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Der Israelit · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Jüdische Mystik innerhalb und außerhalb des Judentums. Zwei Buchbesprechungen von Rabbiner Dr. W. Götzen. Es gehört zum Wesen der höchsten und' heiligsten Gedanken der Thora, daß ihr Kern, ihr innerstes Licht nur dem innerlich ihnen nahen jüdischen Frommen erstrahlt, diesem aber oft selbst dann, wenn er dieses Licht nicht gesucht, die Bücher der v'hMnicht ausgeschlagen hat. DasiLV' Tixadas den Worten der von ihnen oft fast ausschließlich studierten „offenbaren" min unmerklich, doch mächtig innewohnende Licht führt sie alle ungewollt zum Borne der Gottesweisheit Dort treffen sich ihrer aller noch so verschiedene Wege zum gleichen Ziele übereinstimmender Erkennnis. So ist S. R. Hirfchs Symbolik, die von heutigen D’Vm des Ostens nicht nur wegen der Erhabenheit ihrer Ideen, sondern auch wegen des Uebereinstimmens in vielen Einzelheiten als würdiges Gegenstück zu den Schriften des Kreises um den!>s'"yrr bezeichnet wird, im Mannesalter des Verfassers entstanden, in den Jahren, in denen ihn nach Bericht aller Zeit- und Lerngenossen noch die jedem wahren n"r> innewohnende Demut und Scheu dem Quellenstudium der tfrnp fernhielt. Dringt jedoch ein innerlich Unberufener in jene heiligen Sphären vor, — gerät gar ein sonst gründlicher außerjüdischer Forscher in jene Denkreiche, so irrt er bei noch so gründlicher Quellen- und' Titelkunde gar oft „blütentretend" in diesem Paradiese herum. Man kann schon froh sein, wenn nur Fremdartiges, nicht Feindliches das Resultat solchen Streifzuges wird. Dem Außenstehenden wird dann gern solches Irren verziehen, und wir Haben die Pflicht, ihn sachlich, wenngleich kritische zu würdigen. Um diesen Kontrast zu beleuchten, seien im Folgenden zwei Bücher besprochen, deren Inhalt und Form zugleich fesselt, und die zu durchdenken ein geradezu produktives Beginnen zu sein scheint, — ein jüdisches Buch, das vom Geiste des Ahns seines Verfassers erfüllt ist, — und ein fleißig geschriebenes Werk aus freiem Forschen eines Andersgläubigen. i. 1. Elis cha, von Jsaac Breuer, Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1928. 4°. 115 S. „Die Thora an sich ist der Erkenntnis des Menschen nicht minder entzogen wie — Gott an sich, wie — Schöpfung an sich . . . Hinter dem Gewände des Wortes steht das „Geheimnis" der Thora an, sich. Wehe dem Unberufenen, der daran rührt! Wehe dem Leichtfertigen, der sich vermißt, Wortwahl, Wortbild, Buchstabenzeichen mit ihm allein zugänglichen Wort s 4 n n überlegen zu kritisieren . . . Warum gerade dieses Wort und kein anderes? Wer also fragt, fragt oft zuviel. Warum gerade diese konkrete Schöpfungsgeformtheit und keine andere? Nur Schöpfung an sich, nur Thora an sich könnte letzte Klarheit bringen. Wehe dem Unberufenen ..." Diese Worte Breuers (95), welche die Ehrfurcht vor dem Tatbestand der Thora auf gleiche Stufe mit der vor dem Tatbestände der Schöpfung stellen, — Worte, die geradezu Gipfel, Höhepunkt und Hauptinhalt des Buches bilden, — sie sind bei Breuer nicht Nachklang vorzeitlicher, prophetischer Weisheitsquellen. Er erarbeitet sie vielmehr im Laufe seines Werkchens auf den klar erleuchteten Wegen kantischer Gedankenstrenge. In weit selbständigerer und dennoch gegenüber Kant folgerichtigerer Weife als etwa bei A. Messer wird hier eine bewußt asymptotische Annäherung vom Kantischen zum biblischen Denken angestrebt. Thesen, die Breuer schon in seiner „Welt als Schöpfung und Natur" fest fundamentiert hatte, weisen hier zu Anschauungen über Ich und Seele hinauf, wie wir sie schon in, seinem „Kampf um Gott" kannten. Auf der im kantischen, Kritizismus voll entfalteten Unterscheidung zwischen Erscheinungswelt und Ding an sich gründet sich die Weltbetrachtung, mit der Breuer das Werden der Persönlichkeit ableitet, diesen Vorgang, der die metaphysische Begründung des Gedankens der Elternschaft liefert. Elternschaft aber hat keinen Platz in der allgemeinen Philosophie, sondern nur in der spezifisch jüdischen, denn Erschaffenheit der Welt, „Schöpfung, nicht Natur" ist Voraussetzung des Wertes der Elternschaft. So bezeugt der Jude durch Elternehrung — wie durch Sabbatbeobachtung — die Schöpfertat Gottes.' So erhebt sich für Breuer Trauer um Eltern zu metaphysisch bedeutungsvoller Höhe. Gewiß nicht nur, um gerade seinem Vater ein Denkmal aereperenvius zu fetzen, läßt er nun in ergreifender Deutlichkeit und Wärme das Leben seines großen Vaters s. A. an uns vorüberziehen, wie er in allen Momenten des jüdischen Jahres und in allen Höhen und Tiefpunkten des Lebens der Schöpferische und Gebende war. Nicht nur ein Denkmal will die für alle Schüler der Jeschiwo besonders packende Abbildung der Lernmethode seines Vaters h"t sein. Das alles verleiht zwar seinem Buche machtvolle Lebendigkeit und Frische zu allem Ernste. Dennoch drängen sich diese persönlichen Dinge nirgends störend in den Vordergrund. Vielmehr helfen sie auch dem, der nicht vorbereitet ist, Kantischer Begriffsfolge nachzugehen, zum gefühlsmäßigen Erfassen der von Breuer selber scharf logisch erarbeiteten Begriffe vom „Menschen als Bräutigam der Thora" und als „Bräutigam der Schöpfung", vom „männlichen und weiblichen Prinzip" in der „Weltenformungs"-Tätigkeit Gottes (96) und dem toten, unproduktiven Jch-Gedanken (15) der schöpfungsfremden Philosophie, der „nicht Vater kennt noch Mutter", — Ideen, die (insbesondere die letztere im Anschluß an Eccl.) auch der Außenstehende als kabbalistischen Schnittes, obgleich durchaus nicht kabbalistischer Herkunft erkennt! rrnna ipan. Zum gleichen Ziele führt uns feine Schilderung des angespannt aktiven Lernens, wie es die Breuersche Jeschiwo gelehrt, und wie es von dort aus praktisch und wirksam den Gedanken der Thora-Souveränität der bewußt jüdischen Welt als Charakter aufgeprägt. So ergreift denn auch den Nichtphilosophen Breuers Uebersetzung des Abschiedes des Elischa von seinem Lehrer Elia mit Macht. Es mag ja dem, der die erhabenen Hirschischen Deutungen, und der insbesondere die dem großen Kapitel voraufgegangenen Erörterungen Breuers nicht mit ganzer Seele in sich ausgenommen hat, befremdlich erscheinen, was er über das dw ’S des Elischa sagt. Doch fügt sich auch diese Deutung widerspruchslos ins Ganze. — Es folgen die philosophisch groß angelegten Ausführungen, über das Werden und Sich-Entfalten des Ich. Hierbei erfährt (S. 44 ff.) der Begriff des erkenntniistheoretifchen und der des absoluten Ich eine neue, scharfe und wohlbegründete Umgrenzung. Gott selbst heißt hier, wie schon in der Philosophie üblich, das absolute Subjekt, das Ich, an das keine Beziehung heranreicht, — die Materie das absolute Objekt aller Offenbarung. Neu tritt die dem Schöpfungsbericht ahgelauschte Unterscheidung zwischen Stoff und Form hinzu, vor allem ihre Anwendung auf Schöpfer und Geschöpf. Dies selbstredend betreffs des Ersteren in übertragenem Sinne, da bei v"'Vnsich „Gestaltung" nur als Offenbarung denken läßt. Diese ist hier der Schöpfungszweck. Diese teleologische Darestllung führt dazu, im Ich ein erkenntnistheoretisches und ein offenbarungstheoretisches Element zu sondern,. Daraus wieder ergibt sich eine Unterscheidung zwischen dr Welt des Seins und der des Sollens, wie sie schon bei Hume angedeutet und bei Kant zu finden ist, — doch hier setzt die Kritik am Kantischen System ein, gegenüber welchem das „fühlende Ich" als selbständiger Begriff eingeführt und erläutert wird. Letzteres wird derjenigen, Jchfunktion opponiert, die das Sich-Jdentifizieren mit Körperlichem von sich weist. Auch das Ich wird eben teleologisch gesehen. „Erkennen ist (78) befriedetes Wollen, Fühlen ist unbefriedetes Wollen." Daher steht das wollende, freie Ich, der „Schöpfungsgeformtheit" stets als erkennendes, der Schöpfung (an sich) stets als ein fühlendes gegenüber". So erscheint srr zugleich als Wort für „Erkennen," wie für die Gründung der Elternschaft, die Beziehung zwischen Mann und Frau. Man muß, sofern man diesen Ausführungen zu folgen vorbereitet ist, die geradezu frappante Uebereinstimmung zwischen diesen und den markanten Worten der rvcra selber lesen, wie Breuer sie findet, um den ganzen tiefen Wert seiner Gedanken zu ermessen, die durch die Worte der •nm derart ihre Sanktion erhallen. — So trifft man immer und immer wieder die Hei-

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