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Der Israelit · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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15. November 1928 Der gesamte Boden im Ausmaße von 4225 Dunam ist im Besitz der Aguda. Davon werden zur Zeit 1600 Dunam dank der Hilfe der Herren Hirsch und Nußbaum au § Halberstadt bearbeitet. Demnächst soll der ganzeKomplex in Arbeit genommen werden Bei Wiederaufnahme der Sitzung referiert Herr L. Münster über das K e h i l l o w e s e n. Er. gibt einleitend einen geschichtlichen Ueberbliä über die Gestaltung der religiösen Kehilla und charakterisiert die Unsinnigkeit des Bestrebens, der Kehilla partout einen weltlichen Charakter zu geben. Die Lösung aller sozialen und gesellschaftlichen Ausgaben obliegt der Kehilla, gegründet kann sie aber nur auf dem Fundamente der Religion sein. In Wirklichkeit befinde sich zur Zeit die religiöse Struktur der Kehilla in Gefahr, da es Religionsfeinden verschiedener Art gelungen ist, die Führung an sich zu bringen. Unverständlich sei die Passivität der Regierung in der Sache. Eine ständige Gefahr bedeutet der geplante Oberste Religiöse Rat. Der Vorsitzende gibt Kunde vom Ableben des Lodzer Dajan, Rabbi Jeschaja Lust mannet und hält ihm einen warmen Nachruf. Darauf ergreift Herr A. B.,Eckermann das Wort zu seinem politischen Referat. Er gibt einen genauen Ueberblick über die derzeitige politische Lage, wie sie sich aus den letzten Sejmwahlen ergibt. Die Tatsache, daß eine mächtige polnische Partei zwei jüdische Kandidaten auf ihrer Liste aufstellte, eröffnet eine neue Aera in den Beziehungen des polnischen Volkes zu den Juden. Er schildert den unerträglichen Steuerdruck, unter dem die Juden am meisten zu leiden haben und geht dann auf die ökonomische Arbeit der Aguda über. In einer Resolution macht er praktische Vorschläge zur Gründung von Kreditbanken. Darauf spricht im Namen der Chisuk Hadas- Kommission deren Vorsitzender, Rabbiner Kalmanowitsch aus Rakow. Er bespricht die Angelegenheit von Sabbat, Kaschrus und der Familienreinheit. Unter Tränen schildert er die öffentlichen Sabbatentweihungen der Straße. Unter dem Eindruck dieser Worte wendet sich der Vorsitzende an den im Saale anwesenden Referenten im Bildungsministerium mit der Bitte, dafür zu sorgen, daß in den Gemeindebudgets die. Posten für die Sabbatvereine nicht bestritten werden. In der weiteren Debatte wünscht der Tilischker Raw eine Mensa für Jeschiwajünger in Warschau. Herr B. W. Hendeles legt ein Wort ein für den „Jud", Dr. Nimtfchewitfch unterstreicht noch einmal die Lebensfrage des Chinnuch und Herr L. Fromm von den „Poale Agudas Jisroel" wünscht, daß auf eine Milderung der Sonn- , tagsruhe, wie der Zunftverordnung hingearbeitet ' wird,'welche letztere ein schweres Hindernis für ' die orthodoxen Handwerker bedeutet. . ,;; ,i Donnerstag früh um 9 Uhr, trat man näch dreitägjger Arbeit zur sechsten und letzten Sitzung zusammen. ' Zunächst wird die Generaldebatte ■ fortgesetzt und zu Ende geführt. Den Vorsitz übernimmt Herr Jizchok Meier L e w i n , der unter lautloser Stille auf die Kritik der einzelnen Redner antwortet. Die Krittk hat die Leitung nicht verletzt und überrascht. Die Agudabewegung sei "über die Führer hinausgewachsen. Man habe absichtlich kein Vertrauensvotum beantragt. Wenn andere, frische Kräfte an die Spitze kommen, so würde es die gegenwärtige Leitung sehr begrüßen. Unberechtigt sei der Vorwurf, der A. E. hätte gegen den Willen des Rabbinischen Rates gehandelt, der nach wie vor die höchste Instanz bleibt. Wenn man dem A. C. bei den letzten Wahlen tatkische Fehler vorwirft, so seien daran nicht minder,die Massen schuld^ die Mangel an Disziplin 'zeigten und kMe genügenden finanziellen Mittel berettstellten./'Zusammenfassend hatte, die Konferenz zwei Aufgaben:.den jüdischen Willen zu demonstrieren und die Richtlinien für die weitere Arbeit aufzustellen. Alle Kommissionen haben kräftig gearbeitet und das. Resultat ihrer Arbeit wird jetzt der Konferenz in der.Form von Vorschlägen zur Abstimmung vorgelegt werden. Der Israelit _ Platter _ Utatmann S. M. Prager referiert darauf über Statutenänderungen, die nur formellen Charakter tragen. Die Organisation soll fortan nicht mehr „Schlome Emune Jisroel", sondern glatt Agudas Jisroel heißen. Unter Vorbehalt der Genehmigung vonfeiten des Rabbinischen Rates wird der Vorschlag einstimmig angenommen. .Alle weiteren Vorschläge in Sachen der Erziehung, wie aus wirtschaftlichem Gebiete werden ebenfalls angenommen. Das zurücktretende Zentralkomitee erhält Entlastung und mit allen Stimmen, bei Stimmenhaltung der Zeirim und Poalim das Vertrauen. Eine Resolution zur Unterstützung des „Jud", ebenso eine Resolution des Rakow er Raw für Chisuk Hadaß, ferner Resolutionen der politischen Kommission werden angenommen. Zu letzteren gehören eine Intervention bei der polnischen Regierung zur A e n - derung des Steuersystems und eine Protestresolution gegen die Vorgänge an der Westmauer. Es wird beschlossen, einen Appell an die polnische Judenheit zur Unterstützung des Keren Hajischuw zu erlassen. Eine andere Resolutton appelliert an die jüdischen Fabrikanten, jüdische Arbeiter änzustellen und zu beschäftigen. Mit Abschiedsreden des „Sokolower Rebbe" und des „Pietrokower Raw", die stehend angehört werden, nähert sich die Konferenz ihrem Ende. Darauf wird das Zentralkomitee nach der vom Permanenzausschuß vorgelegten Liste e n bloc gewählt. Die letzten Schlußreden halten Rabbiner Menachem S e m b o, Herr I. M. L e w i n und der Rzeszower Raw, Rabbi L e - w i n. Damit erreicht die Konferenz in gehobener Stimmung ihr Ende. , - _ Gründung einer Agudas Zisroel-Irauengruppe in Hamburg. Am raw den 3. November, wurde in Hamburg eine Agudas Jisroel-Frauengruppe gegründet. Nach einem herzlichen Begrüßungswort durch Fräulein Helene Flörsheim, die Vorsitzende der Mädchengruppe, hielt Frl. Studienrätin Lilli Freimann ein Referat über Zweck und Aufgaben einer agudistischen Frauengruppe. Die Referentin führte etwa aus: Seit dem Kriege ist die Arbeit der Frauen und Mädchen innerhalb und für Agudas Jisroel erschreckend zurückgegangen. Dies ist umso bedauerlicher, als heute mehr denn je infolge des scharfen Daseinskampfes, der die ganze Kraft und Zeit her Männer absorbiert, den Müttern die Erziehung der Kinder obliegt. Soll die Mutter befähigt, sein, ihrem Heranwachsenden Kind, das schon früh den. Einflüssen vdn „draußen" ausgesetzt wird, an. dasschon früh Organisationen und Bünde werbend herantreten, kundige Beraterin zu sein, so müß sie gut Bescheid wissen. Sie muß wissen, was in der jüdischen Welt vorgeht, welchen Anteil die einzelnen Organisationen an diesem Geschehen haben, und sie muß über Tendenzen dieser Organisationen, die um ihr Kind werben, genau unterrichtet sein. Und so müssen die Mütter 'unserer Kreise gut orientiert sein über die Agudas Jisroel, die Organisation der Thoratreuen, sie müssen von Liebe zu ihr erfüllt sein, damit sie ihren Kindern diese Liebe vermitteln und ihnen die Entscheidung leicht machen können. Aber auch um ihrer selbst willen sollen sich unsere Frauen zusammenschließen. Aussprache und Aufmunterung durch Gleichgesinnte, Zusammenschluß stärkt die Kräfte der Einzelnen, macht sie bereit für dep Diensten den Gesamtheitsaufgaben und macht fitz' fähig, auch die werdende Generation für diesen Dienst zu aktimeren. Dies ist die Aufgabe .der Frapengruppe: Vermittlung der Ideologie der Agudas Jisroel, Arbeitsgemeinschaften, in denen alle Probleme der gesetzestreuen Frau und des gesetzestreuen Frauentums erörtert werden, Kurse und Lehrzirkel. Nr. 23 Sette 3 Die Referenten appellierte an alle Anwesenden, ihre geistige Müdigkeit zu überwinden, mit Liebe an die Gründung der Gruppe heranzugehen, mit dem Willen, in ihr intensive Arbeit zu leisten. Nach kurzer Diskussion wurde die Gründung der Gruppe, der sofort ca. 30 Frauen beitraten, beschlossen. Die Leitung setzt sich zunächst aus den Damen Lilli Freimann, Käthe Jacobfen und Grete Wohlgemuth zusammen. Aus der letzten Sitzung der Bajs Zakob-Verwallung. (Ende August d. I.) (Schluß.) Das Seminar besteht zurzeit aus zwei Klassen. Der obere Kurs S 2.(25 Schülerinnen) lernt seit Peßach 1927, S 1, der untere Kurs (25 Schülerinnen) lernt seit Cheschwan 1927. Die Dauer eines jeden Kurses beträgt 2 Jahre. Bisher durchgenommener Lehrstoff S 2. Chumesch: sämtliche 5 Bücher der Thora, mit ausgewählten Erklärungen von, Rafchi und S. R. Hirsch. Es wurde auswendig gelernt: die 7,1222 in vpi die nw 'rvnmn mrcy die 111222 von Bileam und srtznrp 'MvsiV hrrivw (auswendig Gebet der Chana) rvn mos M2'8 ausgewählte mfr) ('2M2 '222 mibrmn w ’V?n 'll'iim». Hafthora zur laufenden Sidra a^nn* Iesaia: Kap. 1—7, Haftoroth von Jesaia (auswendig: 1, 2, 5, 6, 40). Biblische Geschichte von der Zerstörung des Reiches Israel. Nachbiblische Geschichte von der Zerstörung des Mikdofch rischon bis zu den Kreuzzügen und chre Folgen für die Juden (gelesen ausgewählte Stücke aus Saadja: maiöN msni Bachjahibn Pakuda min Gedichte von Gabirol, Jehuda Halevy, Rambam >2pm v Edern: Bericht über Verfolgungen während der Kreuzzüge, Chazarenbriefe, usw.). Pirke Owaus Perek 1—6. n 2 die Dinim des täglichen Lebens M2i6atrV* Tefillaus: die Tefillaus für die Wochentage und Sabbath, Hagada. pTTpi: np: 'S1& wn Hauptwort, Eigenschaftswort, regelmäßiges und unregelmäßiges Verbum, Sprachübungen. Jüdische Lektüre: Hirsch, 19 Briefe, Chorew, Auswahl aus gef. Schriften. Luzatto: Messilath Jischorim, Halevy: Kusari, 1. Buch, Zweig: Jeremias, Beer-Hoffmann: Jaakobs Traym, Heimann: Das Weib des Akiba. > Deutsche Lektüre: Zweig: Die Augen des ewigen Bruders, Hebbel: Herodes'Und. Mariamne, Schiller: Don Carlos, Lessing: 'Nathan der Weise, Goethe: Iphigenie, Shakespeare: Hamlet. Psychologie: Einführung in das Seelenleben mit besonderer Berücksichtigung der Psychologie des Schulkindes (Verstellung, Wahrnehmung, Anschauung, Assoziation, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Typenbildung ufw.) Lektüre: Gaupp: Psychologie. Geschichte der Pädagogik: Die wichtigsten Kulturströmungen und ihre Einwirkung auf die Entwicklung des Schulwesens. (Christentum, Reformation, Humanismus, Aufklärung usw.). Die großen Pädagogen des 18. und 19. Jahrhunderts, Rousseau, Pestalozzi, Fröbel usw. Lektüre: Rousseau: ausgewählte Stellen aus Emile, Salzmann: Kresbüchlein, Pestalozzi: aus Lienhard und Gertrud. Ellen Key: Das Jahrhundert des Kindes. Th. Mann: Ein Tag aus dem Leben Hanno Buddenbrooks. Methodik: a) allgemeine. Methodik: Einrichtung des Schulzimmers, Klassenbuch, Stundenplan, Lehrplan, Frage, Antwort, Disziplin, Lohn und Strafe, b) spezielle Methodik: Das erste Schuljahr. Method. Anweisungen, Uebungen und genaue Verteilung des Lehrstoffes für Lesen, biblische Geschichte und Schreiben.

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