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Der Israelit · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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j 6. Dezember T9S8 Der 6(r a 11it Nr. 49 Seite 17 Palüstina Der TNoslemitenkongretz und das Magemauerproblem. Jerusalem, 15. November. Zur gleichen Zeit als die ganze jüdische Welt gegen die Vorgänge an der Klagemauer protestierte, sammelten sich die Moslemiten in Jerusalem ihrerseits zu einem Proteste. Sie beliebten vom ersten Augenblick an, den Spieß umzudrehen, und manche sind der Ansicht, daß der Uebersall am Persöhnungstag eben nichts anderes als eine gut vorbereitete Provokation war, die Schafsung eines Casus belli, um Anlaß zur großen Demonstration in Jerusalem zu haben. Es waren vertreten 400 Delegierte aus Palästina, Syrien und Transjordanien. Der Irak und andere mohammedanischen Länder schickten Begrüßungsschreiben und Huldigungstelegramme. Die Wortführer suchten nachzuweisen, daß die Juden „die Eroberung der Omarmoschee" im Sinne hätten. Der Hauptredner war der Scheck Abu Said. Zuletzt wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Schaffung einer Weltorganisation zum Schutze der Heiligenstätten. des Islam, insbesondere der Westmauer. 2. Die Abfassung und Absendung eines Aufrufes an die gesamte islamitische Welt. 3. Ueberreichung eines Memorandums an die britische Regierung und an den Völkerbund.. 4. Schaffung einer. Exekutive, die all die Beschlüsse zur Ausführung zu. bringen-hat. In der zur Verlesung gelangten Denkschrift an den Oberkommissar heißt es u. a.: Es ist der Regierung nicht unbekannt, mit welcher Liebe die islamitische Welt an der Omarmoschee in Jerusalem, als an der einen der drei Hauptschutzwälle des Islam, hängt, und daß die Westmauer ein Teil-dieser Moschee sei. Abgesehen davon wohne noch der Mauer, die „Burak" genannt wird, eine eigene Heiligkeit für den Mohammedaner inne. Der Platz vorder Mauer, der von vielen Touristen besucht wird, gehöre den marokkanischen Anwohnern, und es sei nur eine Gefälligkeit von ihrer Seite, daß die anderen die Stätte besuchen und hier beten dürfen. Berufe man sich auf den Status quo, so gehöre dazu eine Urkunde, woraus hervorgehe, daß die Juden den Platz nur besuchen, aber hier nicht beten dürfen. Es werden dann die Proteste des Moslemiten gegen die gemeinsamen Gebete der Juden an dieser Stätte zu verschiedenen Zeiten aufgeführt,- um zu beweisen, daß die Moslemiten auf ihre Vorrechte me oer sichtet hätten. In der Denkschrift wird die Regierung ersucht, die Juden zur Vernunft zu mahnen und sie zu warnen, daß sie von weiteren „Ueberfällen" absehen. (?) Zum Schluß wird, noch der Regierung gedankt für die Mithilfe und sie wird ersucht, noch weiter dafür zu sorgen, daß keine Stühle und Bänke oder sonstige bau liche Vorrichtungen an der Mauer angebracht werden. — Es ist wichtig, daß? man auch in jüdischen Kreisen, über die Haltung untz^die Gesinnung der Moslemiten volle;Klarheit1 gewinnt-!•'denn nichts wäre gefährlicher, als sich in Jllusionen^einwiegen zu lassen, die die Beziehungen immer mehr' perschärfen. Der „Doar Hajom" schreibt in einem vernünftigen, sehr ruhig gehaltenen Artikel u. a.: ,^Was wir wünschen ist nicht viel: den Schutz der Beter vor Ueberfällen und der G eb etver stamm lun gen vor Störunge nund Beleidigungen. Das ist ein altgegebenes Recht, geheiligt durch Generationen, das mit Politik nicht das G er i n gst e 5 tL tun hat. Die alten frommen Leute, die beständigen Besucher dieses heiligen Platzes, wissen nichts von Polütik und wollen auch davon nichts wissen. Die Sache wäre mit Leichtigkeit zu schlichtest gewesen — wie alle anderen Konflikte dieser'Art,'die zu den 'täglichen Erscheinungen im heiligen Lande gehören —,» wenn die arabischen<st Diplomaten nicht von vornherein es darauf angelegt hätten, daraus eine große politckchL. Affäre zu machen' Vielleicht war sogar das der ganze^Zweck der Uebung^' Das mag schon richtig sein. Mm so weniger sollttzM wir den Moslemitenden Gefallen tun,, durch übermäßigen Lärm eine hohe Staatsaffäre aus dem Kpnflikte zu machen. Unser Recht, auf dem Platz vor der heiligen Mauer beten zu dürfen, muß gewahrt und geschützt werden. Für weitere nationalen Aspirationen sollte der Vorfall keinen Anlaß bieten. Es wird darauf hingerviesen, daß prominente Vertreter der islamitischen Welt an der Konferenz nicht beteiligt waren und andere sich vollkommen schweigend verhielten. Mit diesen vernünftigen und rechtdenkenden Elementen sollten die Verhandlungen ausgenommen werden, die, bei einigem guten Willen auf beiden Seiten, zu einem glücklichen Ende führen werden. Die Woche. VerNn. Auf der Weltkonferenz des Misrachi in Danzig ist der Beschluß, gefaßt worden, daß im Frühjahr kommenden Jahres eine vom Misrachi organisierte Gesellschaftsreise nach ErezJsrael veranstaltet werden soll. —Die „C. V.-Zeitung" teilt mit: Vor Monaten schon wurden, wie erst jetzt bekannt wirst,, auf dem jüdischen Friedhose zu P r e tz f e l d 20 Grabsteine umgeworsen; das neu hergerichtete Friedhofstor wurde schwer beschädigt. Wegen der zu späten Entdeckung waren Spuren der Täter nicht mehr zu finden. — Es wurde hier in diesen Tagen ein Verein „Beth Skeinim" gegründet, dessen Ziel es fein soll, eine H e i inst ä t t e für jüdische Greise und Greisinnen zu schaffen. — Vom vierbändigen Iüdis chenLexik 0 n des Jüdischen Verlags, Berlin, ist der zweite Band, der die Buchstaben D—H umfaßt. erschienen. —Dieser Tage erscheint auf Veranlassung der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" der erste Teil eines großangelegten Geschichtswerkes über „DieIckden im christlichen> Spanien" von Dr. Fritz B ä r , der im Aufträge der Akademie längere Forschungsreisen in Spanien unternommen hatte. — Der Schulvorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde beschloß die Übernahme der jüdischen Volksschule in der Rykestraße, die von einem Schulvereine gegründet und bisher erhalten wurde. Karlsruhe. Mit der Friedbofsschändung in E p - pkngen m Baden am 28. November hat die. Zahl der Schändungen auf jüdischen Friedhöfen 68 erreicht. Wien. In einer Massenversammlung protestierte die jüdische Studentenschaft gegen die Brüskierung der jüdischen Studenten oonseiten der Hakenkreuzler bei der Zehniahrfeier der Oesterreichischen Republik. Amsterdam. Vorstand und Mitglieder der Joodsche Sport- und Culturvereenigmg „Kadimah" Amsterdam sandten ein Schreiben an den Bürgermeister und Stadtrat von Köpenick, in dem sie gegen die Schändung des jüdischen Friedhofs protestieren. Prag. Auf einer Tagung des Verbandes der tschechoslowakischen Juristen sprachen sich 7 0 0 Iuristen gegen d e n R u m e - rus clausus aus und formulierten diese Haltung in einer einstimmig angenommenen Resolution. Paris. Am 27. November verstarb Senator Ferdinand Cremteux. Seit 1878 war er Mitglied der französischen Kammer und seit 1903 hatte er seinen Sitz im französischen Senat. Eremieux bekannte sich offen zum Judentum. London. Am Samstag den 1. Dezember wurden in allen jüdischen Synagogen und Bethäusern Großbritanniens und Irlands ein .vom britischen Reichsrabbiper Dr. JIH. Hertz verfaßtes Gebet für die WiedergeneWrg des Königs'Georg, dessen Zustand sich iiMstesorgniserregender Weise verschlimmert hatHaesprochen. Moskau. Der Name der ChaliDm-- Kolonie „Tel Chaj" wurde, nachdem die Zionistisch gesamten Elemente aus .der Kolonie vollkommen'^ entfernt und durch Kommunisten ersetzt wurden, in „Oktober-Kommune" umgewandelt. Jerusalem. Der definitive Abschluß der amerikanischen 4 Millionen- D oll ar-Anlei he für die zionistischen Jnstttutnonen in Palästina ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Bekanntlich wurden wegen dieser Anleihe Verhandlungen mit 'der Mvxgan-?-Gruppe in Newyork geführt. — Vor kurzem ist der erste Transport palästinensischen Marmors na ch Amerika abgegangen, nachdem Versuche ergeben haben, daß der Palästina-Marmor den ameri- Bedürfmssen durchaus entspricht. Amerika. Der Synedrion-Plan der amerikanischen orthodoxen Rabbiner.;1 Newy 0 rk, 29. November. '! lÜ' Juden) als Hauptinstanz zur Entscheidung in jüdischen religiösen Fragen in der ganzen Welt betonte. Das Synhedrion soll sich nach der Meinung von Rabbiner Mendes aus Rabbinern, religiösen Gelehrten und Laien zusammensetzen. Än der Wahl der SynhedriomMitglieder soll sich die Judenheit aller Länder beteiligen. Für den Vorschlag von Dr. Mendes sprach sich auch Rabbiner. David de Sola Pool von der spanisch-portugiesischen Synagoge sehr warm aus. Dr. Mendes forderte zu einem Appell an die christliche Geistlichkeit auf, den Sabbat statt den Sonntag als den Ruhetag der christlichen Woche zu proklamieren, da ja auch der Begründer der christlichen Religion, den Sabbat gehalten hat. (Velde Ideen sind gleich utopisch. Red.). (ITA.) Aus Anlaß des 50jährigen Rabbinerjubiläums von Dr. P. Mendes veranstaltete der Verband der orthodoxen Kongregationen eine Feier, bei der Dr. Mendes in einer Ansprache die Notwendigkeit /der Wiedereinsetzung der jüdischen Synedrion (höchster religiöser Gerichtshof der Personalien. Hamburg, 26. November. Am Schabbos, den 4. Kislew ereilte uns die Trauerbotschaft, daß Bertha N u ß - bäum geb. Rosenstock in der voraufgegangenen Nacht sanft zur ewigen Ruhe eingeschlafen ist, nachdem sie noch den Freitagabend gesund und munter im Kreise ihrer Kinder verbracht hatte. Wer Bertha Nußbaum war, was sie bis zum letzten Tage ihres 73jährigen Lebens geleistet hat, wissen alle diejenigen, die ihr im Leben nahestehen durften, alle die der Hamburger Kehiloh angehören. Eine Tochter des noch im Gedächtnis aller älteren Hamburger Baale battim lebenden Menachem Rofenstock, eine Enkelin des Altonaer Klausrabbiner Reb Jecheskel Joelsohn V^xr» zeigte sie sich ihrer großen Ahnen würdig, führte sie ein, Leben, ausgefüllt mit Maaßim tauwim und Gmilus chesed im wahrsten Sinne des Wortes. 40 Jahre übte sie in der hiesigen Chewro Kadischa Langenfelde nns 'w Ion 20 Jahre von dieser Zeit war sie Vorsteherin der r-i-pjpnx o-*w> Neben dieser wahren Fröinmigkeit schmückte die Frau eine wirkliche Bescheidenheit und eine fast rührende Selbstlosigkeit. Immer nur an andere dachte sie, nie von sich sprach sie. Als in den letzten Monaten einmal ihr Wohlbefinden etwas zu wünschen übrig ließ, war es ihr schon zu viel, wenn man sich um ihre Gesundheit sorgte. Gebe es doch viele solcher Menschen, die soviel darstellen und so wenig aus sich gemacht haben wollen. — In der Familie war sie überall die stützende, helfende Frau, die man nie vergebens um Rat und Tat rief. In jungen Jahren den Geschwistern, ihnen die verlorene Mutter ersetzend, in späteren Jahren im eigenen Hause, dem Manne, den Kindern. Und wie begriff diese kluge Frau die heutige Zeit, wie verstand sie ihre Enkelkinder. Bertha Nußbaum hatte Verständnis für alles, was den jungen Menschen bewegt, ihr war ein feines sicheres Urteil in allen Dingen des Lebens eigen. Mit einem sprühenden Geist ausgestattet, mit einer bis in die letzten Tage ihres arbeitsreichen Lebens nie versagenden Schaf- ♦I A N N O C E JULIUS SCHMIDT ANNONCEN-BÜRO FRANKFURT-MAIN UHfiESIRASSE 7 TEL HANSA 4641 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN-ANNAHME FÜR FRANKFURTER GESCHKFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« U R O ♦ AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN.WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINAL.-PREISEN ANNAHME VON DRUCKSACHEN HANDEL»GESCHAFTE«PRIVATE FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLERISCHER AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ UND BUNT-DRUCK ♦

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