Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1929)
- Date
- 1929-01-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Januar 1929. Der I s r a e l i t Nr. 1. Sette 9. Volk' für ihre Anscharrung zu gewinnen. Wie anders Mos-es^. der größte aller Menschen, der sein ganzes Volk zur Anerkennung Gottes erzog: Mit dieser Anerkennung wurden die Juden das aus-erwählie Volk, womit nicht gesagt sein soll, daß die anderen Völker Stiefkinder seien, sondern, daß dieses Volk das erste war, das zu Gott Vater sagte und damit -die Pflicht aus sich' nahm, sich Gott zu heiligen und dadurch als Wegweiser für die andern Völker zu wirken.. Das jüdische Gesetz will nicht nur, wie es /bei anderen Religonen.auch der Fall Ist, den Alltag von Zeit zu Zeit unterbrechen, sondern, und darin liegt seine Originalität und Größe, alle Beziehungen des Alltags durchdringen' und dadurch hei-, lögen. Der Weg des jüdischen Volkes besteht darin, durch alle Zeiten hindurch Gott und seinem Gesetz die Treue zu halten. Nach einem Kamps von tausend Jahren hatte das Volk den ersten Sieg errungen, nämlich sich selbst unzertrennlich mit Gott und dem Gesetz verknüpft. Damit war aber auch schon der zweite Sieg erfochten, die Einführung der Menschheit zu dem einzigen Gott durch das Christentum und den Islam, welche Bewegungen nicht das Werk einzelner Männer find, sondern das Resultat aus der fortwährenden- Be-einflüsiung der Völker durch die in ihrer Mitte wohnenden Juden. In den folgenden zweitausend Jahren seiner Geschichte hat das jüdische Volk keine neuen Erfolge auszuwersen,, seine äußeren Verhältnisse gaben dazu gar keine Möglichkeit. Aber die Juden sind doch wenigstens geblieben und nun ist durch dj-e Emanipation der Moment eingetreten, da sie ihren solang begonnenen Weg sortsetzen können und trotz der Schwächung durch den augedehnten Abfall fortsetzen müssen. Welche Aufgaben liegen also vor uns? Zuerst muß für die Erkenntnis Gottes gegen den Atheismus gekämpft werden, durch ..Liebe zu Gott/ durch Demut vor Gott, durch Anschluß an Gott. Sodann muß die Achtung der anderen Völker zurück-erobert werden.. Eine dringende Aufgabe ' liegt ferner ty der Berufswahl, wir müssen Berufe ergreifen, die uns von den Städten mit ihren ganzen gemütszerfetzenden Tendenzen fernhalten. Bekennen wir es offen — so schloß Birnbaum. — wir sind nicht mit uns zufrieden. . Aber diese Einsicht ist uns notwendig, wir /können mur durch die Erkenntnis vorwärts kommen, wie. groß unser Weg . ist und wie klein wir selbst noch 'sind. — Diese Gedanken trug Birnbaum in -einer einfachen, klaren Sprache vor, ohne längere theoretische Untersuchungen, letzten Endes ist es Birnbaum nur um die Tat.zu tun. Inhaltlich will er nichts Neues geben, sondern nur den alten Inhalt des überlieferten Judentums zu neuem und stärkerem Leben erwecken. Dieser Inhalt gründet sich auf die Gedanken des Glaubens an Gott und der gebotenen Tat und daraus folgen die großen einfachen Linien einer gläubigen Weltanschauung, in der all^s klär, bestimmt, sicher und deutlich ist. Das Interessante an Birnbaums Vortrag war also nicht der Inhalt, sondern der Mensch, der st diesen Inhalt mit einer ungewöhnlich großen Glut zu eigen gemacht hat. Der Kernpunkt des Birnbaumschen Denkens besteht in dem Satz: Sei ganz mit Gott! und 'darin zeigt er sich als ein echter Enkel der Propheten, als deren Grundtendenz eben jener Satz zu bezeichnen ist. Noch in einer zweiten Beziehung zeigt er sich vom prophetischen Geiste beseelt; er behält seine. Erkenntnis nicht für sich, er will sie weiterverbreiten, durch die Gründung eines großen Erziehnngswerkss zum Allgemeingut seines Volkes machen. Hoffen wir, daß der Ruf Birnbaums nicht ungehört verhallt. - Im Anschluß an den Besuch von Dr. Nathan Birnbaum wird in Fürth eine Arbeitsgemeinschaft — ähn° jlich wie in Berlin und Hamburg — gegründet, in der Birnbaums. Ideen besprochen werden. Berlin, 13, Dez. Man wirst dem jüdischen Religionsgesetz oft die skrupulöse Aengstlichkeit bei Todeserklärungen zwecks Wtederverheiratung einer zurückgebliebenen Ehefrau vor. Demgegenüber fei, auf folgende Notiz der Ta-geszeitungen aus Stettin hmgew-ies-en: Die Stettiner Kriminalpolizei verhaftete in- Anklam einen Mann mit Namen Funke, der in dem kleinen Dorf Görkes bei Anklam einen "Fischh-and-e-l betrieb. Es wurde sestg-estellt, daß Funke der Berufsverbrecher Otto Bornema-nn ist, der aus dem Zuchthaus in Naugard ausgebrochen ist, und der amtlich längst a l s t o t erklärt worden war. Eine Leiche, die in Berlin aus der Spree geländet worden ist, wurde damals irrtümlich als Bornemann erkannt. Als Fischhändler Funke war Bornemann auch wieder eine Ehe oingegangen, aus der fünf Kinder stammen. Heute vormittag wird der Verhaftete ins Stettiner Polizeigefängnis gebracht werden. Man rechnet damit, daß er auch in den- Jahren feines amtlichen Todes, größere Straftaten begangen hat. Zürich. 29. Dezember. Eine beinahe übre Erwartung große Anzahl Gäste war der Einladung der A. I. I- Sektion Außersihl zum frohen Feste gefolgt. Frühzeitig schon setzte der Zustrom ein und als ein Mitglied namens der Agudajugend in einer kurzen- Begrüßungsansprache die Veranstaltung eröffnete, war der wette Kasino-Saal bis in die hintersten Reihen dicht besetzt. Herr A. W. Rosenzweig, Präsident des Landeskomitees der A. I. der liebenswürdigerweise für den in Belgien, weilenden und in letzter Munde am Erscheinen verhinderten Herrn Botschko eingesprungen war, entwickelte in seiner Festrede schöne Gedanken über Bedeutung und Symbol des Chanuka-Lichtes. Hierauf nahm das- Fest seinen Fortgang und rn bunter Reihenfolge wechselten ab ein flottes Balalaika-Orchester, von unserer Jugend einstudierte Theaterstücke, rassige Kosa-kentänze und lustige Parodien der Herren Margoler und Sohn üs. Das Publikum geriet allmählich in animierte Stimmung. Dabeimußte noch verschiedenes, das die unermüdliche Jungmannschaft in petto hielt, infolge der unerbittlich heranrückenden Polizeistunde weggelassen werden. In den Pausen herrschte' reger Betrieb und Buffet und Tombola erhielten tapferen Zuspruch. So wurde das Fest zu einer in allen-Teilen wohlgelungenen Veranstaltung und erst -in vorgerückter Nachtstunde ging man auseinander mit dem Bewußtsein, einen schönen Abend erlebt zu haben. Wie zu erwarten war, hat die Veranstaltung einen schönen Reinertrag ergeben, der, wie -angefagt, für die Jeschiwa in Montreux verwendet wurde. Königsberg, 20. Dez. Die Königsberger „Adaß Jisro-el" konnte am vergangenen- Chanukoh zwei festliche Veranstaltungen begehen, die Zeugnis davon ablegten, daß der Geist der überlieferten Tauroh noch frisch -in ihr pulsiert. Am 1. Schabbos Chanukoh fand die feierliche Einführung eines neuen Sefer Tauroh statt, das ein Mitglied der Gemeinde hatte schreiben lassen. Schon am vorhergehenden, Mittwoch hatten sich die Mitglieder der Gemeinde in großer Zahl in der Wohnung des Stifters eingefunden, wo das Sefer Tauroh zu Ende geschrieben wurde. Bei der darauffolgenden Mahlzeit wurde von verschiedenen Rednern die Wichtigkeit und 'Bedeutung dieser Tat durch schöne Dirore-Tauroh beleuchtet. Zunächst ergriff Herr Rabbiner Peritz das Wort. In einer groß angelegten Drofchoh führte er aus, wie die Tauroh der Boden fei, auf dem allein das jüdische Volk zu bestehen vermag. Darum erblicken wir auch in unseren Gedauloh Tanroh die berufenen Führer des Bevorzugt von der anspruchsvollen Hausfrau Außergewöhnliche Vorzüge, trotzdem niedriger Preis. E. HAGES Co. Om Eschenheimertor 3 fStadtoa**»»») Judentums, deren Worten wir uns ehrfurchtsvoll beugen. Die Rede, die von allen- Anwesenden mit großer 'Aufmerksamkeit angehört wurde, fand mächtigen Widerhall in den Herzen aller Zuhörer. Vom gleichen Geiste getragene Reden hielten die Herren Rabbiner Nischkowski, Lehrer Wolkowski, Laks, Bankdirektor Marx und , Adolf Lewin. Zur Verschönerung der Feier trugen auch die Gesänge des Herrn Kantor Daum unter Begleitung ' des Herrn Chordirigenten Badrian bei. Gehobene Stimmung hielt die Gäste bis lange -nach Mitternacht zusammen. Die Einführung gestaltche sich in folgender Weise: Rach Beendigung des Schacharis-Gebetes gingen die Dorsteher der Gemeinde mit 6 Thorarollen dem neuen Sefer entgegen. Letzteres, das bereits vorher in den Sitzungssaal der Synagoge gebracht worden war, wurde nun von seinem Besitzer in die Synagoge eingelführt und daselbst vom Rabiner übernommen. Im An- 1 schluß daran fanden die üblichen Hakosaus statt. Am zweiten Schabbos Chanukoh, dem ersten Jahrzeitstage des unvergeßlichen Führers der „Adaß Jisroel", Kommerzienrat Marx, fand zu seinem ehrenden Gedenken eine Sijutn-Fe-ier auf Masechto Beiochaus statt, die; vom Rabbiner im Verein Chauw-e Talmud Tauroh unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglied-er gelernt worden war. Rach Beendigung des Sijums nahm die! übliche S-eudoh ihren Anfang, die einen harmonischen! Verlaus nahm. Bei den Ansprachen, die während der Mahlzeit vom Rabbiner und verschiedenen Anwesenden gehalten wurden, kam einhellig der Wille zum Ausdruck, im Geiste des Verstorbenen, der ein unermüdlicher Förderer des überlieferten Thorajuden-tums gewesen war, die „Adaß Jisroe-l"' zu erhalten. WH-ge es unserer „Adaß Jisroe-l" vergönnt sein, in diesem Sinne noch weiterhin wirken zu können. . Familiennachrichten. Barmizw o: Erwin, Sohn des Herrn Joseph Offenbaber, Scheffelstraße 23. Synagoge ffiieoberger Anlage, niaw nma- — Hofes, Sohn des Herre Gustav Ansbacber. Köln. Engelbertstraße 7. rrnrri nttnö- — Adolf. Sohn des Herrn Jabob A ppel, Wiesbaden am tnitt va v"v. Altisrael. Kultusgemeinde Wiesbaden. Silberne Hochzeit: Lehrer R. Jacob und dessen Ehefrau Ernestine geb. Fromm feiern am 12. Januar 1929 ibre silberne Hochzeit m HMelberg. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im In- -seratssnleist Mlhyttenen Empfehlungen ritueller Maren odersonstige Angaben religionsgesetzlichen LHarakterS r. auf: - ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Zäkbak-Anfang unü Ausgang ma&r nav v t '■ ■ Ans Uhr ang Min. Datum Ausgang Ahr Min Frankfurt a. M. . 4 15 5. 5 30 Berlin . ... . 4 10 Jan. 4 56 München .... 4 25 1929 5 19 Köln ..... 4 30 23 5 30 Stuttgart . . . .. 4 30 5 30 Breslau .... 4 15 4 48 Nürnberg . . . . 4 20 5, 19 Hamburg . . . . 4 05 5 11 Würzburg . . . 4 30 5V; 25 [c/eit laJahren bei Tausenden im Gebrauci Ärztlich als Vorzug li anerkan 7n Deutschland, iTube Mk.450 Porto Mk.Q35 Franko: 3Tuben M. 5,- 6Tuben M.10,- 10TubenM. 16,- _ 15TubenM.23,w bei Einzahlungen aufPostscheckk.- H94T Hamburg'. . - i -■ »W 3). A. Car stensen HAMBURG 13- Koopstr». ZS Patent-Rasiercreme -Fabrik t? jungen %alüstmemev atdangehöxiger mit eigenem Bodenbesitz ' > dort, *1 c l i b i ö-s 1 j Aßenzgefokvtin gesucht Srt Betracht kommt, junges Mädchen ans frommen Hause, weiches willens und befähigt ist. sich' auf das palästinensische Leben einzustellen. Zuschriften unter «Landwirt 1100c“ an die Expedition. Für meinen Freund, 27 Jahre alt, streng fromm und gebildet, aus erster orthodoxer Familie. in selbständig, laufniänn. 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