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Der Israelit · 1928-12-13 · Heft 50 (13.12.1928) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 50 (13.12.1928)
Date
1928-12-13
Page
– (sequence 23)
Language
German
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■ ■ Der <3 9t ü eit t gf>* ok fltjiifn Q 13. Dezember 1928. ■ Blatter 9er. 25 Seite 8 endlich die politische Exekutive, welche dem G. A, Lei der Ausführung ■ extern-politischer Beschlüsse zur Seite steht. Gerade.bei der räumlichen. Zerfahrenheit des G. A, machte sich das Fehlen eines b e s o an d e r e n D e p a r t m e n t s für Organifatio n und Pro p y g a n da doppelt fühlbar. Vielleicht ist das der Haupt- / grund für die Tatsachedaß die Organisätionsdiszipli'n in materieller Hinsicht sich me recht! auswirken konnte, was verheerende Folgen in finanzieller Hinsicht hatte. Jedenfalls hat die zweite Kenessio Gedaulo dafür Sorge zu, tragen, daß diesen Uebelständen ein Ende gemacht wird. War die erste Kenessio Gedaulo eine Veranstaltung von hohem demonstrativem Werte und hat sie dabei trotzdem namentlich durch Schaffung des Keren Hathora, durch die . gleichzeitige Bildung einer Exekutive des Rabbinischen Rates schöpferisch gewirkt, so liegt die Betonung des Wertes der zweiten Kenessio Gedaulo auf der Arbeit und zwar sowohl auf der, die sie selbst leistet, als auch aüf der Arbeit, die sie der künftigen Führung ermöglicht. Es ist möglich, daß der zweiten Kenessio Gedaulo Aufgaben erwachsen, die sich jetzt nur im Keime zeigen. Wir möchten hierbei vor allen Dingen streifen die Verpflichtung der gesamten Judenheit gegen unsere Glaubensgenossen in Sowjetrußland. Nicht einmal die Linien dieser gigantischen Aufgaben sind bisher richtig gezeichnet, nicht einmal ihre Voraussetzung bisher richtig gekannt und erkannt. Zwar hat man den Hebel an einzelnen 'Punkten angesetzt und insbesondere der materiellen Not zu Helsen gesucht; das größte, Unternehmen dieser Tat ist, wie bekannt, die Berufsumgruppierung durch die bäuerlichen Siedelungen. Die Sache ist noch zu jung, als daß ein abschließendes Urteil hier möglich wäre. Erfolgt ist sie durch das Wirken ausländischer Juden. Man hat dabei wohl wahrscheinlich unter dem Druck des Zwanges einer Notwendigkeit von jeder geistigey Beeinflussung Abstand genommen. Was bei diesem ganzen Komplex am meisten zu bedauern ist, ist zunäö einmal die immer mehr und mehr platzgreifende Gleichgültigkeit. Ein Symptom hierfür ist das Fehlen jeglicher Fürsorge für die Menschen, die der mannigfachen Gewissenspein durch Uebersiedlung in. ein anderes Land entronnen sind. Weiß man denn nicht, daß diese armen Menschen in den allermeisten Fällen mittellos sind, und sind sie deshalb weniger bedauernswert, weil sie, um sich und ihreN Kindern die Möglichkeit eines Lebens in der Religion zu schaffen, eine andere Heimstätte gesucht haben? Ist denn der Begriff EvjoN und die Pflichtenreihe, die sich an diesen Begriff schließt ganz aus dem Bewußtsein auch der orthodoxesten Welt geschwunden? Man mag ferner behaupten, wahrscheinlich mit Recht behaupten, daß aus dem oder jenem politi chen Grunde ein Wirken in Sowjetrußland selbst unmöglich ist. Was hat rstan aber getan, um diesen Flüchtlingen, insbesondere ihren Kindern wenigstens Nahrung für Geist und Gemüt zu geben, was hat man getan, um den jungen Menschen, die -nach durchglüht und begeistert von den allerjüngsten Traditionen ihrer Heimat für diese Anschauung Propaganda machen, den Weg zu -einer anderen Lebensauffassung zu eröffnen? Da dürfte dje nationale und individualistische Konzeption des Judentums vollkommen versagen. Es ist einzig und allein die religiöse Konzeption, die hier im Vertrauen auf die unter allen Umständen sieghafte Kraft der Thora arbeiten müßte. Es wäre eine Unterlassungssünde sondergleichen, weny die Kenessio Gedaulo diesen Stoff nicht behandeln würde, wobei sie freilich den klaren Willen äußern müßte, sich hierbei als Mandatar der gesamten Judenheit zu betrachten und in Beratung mit anderen Organisationen sich dieses Mandat zu erkämpfen hätte. Das gilt um so mehr, wenn es sich um eine Arbeit für die Ehre des Judentums in Sowjetrußland handelt, denn um die Ehre des Judentums geht es dort, während, die andexen Bekenntnisse, wie z. B. das griechisch-drthödöxe sich schlecht oder recht eine Existenzmöglichkeit errungen haben, ist dies dem Judentum' nicht gelungen. Es ist müßig zu untersuchen, ob wirklich die Schuld hierfür einzig und allein der Jewsekcija, d. h. den jüdischen Abteilungen der lokalen- Sowjetkommission zuzuschreiben ist. Aber gerade in dieser Differenzierung liegt eine gewisse Hoffnung auf Besserung, denin die Sowjetregierung wird dieser Tatsache, sobald sie klarchargestellt ist, auf Grund ihrer eigenen Prinzipien entgegentreten wollen. Dabei darf nicht übersehen werden, daß selbst im Rahmen des jetzigen Zustandes in manchen Punkten Abhilfe zu schaffen wäre. Einzelnes äufzuzählen hat im Rahmen dieser Darstellung keinen Zweck. Es ist Aufgabe der Kenessio Gedaulo den Willen zu dieser Abhilfe zu erzeugen, zu bekennen und zu bekunden. Da regt es sich ferner bei den Marannen in den Südländern, sie wollen sich wieder offen zu dem Judentum bekennen; ihnen die Wege zu erleichtern, ihnen vor allen Dingen den Weg zu dem Judentum zu zeigen«,. der in der Thora wurzelt und gipfelt, ist unabweisbare Aufgabe der Agudas Jisroel. Die Kenessio Gedaulo hat die Linie dieser Aufgabe zu zeichnen. Das dürfte vielleicht auch die Erfüllung eines jahrhundertlangen gehegten Wunsches ermöglichen. Vom Standpunkte der Einheit des Judentums ist es durchaus nicht das Ideal, wenn trotz aller historischen Motive und Erklärungen, die wir nicht leugnen wollen, der Unterschied zwischen sephardischen und aschkenastschen Juden gewissermaßen wie ein Dogma betrachtet wird. Die Brücke zu diesen Millionen von Juden kann nach ihrer geistigen Verfassung nur die Thora sein und der Klarsehende weiß, daß auch die Sephardim einer solchen« Brücke bedürfen. Die leisen Anfänge, die nach dieser Richtung gemacht worden sind, müssen erweitert und vertieft werden. Auch dieses Problem müßte die zweite Kenessio Gedaulo mit Energie anfassen und einer Lösung entgegenführen. Wir haben nur einiges in schwachen Umrissen gezeichnet; aus alle dem geht aber mit Klarheit hervor, daß wenn« anders die in den obigen Ausführungen gekennzeichneten Punkte richtig erfa' und erfüllt werden, die zweite Kenessio Gedaulo eines sein wird: eine Tat zu 'ihrer Zeit. Ihr Gesamtinhalt muß von der ganzen Aguda, von den jetzt einsetzenden Er - ö r t e r u n g e n in den« Orts- /und Jugendgruppen geschaffen werden. (Schluß folgt.) „Die Wege der Agudas Jisroel." Im Londoner Dervish Chronicle" hatte vor 14 Tagen der Sekretär der zionistischen Exekutive in London, Mr. Paul G o o d m a n, einen von Gift und Galle überfließenden Artikel gegen „Agudas Jisroel" veröffentlicht, worin insbesondere die Persönlichkeit Rabbi Chaim Sonnenfelds wegen seiner bekannten ablehnenden Haltung gegenüber einem Taanis Zibbur aus Anlaß des Klagemauerkonfliktes zur Zielscheibe maßloser Angriffe gemacht wurde. Hierauf äußert sich in dem gleichen' Blatte ein uns unbekannter Autor, Mr. S. Schonfeld, von der Londoner „Schule' für Wirtschaft und Politik" in so treffender Weise, daß wir uns nicht versagen können, seine Ausführungen in wörtlicher Ueberfetzung wiederzugeben. Der Artikel hat die Form eines Briefes an den Herausgeber des „Jewish Chronicle" und lautet wie folgt: „Mr. Paul Goodmans Brief in Ihrer letzten Nummer zeigt eine recht voreingenommene Denkweise, und ich kann ihn deshalb nicht dafür tadeln, daß er für keine andere Auffassung Verständnis hat, wie für seine eigene. Ich möchte Mr. Goodman fragen, welchen andern Weg, wie den einer Eingabe die Agudas Jisroel nach seiner Meinung hätte beschreiten sollen, um ihre Ansichten der palästinensischen Regierung zur Kenntnis zu bringen. Denn welche Ansicht Mr. Goodman auch über die Auffassung ,der Aguda hegen möge, so läßt sich doch die Tatsache des Bestehens dieser Auffassung nicht , aus der Welt schaffen; überdies handelt es sich hier, nicht nur um p o l i tische Auffassungen, sondern um religiöse Gefühle, über die keine Majorität verfügen kann«. Werden« wir uns klar darüber, daß Religion niemals der Majorität unterworfen sein wird. Religion bedeutet keine bloße Spekulation oder Auffassung, die man bei Gelengenheit auch beiseite legen kann, sondern es handelt sich hier um tief, sehr tief wurzelnde Glaubensüberzeugung, die nicht einmal die Torturen der Inquisition unterdrücken konnten, geschweige denn eine Majorität auf einem sogenannten Zionistenkongreß von religiös neutralen Juden. Wer sonst würde der Orthodoxie ein Recht auf ihre Ueberzeugungen zuerkennen, wenn sie selbst dieses Recht nicht be? ansprucht? Was nun Mr. Goodmans Denunziation der Aguda-Aktion in Verbindung mit dem Fasttag wegei^ des Klagemauervorfalls anbetrifst, so hätte ich Mr. Goodman ein solches Uebermaß von Oberflächlichkeit nicht zugetraut. Mr. Goodman sagt: „Der Schmerz und die Entrüstung war am stärksten unter denjeniigen, die sich nicht so sehr für das Beten interessierten, sondern weil sie. den Vorfall ebensowohl als einen Affront für die jüdische National ehre betrachteten, wie für die religiöse Frömmigkeit." Ein Fasttag wurde proklamiert — einerlei von wem, denn keine Regierung und keine amtliche Stelle kann über das Gewissen eines Menschen gebieten — und Rabbi Chaim Sonnenfeld und seine Anhänger erklärten, sich an diesem Fasten nicht zu beteiligen. Später veröffentlichte die britische Regierung ein Memorandum, welches besagt: „Die Möglichkeit, daß solche Privilegien oder Rechte von den Juden durch gegenseitige Uebereinkunft mit den moslemischen Autoritäten erlangt werden könnten, ist. durch die Tatsache verringert worden, daß die ösfent-> liche M e i n u n g in Palästina die Sache endgültig aus dem rein r e l i g i ö s e n Gesichtskreis h e rausgehoben und eine politische und Rassensrage daraus gemacht hat." Der Bericht fährt fort: „Auch wenn der Streit keinen so großen Umfang angenommen hätte, würde es schwer gewesen sein, eine alle beteiligten Parteien befriedigende Lösung zu finden. Im gegenwärtigen Stadium der Gefühle ist die Schwierigkeit aber ungeheuer gesteigert worden." Mr. Goodman kann sehr viele Dinge umdeuten, damit sie das sagen, was er wünscht. Aber ich kann« mir kaum vorstellen, daß er die obige Stelle in dem Memorandum der britischen Regierung anders auffassen wird, denn als eine entschiedene Verurteilung der Politik, die er und seine Kollegen« erfolg t h a b e n, indem sie den Klagemauervorfall zu einer Angelegenheit der nationalen Ehre machten. Es mag die zionistischen Führer sehr verletzen, sich eine politische Lektion von einem Manne geben lassen zu müssen, den sie für veraltet und engherzig halten, aber der beste Rat, den ich ihnen geben kann, ist der, sich fün ein paar Monate in die Lernstube Rabbi Sonnenfelds zu begeben« und sich dort, wenn nicht von seiner religiösen und moralischen Stärke wenigstens von seinem gesunden Verständnis für moderne politische Methoden beeinflussen zu lassen. In den Worten jenies ehrwürdigen Rabbi haben wir die Antwort auf die schlechte Politik der Zionisten: „Fastet wegen der Entweihung des Sabbats", ja, „Fastet für religiöse und nur religiöse Zwecke, nicht aber um der nationalen Ehre willen; überlaßt diese unsrer „erhabenen Regierung"* und. überlaßt es nicht der öffentlichen Meinung, Rassen- und politische Fragen aufzuwerfen." Wenn diese Linie der Politik angenommen, worden wäre, würden wir eine friedliche und rasche Abwicklung der Angelegenheit erlebt haben. ' Es ist klarerweise ein Fall, den man auf Seiten der zionistischen Führer als „faux p-,8" bezeichnen muß und es ist wirklich sehr beklagenswert, daß diejenigen, die beanspruchen, die politischen Führer der Judenheit /zu sein, so we- . i i

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