Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 50 Der Israelit 13. Dezember 1928 2. Im Hause Lindenstraße Nr. 28 wohnte eine Familie Herz. Der Mann war Häusermakler und hatte ein Zimmer seiner Wohnung als Büro eingerichtet. Zu ihm trat eines Morgens seine Gattin herein mit recht verlegener Miene „Siegmund, hast Du vielleicht aus Versehen meine Schlüssel zu Dir genommen?" Der Mann griff in beide Hosentaschen. „Nein, meine Liebe. Dü wirst sie doch nicf): verloren haben?" „Ausgeschlossen!" , erwiderte die Frau „Höchsteüs verlegt. Noch gestern wären wir in der Bodenkammer,, um die Sukkoh-Sachen einzuräumen. Jetzt verlangt das Mädchen den Waschküchenschlüssel, da merke ich, daß mein Schlüsselkörbchen leer ist. Aber ich kann mir gar nicht denken, wo sie sein sollen! An, allen Türen wär ich schon, nirgends stecken sie. In der Stadt hatte ich sie gewiß nicht dabei. Meine Hoffnung war noch, Dü hättest sie abgezogen." „Ich nicht, aber wohl ein anderer", versetzte der Mann, „der uns recht bald einen Besuch abstatten will, um einmal nachzusorschen, was in unsren Schränken enthalten ist. Wie oft habe ich . Dich nicht schon ermahnt, keine Schlüssel stecken zu lassen!" Das Gesicht der Frau war noch etwas blässer geworden. „Ich bin gewiß sehr vorsichtig", beteuerte sie; „aber in der Eile muß es doch geschehen sein, daß ich die Schlüssel verlegt hübe." Viele Stünden wurde Nun von allen gesucht, jeder Möglichkeit wurde nachgegangen. Alles vergebens. Sie waren wie vow Erdboden verschwunden. Am Nachmittage entschloß sich die Frau, eine Anzeige in die Zeitung zu setzen sind dem Fmder der Schlüssel eine Belohnung zü .versprechen. Sie war gerade zum Ausgehen bereit, als ein Knabe schellte und an das öffnende Mädchen die Frage richtete: „Sind hier vielleicht Schlüssel verloren worden?" Im ersten Augenblick hätte die Frau am liebsten den Jungen vor Freude umarmt. „Hast Du sie gefunden?" fragte sie, und als er sie, statt zu antworten, triumphierend emporhob, da zog sie ihn mit in die Wohnung. „Nun sag mir nur, wo Du sie gefunden hast! Der Knabe erzählte kurz, wie er zu den Schlüsseln gekommen war. Die Frau schlug die Hände zusammen. „Jetzt ist alles klar. Die Schlüffe! sind unter die Sukkoh-Sachen geraten und mit ihnen in den Kehrichteimer. Aber wie konntest Du denn wissen, wem sie gehören?" Und als nun der Junge ganz bescheiden schilderte, wie er zu der Adresse gekommen war, da konnte die Frau ihn nicht genug bewundern. Sie führte ihn zu ihrem Manne, und auch der lobte den gescheiten Knaben. Leise sagte er zu seiner Frau: „Was Du als Finderlohn bestimmt hast, das gib ihm." Die Frau hatte schon das gleiche gedacht. Zuerst beschenkte sie den Knaben mit süßem Gebäck und Obst, und als er sich dann dankend verabschieden wollte, gab sie ihm das Geld. „Laß Dir das von' der Mutter in die Sparkasse legen!" Aber der Knabe antwortete anständig: „Ich danke vielmals, doch darf ich kein Geld annehmen!" Wohl meinte die Frau, das sei kein Geschenk, sondern ein Finderlohn, den der Junge verdient habe, aber der Knabe blieb dabei, daß er schon genügend belohnt worden wäre. Auf den, Wunsch der Frau nannte er noch seinen Namen und seine Wohnung und machte sich auf den Heimweg. 3. Chanukka h! Welches Kinderherz schlägt nicht höher, wenn dieses Wort den Einzug jenes Festes ankündigt, das durch Schlichtheit und Wärme einen Eindruck Hervorrust, der mehr als alle pädagogischen Beweisführungen die Eltern darüber belehren könnte, wie der Weg zur Kindesseele zu erschließen ist! C h a n u k k o h! — In der Stube des Schreiners Kleefeld brennen schon die ersten Kerzchen am Fenster. Vater und Sohn haben sie entzündet, und ihre Strahlen spiegeln sich wieder in, den Hellen Augen des Jungen. Der Vater ist vor einer halben Stunde aus der Fabrik heimgekehrt. Jetzt hat er Feierabend! Die Mutter bringt den heißen Kaffee, dessen Duft den Raum erfüllt, und auf dem Tisch steht bereits ein großer Kuchen zur Feier des Tages. Behaglich setzt sich die Familie üm den Tische und bald ist auch eine Unterhaltung im Gang, während alle dem Kuchen zusprechen. Gegenstand des Gesprächs ist die Berufswahl des Knaben. Er wird noch im Laufe des Jahves Barmitzwo, und da ist es an der Zeit, an einen Beruf zu denken. Bernhard hat ja schon oft daran Wacht! Wenn in der Schicke physikalische Versuche gemacht würden, da war in ihm der Wunsch entstanden, Elektrotechniker zu werden.. Der Lehrer, hatte bald sein Interesse für dieses Fach bemerkt und ihn zu allerhand Handrerchunigen herangezogen. So war es seine besondere Freude in deN großen Schränken verwahrt war. konnte Bernhard selbst asterlei Exper schloß. Heute wollte er versuchen, sich selbst eine elektrische Klingel herzustellen. Die Mutter räumte den Tisch ab. Da fuhr der Lieferwagen eines Geschäftes vor dem Hause an, und ein Mann brachte einen großen Kasten an die Vortür. Der Knabe, der geöffnet hatte, wollte ihn abnehmen, aber der Bote sagte: „Kleiner, dazu bist Du noch zu schwach. Ich muß Dir den Kasten ins Zimmer bringen." Er trug ihn hinein und stellte ihn aus den Tisch. Die fragenden Blicke, die sich auf ihn richteten, beantwortete er nur mit den Worten: „Der Bub soll nur gleich auspacken! So eine Freude wenn ich einmal als Kind gehabt hätte!" Und schon war er wieder fort. Bernhard schaute fragend zu den Eltern hin. Da löste der Vater die Kordel und die Hülle, und als er alsdann den Deckel eines sauberen Holzkastens hob, da bot sich dem Knaben ein Anblick, der ihn vor Entzücken sprachlos machte. Em elektrischer Werkkasten mit Batterien und Akkumulatoren und Motoren und soviel anderen Dingen, daß man nicht wußte, was man zuerst bestaunen sollte! Kaum getraute sich Bernhard die wundervollen Gegenstände anzuaffen. Dann aber konnte er sich doch nicht enthalten, einige Apparate in Gang zu setzen. Die ratterten und rasselten, daß es eine Lust war. Auch die Eltern schauten mit großem Interesse zu, so daß erst verhältnismäßig spät die Frage gestellt wurde: Aber woher kommt denn nur der Kasten? Wer hat ihn geschickt? Und erst, als sich ein Kärtchen fand, auf dem die Adresse des Geschäfts verzeichnet war und die Bemerkung: „Im Aufträge von Frau H. für Bernhard Kleefeld", da fand sich auch der — Schlüssel zu diesem Rätsel. Bernhard war so glücklich, wie nur ein unverdorbenes Kind sein kann. Der diesjährige Chanükkoh hatte ihm mehr gebracht, als er sich erhofft hatte. Aber sein Werkkasten blieb ihm nicht ein bloßes Spielzeug. Er regte seinen Wissenstrieb mächtig an und bestärkte ihn und die Eltern in der Wahl des Berufes. So wurde der Knabe in der Tat ein tüchtiger Elektrotechniker. Rätsel und Fragen. Mein Zweites ist schriftlich, mein Erstes ist mündlich, Mein Ganzes ist Schule und höchstes Gebot: Wir sollen es ausüben täglich und stündlich, Es ist unser Stolz, unsre Zuflucht im Not. II. Frag e: Wieviel Personen können in der nachstehenden Tabelle, indem jede beliebig abwechselnd von rechts und links und von oben nach unten liest, auf ebenfooiele verschiedene Weisen die schönen Worte: "Guten Sabbat!" ablesen. GuteoS ti tenSa t e n S ä b e n S a b b; n S ab b a S a b b a t Wochenkalender. v. 15. - 22. Dez. 1928. / v. 2.^— 9. Debet M89. Samstag Dez. t5 naa 2 naran aaian f pa Sonntag 16 3 Montag 17 4 Dienstag 18 5 Mittwoch 19 6 Donnerstag 20 7 Freitag 21 8 Samstag 22 9 Stt’l - ♦I Ä N N O N C E N JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN LHH6ESIRASSE 7 TEL. HAHSA 4641 POStSCH.-KONTÖ FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERflIEN-flNNflHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« «j R O!♦ AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN. WÖCHEN- UND FACHBLÄTTER ZÜ ORIGINAL-PREISEN ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL*GESCHKFTE*PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK Qualitäts- Mbritz Wolf Zeil 49 Telefon Römer 90. Verantwortlich für den allgemeine« Teil nutz das Hemneron 8. Schach now.itz, Kankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schach« «owitzebenda.Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen. Ar. Offenbach)., — Beklag D.mb.S., Frankfurt a. M. — Druck Sermon Verlags' Aktiengesellschaft. Frankfurt a. M.