessen- Rheinland, Ostfriesland und Baden Bezirkstage veranstaltet werden. Der erste Bezirkstag findet am 3. Februar in Fulda statt. Es ist beabsichtigt, im Mai einen Bundestag abzuhalten. Das feit einem Jahr nicht mehr erschienene Korrespondenzblatt der A. J. J.O. wird ab Februar wieder herausgegeben. Das Mädchen-Dezernat des O.-B. wurde Frl. Martha Benjamin übertragen Dem Vertreter der Agudas Jisroel im Reichsausschuß jüdischer Jugendverbä-nde Deutschlands, Herrn Dr. Eli Munk-Berlin wurde auf dessen Wunsch die Stellungnahme der Ä. J. I. O. zu den Plänen des R.-A. betr. dessen Vertretung in dem zu bildenden Reichs-Gemeindeound übermittelt. Der Bericht über die Vorarbeiten für die Kenessio Gedaulo, insbesondere die guten Eingänge des Kenessio Gedaulo-Fonds wurde mit Freuden aufgenommen. Rechtsanwalt Rosen he im regte die Schaf-- fung eines engen Konnexes mit den östlichen Jugendorganisationen behufs Schaffung einer gemeinsamen Front der Jugend auf der Kenessio Gedaulo an. Die Frage der Beteiligung der A. I. J. O. an einem zu schaffenden neutralen Verband der Stellenvermittlung gen wurde bis zur Kenessio Gedaulo vertagt. Die A. J. J. O. will erst die Beschlüsse der K. G., in deren Mittelpunkt das Sabbatproblem stehen wird, abwarten. Der Schaffung eines agudistifchen Ferienheimes soll nunmehr nähergejreten werden. Um 5.30 Uhr abends schloß der Vorsitzende mit Dankesworten für die gastliche Aufnahme, die dem O.-V. von Herrn und Frau Fritz Stern zuteil wurde, die harmonisch verlaufene Sitzung. Verein Mekor Ehajim E. V. Die Vorbereitungen zu, dem bereits angekündigten Sijumfest am Sonntag, den 20. Januar, in den Räumen der Frankfurt-Loge sind in bestem Gang. Auch sind bereits sehr viele Anmeldungen eingelaufen, die eine große Deilnehmerzahl erwarten lassen. Die Verwaltung ersucht rm Ärteresfe 'gründlicher. Einteilung rechtzeitige Anmeldungen, die Herr Fritz Stern, Lanoestr. 18 bis 10. Januar entgegennimmt. Cs empfiehlt sich, baldigst die Teilnehmerkarte zu bestellen, da die Anmeldungen in der Reihenfolge ihres Eingangs Vormerkung finden. Generalversammlung im Mekor Lhajim e. V. Wir weisen unsere Mitglieder nochmals auf die f. G. w. Sonntag, den 6. Januar, nachmittags 4,45 Uhr stattfindende Generalversammlung hin. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: Jahres- und Kassenbericht, evtl. Anträge und bitten wir unsere verehrlichen Mitglieder recht zahlreich zu erscheinen. Anschließend an die Generalversammlung findet der Portrag des Herrn Dr. S. Ehrmann laut Ankündigung statt. Jüdisches Konzert. . Das kommenden Sonntag, den 6. Januar, im großen Saal' des Saalbaus stattfindende Konzert „Jüdische Musik" wird pünktlich um 7,30 Uhr beginnen. Die Türschließer sind angewiesen worden. Zuspätkommenden vor Schluß der ersten Vortragsnummer keinen Einlaß zu gewähren. Die Abendkasse des Saalbaus ist ab 6,30 Uhr geöffnet. ■ Ein Mann und fein Merk. Seit etwas mehr als Jahresfrist hat sich in Wien ein Komitee gebildet, welches sich bemüht, den gewaltigen wissenschaftlichen Nachlaß des weltberühmten Gaon Rabbi Josef Engel W aus Krakau der jüdischen Welt durch Druck zugänglich zu machen. Im Aufträge dieses Komitees weilt Herr Rabbiner Morgenstern, ein Schwiegersohn von Rabbi Josef Engel W seit einigen Tagen in Frankfurt a. M., um für dieses Unternehmen weite Kreise zu interessieren und zu gewinnen. Wir werden noch Gelegenheit nehmen, eingehend über die noch ünedierten Schriften zu berichten, die von Rabbi Josef Engel seinem Volke überlassen wurden, .und -die in

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