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Der Israelit · 1928-12-13 · Heft 50 (13.12.1928) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 50 (13.12.1928)
Date
1928-12-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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1- ■y**t9?X‘&~2*g*r7*; '^y1 t \iS,T\ MJM. noa® ß gl j Hang a EI Hasenclever, Gotteslästerung und Antisemitismus. Daß man das Hafencleversche Machwerk zum Gegenstände einer anttsemittschen Hetze macht, wäre nach der scharfen Ablehnung, die das Stück auch in jüdisch e n und in her von Hetzern als „jüdisch" bezeichneten demokratischen Presse erfahren hat, unverständlich, wüßte man nicht, daß den Nationalsozialisten herzlich wenig um den Kampf für Gott zu tun ist, vielmehr darum, keine Hochkonjunktur der Vo l k sverärge rung unausgenutzt zu lassen. So gelang es ihnen bis jetzt, jede ehrliche von den evangelischen Instanzenveranstaltete Protestkundgebung unter der Hand in eine wüste antisemitifch e Demonstration umzuwandeln. Das glückte ihnen auch in der Stadtverordnete nsitzung vom letzten Donnerstag. Me völkischen Stadtverordneten ergingensich in Beschimpfiungen gegen Juden und Judentum .Hasenclever sei. ein „Halbjude",' der sich in Paris herumttiebe. (Wäre er in Wahrheit ein Halbjude, er würde in den Augen dieser Hetzer zu einem ganzen „Minjan"-Juden anwachsen. Wer und wie dieser Hasenclever ist, wir überlassen ihn gern und neidlos der Gemeinschaft von Gemeinder und Sprenger.) Ein paar vernünftige Worte von demokratischer und Zentrumsseite seien hier aus der Verhandlung wiederge-geben. Auch der Deutsch nationale, Nagel, hat vollkommen rechtwenn er sagt: „Die gesamte Bevölkerung >rft gegen diese skandalöse Aufführung. Leider nehme der Besuch des Theaters trotz der Massenprotestversammlungen zu. Jeder anständige Mensch müsse das Stück ablehnen. Trotzdem habe die Theaterverwaltung nichts getan, um die weitere Aufführung zu verhindern. Die Protestaktion richte sich nicht gegen die zahlreichen kleinen- Aergernisse, sondern gegen die Gesamttendenz des Stückes. Man. dürfe überhaupt Gott nicht auf die Bühne bringen, jedenfalls nicht in so herabsetzender Form. Das Frankfurter Theater ist kein Kulturtheater mehr, nicht nur durch dieses Stück, sondern auch durch Aufführungen' von „Krankheit der Jugend" uüd ,-Fröhlicher Weinberg", „Dem Niederen, Gemeinen und Rohen" sollte nicht das Kennwort der Frankfurter Bühnen werden." Stadtv^ Dr. Kercher vom Zentrum sagt u. a.: „Das Stück ist ein Schmarren, das die Reklame durch die übertriebenen Protestaktionen nicht verdient. Me Intendanz war bei der Annahme des Stücks, das an die schlimmsten Perioden der überalterten materialistischen Philosophie des 19. Jahrhunderts erinnere, schlecht beraten. Der Kassenersolg dürfe hier nicht entscheidend sein. Auch die „Krankheit der Jugend" scheint für eine breitere Oeffentlichk-eit nicht geeignet. Die Theater dürften als Kulturtheater nicht Schrittmacher der Dekadenz werden. Man darf auch nicht leichtfertig das religiöse Empfinden verletzen." Stadtv. Thomas von der Sozialdemokratie erkennt die besonnenen Ausführungen des Zentrumsredners an. Auch er hält das Stück für eine flache Komödie. Aber grundfäsilich lehnt er die Zensur in jeder Form ab. Der gesunde Sinn der Bevölkerung, nicht die künstlich aufgeputfchte Stimmung sei der beste Richter. Der demokratische Stadtverordnete K o r f f sagt, das Stück muffe feines Inhaltes wegen preisgegeben werden, und Stad trat Dr. Michel ist der Auffassung, daß das Stück nicht ,wert fei, einen Weltanschauungskampf zu entfesseln. Nach all dem muß man es lebhaft bedauern, daß dem Antrag der Rechten und des Zentrums, das Stück sofort vom Spielplane zu entfernen und Sicherungen für die Zukunft zu schaffen, Demokraten und Sozialdemokraten aus prinzipiellen Gründen nicht zustimmte n und dafür ein von links kommender Antrag angenommen wurde, der sich nur gegen die wilde Protestbew egung richtet.. Das Chanukkahfesi der Jüdischen Frauenvereinigung. Das Fest begann pünktlich nach dreiviertelstündiger Verspätung mit der in das Wogen, und Brausen der Menge hineindröhnenden überraschenden Eröffnung Alfted Auerbachs, des gewandten künstlerischen Lesters des Ganzen, daß der Weltenschöpfer das jüdische Volk insbesondere mit der Gabe der Disziplin ausgestattet hätte. Man hätte nur bislang nicht fo den rechten Gebrauch davon gemacht, man sollte es doch heute abend tun . . . Und man tat es;,der weitere Verlauf verwandelte .den Witz in eine Tatsache. Man bewahrte Ruhe, An-- stand, wo nötig auch Geduld, also vortreffliche Disziplin auch bei minder packenden Nummern und bei schwerer Mozartscher Musik in G-dur. Me Glanznummern, deren es eine ganze Menge gab, kamen aber-herrlich zur Geltung und lösten m viel Dankbarkeit aus, wie man sie für echte wahre Kunst stets empfindet. Nennen wir von diesen. Glanzleistungen — wenn auch an letzter Stelle des Programms — zu allererst die mächtigen und prächtigen Rezitationen von Max K o n -i n s k y, einem Künstler von eigener prägnanter Note, einem Meister der Sprechkunst, wie wir ihn in dieser Art, und bei so großer Jugend, noch nicht gehört haben. Alles wird in diesem gesegneten Munde Bild, Kolbenfchlag oder sanftes Windesäuseln, je nach dem Gegenstände. Man hört das Eisen, dröhnen und das Rad surren . . . Im Mittelpunkte des ersten Teils stand der von Auerbach sorglich emgeübte Sprechchor von Bernhard Bernfon, mit einem in Maske, Wort und Mimik ganz vortrefflichen Ahasver (L. Btrnstein) an der Spitze und mit vier guten „Frauenstimmen" inü „vorderen" Hintergründe. Aus dem Programme erfahren wir, daß die elegische Musik zu diesem Stücke, der Erna Schnerb ihr Diolinspiel geliehen hat, . von Oberkantor B. Peissachö witsch bearbeitet ist. Ein Wort des Dankes und der Anerkennung auch für Manfred Neuberger, der ein gut Teil des Programms mit Geist und Humor als Autor und „Mitspieler" beherrschte und bestritt, und Leopold Deutsch bewährte sich als Sänger von bester Qualität. Ein eigenes und wohl das lieblichste Kapitel bildeten die Kin-derdarstellungen. Hier zeigten sich die Bübn-enbilder von Fritz S ch a m e s in ihrer ganzen bestrickenden Kunst. Als hinter dem „lebenden Chanukaleuchter" die acht umbänderten kleinen Bubiköpfchen aufstrahlten (nach einem Vorspruch von Ruth Frankenthal) war die Freude so groß und fo ehrlich, wie später als der hochgehende Vorhang die Kinderchen um Großmütterchen enthüllte, welche lieblich singend in Großmütterchens Erzählung (verfaßt und einstudiert von Frau Hilde Joseph) einfielen oder als aus einem regelrechten Zeppelin der „blinde Passagier" herauskam und fesch und frei mitten in den Matrosentanz hinernstolzierte, um sein Sprüchlein herzusagen: Schön und anmutig war auch das - getanzte Florettfechtspiel. Wir wollen die Kinder nicht alle bei Namen nennen, denn die Pädagogen sehen es nicht gern. Aber eins sei gesagt: Sie haben allesamt ihre Sache gut gemacht, haben es einmal verstanden, den Spieß umzudrehen und die Erwachsenen z-u Chaukkoh reich zu beschenken. Daß einige Nummern sich unter der Hand zu einer rauschenden Ovation für die hochverehrte Vorsitzende der Frauenvereinigung, die jugendliche Siebzigerin Frau B e st h o f f, auswuchsen, ergab sich von selbst. Kinder spielten echt und ehrlich den Dank des Hortes und ungemein wirksam kam der Dank in einem von Carl Mayer gesungenen Liede „Ich kenne ein Häuschen" zum Ausdruck. .. Nennen wir noch die unermüdlich guten Leistungen der Frau Klärchen Wohlsarth am Klavier, - das Geigen- und Cellospiel von Gustel Hirsch und Karl K l ü h , Liedervorträge von Dr. C. Moser und Ludwig Frank, das höchst amüsante Kille-Radio mit M. Neuberger und Leopold Deutsch und — last not least — die aufopfernde Arbeit der Damen in den Verkaufsbuden, in deren Auftrag ein ganzes Heer ebenso anmutiger wie geschäftstüchtiger Verkäuferinnen auf die Menschheit im Saal losgelasserr wurde, so haben wir ein Bild des Programmes. Ein ge-' treues Bild des tiefen und frohen Festerlebens kann man dem, der nicht dabei war, ,nicht geben. Me Vorsitzende am Ehrentische lächelte zufrieden, woraus zu schließen ist, daß der finanzielle Erfolg für die ungemein weiten Aufgaben der Frauenvereinigung dem künstlerischen Erfolge entspricht. Unzufrieden war der Vorstand mit. vollem Recht mit den vielen M ä n n e r n — die n t ch t da waren. Es hat sich leider der Usus herausgebildet, daß sich die Familien durch ihre Damen vertreten lassen-, wodurch das Bild an Schönheit und Stimmung mehr gewinnt als die Kassen an Einnahmen. Unterstützt Arbeitslose — Sammelt Briefmarken. Die Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel bittet alle Firmen sämtliche bei ihnen eingehenden Briefmarken ihr zu übersenden. (Frankfurt a. M., Sandweg 32.) Me St. V.Z. läßt diese Briefmarken durch Arbeitslose sortieren und vertreiben. Der Erlös wird zur Unterstützung Arbeitsloser verwandt. Die Sprechstunde der Stellenvermittlung findet Montag und - Donnerstag 7,45 bis 8,45 Uhr abends Schwanenstrahe 12 statt. Geschichtsoortrag im Mekor Chajim. In Fortsetzung seines Zyklus über die Juden in Spanien spricht Herr Redakteur S. Schachnowitz nächsten Sonntag.6 Uhr im Mekor Chajim (Langestr. 18) über: „Wohin begaben sich die Flüchtlinge -aus Spanien?" Bevorstehender Sijum im Berlin „Mekor Chajim" e. V. Wie uns die Verwaltung mitteilt, beabsichtigt der Verein am Sonntag, den 20. Januar, in der Frankfurt- Loge eine große Sijumfeier aüf das Traktat »av (Dozent Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer) zu veranstalten. Verbunden damit wird gleichzeitig ein Sijum auf den am beendeten Zyklus der Mikrohvorträge. Die Veranstaltung, zu der -bereits jetzt größere Vorbereitungen getroffen werden, versprechen wieder ein echtes Khillohfest, und wird sich diele Feter würdig' an die früheren, hervorragenden Feste des Vereins anreihen. Weitere Einzelheiten folgen später an dieser Stelle. Jüdisches Konzert." Für das am Sonntags den 6. Januar, unter Leitung von Max Neumann stattfindende Konzert „Jüdische Musik" hat der Kartenverkauf bereits begonnen. Kartenbestellungen wolle man an Herrn I. Wohlsarth, Blumenstrahe richten. Um von vornherein allen Zweifeln und Mißverständnissen zu begegnen, sei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß den Besuchern des Konzertes außer der Eintrittskarte keinerlei weitere Ausgaben entstehen. Ein 'Ni' r^-S»jum. Am Mittwoch, den 5. Dezember fand in den Agudaräumen Schwanenstrahe 12 der Sijum auf den Traktat •p-nmo statt. Das Fest nahm, wie immer, einen schönen Verlauf. Im Mittelpunkte standen der Hadran und die von halachischen und agadischen Erklärungen reich gewürzte Rede des Schiurlerters Herrn Herz Halpern. Auch andere Teilnehmer ergriffen das Wort und machten die bescheidene Veranstaltung zu einer nix» bv anat? und einem guten Auftakte zum nsan- Feste. Ostjüdische Chanukkahfeier. Der hier bekannte Ostjüdische Jugendbund tritt anläßlich des Chanukkahfestes erstmals öffentlich am Sonn-' tag, den 23 Dezember, abends 8 Uhr in der Li-ederhalle Lan-gestraße mit einem „Bunten Abend" auf. Es wurden hierzu bekannte Kräfte gewonnen und bietet das reichhaltige Programm: chassidifche Tänze, drei humoristische Einakter u. a. m. Die Veranstaltung verspricht einen wirklich gemütlichen ostjüdischen „Bunten Abend" zu werden und sind Karten zum Preise von 1 M. und 1,50 M. noch in den hebräischen Buchhandlungen von Bergmann, Raore, Wahrmann und beim Vorstand zu haben. Das Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden russischen Juden. Das Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden Juden des Ostens, dessen Vorsitzender Herr Justizrat Blau ist, hat Herrn Staatsrat Jacob Teitel, dem Vorsitzenden des Verbandes russischer Juden in Deutschland, mitgeteilt, daß das Komitee eine Summe von 2600 M. für Hilfszwecke des Verbandes russischer Juden bewilligt hat. Neu-Isenburg. Del: Vorstand des Heims des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt a. M. veranstaltet gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund am 1., 2. und 3. Januar 1929 in Frankfurt a. M. eine „Aussprache jüdischer Frauen über Erziehungsfragen". Die Aussprache ist für solche Frauen gedacht, die durch Anstaltsarbeit, Arbeit in der Jugendfürsorge und -pflege oder als Mutter starkes und aktives Interesse für Erziehungsfragen haben. Di« Teilnahme jüngerer Er-

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