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Der Israelit · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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6. Dezember 1928 Nr. 49 Frankfurt a. 211., den 2s. m5i™ sw orthodoxe Judentum flfOI irtttfi tn CtHrtJni 11 l M Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Wonnement ab Januar 1924: Deutschland 1-Goldryqr!monatUch; Ausland: Bisrteliahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 1 sh.; ab 1. Juli Frankreich 26 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 8; Holland 3 st.; Italien ad l. > 28.18 Lire; Jugoslawien 66 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark tunt Tageskurs oder 7 Zloty. S hweiz 6 Fr. Tschecho-Slowaket 26 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab I.Juli 1037; Dänemark 3. n0 Krön; Norwegen 3.S0 «ton.; Schweden 8.60 Krön. Einzelnummer dreißig Goldysenni^e. direkt an den Verlag auf Poftscheckkonlo Franksur: (Istarn) str Warschau Nr. 190767. — Postscheckamt Zürich Nr. Vtll 7»54 — Inkasso-Ban? Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. - Der?,i"<chts Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldvf. für die stebengespaltMe Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Famtlienanzeige« nur 80Pf. Die 76 mm breite Reklamezeile r letzte Tertsette 1.60 Mk., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Ehiffregsbühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufende« Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inferatenannahme durch de» Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechneiarabenstratze 7, Tel. Hansa 6842 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Aul. Schmidt, Langestr. 7, ll, Tel. Hansa 4641. Platzvorichr. ohne Verbindlich?. Lrafk und Arbeit. Zur Gründung des Reichsbundes für jüdische Siedlung. Im Einleitungsgebete zum Segen der Mondweihe folgt, gewiß nicht ohne Absicht, auf die Bittre um nu«» bw. c>"N die andere um Lnm ^121 v'vtr? nrl-n hv- Ein Leben der Kraft, der sehnigen Muskeln soll die Basis fein für eine höhere Lebenslage der geistigen und sittlichen Kraft in Gott. Es. ist nicht zu verkennen, daß die Zeitströmung einem Leben des rviaxsr p^n heute weit günstiger ist als der Arbeit auf dem Ackerboden dcs Geistes. Auch in der jüdischen Gasse spielt heute, die Pflege der Fußfertigkeit eine ungleich größere Rolle als die der Kopfarbeit. Sport- und Spielplatz befinden sich zum Lehrhause heute noch genau so in feindlich konkurrierender Stellung, wie damals, als der große Makkabäer das Schwert gegen den Olympus in Judäa erheben mußte. Wir haben es heute bis zu Sport-- und. Kraftvereinen gebracht, die unter dem Namen „Makkabi", „Hakoah" oder „Bar Kochba" die, Kraftmeierei zur Lebensanschauung, erheben,! ja, mit dem Makkabischild sich bei Olympiaden Lorbeeren zu holen bemühen. Uns scheinen diese Spielereien bestimmter Personengruppen weit harmloser, als die starke Neigung unter der jüdischen Jugend in Stadt und Land, sich ohne Kopfzerbrechen über nationale oder andere Probleme von.der allgemeinen Welle der „körperlichen Ertüchtigung", die nach dem Kriege die mit dem Verschwinden des Militarismus entstandene Lücke im Weltenraume ausfüllen soll, sich tragen, oft genug sich von jüdischem Leben und jüdischer Betätigung weitweg tragen lassen. . Als nach Friedensschluß aus harter, trauriger Notwendigkeit heraus die jüdischen Teilnehmer am WeOtyege sich zu einem Bundejüdis ch e r Hr o nts o l d at e n formten, lag die Gefahr eines einseitigen Verfüllens in den Kult der sportlichen Betätigung für den Verband genau so nahe, wie für alle anderen, nichtjüdischen Gebilde, die, aus Kaserne udn Schützengraben hervorgegangen, mit oder ohne völkische Ambitionen, die Lebensaufgabe hatten, die Arme zu recken, die Fäuste —zunächst inder Tasche — zu ballen urtö mit stumpfen Säbeln zu rasseln. Es ist, Gott sei auch dafür gedankt, etwas anders gekommen. Der jüdische Frontbund hat, wie sein Vorsitzender neulich auf einer großen Versammlung wehmutsvoll konstatierte, es erleben muffen, daß der Boden, den die jüdischen Krieger mit ihrem Blute verteidigten, jetzt geschändet wird. Er hat andere Sorgen und andere Aufgaben. Aber er würde sich selber bagatellisieren und zum Untergänge verurteilen, wollte er sich nur auf eine Verteidigungslinie zurückziehen und von dort aus eine Abwehrarbeit leisten, die vom Zentralverein und vom Abwehrverein schon längst und sogar recht gut besorgt wird. Der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" hat sich nach einigem Suchen und Ringen zu positiven Zielen durchgearbeitet, die Beachtung und Unterstützung aller jüdischen Kreise und Schichten in Deutschland verdienen, welche er mit Recht zur Mitarbeit aufruft. In der großen Berliner Versammlung am 23. ds. wurde vom R. j. F. der Reichsbund für jüdische.Siedlung in Deutschland gegründet, mit dem Zwecke, alle Möglichkeiten zu schaffen, die zu einer ungestörten Siedlungstätigkeit notwendig sind und der bereits bestehenden Siedlungsgesellschaft -„Jüdische Landarbeit G. m. b. H." die Wege zu seinen weiteren Zielen zu ebnen. Schon in den nächsten Wgchen.soll mit dem Ansiedeln wohlerprobter jüdischer Landwirte und Gärtner auf geeignetem deutschen Boden begonnen werden. Während die Gesellschaft „Jüdische Landarbeit" die Ausbildung und Ansiedlung des dazu berufenen Elementes übernimmt, hat der vom R. j. F. geschaffene S i e d l u n g s r e i ch s b u n d die Organisation des großgedachten Siedlungswerkes in. Händen und bildet den großen Rahmen, innerhalb dessen alle Kräfte, von verschiedenen Richtungenkommend, sich zur Verwirklichung des Planes betätigen können. Alle Bestrebungen gehen darauf hinaus, aus Wurzellosen zufriedene, kraftvolle jüdische Männer und Fr au enzu machen. Bedarf es der Erwähnung, daß für den jüdischen Menschen nicht die Scholle allein einziger und alleiniger Garant der Kraft und Zufriedenheit sein kann? Ihm muß auch die geistige Scholle erhalten werden, ohne welche er doppelt entwurzelt ist, auch wenn er die dicksten Rüben und Kartoffeln aus fernem Acker ziehen soll. Der R. j. F. hat daran gedacht und diesem entscheidenden Umstande damit Rechnung getragen, daß er zur großen Versammlung und zu der Gründungsarbeit auch G esetzestreue und Vertreter der ausgesprochenen Orthodoxie eingeladen und mit herangezogen hat, und man darf hoffen, daß deren Anregungen nicht nur Gehör, sondern auch volle Beachtung finden, wenn nicht anders das neue Gebilde seelenlos verkümmern soll. Wie man sich die nächste Arbeit denkt, darüber macht der Domänendirektor S. D y k einige Mitteilungen: Die Siedlungsaktion soll zunächst in kleinerem Maßstabe und nur mit ausgebildeter, ertüchtigter Jugend geführt werden. Später erst wird man daran gehen, größere Massen jüdischer Menschen auf die Scholle zu bringen. Für die Unterbringung von einer Anzahl Personen als Gärtner innerhalb einer größeren Siedlungsgesellschaft ist bereits gesorgt worden; das Kapital hierfür ist sichergestellt. Gegenwärtig wird wegen des Erwerbs eines 1500 Morgen großen Waldgutes verhandelt, das für die Unterbringung von 40 bis 50 Siedlern ausreichen würde. Die jüdische Jugend ist dieser Aufgabe gewachsen. Der Jude wird, wie überall, auch in der Landwirtschaft produktiv sein«. Das sind zunächst kleine Anfänge, die aber guten, zukunftverheißenden Ansatz bilden. "Ni -irr» ,w in'inrri ivL» in'wrn Es darf nicht übersehen werden, daß die geplante Siedlungsarbeit auf breiter Grundlage und unter den Voraussetzungen, wie wir sie oben andeuteten, als das einzige Mittel erscheint, um das Gespenst des Unterganges, wie es die Zahlen der Statistik längst für die deutsche Judenheit an die Wand malen, zu bannen. Das sprach u. a. auch ein Eingeweihter, Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred N e u m a i e r, aus, der als Präsident des bayrischen Landesverbandes einige praktische Erfahrungen mit den jüdischen Landansiedlungen in Bayern hat. Wenn dann der Vertreter des V o r st a n d s der Berliner Jüdischen Gemeinde von der Gründung auch eine g e i st i g e und seelische Regenerierung erhofft, so wollen wir gerne glauben, daß dieser „geistige, und seelische" Wiederaufbau in unserem Sinne gemeint ist. „Jka", Z e n t r a l v e r e i n und auch Zionistische Organisation sagten ihre Mitwirkung zu. Stellt letztere ihre Erfahrungen auf kolonisatorischem Gebiete zur Verfügung, ohne den Ehrgeiz zn verspüren, dafür „die gei- * stige und seelische Regenerierung" zu überwachen und zu beeinflussen, so kann auch diese willkommen fein. Am wenigsten wird das Siedlungswerk der Mitarbeit der auf diesem Gebiete bestens erprobten I k a entbehren können.

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