Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1928)
- Date
- 1928-11-29
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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A J a,r«.lif ustrierle Deifa^e zum,, \ Z.dXQ Unsere Bilder. 1, 2, 3. M in k o w sky -ist ein junger, viel versprechender jüdischer Künstler aus Uri-garn, der in Antwerpen und Berlin mitprößtem Erfolge ausgestellt hat. Das Titelbild zeigt Äe jüdische Frau, die verklärten Gesichtes, verzückt, nach' den Lasten und Mühen der Woche iin -eine andere, höhere Welt versetzt, die S a b - batlichter anzündet und damit einen Tag der Ruhe und Wo nne für das Familienheim «inleitet. Das z weite Bild des gleichen Künstlers zeigt uns die Familie beim frugalen Mahle. Aus Bild 3 sitzen Mann und Frau in beredtem Schweigen. Minkowsky nennt dieses Bild „Erinnerung". In den Mienen dieser.leiderfahvenen Golusmenschen sitzt die Erinnerung an schweres Erleben, vielleicht an Entsetzen der Pogrome All diese drei Bilder sind der ungarischen Jeitschrist „Mult es Jövö" entnommen. 4 und 5. Ueber die Errichtung und Einwei- -, hung der neuen großen Synagoge in' Amsterdam Ost haben ,mir bereits berichtet. Die Bilder 4 und ^6 zeigen uns die Außenansicht des grandiöfen Baus, wie «inen Teil der herrlichen Inneneinrichtung. , 6. Der Grandrabbin von Kairo, Raphael A h r o n, ist vor - kurzem in Tel-Awiw, wo er seine letzten.Lebensjahre ^verbrachte, gestorben und . in Jerusalem zur ewigen Ruhe bestattet worden. Wir haben in einem eingehenden Artikel den Mann und sein Wirken gewürdigt. 7. In einigen Wochen wird Sir John R o b er t E h a n ee l l o r, der neue Oberkommissar von Pa< lästina, fein hohes Amt in Jerusalem antreten. Der dritte Oberkommissar, dem ein guter Ruf als : Mensch und Politiker vorausgeht, wird die Traditior en von Herbert Samuel und Lord Plümer fortsetzen. 8. A i me Pail l e re, der Verfasser des „Unbekannten Heiligtums", Vertreter des Gedankeneiner Kulturmenschheit auf Grund der noachidischen Gesetze, weilt zur Zeit in der Schweiz, wo er in Vorträgen seine Ideen popularisiert. Das. Bild zeigt den Mann, eine seltene Erscheinung im Kulturleben, bei der Arbeit.' - 9. Von der -O mar - M o sch e e war in letzterer Zeit im Zusammenhang mit den Vorgängen an der Klagemauer vielfach die Rede. In der Omar-Moschee befindet sich der E b e n Sch e t i j a- Stein, der die Stelle unseres Tempelheiligtums andeutet.. Der „Eben Schetija" wird in Talmud und Midrasch als Mittelpunkt der Welt und Ausgangspunkt der Welterschaffung bezeichnet. Auf diesen Stein hätte, nach der -talmudischen Agada, Jakob auf der Flucht vor Esau den -Kopf zur Ruhe hingelegthier ging auch die Opferung Isaaks vor sich. Auf dem „Eben Schetija", -der sich im Allierherligsten des pL'tri MI befand, stand die heilige Lade, die im zweiten Tempel fehlte. Der Stein hat. heute ein Ausmaß von etwa 30 Fuß mit zwei Ausläufern von <4—Ä Metern nach Norden und Süden.' Cr ist mit einem Gitter umgeben, so daß die Beter mcht nähe heran können,. Unter dem ScheÄja-St^n befindet sich (nach Angabe von Lunz) eine Doppelhöhle, in die einzütreten> keinem erlaubt ist. Manche Forscher vertreten die Ansicht, daß es sich bei diesem Steine nicht üm dän- Schetijah, sondern nur um einen Rest des Op s e raltars handelt. Dschungeljuden. Hon John W. Vandercook. *) Wegen der Büschneger kam ich nach HolländischLGuyana; die Weißen, selbst wenn sie ein wenig braun getönt waren, interessierten mich herzlich lvenig. Aber als mir in Paramaribo einer stolz erklärte, er sei Jude, war meine Neugierde geweckt. Und als er mir erzählte, nicht weit von da, im Dschungel, befänden sich die Reste der ersten Minrorvsky: Lichtbenschen. jüdischen Stadt in der westlichen Halbkugel, nahm ich mir vor, Südamerika nicht eher zu verlassen, als his ich die Stätte jener vergangenen Größe besucht hatte. Kurz nachdem man Surinam hinter sich hat, wenn man sich auf, dem Wege ins Innere befindet, passiert Matt die letzte menschliche Wohnstätte. Der schlummernde Wald, der die Ueberreste der „Baddo-(Juden-)Savänmah" verbirgt, wird selten *) Aus dem Novemberheft der „Menorah", Jüdisches Familienblcrtt für Mssenschaft, Kunst und Literatur, Berlin-Wien. von Emdringlmgen aus seiner Ruhe aufgestört. Die Buschneger, ein mächtiges, unabhängiges Volk, haben sich viel tiefer in den Dschungel zurückgezogen. Die Weißen sind auf den Küstenstreifen beschränkt. Wir fuhE auf unserem schnellen Dampfboot eine ganze Nacht und tief in den heißen Vormittag hinein gegen die kräftige Strömung, ohne einem einzigen menschlichen Wesen zu begegnen. Meile auf Meile zog sich der dichte grüne Dschungel an beiden Usern dD gelben Flusses hin. Hie und da sprang mitten im Flusse ein Fisch; ein Keil grüner Papageien flog in der Richtung zum Meer; irgendwo in der grünen Einsamkeit kreischte und jammerte ein Trupp roter Brüllaffen. Die Sonne stach. Schließlich zeigte sich Nassis Eiland nach Mer Biegung des, Flusses, ein steiles, kleines Vorgebirge, wie ein Kap. Das Boot landete im schwarzen Schlamm des östlichen Ufers. Die spärlichen Besucher haben einen undeutlichen Weg vom Flusse herauf ausgetreten. Diesem folgt man durch das schimmernde grüne Dunkel des Dschungels. Hie und da bricht man Zweige ab, um den Rückweg zu markieren. Die Schatten sind ttef, die Dornen stechen. Rach einem Kilometer 'etwa sieht man durch das Buschwerk etwas Weißes flimmern. Man drängt vorwärts, bricht durch die Büsche und steht vor dem alten Friedhof des Kahal Kadosch Berachah we Schalom, der „Heiligen Gemeinde des Segens und des Friedens". Von Flechten überwachsene Marmortafeln mit den stolzen Reihen hebräischer Schriftzeichen künden noch deutlich Namen, Daten, Schicksale. Ein unheimlicher weißer Engelsflügel reckt sich aus dem Stamme eines starken Baumes, der alles übrige von dem offenbar groß, angelegten Denkmal verschlungen hat. Einzelne Bruchstücke von» Ziegel und Marmor liegen zerstreut. Selbst ein Jahrhundert tropischer Flora hat die Spuren der ersten jüdischen Gemeinde in der Neuen Welt nicht auslöschen können. Niemand hat sich je die Mühe genommen, die Steine zu zählen oder die alten Inschriften zu lesen. Ich konnte sie nicht verzeichnen, denn ich bin des Hebräischen nicht kundig. v Nicht weit entfernt steht die Synagoge, bloße Schale vergangener Herrlichkeit. Das Ziegeldach ist eingefallen, die Wände sind durch die Schlingpflanzen des Dschungels gesprengt und zerfressen, wie von einer Beschießung.^ Ein großes eisernes Schloß liegt auf -einem Haufen Schutt, der einst ein steinerner Hund gewesen sein muß. Aber der Grundriß des edlen Gebäudes ist noch deutlich.